WünsLe für Kaiser Friedrich III. und bittet das Haus um die Ermächtigung Se. Majestät im Namen des Herrenhauses die Gefühle treuester Anhänglichkeit und Ergebenheit aussprechen ju dürfen. Zum Schluß bringt er ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät, Kaiser Friedrich III aus, worin die Versammlung begeistert einstimmt. Der Tag der nächsten Sitzung ist unbestimmt.
Wien, 12. Marz. Die zwischen Kaiser Franz Josef und dem deutschen Kaiser Friedrich fosort gewechselten Telegramme gaben der persönlichen Freundschaft beider Monarchen warmen Ausdruck und bestätigten den unveränderten Fortbestand des Bündnißverhältnisses.
Bern, 12. März. Beide eidgenössische Räthe wurden mit Ansprachen des Präsidenten eröffnet. Im Nationalrathe sagte Präsident Kurz-Sargans: Wir stehen vor einem weltgeschichtlichen Ereignisse, dem Htnscheiden des deutschen Kaisers Wilhelm. Wir begreifen, daß unsere Nachbarn schmerzerfüllt am Grabe ihrers Herrschers stehen, der sie zur Einigung geführt. Ich bin überzeugt, daß ich der Gesinnung des Schweizer Volkes Ausdruck verleihe, wenn ich der befreundeten deutschen Nation unser aufrichtiges Beileid ausspreche und damit die besten Wünsche für die Genesung des nunmehr regierenden Kaisers verbinde. — Im Ständerathe sagte Gaoard-Genf: In Deutschland ist ein Ereigniß eingetrcten, das ganz Europa tief berührt, in Anbetracht der freundnachbarlichen Beziehungen, worin wir mit Deutschland stehen, halte ich mich für vollberechtigt, in Ihrem Namen zu erklären, daß der Ständerath die Gefühle des Betleids theilt, welche der Bundesrath gegenüber der deutschen Regierung bekundete.
Petersburg, 12. März. Der Kaiser wird bet den Beisetzungsfeterlichkeiten in Berlin durch den Großfürsten-Thronfolger vertreten sein. Es treffen außerdem in Berlin die Feldmarschälle und Großfürsten Nikolaus und Michael nebst Sutten ein, Deputationen des kaiserlichen Milttärhauses, Generaladjutant Ehakooskoy, General der Suite Fredertks, die Flügeladjutanten Oberst Obolensky, Rittmeister Benekendorff, endlich Deputationen der drei Regimenter, deren Chef Kaiser Wilhelm gewesen.
Newyork, 12. März. Durch heftigen Schneesturm ist hier und in der Umgegend der Velkehr ,ast ganz unterbrochen. Die Telegraphenlettungen sind vielfach zerstört, die Eisenbahnverbindungen unterbrochen. Der Verkehr mit Washington stockt seit Mitternacht.
Lokale»
Gießen, 13. März. Der Kranz, welcher Namens der Frauen und Jungfrauen Guvens am Sarge des verewigten Kaisers Wilhelm ntedergelegt werden wird, ist bis morgen Vormittag 11 Uhr im Laden des Herrn Gärtner Berger am Lind'enplatz im Schaufenster ausgelegt.
Gießen 13. März. Die mündliche Maturitäts-Prüfung am hiesigen Gymnasium findet am 15. März, die öffentlichen Schlußprüfungen am 16 und 17 März stast Dem diesjährigen Programm ist eine Abhandlung des proo. Gymnasiallehrers Dr. Ganz, „Turnsaal und Exercier platz" behandelnd, beigegeben.
