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11/12/1888 Zweites Blatt
 
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Amts- und Anzkigeblatt für den Kreis Gießen.

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Amtlicher HHeit.

Betreffend: Ermittelungen der den Vergütungen für Fourage und Landlieferungen der Gemeinden zu Grunde zu legenden Durchschnittspreise.

Belanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Ausschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat November für den Liesecungsverband Gießen für 100 Kilogramm betragen: Hafer JL 15 20, Heu 8.40, Stroh JL 6.60.

Gießen, am 7. December 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

____________ v. Gagern.

Nr. 41 des Reichs-Gesetzblatts, ansgeqeben den 5. d. M, enthält:

(Nr. 1830.) Verordnung über die Caution des Rendanten der Bureaukaffe bei der Phyfikalifch-Technischen Reichsanstalt. Vom 3. December 1888.

(Nr 1831.) Bekanntmachung, betreffend den Beitritt der Britischen Colonien und Besitzungen Canada, Neufundland, Cap, Natal, Neu-Süd-Wale-, Tasmanien, West-Australien und Neu-Seeland zum internationalen Vertrag zum Schutz der unterseeischen Telegraphenkabel vom 14. März 1884. (Reichs- Gesetzblatt 1888. S. 151 ff.) Vom 26. November 1888.

Gießen, am 8. December 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Kevtschlaud.

][ Darmstadt, 9. December. Der neue Landgraf von Hessen (Philippsruhe) war heute Nachmmag zum Besuch des Großherzogs im Neuen Palais und nahm an dem Familiendiner The»!. Bekanntlich ist hochderselbe leider fast nahezu erblindet.

Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Großfürst und die Großfürstin SergiuS von Rußland werden morgen Abend von hier abreiien. Hochftdteselben begeben sich zunächst nach KtÄ, um dort ihren hohen Anverwandten, dem Prinzen und der Prinzessin Hein­rich von Preußen, einen Besuch abzustatten.

Berlin, 8. December. Dte deutsch-ostafrikanische^Gesellschaft theilt folgendes Telegramm aus Zanzibar mit: _ _

Dom 5. bis 7. December haben bei Bagamoyo heftige Kampfe gegen bte Re­bellen stattgefunden. Dte Rebellen stehen unter der Führung des Arabers Buschtrt, welcher auch s. Z. den ersten Aufstand bei Pangani in's Leben gerufen hat. Unsere Gesellschaft halt den Platz Bagamoyo.

Berlin, 8. December. Das heute auSgegebene Weißbuch umfaßt die Zeit vom 5. Mat bis 4. December 1888, im Ganzen 44 Pidcen, worunter 21 Berichte des deutschen Generalconsuls in Zanzibar sich befinden. Der Erlaß des Reichskanzlers vom 6. October er. mißbilligt das Verfahren bet der Flaggenhissung, die überhaupt weder geboten, noch rathsam gewesen und sich nicht mit der Auffassung vertrüge, daß die Verwaltung des Küstengebietes nur unter Wahrung der Souveränität des Sultans erfolgen sollte. Ueberhaupt mußte die ostafrikanische Gesellschaft angesichts der schwachen Stellung der deutschen Verwaltung unter Schonung aller nationalen Vorurtheile die Bevölkerung durch geschickte Behandlung des Sultans und seiner Walts, gerade diese ihren Zwecken dienstbar zu machen suchen. Der Bericht des Generalconsuls vom 12. September enthält Mittheilungen über die auf dieMöwe" in Tonga seitens der Gingeborenen verübten Angriffe, welche der Commandeur des Schiffes durch die Landung von Mannschaften zurückschlug. Am 12. September. Nachts 2 Uhr, landeten Mann­schaften der Schiffe Leipzig, Olga und Möwe, um den aufrührerischen Walt gefangen zu nehmen, derselbe war inzwischen geflohen. Am 12. September berichtet der deutsche Generalconsul über seine Mittheilung an den französischen Consul in Zanzibar übet den von Dhaus unter französischer Flagge betriebenen schwunghaften Sklavenhandel, da die arabischen Dhauschiffer ihre Fahrzeuge durch die französischen Behörden in Madagaskar vermessen lassen und dadurch das Recht erwerben, die französische Flagge zu fuhren. Am 23. September erfolgte die Landung von Mannschaften derLeipzig" in Bagamoya, wodurch die eingeschlossenen deutschen Beamten befreit, und der Angriff zuruckgeschlagen wurde, wobei etwa 100 Farbige fielen. Der Bericht des General­consuls am 3. October über die Vorgänge in Kilwa, das Eingreifen derMöwe", den Tod der deutschen Angestellten gelangt im Weißbuch wieder zum Abdruck. Ein Bericht vom 4. October hebt hervor, wie in der kurzen Regierungszeit des gegenwärtigen Sultans das arabische Element sich der Autorität des Sultans allmälig entzogen habe oinb daß mit der Furcht vor dem Sultan gerade der wichtigste Bundesgenosse der sstafrtkanischen Gesellschaft weggefallen sei.

