Beilage zu Rr. 213 bes „Achmer Anzeiger
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Nachmittags 3 Uhr, wird die Grab- und Maurer-Arbeit zur Anlegung eines neuen Brunnens, sowie die Lieferung einer Pumpe auf hiesigem Gemeindehaus versteigert.
Großen-Linden, am 7. Sept. 1888. Gr. Bürgermeisterei Großen-Linden.
Das Lee-Bataillon der Kaiserlichen Marine.
Bei der Neuorganisation der Marine 1850 wurde auch die Errichtung eines Marinecorps" vorgesehen, welches am 13. Mat 1852 den Namen „Seebataillon" .erhielt. Die Mannschaften unterlagen dem regelmäßigen Ersatz-Turnus bet dreijähriger Dienstzeit, die Ersatzleute wurden aus den Bereichen sämmtltcher Armeecorps mit Lesonderer Berücksichtigung solcher, die ein Gewerbe auf Flüssen und Seen betrieben, eingestellt. Später mürben jedoch Mannschaften der Landbevölkerung aus dem Bereiche Les norddeutschen Bundes beziehungsweise des Deutschen Reiches mit Ausschluß von ^Bayern und Württemberg ausgehoben. Die Seesoldaten müssen so kräftig sein, daß fie den Dienst an den schweren Marinegeschützen versehen können und ist das Mtnimal- maß 1,67 Meter. Für die Ausbildung der Mannschaften gelten die für die Infanterie Les Lanoheeres gegebenen Dienstvorschriften, zu welchen noch die Ausbildung im Rudern mnd Geschützexercieren hinzutritt. Das Seebataillon ist mit dem Jnfantericgewehr 71/84 und Hirschfänger M 71 ausgerüstet, Unteroffiziere, die kein Gewehr tragen, haben den Armeerevoloer M 79.
Das Offiziercorps ergänzt sich aus bereits ausgebildeten Jnfanterieoffizieren ber Armee, die behufs Uebertrttt in das Seebataillon aus ihrem Truppenthetl ausschetden und erfolgt nach mehreren Jahren wieder deren Rücktritt in die Armee.
Das Seebataillon bestehl aus 6 Compagnien; der Stab und 3 Compagnien liegen in Kiel, 3 Compagnien in Wilhelmshaven; der Stand ist 32 Offiziere, 6 Feld- rwebel, 101 Serganten und Unteroffiziere, 96 Gefreite, 30 Spielleute, 30 Handwerker mnd 762 Seesoldaten. t c e,,,
Das Seebataillon trägt Uniform nach dem Schnitt der Armee, dunkelblaue Waffenröcke mit weißem Kragen, weißen Achselklappen mit zwei gekreuzten gelben Ankern versehenen Achselklappen. Der Lederczako wird mit Hinterschirm getragen und werden Lei Paraden von Offizieren und Mannschaften schwarze, von den Spielleuten rothe Haarbüsche angelegt. Die Offiziere tragen am Kragen die goldene Gardelttze und mit den Feldwebeln denselben Säbel wie die Marineoffiziere.
Zufolge Verordnung vom 29. Juni tragen fortab die Offiziere für immer die Kaiserkrone in den Achselstücken und erhalten auf den Aermelpatten des Waffenrocks goldene Stickerei, die Mannschaften am Kragen und auf den Aermelpatten gelbe $ Die Offiziere haben ferner als Galabelnkletd auch im Jnlande daS^für Seeoffiziere -vorgeschriebene — mit goldener Tresse — anzulegen.
Die kriegerische Thckstgkeit des Seebataillons war eine mannigfaltige und ruhmvolle. Wenn auch dasselbe keine Gelegenheit gehabt hat, in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 in offener Feldschlacht mitzukämpfen, so haben sich doch Bestandtheile bei einzelnen Kämpfen ausgezeichnet. Der erste Fall, wobei preußische Seesoldaten ein bedeutendes Gefecht mit Erfolg durchführten, trat am 7. August 1856 ein. Prinz Adalbert von Preußen hatte auf einer Uebungsfahrt mit der Dampfercoroette „Danzig" im Mittelmeer am genannten Tage bei dem Vorgebirge Tres-Forkas, an ber Nordküste von Afrika, ein Rencontre mit Riff-Piraten, welche preußische Hanbelsschiffe aus- geplündert hatten. 1 Offizier, 4 Unteroffiziere, 4 Gefreite, 52 Seesolbaten würben ausgeschifft, griffen eine große Uebermacht von einigen 100 Riffpiraten entschlossen an unb vertrieben bieselben nach hartnäckigem Kampfe.
Im beutsch-dänischen Kriege 1864 war es besonders der 17. März, welcher einen heftigen Kampf zwischen der preußischen und dänischen Marine brachte und zwar bei Jasmund an der Nordküste der Insel Rügen.
Es waren die Schiffe „Arcona" und „Nymphe" mit dem Aviso „Loreley" im Kampfe gegen überlegene feindliche Streitkräfte, wobei es zu einem sehr heftigen Artilleriegesecht von zweistündiger Dauer kam; fünf Seesoldaten fielen und sieben wurden verwundet.
Bei Helgoland fand am 9. Mai ein weiteres Seegefecht statt, an welchem der Aviso „Preußischer Adler" betheiligt war.