Gießen, 13. März. Ein Schwindler, angeblich Photograph, der sich Schneider nannte benutzte hier vor einigen Tagen die Abwesenheit verschiedener Officiere, um s,ch in' deren Wohnungen zu begeben und dort bei den Burschen gegen gefälschte Quittungen Geld für angeblich gefertigte Photographien zu erschwindeln, was ihm and) in einigen Fällen gelang. Der Fremde ist von mittlerer, untersetzter Statur, 25-30 Jahre alt, hat schwarzen Schnurrbart und rundes vollkommenes Gesicht, trug dunklen Anzug und Ueberzieher (Havelock) nebst schwarzem oder grauem niedrigen Fllzhut Im Gesicht soll der Menscb mehrere Schrammen (Kratzwunden) haben. Er dürfte dies Handwerk auch in anderen Garnisonen treiben und sei deshalb vor demselben gewarnt.
Gießen, 13. Marz. Heute Morgen sprang am Viebmarktplatz eine scheu gewordene Kuo oberhalb der Lahnbrücke in die hochgeschwollene Lahn. In der Nähe der Nübsamen'schen Badeanstalt trieb der Strom das Thier wieder an das Land, ohne daß es einen Schaden erlitt.
Vermischtes.
a $om Rhein, 12. März. Während noch vor einigen Tagen die allgemeinen Klagen über den niederen Rheinstand ertönten, befürchtet man heute schon die Gefahr einer Ueberschwemmung. Der Rhein und seine Nebenflüsse steigen sehr heftig: beute ist der erstere nahezu einen halben Meter gewachsen. Gleich schnelles -L-teigen wird vom Oberrhein, Neckar und Main gemeldet. Aus dem Mainkanal-wurden gestern aus den SLleußen die Nadeln entfernt und heute sind die Thore der Schleusen schon überfluthet, so daß der Betrieb eingestellt und die Keltenschleppschrfffahrt aufgehoben werden mußte. . _
Frankfurt, 12. März. Gestern Abend entluden sich tn einem Zwischenraum von 2 Stunden zwei schwere Gewitter mit Hagelschlag über unsere Stadt. Das erste gegen 6 Uhr Abends war von einer Heftigkeit wie man es nur im Hochsommer gewöhnt ist. Die Blitze zuckten unaufhörlich und erleuchteten den Himmel in weitem K^is Das zweite Gewitter um >/r9 Uhr war weniger heftig, aber auch von starkem Hagelichlag begleitet. Ein Gluck, baß in Gärten und Feldern noch nichts zu verderben ist der durch die Gewitter angerichtele Schaden wäre sonst sehr groß.
—' Ueber die letzte bildliche Aufnahme des Kaisers Wrlhelm, die am Freitag Morgen nach dem Hinscheiden des Kaisers durch Professor Anton von Werner erfolgte, erhält die „Voss. Ztg." von verläßlichster Seite folgende Schilderung: Freitag früh vor 8 Ihr wurde Anton von Werner durch einen Corpsgensdarmen auf höchsten Befehl nach dem Kaiserlichen Palais geholt. Als er dort um 8^/4 Uhr eintraf, war der Kaiser soeben verschieden. Vorn Großherzog von Baden, -welcher mit dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Schweden sich im Sterbezimmer befand, wurde er an das Sterbebett des Kaisers geführt, um denselben zum letzten Mal zu zeichnen. Der Kaiser befand sich in halbsitzender Stellung auf seinem schlichten Feldbett, nur mit einer Steppdecke bedeckt, bekleidet mit einer weißen Jacke, unter welcher eine dunkelrothe Unterjacke am Halse und der Brust etwas sichtbar wurde. Sein Antlitz war in still-m Frieden verklärt, wie das eines eben ruhig Eingeschlafenen. Eine Lampe beleuchtete den Kopf von der rechten Sette, während das trübe Morgenlicht gerade von vorn das Antlitz mit seinem bleichen Schimmer übergoß. Während Anton v. Werner zeichnete, knieten graubärtige Generale an der Seite des Lagers nieder und küßten die kaiserliche Hanb- die Drenerschaft wurde zugelassen und umstand laut schluchzend das Lager. Rächend nach füllte sich das enge, schlichte Sterbezimmer dicht mit Offizieren. Die
Kronprinzessin Wilhelm schickte einen Korb frischer Blumen, weiße Rosen und Maiglöckchen mit dem Befehl an Anton 0. Werner, damit das Sterbebett zu schmücken. Der Maler gab dem Kaffer drei weiße Rosen in die Hand und bestreute die Decke mit Maiglöckchen. Der Photograph Reichardt sollte darauf noch eine photographische Aufnahme machen und Professor Reinhold Begas nahm die Todtenmaske ab, als Anton 0. Werner das Palais um 11 Uhr verließ.
