AK 292 Zweites Blatt. Donnerstag den 13. December 1888.
Aießmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. , „ , . _ . . PreiS Vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloha.
B«re»«r Schulstraße?. Erscheint täglich mit Ausnahme des Msntl-S. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 5OM-
Gießen, den 11. December 1888.
Betreffend: Die U-berwachnng der in fremde Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren, hier die Übersichten pro 1888.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a« di« »r-tzh«z-glich-n Bürg-rmeift-r-i«« d« »r-rl-s.
Unter Bezuanahme auf unser Aurschreiben vom 17. November 1880 (Gießener Anzeiger Nr- 273), vom 15. Marz 1886 (AmtrblaU Nr- 1) und oü BjL rginipineMatt Nr 59) fordern wir Sie zur al-baldigen Einsendung der UeberwachungSbogen bezüglich der m fremde Pflege
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w-rd-n, s° ist dieses anzuzeigen. v ° n G a g e r n. -
Deutschland.
nn. Tarmstatzi, 11. Eecember. (Prinz 2Ilejanber oon H-Iien.1 N-ch den gestern Mittag und beule Morgen über die Krankheit des Prinzen Alexander aus. gegebenen Bulletins hat sich der Zustand des hohen Kranken d»»" vcrschttmmerl. daß kaum noch Hoffnung aus Erhaltung des Lebens omhanden sein oll. Am Kranken lager des Prinzen befinden sich augenblicklich seine sämmtlichen Minder. Di Abreise des Großfürsten Sergius wurde bis aus Weiteres verschoben und überall ist man bestürzt über die rasche und schlimme Wendung, welche das Melden (Magenkatarrh mit Eomv icationen) genommen bat. Prinz Alexander ist wegen seiner populären und liebenswürdigen Umgangswetse im Volke überall beliebt und allenthalben hmt man nur die eine ^Stimme, daß recht bald durch Gottes Hilfe eine Wendung zum Besseren dntrCtC2)flTlo,e66n ausgegebene Bulletin meldet: Der Kräftezustand hat sich etwas 0C^Oben$atmftafrM9. December. Den neuesten Mittheilungen der Großh. Zentralstelle über die Ein ko mm en steuer kapi tollen des Landes für das Jahr 1888 89 entnehmen wir folgende Einzelheiten: „Das Gesammtemkommensteuerkapital des Grotzherzogthums beläuft sich auf JL 24.354,040 , banon entfallen «uf die Provinz Rheinhessen bei 72,248 Steuerpflichtigen v* 10,180,775, auf Starkenburg bei 80,8 Steuerpflichtigen JL 9,327,965 und auf Oberhessen bei 45 753 Steuerpflichtigen ii 4 845 3006 Roch im Jahre 1870 betrug in Hessen das Steuerkapttal JL 12,751,303, skd-ß sich dasselbe binnen 18 Jahren nahezu verdoppelt hat Grenzen wir die Ein fnmmenfteuerfaottaltcn nach den einzelnen Steuercommissariaten ob, dann hat das Steuercommissartat Mainz seit 18 Jahren die
Italien erlitten, im Jahre 1870 belief sich das Kapital noch auf X 1,872,814 6eQ n m 5 156 215 in diesem Jahre und entspricht dies einer Steigerung von 187,6 pCt., ^n ^lrn das Steuercommissartat Gießen mit 180,9 pCt., dann Offenbach mit 145 1 p6t und nun -ist Darmstadt mit 112,3 p®t. Steigerung seit den letzten ■ «W" wahren. Roch bedeutender sind die Steigerungen der Einkommerffteuerkapttalien !der ß\rmeinben • die meiste Steigerung im Lande werft dre Gemeinde Weisenau bei^Mainz auf Dorten stieg seit dem Jahre 1870 das
367 5 S dann kmnmt die Stadt Gießen mit 235,4pCt. (Woran mag das liegen/ Ander ar'ößeren WMHabenheit, die inzwischen eingetreten sein muß oder an was wobl sonstdann °bie »Stabt Eastel bei Mainz mit 230,3 pCt. dann die Stadt Mainz mit 197,4 pEt. Die Stadt Darmstadt kommt dann erst in 11. Linie mit einer Steigerung von 123,1 pEt.
Vermischtes.
