Wege konnte es möglich werden, mit klarem Einblick das Nebel mit der Wurzel auszurotten und sicher keinen Krankheitskeim im Kehlkopfe zurückzulassen. Die Diagnostik des Innern Arztes hatte so srüh als möglich die Natur des Nebels klargestellt. Die chirurgische Hülfeleistung hatte den denkbar günstigsten Fall vor sich, einen vollkräfttgen, riesenstarken Körper, bei dem es galt, ein überaus kleines Gewächs von etwa 1/i cm. Durchmesser mit der Wurzel auszurotten. Der Sitz der Geschwulst, die am Stimmbandrande heroorragte, mutzte die Hinwegnahme sehr erleichtern. Keine Statistik kann die ganze Wahrscheinlichkeit dauernd günstigen Erfolges voll wiedergeben, die in diesem Falle bestand. Denn in keinem Falle war die Krankheit so früh, ich möchte sagen, im Keime erkannt, die Constitution des Hohen Kranken war die denkbar kräftigste. Alle Hilfsmittel standen zu Gebote. Es konnte fraglich sein, ob damals die Verletzung, welche nöthig war, sich nicht auf die Weichtheile beschränken konnte, oder ob man ein Stück des Schildknorpels mit htnwegnehmen mutzte. Ein schwerwiegendes Bedenken wurde nicht verschwiegen. Die Stimme muhte durch die Hinwegnahme des größeren Theils des einen Sttmmbandes Lauernd geschädigt werden. Aber was wiegt die Stimme im Vergleiche zum Leben! Zudem konnte, wie in ähnlichen Fällen, wohl dauernd heisere, doch laute Stimmbildung auch für später erwartet werden.
Am Abend des 20. waren alle Vorbereitungen für die Operation getroffen bis in's Kleinste. Am folgenden Vormittag sollte operirt werden. (Forts, folgt.)
Vermischtes.
A Mainz, 11. Juli. Die heute hier abgehaltene Generalversammlung des Landwtrthschaftlichen Vereins für Rheinhessen, welche nach verschiedenen Andeutungen in der Presse lebhafte Auseinandersetzungen über politische Fragen erwarten ließ, verlief ohne jegliche Aufregung. Der von einem Ausschutz ausgearbeitete Entwurf von neuen Vereinssatzungen, welche dem Verein eine größere Selbständigkeit wahrt, wurde ohne wesentliche Aenderungen angenommen und der seitherige Präsident und Vicepräsident Landtagsabgeordneter Möllinger von Pfeddersheim und Bürgermeister Hirsch von Alsheim per Acclamatton einstimmig wiedergewählt. Desgleichen wurden die Ausschüsse in der seitherigen Zusammensetzung wieder gebildet. Präsidirt wurde die von etwa 200 Mitgliedern besuchte Versammlung von dem Abgeordneten Möllinger. Als Vertreter der Centralstelle war Regierungsrath Nover erschienen.
— Heute während des ganzen Nachmittags und bis zum späten Abend tobte über die hiesige Gegend ein fürchterlicher Westfturm, der allenthalben beträchtlichen Schaden anrichtete.
— Aus der zur Zeit in einer Anzahl von etwa 250 Personen hier tagenden 6. Hauptversammlung des Verbands der Seifenfabrikanten Deutschlands ist ein Beschluß erwähnenswerth, nach welchem fleißigen unbemittelten Schülern aus der Verbandskasse Stipendien zu dem Besuch der Fachschule in Chemnitz gewährt werden sollen. Die übrigen Verhandlungsgegenstände betrafen lediglich interne Verbandsangelegenheiten.