Köln, 9. März. (Ewald August König f-J Heute Nacht ist hier in Folge eines Gehirnschlages der auch unseren Lesern bekannte Romanschriftsteller Ewald August König gestorben. Derselbe war am 22. August 1833 in Barmen geboren und hatte, nachdem er das hiesige Friedrich-Wilhelms-Gymnasium besucht, durch die Verhältnisse genöthigt, sich dem Kaufmannsstande gewidmet und von 1854 an drei Jahre lang im Heere gedient, worauf er von 1857 bis 1868 in einem Handelshause in Elberfeld als Buchhalter thätig war. Im Jahre 1867 trat^er zuerst als Schriftsteller hervor und zwar mit humoristischen Skizzen aus dem Soldatenleben. Dieselben hatten einen solchen Erfolg, daß er sich entschloß, sich ganz der literarischen Thätigkeit hinzugeben. Unter dem Namen E. Kaiser gab er 1866 seinen ersten Roman „Der Deserteur" heraus, dem nun in ununterbrochener Reihe bis in die jüngste Zeit eine sehr große Zahl von Romanen und Novellen gefolgt ist. Von Neuwied, wo er 1871 seinen Wohnsitz genommen, siedelte er 1881 nach Köln über und gewann hier durch sein freundlich biederes Wesen auch persönlich viele Freunde, die seinen allzu frühen Heimgang aufrichtig betrauern. Auch die Tausende seiner Leser werden mit Bedauern erfahren, daß feine ungemein fruchtbare Feder nun für immer ruhen muß.
— Die Lebensoersicherungs- und Ersparnißbank in Stuttgart wird demnächst eine außerordentliche Generalversammlung auf den 6. April d. I. berufen, welche über die Frage der von der Direktion beantragten unentgeltlichen Uebernahme der Kriegß- Sefahr für sämmtliche Versicherte zu entscheiden haken wird. Der Verwaltungsrath er Bank hat diesen Antrag bereits einstimmig zum Beschluß erhoben. Das Streben der Bankleitung, jedem Versicherten die Aufrechterhaltung der Versicherung selbst im Falle des Krieges zu ermöglichen, wird von der Generalversammlung voraussichtlich freudigst begrüßt werden, denn bei der derzeitigen Wehroerfassung ist die Uebernahme der Kriegsgefahr eine unabwendbare Pflicht für die Lebensversicherung geworden.
— Die „grrrrande Nation“, welche an der Spitze der Cioilisation marschirt! Aus Paris, 9. Uiärj, meldet die „Köln. Zig.": Heute Mittag wurde eine unsagbar gemeine, Tod und Begrübnitz des Kaisers in schmutzigster Weise verhöhnende Illustration mit unsagbarem Text in Versen öffentlich verkauft. Der Ministerrath beschloß, gegen dasselbe als unmoralisch, die öffentliche Sittlichkeit verletzend gerichtlich vor- zugehen, und gab um 2 Ubr der Polizei Befehl, es überall^ mit Beschlag zu belege». Flourens sprach die tiefste Entrüstung über das unsagbare Schandwerk aus und sagte die strengste gerichtliche Verfolgung auch ckhne Stellung des Strafantrags von deutscher Seite aus zu und erklärte, daß die französische Regierung bereit sei, gegen gleiche oder ähnliche Machwerke überall gerichtlich vorzugehen, wenn die deutsche Regierung hierzu ihre Einwilligung gebe. Hiermit scheint dieser Zwischenfall beseitigt, der sonst in Anbetracht der unerhörten Gemeinheit der Beleidigung nicht ohne ernste Folgen hätte bleiben können.