In den Feldzügen 1866 und 1870/71 fanden das Seebataillon wie das 1870 neu formirte Rcseroe-Seebataillon keine Verwendung vor'm Feinde. Im Jahre 1883 wurde dem Seebataillon eine hohe Auszeichnung zu Theil, indem Seine Majestät Kaiser Wilhelm I. zufolge Allerhöchster Cadinetsordre vom 6. März demselben eine Fahne zu verleihen geruhte und hiermit dem Bataillon seine völlige Gleichstellung mit anderen Heereskörpern verliehen hatte. Wünschen wir also der kühn anftrebenden Marine mit ihrem See-Bataillon eine recht gedeihliche Zukunft zum Wohle des deutschen Vaterlandes!
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Schiffs Nachrichten.
Bremen, 7. Septbr. [Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Aller, Capitän H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 29. August von Bremen und am 30. August von Southampton abgegangen war ist heute 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. ' U
Bremen, 5. Septbr. [Per transatlantischen Telegraph.! Der Postdamvfer Donau, Capitän W. Töpfer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremin , welche? am 28. August von Bremen abgegangen war, ist heute 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen
Landwirthfchaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— [Verwerthung kranker Kartoffeln.) Kartoffeln, die als Speisekartoffeln sich nicht mehr eignen und auch nicht als Futterkartoffeln sich aufbewahren lasten obire daß man fürchten muß, große Verluste durch Faulen und dergleichen zu erleiden' wird jeder Landwirth, sobald es möglich ist, an Brennereien oder Stärkefabriken verkaufen. Da aber dieser Weg nicht immer offen steht, weil oft keine Nachfrage herrscht ober die Preise unannehmbar sind, wollen wir nicht verfehlen, auf das Einsäuern der Kartoffeln empfehlend hinzuweisen. Das Einsäuern ist schon längst bekannt, aber es wird nickt genügend angewendet, weil man glaubt, daß es nicht lohnend sei. Diese Ansckauuna ist indeß eine irrige. Zum Einsäuern können alle Kartoffeln benutzt werden die sonst nicht brauchbar sind, auch sogar solche, die von der Kartoffelkrankheit befallen sind Durch das Einsäuern wird zu dem ein reichliches Quantum gern genommenen nahrhaften und haltbaren Futters gewonnen. Das Verfahren bei dem Einsäuern selbst ist folgendes: Die Kartoffeln werden gewaschen, gedämpft, zerquetscht und dann erst in Gruben eingestampft, die ausgemauert sind. Ist die Grube voll, so überdeckt man sie mit einer festen, mindestens einen Meter hohen Erdschicht. Die eingesäuerten Kartoffeln halten sich, wenn sie genügend fest eingestampft sind, sehr gut ein ganzes Jahr und können wir unseren Lesern einen Versuch mit diesem Verfahren nur empfehlen.
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— Wenn einer eine Reise thut, bann kann er was erzählen, das weisi ietst auch Frau Schlächtermeister X. au§ Berlin, die am letzten Sonntag ohne ihren Gatten recht mißvergnügt dem Concerte im Zoologischen Garten beiwohnte. Vor Kurzem erst hatte sie sehr vergnügt mit ihrem Gatten eine Reise in's Gebirge angetreten Alles verlief glücklich, die Fahrt war nicht zu heiß, eine Stunde noch und das Siel ber Fahrt wäre erreicht gewesen. Da kam bie Eifersucht bazwischen und spielte unserer Frau Meisterin einen argen Streich. Es war auf dem Bahnhofe zu Magdebura so lautete die der „Allg. Fleischer-Zeitung" berichtete wahrheitsgetreue Geschichte, als der Gatte ausstleg, um seiner Gattin galant ein Frühstücksbrödchen zu holen. Dock er blieb lange fort, länger als die Geduld unb die Eifersucht ber Frau Meisterin ertragen konnte. Endlich verließ auch sie bas Coups, blickte sich suchend um und erschaute ihren Gatten im Gespräch mit einer Dame. Die Meisterin sieht, wie ihr Gatte die Dame öum Coupö geleitet mit einer Verbeugung sich verabschiedet und verschwindet. Ent- @atkl? nad?ctl“L. doch nein, erst muß sie der Dame doch einmal ^undlich ihre Meinung sagen. £te steigt eilig in das Coup4, da tönt die Glocke, hurtig chlägt der Schaffner die Thure zu und der Zug saust davon. Die ftrau ^^"in Ekt es kaum, sie ist ganz Eifersucht, ganz Othello. Sie legt sich wüthend eine Anrede an die Nebenbuhlerin zurecht, da faßt sie sie näher in's Auge und erkennt n ihr ihre beste Kundin! Im Herzen bittet sie ihrem Gatten das Unrecht ab das sie ihm gethan, und sagt entschuldigend zu brr Dame, sie sei in ein falsches Coups gestiegen, ihr Gatte sitze ein paar Waggons weiter. — „Aber ich bitte Sie der Hua geht doch nach Berlin," erwiderte die Dame, „ich denke, Sie reifen nach dem ftau?" — Jetzt erst wird ber armen Meisterin klar, daß ihre Eifersucht sie nicht nur auf falsche Fährte, sondern auch in einen falschen Zug gebracht hatte, und o Schrecken auch ihr Portemonnaie lag in ihrem Reisetäschchen im Coup4 ihres Gatten. Die Dame war natürlich sofort bereit, der verlassenen Frau Meisterin mit ihrer Börse beizuspringen. Die Eisersüchtige war in allen ihren Reisepläuen geknickt und kehrte trübselig nach Berlin heim. Ein Telegramm benachrichtigte den Gatten, was ihr widerfahren, ein zweites Telegramm forderte ihn zur sofortigen Rückkehr auf. Das erste Telegramm hat ihn beruhigt, das zweite hat ihn nicht beunruhigt, er klettert noch immer fröhlich auf den Bergen im Harz herum, bie Frau Meisterin aber war mißvergnügt im zoologischen Garten.
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