— lieber das Kassen-Controlwesen in Detail-Geschäften hielt jüngst der Vor- sikende des Kaufmännischen Vereins in Wilhelmshaven, Herr Peper, einen anregenden Vortrag, aus dessen Ausführungen wir Folgendes entnehmen: Die vielseitigen Klagen ihm befreundeter Collegen über Veruntreuungen und Versehen in ihren Geschäften hätten ihn schon seit Längerem darauf sinnen lassen, ein Verfahren ausfindig zu machen, welches geeignet sei, diesen Krebsschaden, an dem schon Viele i" ^unde gegangur, zu bellen Aufgefallen sei ihm diesen Sommer bei einer Tour durch Oesterreich, baß dort sogar in den kleinsten Restaurationen jedem Gast über das Genossene, und sei es nur !?n Schnäpschen, stets eine Nota oder ein Block bezw. Abreißzettel gegeben.wurde Es habe ihn dies stets angenehm berührt, denn es documentire dieses Verfahren das Bestreben des Geschäftsinhabers, Versehen und Ueberooitheilungen Seitens seiner An- aeftellten zu vermeiden. Infolge einer Annonce sei er dann auf einen Kassen-Control' avvarat wie er ihn im Original voiführte, aufmerksam geworden. Dieser Apparat stamme'aus Memel. Derselbe beruhe auf dem Princip, dem Geschäftsinhaber von den von dem Verkäufer bewirkten Waaren-Umsätzen Kenntniß zu geben, ßetber ^be der in dem Apparat enthaltene Mechanismus schon in ^er elften fjalben Stunde versagt. Lrlerdurch psei ihm tndeß die Ueberzeugung gekommen, daß das Princip vervollkommnet werden und der Apparat eine Eonstruction erhalten müsse, durch welche ein Versagen ausgeschlossen sei. Es sei ihm nun gelungen, in dem gleichfalls vorgefuhrten Kästchen diese Jbe-n zu verwirklichen. Seine Erfindung beruhe auf drei Hauptpunkten, nämlich I daraus daß jeder Verkäufer seine eigene Kasse erhält; dies mache den Verkäufer nicht allein selbstoerantwortlich und selbständiger, sondern erhöht auch seine Aufm rk- iamkelt und halte ihn zur Ruhe und Ueberlegung an; 2. darauf, daß leder Verkäufer dem Prinzipal und dem Käufer eine gleichlautende Rota über alles Verkaufte giebt 3 ^uf der Einrichtung von Tabellen, vermöge deren bte bem ^rlnctPal 9i0ebenen ^o?as äußerst leicht summlrt werden können. Die summirten Tabellen geben sofort Auffchlutz über den Fleiß und das vom Verkäufer Gelieferte und gewahren eine leichte Prämiirung des Gefchäftsinteresfes durch Bewilligung von Umsatzprocen en. Nachdem der Vortragende noch eimn anderen Eontrol-Apparat genannt Detectlo, vorgezeigt der allerdlnas mit einem besser functiontrenden Mechanismus wie der erste Appa versehen ^war^ 7m Ueb7gen'aber'auf demselben Princip beruhte wurde eine a„?e Debatte und Kritik über das Eontrolwesen Überhaupt und über die voröefuyrten *-)inn irnte Insbesondere eröffnet als deren Ergebniß übereinstimmend die Ansicht zum Ausdruck Ä" baVbie^t nur g-ring-n Anl°»°k°st-n °-rknüpsi-EinsM^ artiger Controlsysteme für Detatlgeschäfte, gleichviel ob klein oder groß.
urbmttichcr Wich gt Seit zwölf Tagen werben, ber .W-I-r,-itung" zusolge,
in oerfchiedenen Stabttheilm Bremen» in weniger frequentirtm, wenn auch nicht en
legenen Straßen brutale Angriff- auf alleingchcnbe Frauen und Mäbch-n gemacht, bie in einem Falle fogar ein- fchwere Verletzung einer Dame zur Folge gehabt habm. Di- Polizei hat fofort in ben fraglichen Straßen Schutzmänner in FraueiMerdern umhergehm lassen, auch Beamte in Eivtl aufgeboten, um des Attentäters habhaft zu roCrbcn’_ Der fliegende Schlächterwagen ist etwas Neues in Berlin. Wie ein Möbelwagen aussehend, zeigt er innen einen vollständig eingerichteten Schlächterladen Appetitliche Kalbs- und Hammelskeulen, Schweine- rmd Rtnderviertel, Wurste und Gänse, auch Waage, Hauklotz und Bell fehlen nicht. So ausgestattet und für Jedermann zum Dienst bereit, fährt er durch die Straßen und erfpart den Kunden das Schicken^ fd)auerlid)e ©eene hat sich dieser Tage in der Eckernsörder Bucht abgespielt; dort wurden der Händler Jochims und der Fischer Mohl von einem orkanartigen Sturm überrascht. Der Sicherheit halber warfen sie den Anker aus allein das Tau riß den Jochims aus dem Boot und zog ihn in die F/uthen hinab Der- zweiflungsooll griff der Versinkende nach der ausgestreckten Hand seines Begleiters; in Todesangst erfaßte er sie und hielt sie mit eisernem Griff fast eine volle Stunde krampfhaft fest, nachdem der Tod schon längst eingetreten war. Nach einer qualvollen Stunde wurde dem Ueberlebenden endlich Hilfe zu Theil; er wurde von dem Griff deS Tobten befreit, allein sein Zustand ist ein sehr bedenklicher.
