Nr. 26S Erstes Blatt. Sonntag den 11. November 1888.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst
Amtlicher Hyeic
Bekanntmachung.
Setreffenb: Die Reinhaltung und Wegsamkeit der Straßen und Plätze in der Provinzial-Hauptstadt Gießen.
Nachstehend bringen wir die bezüglich der Straßenreintgung während der Winterszeit für Gießen geltenden Bestimmungen des Localreglements vom 10. November 1879 betreffend die Reinhaltung und Wegsamkeit der Straßen, unter Hinweis auf die Strafvorschriften de» § 366 p. 10 des Reichsstrafgesetzbuchs mit dem Anfügen in Erinnerung, daß die Schutzmannschaft zur strengsten Ueberwachung angewiesen worden ist.
e) Bei eintretendem Thauwetter sind nach Aufforderung der Localpolizeibehörde ohne Verzug die Straßen, öffentlichen Plätze und insbesondere Floßrinnen aufeisen, kehren und Schnee und Eis alsbald von den Straßen rc. entfernen zu lassen.
§ 5.
Zur Winterszeit gelten noch weiter folgende Bestimmungen:
a) Sobald Glatteis entsteht, muß, soweit die Hosraithen mit Einschluß der Höfe, Gärten und sonstigen Grundstücke an der Straße oder an öffentlichen Plätzen liegen, der Fußpfad, ober wenn kein Fußpsab vor- hanben ist, bie Straße zwei bis brei Fuß breit mit Asche oder Sanb genügend bestreut werden. Entsteht das Glatteis zwischen 7 Uhr Morgens und 9 Uhr Abends, so muß sogleich, »längstens mit Ablauf < der ersten halben Stunde nachher, entsteht es aber in der Nacht, bis • 71/2 Uhr Morgens gestreut sein. j
d) An den auf die Straße gehenden Dachkandeln, Goffensteinen und \ sonstigen Ableitungen des Wassers nach der Straße rc. muß das auf J den Seitenpflastern oder Fußpfaden angefetzte Eis auf Aufforderung 1 Grobherzoglicher Polizeiverwaltung aufgehauen und weggefchafft werden.
c) Außerdem ist bei Frostwetter dafür zu sorgen, daß das etwa vom < Innern der Hofratthen ausgeschüttete Wasser nicht durch die Floß- ■. rinnen auf die Straße laufen kann.
d) Vor den öffentlichen Brunnen ist, so oft e» nöthig erscheint, aufeisen ] und mit Asche ober Sanb streuen zu lassen.
Gießen, am 10. November 1883.
f) Das Fahren mit kleinen Schlitten unb bas Schleifen auf ben öffentlichen Plätzen unb Fußpfaben ist untersagt. Wenn diesem jVerbot zuwider dennoch Schleifen entstehen, so sind diejenigen, welchen die Reinigung überhaupt obliegt, auf Auffordern der Polizeibehörde verbunden, die Schleifen entweder mit Sand ober Asche tüchtig bestreuen ober aufhauen zu lassen.
g) Beim Schneefall muß längs der Hoftaithen mit Einschluß der Höfe, Gärten und sonstigen Grundstücke auf dem Banket, oder wo kein solches vorhanden ist, auf der Straße ein 3 bis 4 Fuß breiter Pfab rein gekehrt und dies bei fortdauerndem Schneefall fo oft, als nöthig, wiederholt werden.
h) Schnee und Eis darf aus dem Innern der Hofraithen nicht auf die Straße gebracht werden, ohne daß für augenblickliche Wegschaffung gesorgt wird.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Gefunden: 1 Sack Steinkohlen, 2 Armbänder, 1 Handschuh, 3 Po.>emonnaies, 1 silberner Ring, 1 unechter Ring, 3 Taschentücher, 1 eiserne Stange, 1 Stock, 1 Schirm, 1 Vorstecknadel, 1 Kalibermaaß, 1 Buch, 1 Pferbeteppich.
Zugelaufen: 1 junge Ente.
Gießen, am 10. November 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Telegraphisch« Pepeschen.
Belfl’# teuer. ewrete.nXni < eure««.
Berlin, 9. November. Durch kaiserlichen Erlaß wird der Reichstag auf den 22. November einberufen. t r rr
Wien, 9. November. Der berühmte Arzt und Universitätslehrer Professor Dr Hemrtcy 0 Bamberger ist heute Vormittag gestorben. (Professor Bamberger, ein Deuttchböhme von Geburt, stand tm 66. Lebensjahre. Er war von 1854 bis 1872 Professor für innere Medtctn an dcr Universität Würzburg und wurde tm letztgenannten Jahre derNachfolger Oppolzer's in Wien.)
Haag, 9. 'November. Einer amtlichen Meldung zufolge erklärten die Aerzte den König rar beinahe hergestellt. Derselbe nahm in den letzten Tagen mehr Nahrung zu sich und hat sich in Folge dessen der Kräftezustand gehoben. Trotz des befriedigenden Allgemeinbefindens ist immer noch Sorge vorhanden wegen Heranbildung eines ^L^'d^November. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch fand einige Meilen von Ltzard ein Zufammenstoß zwischen dem deutschen Dreimaster „Theodor Rüger" und dem englischen Dampfer „Nantes" statt. Der erstere ank eine halbe Stunde nach dem Zusammenstoß. Die Bemannung fluchtete in zwei Booten. Der „Nantes" wurde zwischen der Maschine und dem niedergeworfenen Schornstein ern- gestoßen; sein Schicksal ist unbekannt. Details fehlen. ~ .