Aus dem Amte Gladenbach. Wie stark in unserer Gegend der Aberglaube und der Glaube an Hexerei ist, beweist folgende merkwürdige, wohlverbürgte Geschichte: In dem nahe gelegenen Dorfe E.. bach verendete vor einiger Zeit ein junges Schwein an der Bräune. Sofort vermuthete man, das Thier sei behext gewesen. Diese Ver- muthung wurde noch bestärkt, als kurze Zeit darauf demselben Besitzer eine Ziege erkrankte und ebenfalls verendete. Das tobte Thier wurde nun aus seinem bisherigen Stalle in einen danebenliegenden Stall gebracht; doch wer beschreibt den Schrecken der guten Leute, als sie gleich darauf beim Betreten des Stalles die Ziege wieder an ihrer gewohnten Stelle fanden. Dies war ihnen unerklärlich; doch es sollte noch ärger kommen; das Thier wird nun abermals in den anderen Stall gebracht, um kurz darauf wieder im ersteren vorgefunden zu werden. Dieser Vorgang wiederholte sich noch vier- bis fünfmal, vergebens zerbrachen sich die Leute die Köpfe, sie konnten sich das Räthsel nicht anders erklären, als daß das Thier behext sei. Um diesen Spuk zu bannen, entsandten die Leute in ihrer Bedrängniß eine Deputation an den Schäfer in H......,
welcher schon oft in ähnlichen Fällen Rath und Hilfe gewußt hatte. Allein der Mann erklärte, diesmal nicht helfen zu können, denn die Hexe habe „zu hoch gegriffen", nämlich aus dem siebenten Buche Mosis, darüber könne er nicht hinaus; deshalb gebe er die Sache „oab". Inzwischen ging der Spuk lustig weiter. Bald war das Vieh {2 Kühe und ein Rind) losgebunden, bald hatte das Rind seinen Standort verändert, bald waren die Ketten von den Krippen verschwunden rc., kurz, das ganze Dorf gerieth in Aufregung über diese unerhörten Hexereien — denn daß es hier nicht mit rechten Dingen zugehe, daran zweifelte kein Mensch. Die klügsten Leute im Dorfe ersannen scharfsinnige Maßregeln, doch keine half. So hackte man, um der Hexe einen persönlichen Schaden zuzufügen, der tobten, aus Furcht noch nicht verscharrten Ziege bas rechte Vorderbein ab, und als sich der Spuk gar auch auf die Kette, mit der die Ziege angebunden gewesen, erstreckte, beschloß man einmüthig, die Kette zu verbrennen, denn „dadurch verbrenne man das Herz der Hexe". Doch wurde die unschuldige Kette, die bereits weißglühend gemacht war, noch rechtzeitig vor dem Feuertode bewahrt, weil man befürchtete, „die Hexerei möchte auf die Menschen übergehen". (!) Ueberdies waren die Leute des behexten Hauses so sehr in Angst und Furcht, daß sie keine Nacht mehr in demselben zuzubringen wagten — außer einem 15jährigen Kindermädchen, welches im Hause blieb. Noch einen letzten Versuch machte man, Den Spuk zu bannen; man entsandte eine zweite Gesandtschaft an den Schäfer in E.....hausen, der wie sein
College in H. in der ganzen Gegend im Rufe eines mächtigen Hexenbanners steht. Dieser Mann nun gab den salomonischen Bescheid: Die Hexe sei — eine alte Frau {siel) mit einem schwarzen Tuch um den Kopf; dieselbe werde entweder am folgenden Tage zwischen 3 und 4 Uhr oder in einer der drei folgenden Nächte mit größtem Lärm in E. erscheinen! Damit zogen nun die Gesandten von dannen und verkündeten daheim den Orakelspruch. Darob herrschte große Aufregung. Doch vergebens wartete man am folgenden Tage, die Hexe erschien nicht, sondern trieb
Gehen die Meister darauf nicht
Etwas Näheres ist noch nicht
, . . - Auf bem Meriansplatze dahier kam cs gestern Abend zu einer argen Keilerei bei der das Messer wieder eine Rolle spielte. Ein gewisser Hoffmann stach einem Manne in die Brust. Der Thatcr ist flüchtig; der Verletzte liegt so schwer darnieder, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
— Unsere Stadtverordneten - Versammlung faßte gestern mit allen gegen fünf Stimmen den Beschluß, daß in Zukunft die besoldeten Stadträthe vom 1. bis n T DT, 7—Sabre 8000 M. und vom 13. Dienstjahre ab
10,000 -^Gehalt erhalten sollen. Der Bürgermeister soll 12,000 JC. und der Oberbürgermeister 18,000 Gehalt beziehen, dazu ersterer 1500,* und der letztere 3000** Reprasentationsgelder.
c s. c ?0- Juli. Die Kaiser-Regatta wird bestimmt am 29. b. M. hier auf der Lahn abgehalten Wie wir hören, bleibt bas Programm berselben aufrecht- erhalten, ^ur den Abenb ber Regatta hat bie Kurverwaltung bie berühmte japanesische Jongleur-Gesellschaft zu einer Vorstellung im Kursaale gewonnen.
«"^t -s feien im benachbarten Bockenh-im mehrere schwere Sittlichkettsoerbrechen verübt worben. ~ ---
bekannt.
am Abend wieder ihr Wesen, inbem sie bas Vieh losbanb u. s. w. Vergeblich wartete man auch Nachts auf bas Erscheinen ber gefürchteten Hexe. Da enblich faßten sich zwei Leute aus E. ein Herz unb verbargen sich Abenbs heimlich in ber Scheuer, um Die Hexe womöglich m flagranti zu ertappen, was ihnen auch gelang. Sie erwischten u £c' welche Nch als — — bas Kindermädchen entpuppte, welches int Hause geblieben war. Damit wäre ja nun die Sache genügend aufgeklärt, dock den guten Leuten in 6. fcötcn diese Losung des Räthsels viel zu einfach; nicht das Mädchen sei die eigentliche Hexe, sondern eine andere, welche das behexte Mädchen als willenloses Werkzeug zur.Ausführung des Spukes gebrauche. Diese Annahme schien um so richtiger ju sein, als das Mädchen schlauer Weise selbst es eingestand. Hoffentlich werden die Einwohner von E. recht bald die wahre Hexe zum Wohl der Menschheit entlarven, worr9n ?.ei. t^e?L^??arf£n,ne uicht im Mindesten zu zweifeln ist. Andere Leute aber, welche diese Geschichte erfahren, können kaum glauben, daß sie im aufgeklärten 19. Jahrhundert leben, sondern wahnen sich um einige Jahrhunderte zurückversetzt in die Zeit der Hexenprozesse und des Aberglaubens. (H. A.)
