Ausgabe 
12.2.1888 Zweites Blatt
 
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reich gehegt und gepflegt habe. Im Weiteren kam der Ministerpräsident Laaffe auf das deutsch-czechische Verhältniß zu sprechen und meinte er, die Forderung, die Czechen seilten flch mit den Deutschen vertragen, sei ganz ge­rechtfertigt, nur erwarte er, daß auch die'Deutschen sich mit den Czechen ver­tragen würden. Jin Weitergang der Debatte zollte der deutsch-liberale Ab­geordnete Baruth Namens seiner politischen Freunde vollste Bewunderung Menger sprach für eine deutsch-österreichische Zollunion, Türck für ein gemein­sames Zollgebiet für Wein, Spiritus, Mehl und Getreide. Chlumetzky dankte dem Kaiser für die hohe Weisheit, welche die Politik auf den Weg des Bündnisses gebracht habe, glaubte aber nicht an die Möglichkeit einer Zoll- mnon und auch Abg. Neuwirth hielt diesen Gedanken für unausführbar. Schließlich protestirte noch der Jungczeche Herold gegen die liberalerseits vor- gefchlagene Aufnahme des Bündnißvertrages in die Staatsgrundgesetze

Politische Ueberficht.

Gießen, 11. Februar.

©ine schmerzliche Kunde ist dem deutschen Volke aus San Remo nach einer Zeit froher Hoffnungen geworden: Am Donnerstag Nachmittag wurde beim Kronprinzen von Dr. Bramann, Assistenzarzt des Professors v. Bergmann, m Gegenwart sämmtlicher Aerzte der Luftröhrenschnitt vorgenommen; der Zustand des Kronprinzen giebt vorläufig zu keinen beson- deren Besorgnissen Anlaß. Ganz und gar überraschend kommt zwar diese betrübende Nachricht nicht, denn schon seit einigen Tagen hatte von der Möglichkeit einer Operation verkantet, da fich eine Zunahme der Schwellung im Halse des hohen Kranken zeigte, nur glaubte man nicht, daß sich der operative Eingriff so rasch nöthig machen werde. Aber seit Mittwoch hatte die Anschwellung in der rechten unteren Seite des Kehlkopfes des Kronprinzeii so zugenommen, daß sich Dr. Bramann schon am nächsten Tage, ohne erst die pgnalisirte Ankunft des Prof. v. Bergmann abzuwarten, genöthigt sah, die Operation vorzunehmen, für deren sofortige Vornahme sich auch Dr. Mackenzie erklärte. Ein weiteres Telegramm aus San Nemo vom Donnerstag besagt, daß der Kronprinz während der Operation nicht ohnmächtig wurde und keine Schmerzen verspürte. Der erlauchte Patient fühlte sich nach der Operation sehr erleichtert, er muß sich aber des Sprechens zunächst enthalten. Die Aerzte sind mit dem Ergebnisse des Luftröhrenschnittes ungemein zufrieden; derselbe wurde sehr tief unten am Halse vorgenommen, damit die silberne Eanüle, durch welche das Athmen ermöglicht wird, möglichst weit von der mit Entzündung behafteten Stelle des Kehlkopfes entfernt sei. Bei der kräf­tigen Constitution des Kronprinzen erscheint die Hoffnung nicht unbegründet, daß der hohe Herr auch die Folgen des operativen Eingriffes baldigst über­winden werde. Sicher aber darf der schwergeprüfte Fürstensohn der Gewiß­heit leben, daß in diesen ernsten Tagen allüberall, wo deutsche Herzen schlagen, die heißesten Wünsche und Gebete für ihn, den allgeliebten Prinzen, zum Himmel emporsteigen!