Eingesandt.
Gießen, 13. März.
Freunde der Kunst machen wir auf das im Erker des Herrn Friseur Conrad (Mäusdurg) ausgestellte Bilo des gemischten Chores der „Bürger-Gesellschaft" aufmerksam. Die einzelnen Gruppen desselben sind zu dem passend gewählten Hintergründe (Gleiberg und Vetzberg) in echt künstlerischem Sinne zusammengestellt und gebübrt dem Verfertiger dieses Bildes, Herrn Wilhelm Becker (Gustav Backofen's Nachfolger) hier die vollste Anerkennung. s.
Dff - nachrichten.
Bremen, 10. März. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Lahn, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 29. Februar von Bremen und am 2. März von Southampton abgegangen war, ist gestern 11 Uhr Abends wohlbehalten in Newvork angekommen.
Elennneridi’s
Fletsch-Hxtract. Pepton u. i'.ouillon sind in kurz. Zeit bereits mit 16 Ehrendiplomen u. goldenen Medaillen ausgezeichnet worden.
Handel und Verkehr.
Gießen, 13. März Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfurd 0.90—0 95, Hühnereier pr. St. 5—6 H, Gänseeier St- 10—00 Käse or. St. 4-8H, Käsematte 2—3 Erbsen pr- Liter 19 H, Linsen 32 H, Tauben per Paar 80 bis 100 Hühner per Stück JL 0.90—120, Hahnen pr. Stück JL. 1.40—1.50, Enten per Stück 2.00—240, Gänse per Pfund 00—00 Ochsenfleisch per Pfund 58 bis 60 H, Kuh- und Rindfleisch 45—50 .^, Schweinefleisch 54—60 Hammelfleisch 40 bis 60 <3>, Kalbfleisch 40—46 Kartoffeln per 100 Kilo JL 5 00—5.50, Milch oer Liter 12—18 H, Weißkraut Stück 0-00 H, Zwiebeln per Gentner JL 12.00-18.00.
Einwohnerzahl: 19 002 (incl. 1600 Mann Militär).
Zusammen:
Erwachsene:
Es starben an:
Summa: 8
5
2 (1)
1 (1)
1
1
2 (1)
1 (1)
1
1
2
1
Bauchfellentzündung Lungenentzündung Lungenschwindsucht Altersschwäche Atrophie
Entzündung der Bronchien
Sterblichkeitsziffer: 21,9 %o. Kinder im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr;
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Wöchentliche Neberficht dec Todesfälle in der Stadt Gießen.
10. Woche. Vom 4. März bis 10. März 1888.
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Allgemeiner Anzeiger.
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Versicherungen auf den Todesfall, zahlbar noch einer bestimmten Reche von Jahren oder bet früherem Tode von Mk. 1000.— vis Mt. 100000.- für eine Person,
Vussteuer.Berficherungen von Mk. 100.- bis zu einer unbeschränkten Summe
Die Ueverschüsse fallen bei beiden Versicherungsarten voll und ganz den Versicherten zu.
Dividende der Todesfall-Versicherungen nach Plan AI: 35°/0 der gewöhnlichen Prämie — 42% nach Plan All; nach Plan A1II entfallen Gewinnantheile, die möglicherweise die Versicherungssumme übertreffen.
Nach Plan B wird die Prämienleistung alljährlich vermindert, so daß nach 33 Jahren voraussichtlich nichts mehr zu bezahlen, sondern vielmehr von da ab eine steigende Rente zu gewärtigen in.
Die von der Direktion beantragte unentgeltliche Uebernahme der Kriegsgefahr für alle Versicherte wurde vom VerwaltungSrath einstimmig genehmigt; die endgültige Entscheidung ist der auf b- April d. I. anberaumten »außerordentlichen Generalversammlung" vorbehalten. 21Ub
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