Nach dem Bericht vom 22. October erscheint Bußhiri als ein allmächtiger Jn- turaentenführer, welcher eine von dem Sultan unabhängige Herrschaft zu begründen beabsichtigt, der die ganze Bewegung angezettelt hat und ohne den, sobald er unschädlich gemacht würde, der ganze Aufstand zusammenfallen würde. Ein Telegramm des Reichskanzlers Fürsten Bismarck vom 21. October verlangt eine Mittheilung über die Nationalität und die Eonfession der Bevölkerung auf der Insel und in den Häsen des Sultanats, ferner über die Zahl der dort ansässigen Araber, über deren Einfluß, Ver­mögen und Beziehungen zum Binnenlande. Gleichzeitig wird in dem Telegramm der Generalconsul angewiesen, mit einflußreichen Indern anzuknüpfen und ein Einver­nehmen zwischen diesen und den Deutschen herzustellen. Ein Bericht vom 3. November mädet eine langsame Besserung der Lage in Bagamoyo, wo der Commandeur der Kreuz-rcorvetteSophie" 20 Mann einquartirt hatte. In der Majorität der Be­völkerung herrscht eine heftige Erbitterung gegen die wenigen Unruhestifter, welche den Verkehr störten und eine allgemeine Hungersnoth herbeiführten. Das Weißbuch enthält ferner die bereits bekannten Aktenstücke und Verhandlungen wegen der Betheiligung Frankreichs, Italiens, Portugals und des Congostaates an dm deutsch englischen Be­strebungen zur Unterdrückung des Sklavenhandels. Unter dem 4. December wurden die Regierungen in Konstantinopel, Paris, Petersburg, Rom, Wien, Madrid, Brussel, Kopenhagen, Washington, Haag, Lissabon und Stockholm von der Blockade unter dem Hinweis in Kenntniß gesetzt, daß die auf Grund von Vertragen mit dem Sultan her- aestelltcn deutschen Niederlassungen auf dem Küstengebiete von Zanzibar durch bewaffnete Schaaren aufrührerischer Einwohner des Sultanats und benachbarter Gebiete unter Führung der dortigen Sklavenhändler angegriffen seien.

- Die französische Presse, so anarchisch sonst, ist gut geschult in allem, was die Nattonalverthetbigung und die damit im Zusammenhang stehenden National-Vorurtheile und Legenden betrifft. So lange die deutschen Negierungen harmlos drefranzost wen -£)ffreiere in deutschen Orten Sprachstudien treiben ließen, war alles M über olesen längst nicht mehr ungewöhnlichen Weg, deutsche Landschaften und strategische Punkte nebst den dahin führenden Straßen zu erkunden. Diese Dinge find nun langst keine

Geheimnisse mehr für andere Leute als französische Osficiere, deren Talent und Wissen­schaft in Topographie und was dazu gehört. Jndeß auch die Begabung für deutsche Sprache und deutsches Wesen ist bei Franzosen womöglich noch geringer. Der Vor­wand war jedoch so durchsichtig, daß er endlich einmal bei schärferer Beleuchtung beur- theilt werden mußte, und da hat sich eine Liste von französischen A-B-C-Schützen, bte in Deutschland sich zu unterrichten vorgaben, gefunden, die jetzt die Pariser Blätter plötzlich beredt macht. Man findet es von Deutschland unhöflich, unnachbarlich, daß den Herren ihre Liebe zur deutschen Sprache so gehässig vergolten würde. Besonder- laut ist der Schrei der Entrüstung des Deputirten Dreyfus in seinem BlatteNation". Dieser schließt zugleich den Oberst Stoffel an's Herz, obgleich er eigentlich nicht der deutschen Sprache, sondern des Römers Julius Cäsar wegen das schöne Frankreich zeitweilig mir dem deutschen Reichslande vertauscht. Dreyfus geht der Regierung stark zu Leibe; er fragt, wie lange noch Frankreich zu deutschen Gewaltstretchen schweigen will und wozu seit 20 Jahren 20 Milliarden gewöhnlicher und 2 Milliarden außer­ordentlicher Budgets verausgabt werden und warum eine dritte Milliarde verausgabt werden soll, wenn Frankreich stets den deutschen Absatz auf der Gurgel fühlen soll? Unsere Artillerie ist die beste Europas, unser Gewehr denen aller europäischen Heere überlegen; sind wir noch nicht schlagfertig, wann werden wir es sein, warum märten wir noch?" Dreyfus schließt aber sofort die heuchlerische Betheuerung daran:Ich verlange nicht, daß Frankreich Deutschland den Krieg erkläre." Vor der Hand will der edle Dreyfus blos alles, was deutsch ist, alsWilde- zum Lande hinaus getrieben wissen, Osficiere, Beamten in Geschäften und Verwaltungen alles hinaus. Und Dreyfus, ist er feinWilder"? Doch freilich, das deutsche Blut in elsässischen Adern ist in Drachengift verwandelt. XIX Siöcle bringt als Gegenliste eine sehr fragwürdige Liste'deutscher Spione. Die France ist auch dabei: ihr seid alle deutsche Spione. Der Deutsche kommt als Spion zur Welt, und wird er Haustrer, Schnorrant und Seil­tänzer in Frankreich, so hat er seinen ihm von seinem Schöpfer verliehenen Lebens­beruf erfüllt! Auch die Liberte begrüßt die Erklärung derNordd. Allg. Ztg." mit finsterem Schütteln deS Kopfes. (K. Z.)