ort. k TT r t a. M., 11. Juli. Die Zimmerleute Frankfurts hielten gestern
Zbenb etne öffentliche Versammlung ab, in welcher bie Lohnfrage behandelt wurde. ^"r^^/!uer Versammlung vom 19. Juni war eine Commission ernannt worden, wegen der Lohnfrage in Verhandlung treten sollte. Von den "'schien nicht einer. Gestern wurde nun von der Versammlung etne Resolutton gefaßt, vom 1. August ds. Js. ab energisch einen Minimallohn von ^APfrtn^»nbenUnb 1? H Ordern. Gehen die Meister darauf nicht
ein so soll eine allgemeine Arbettsetnstellung erfolgen und mit Entschiedenheit durch- gesuhrt werden. v
Literarische».
— Auch dem Minderbegüterten zu billigem Preise die Kunstschätze der Gemälde- g°u-rien und Sammlungen zugänglich zu machen, ist ein Verdienst, dessen sich die rühmlichst bekannte Verlagshandlung von I. I. Weber (Verlag der „Jllustrirtcn Zeitung") in Leipzig wohl rühmen darf. In ihren „Meisterwerke der Holz- schnerdekunst , deren 111. bis 115. Lieferung uns eben vorliegt, wird dem Publikum Genuß geboten, wie es nur ein mit allen Fortschritten der Drucktechnik ausgestattctes Etablissement wie das Weber'sche es eben ist, bieten kann. Vorzüglicher Holzschnitt vorzüglicher Druck auf gutem Papier, bieten die Hefte mit ihrem Bilderschmuck und daran schließendem erläuternden Tert eine Zierde jedes Büchertisches. Dabei ist ber dr?,s ->->n einer Mark für bie Lieferung ein so äußerst mäßiger zu nennen, baß man wohl bie Erwartung aussprechen darf, bie Verlagshanblung möge sich bei ihren Voraussetzungen, bem Publikum eine wirklich gebiegene Arbeit zu billigem Preise zu bieten nicht getauscht sehen. 0 '
Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft.
4« U6r5r&§t«0C2lb6enb ^^ag 8« Uhr, Samstag Nachmittag
Hande» und Verkehr.
11- Auli. Rother Weizen pro Malter JL 15.60, weißer Weizen •* " 25, Gerste * 910, Hafer 7.55, Erbsen OOM Kartoffeln je 0.00. *
™ 3uIL Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln ver
Malter JL 6-00—7.50, das Gescheid 12—14 Eier das Hundert JL 0.00—0.00, das St- .5-6 -A butter im Großen JL 000—000.00, im Detail das Pfund ,*0 90 ^.10, Weißkraut per Stück 2Y-25H Rothkraut per Stück 00-00 Kohlrabi L Ochsenfleisch per Pfund 45-70 H, Kuh- u. Rindfleisch 35-60 H
Kalbfleisch 35—oO H, Schweinefleisch 00—00 H, Hammelfleisch 50—60 H 1 AaBn ^ 0.00-0.00, 1 Huhn ** 00-00, 1 Ente 0.Ö0-0.00
1 Taube 00—00 H, Welsche JL 00—00. Kirschen per Pfd. 6—15 '
Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaurnur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Lust 12, Wasser 13 Gr.
Gießen, den 12. Juli 1888. Rübsamen.
Allgemeiner Anzeiger.
Ordnung, Pünktlichkeit, Schnelligkeit
rrn Ablegen der Briefe und Fakturen wird nur durch d. Haeckel und Schultheiss- Registrator erreicht. Derselbe ist ber einzig wirkliche solide unb elegante Apparat, ber für biefen Zweck benutzt werden kann, ganz aus Stahl hergestellt und vernickelt auf elegantem Brett- Die Handhabung ist eine
Rothamel Petry, Lindenplatz 5.
Guten bürgert Mittsnstisch. I 5708l Maurer u. Taglöhner finden
A»,K „ v .. m F 1 | gegen hohen Lohn dauernde Beschäftigung 4154 Restauration zum Rebstock. | bei Wilhelm Büttner in' Steinberg
Möglichst einfache und vortheilhaste, da die Drähte nicht berührt zu werden brauchen. — ? bet" Preis derart gestellt, daß dieses System, Briese abzulegen, als das vlUigste bezeichnet werden kann.
„ - Apparates, hoch ober seitlich, einschließlich Lochapparat, ist
Haeckel <fc Schultheiss, Frankfurt a. M.
Vertreter für Gießen und Umgegend:
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