Im österreichischen Abgeordnetenhause hat die Veröffent­lichung des deutsch-österreichischen Bündnißvertrages einen lebhaften Nachklang gefunden. In der Donnerstagssitzung des Hauses entwickelte sich anläßlich der Berathung des deutsch-österreichischen Handelsvertrages eine hochpolitische Debatte, in deren Verlauf Ministerpräsident Graf Taaffe dem Abg. Baruther gegenüber erklärte, das gegenwärtige (österreichische) Cabinet sei bereils am 12. August 1879 berufen worden, und da der deutsch-österreichische Vertrag am 7. October 1879 abgeschlossen worden sei, so erhelle daraus, daß das Cabinet Taaffe an dem Entstehen und Abschluß des Vertrags wohl einen wesentlichen Einfluß gehabt habe und daß dieses Ministerium auch in den verflossenen neun Jahren freundschaftliche, Verhältnisse zum großen Rachbar-

s-rracheotomie.s Der Lufiröhreiischniit (Tracheotomie) ist eine diiruraiidu* Operation,, mittelst welcher dieLuftröhre von der vorderen^alöfette auSÄ e^Mnet wird. Diese Eröffnung ist angezeigt, fobald durch Verengerung des öderen Theiles der Luftrohre oder des Kehlkopfes Die Athmung fo sehr beeinträcbttal wird, dag ein plötzlicher Tod in Folge von Erstickung befürchtetwerden muß Der nrUn^0 ^rhn-($nttt t11 ^«Allgemeinen eine ganz ungefährliche Operation. Dieselbe wird ftÄp11 hMpS r fat der ^oroform-Betäubung ausgeführt, doch rönnen besondere Um- onä C .ausschließen. Gewöhnlich wird als eröffnendes Instrument

£Äri?enU» Sterbet kommt es in erster Linie darauf an, daß einesiheils beim Er von der Haut bis zur Luftröhre gelegenen Weichtheile keine Blut- nnhP^rnthr-^f .verletzte vor Eröffnung der Luftröhre selbst unterbunden werden h e- e$ter£ fhejjt. Beim Einschnitte in die Luftröhre mutz

lCrCr $afen iestgehalten werden, da sie in Folge eintretenden S"5h sonst Aart verschob^ und Nicht immer sofort wieder gefaßt werden kann ein Umstand, durch welchen nicht nur in der Umgebung der Wunde, sondern auch' auf mehr oder weniger große Körperstrecken die Luft in das Unterhau Zellgewebe einaenieben (wg-Hautemphysen). Der Einschnitt in die LuftröhreW "o ar!?

^^rben, daß die bereitgehaltene Kanüle (ein gekrümmtes Röhrchen) aus Edelmetall oder kL?^ Lummi sofort eingeführt werden kann. Um dieKanuleleichtr^m?genzu daß dieselbe immer gänzlich aus der Luftröhre entkernt zu werden braucht

ka m ^üb?t,mQ£)nP1e^ 6 b?U^ inneres Rohr leicht herausgenommen werden rann. Fuhrt man eine Kanute ein, welche an ihrer Biegung eine dem Keblkanf mr»- arnbiftC ?nbfflfnMh Chl8tnVtnn 1?,n'Jobal6 b-r Kehlkopf zum Sprechen noch brauch- dar ist, und sobald die Oeffnung der Kanüle vorne außen am Halse maebalten mtrh

Kehlkopf athmen und auch sprechen. Entzündliche Erscheinun- gen des Kehlkopfs pflegen, sobald derselbe gänzlich außer Thätigkeit gesetzt wird mehr rniJ nf*lI®er ^afch sich zu vermindern, so daß IN manchen Fällen dieser Art der Luft- rohrenschnitt auch in dieser Richtung eine günstige

dMelde aber rm einzelnen Falle ein bleibender fein muß, oder ob £ SpS

hC ?"der geschlossen werden und die Athmung durch den natürlichen kÄs?l^^höit h? ffaniT? laßtJl$ VDn vornherein nicht immer leicht entscheiden ledensal- schort dazu aber eine sehr genaue Kenntniß des einzelnen Falles (FZ)'

von

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