Krankreich.

PariS, 8. December. Gutem Vernehmen nach wird die Regierung, bevor sie sich in der Panama-Frage definitiv schlüssig macht, eine aus hohen Beamten und Juristen bestehende außerordentliche Commission zusammentreten lassen, welche sie mit der Prüfung der Frage beauftragt.

Vermischtes.

A Mainz, 9. December. Am verflossenen Freitag wurden hier auf dem Markt zwei in Dem Alter von 13 und 16 Jahren stehende Schwestern bei einem gemeinsam ausgeführten Taschendiebstahl ertappt. Bei deren Festnahme fand man in ihren Taschen mehrere Portemonnaies, die offenbar auch von Taschendiebstahlen herrühren. Etne vorgenommene Haussuchung ergab das gleiche Resultat. Schon im verflossenen Jahr hatte man das diebische Schwesternpaar im Verdacht, Taschendiebstahle auszuführen, ohne dasselbe indeß überführen zu können. c t

Das Anbohren und theilweise Entleeren von Weinfässern auf dem Eisenbahn­transport bildet eben eine ständige Klage in den betreffenden Handelskreisen. Da diese Beraubungsart ständig zunimmt und alle dagegen angewandten Mittel erfolglos waren, so wird jetzt von der Weinfachpresse der Vorschlag gemacht, unerbittlich die betreffenden Eisenbahnverwaltungen für den Schaden verantwortlich zu machen.

A Aus Rheinhessen, 9. December. In Bosenheim rief am Freitag ein Elephant Schrecken und Angst hervor. Derselbe war aus einer Menagerie in Kreuz­nach ausgerissen und überfiel kurz vor Bosenheim mehrere Personen. Während drei der letzteren mit dem Schrecken davonkamen, erhielt ein Mann einen so heftigen Schlag gegen die Brust, daß ärztliche Hülse erforderlich war. Die Wärter des Thieres konnten dasselbe nur mit Schwierigkeit wieder etnfangen.

In dem Ingelheimer Grunde lagern eben mehrere Schafheerden von über 1000 Stück die sich auf den Kleeäckern spärliches Futter suchen. Dieselben kamen aus Westfalen und geben zum größten Theil an die Blschofsheimer Exportschlächterei.

A Vom Rhein, 9. December. Von Biebrich bis nach AßmannShausen liegt eben eine lange Flotte aller möglichen Schiffe, die wegen dem Nebel und theilweise auch wegen des niederen Wasserstandes weder vor- noch rückwärts können. Nur mit Muhe arbeitet sich das eine oder andere Fahrzeug bei einigen Hellen Stunden vorwärts, wobei die größte Vorsicht angewendet wird, daß bet dem Labyrinth von Schiffen keine Zulammenstöße erfolgen. Letzteres ist zum Glück bis jetzt noch nicht geschehen. Schwerer beladene Schiffe müssen sämmtlich leichtern.

A Vom Main, 9. December. Unter Anwesenheit des Präsidenten der zweitm hessischen Kammer sand am Samßtag in Aschaffenburg eine Versammlung von Interessen­ten statt um darüber zu berathen. in welcher Weise die so sehr in Rückgang geratene Schifferel auf dem Oder- und Mittelmain wieder zu heben sei. Als das geeignetste Mittel wurde angesehen, dieKette" von Aschaffenburg bis Würzburg zu legen und i zwischen Würzburg und Bamberg einstweilen dm Verkehr durch einen Dampfmotor