"Eine Wanderung durch die Gießener Weihnschts- Ausflellungen.
(Fortsetzung aus Nummer 290.)
Heber die Einwirkung des Rauchens auf das körperliche Wohlbefinden des Menschen sind die Meinungen so gethetll, daß es schwer halt, sich ein richtiges Urtheil zu bilden. Meist sind cs die eigenen Erfahrungen, die irgend einem Urthelle über den Werth des Rauchens zu Grunde gelegt werden. Die Einwirkungen des edlen KrauteS .Tabak" auf den menschlichen Organismus sind re n indto duelle denn während der Eine sozusagen schon mit drei Zügen aus einer Pfeife matt A J j
Andere, er müsse sterben, wenn er nicht immer qualmen könne. Jedenfalls liegt auch hier wie so oft, das Richtige in der Mitte, denn sogenanntes starkes Rauchen kann nie und nimmer dem Körper zuträglich sein und wenn es Leute giebt, die bei lanßem Rauchen doch alt geworden sind, so beweist das gerade so viel, als es Nichtraucher gegeben hat, die auch gestorben sind. Unter den verschiedenen Raucharten wird meistens der Pfeife der Vorzug gegeben. Die Tahakpfeife spielt in der Rauchwett eine hoch- bedeutsame Rolle, nach ihr greift der Mann sowohl nach des Tages Last und Muhen, wie nach einem fröhlich verbrachten Tage, sie erhöht seine Stimmung bei fröhlichen Anlässen ebenso, alS sie ihm als Trösterin in gedruckter Stimmung zur Seite steht. Ja wie viele Menschen, namentlich Künstler. Gelehrte und Schriftsteller waren nur zu den von ihnen verrichteten und von der Nachwelt bewunderten Arbeiten fähig, weil die Pfeife sie begleitete. Es ist angesichts aller Umstande, unter welchen die ^ab^- vseife benutzt wird, nur recht und billig, daß auch sie einen Platz am WeihnachtAische findet und hier sind es die gerade am Weihnachtsfeste so besonders in Anspruch genommenen Väter, Großväter und Onkels, von denen gewiß Manchem eine Freude be- ?5ttt wird, wenn an seinem Platze eine hübsche Tabakpfeife liegt Zu Spendern von Pfeifen sollen sich Söhne, Enkel und Neffen ganz vorzugllch eignen, wahrend die Pfeifen selbst bei M. Gregori L Sohn am Kreuz, Herrn. Kollner am Seltersweg, fs ff (Schäfer in der Marktstraße, I. Häuser in den Neuen Bauen und I-Mauser kn dir Lubwiastraße zu haben sftrd Von der kleinsten Pfeife, dem sog. Giftzinken oder Nasenwärmer, bis zur längsten Studentenpfeife, in allen
mit ben verschlebenartigst ausgestatteten Köpfen unb zu allen ^ffen sind die Vertreter des Vfeifenaefchlechts zu haben; in gleich großer Auswahl ouch Eigarrenspitze«, die aber so ziemlich überall auch da zu finden sind, wo bas eble Tabakskraut lose, in WC,eeineer4.^* beten Artikel als F-stgeschenke
SSM?stnben wttb, L7wShrenb ber F-tettag" je nach ihrer Beschaffenheit, in ben ihr g-bührenben G-ru» 0!ie6t Eimn Geruch unb Dust, wenn auch von „gmrr anberer Güte" wie °°n Tabak j c sn-nden auch bie Pflanzen unb Binbereien unserer Kunst- und
Ä»delLaLrtner Wer bie Blumen- und Pflanzenläben ber Firmen Carl Berger am Lindenplatz I. Noll Wwe. in ben Neuen Bauen, Georg SeHerswea und Chr. Pfeiffer am Neuenweg betrachtet hat, wüb stnden, baß die daselbst ausgestellten Topfpflanzen unb Blumensträuße so recht geeignet find, auf m-it-t finb- sie erhalten doppelten Werth angesichts der Murnern unb bluthenlosen WKMSWM I ja, Amor's Pfeile sind auch um Weihnachten herum gespitzt.