Ehristiania, 9. November. Der Dampfer „Fox", welcher auf der Fahrt von Grönland nach Farsund (Südnorwegen) hier angekommen ist, meldet, daß Hansen s Expedition am 4. d. M. über das Biitnenlandels glücklich m Godthaab etngetrofsen sei; an Bord sei alles wohl. . .. <
London, 9. November. Dem „Daily Telegraph" zufolge hat der mit der Prüfung des Zustandes der Nationaloertheidigung betraute Eabinetsausschuß dahin entschieden, daß eine beträchtliche Verstärkung der Flottenmacht nöthig fei. Die Regierung werde in Folge dessen demnächst dem Unterhause Vorschläge für den Bau
Darmstadl, 9. November. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht:
Äm 2. November den Oekonomterath Wilhelm Müller zu Darmstadt zum Mitglied der Centralsielle für die Landesstatlfttk zu ernennen.
Darmstadt, 9. November. Der provisorische Htlfsgertchtsschreiber Gustav Emil Rhode zu Gießen i|t durch Entschließung Großhcrzogltchen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 6. November ds. Js. zum Hrlfsgerichtsschreiber bet dem Untersuchungsrichter am Großherzoglichen Landgericht der Provinz Oberhessen bestellt worden.
][ Darmstadt, 9. November. Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzesim Heinrich von Preußen sind heute Abend 6 Uhr 40 Min. nach Ktel zurückgereift. Se. Köntgl. Hoheit der Großherzog und die Prinzen und Prinzessinnen des Hauses gaben dem hohen Paare das Geleite zum Bahnhofe. Etn ofsicieüer Abschied fand am Bahnhofe nicht stall; die Herrjchaften hatten sich vielmehr schon am Mittwoch, an welchem Tage im Neuen Palais eine kleine Haftafel stattfand, von den Spitzen der Cioil- unb Militärbehörden, von dem diplomatischen Corps und den Hofstaaten verabschiedet. — Se. Königl. Hoheit Prinz Heinrich von Battenberg, der Gemahl der Prinzessin Beatrice von England, ist zum Besuche seines erkrankten Vaters, des Prinzen Alexander von Hessen, hier eingelroffen und in dessen Palais abgefttegen.
von 8 Panzerschiffen ersten Ranges, 20 Kreuzern und zahlreichen Torpedobooten unterbreiten.
London, 9. November. Unterhaus. Der erste Lord der Admiralität, Lord Hamilton, erklärte, die Zahl der brittschm Kriegsschiffe an der ostafrtkanischen Küste werde durch das eben dahin beorderte Panzerschiff „Agamemnon" auf sieben erhöht. Der Unterstaattzsecretär des Auswärtigen, Fergusson, erklärte ferner, er glaube, es sei gegenwärtig beabsichtigt, daß das britische und das deutsche Geschwader zur Unterdrückung des Sklavenhandels an der oftafrikantschen Küste getrennt vorgehen sollen. Die demschen Schiffe würden wahrscheinlich ihre Aufmerksamkeit der unter deutschem Einfluß stehenden Küstengebiete schenken.
PeterSvrrrg, 9. November. In einem heute veröffentlichten Handschreiben des Kaisers an den General-Admiral Großfürsten Alexis spricht derselbe seine Befriedigung aus, daß sein Wille, die Flotte tm Schwarzen Meere zu heben und sie geeignet zu machen, den dortigen Küstenbewohnern den Schutz ihres Eigenthums und die unbehinderte Entwickelung aller industriellen und commerctellen Unternehmungen zu sichern, unter der Leitung des Großfürsten stetig und erfolgreich ,ausgeführt worden ist; er habe sich bet seiner Anwesenheit in Südrußland hiervon überzeugt und mit wahrer Freude auf das ganze Schlachtschiff-Geschwader gesehen, welches bereit sei, für die Rechte Rußlands im Schwarzen Meere etnzutreten.
Tripolis, 9. November. Einer Meldung des Bureau Reuter aus Wadai zufolge fano östlich von Darfur ein Zusammenstoß zwischen den Mahdistm und der Bevölkerung statt. Erstere griffen, 70,000 Mann stark, unter Führung Gianuh's die Stadt an, wurden jedoch mit einem Verlust von 3000 Mann zurückgeschlagen. Bei einem erneuten Angriff waren die Mahdistm siegreich und nahmen die Stadt etn. Der Sultan flüchtete in das Ghtrigebtrge.
Nswyork, 9. November. Nach weiteren Nachrichten blieben die Republikaner auch in Weflvtrginien bet den Wahlen siegreich. Dieselben haben sonach noch einen Sitz tm Senate und eine kleine Majorität tm Repräsentantenhause gewonnen.
Lokales.
Gießen, 10. November. An Stelle des vom hiesigen Realgymnasium nach Selters versetzten Herrn Schwabe tritt Herr lio. theoL Dr. Holzmann, Direktor an der höheren Bürgerschule in Groß-Gerau.
— Der neulich wegen Vergehen im Amte verhaftete Bürgermeister der 9tad?bar:: gemeinde O. ist gegen Caution wieder aus freien Fuß gesetzt worden.________________
AniversttLts - tzhrouik.
— Der derzeitige ordentliche Professor an der Universität Basel, Dr. Johannes Volkelt. wurde zum ordentlichen Professor der Philosophie an der philosophischen Fakultät der Universität Würzburg ernannt.
— Der außerordentliche Professor Hipp an der Universität Halle hat einen Ruf als ordentlicher Professor sür römisches Recht an die Universität Kiel erhalten.
— Das älteste Mitglied der medtctnischen Fakultät an der Universität Freiburg, Geh. Hofrath Dr. Rudolf Mater, ist am 6. d. M. gestorben.
— Professor F. A. Märker in Berlin, feierte gestern in voller Frische des Geistes und Körpers seinen 85. Geburtstag. Die eigentliche Feier des seltenen Tages fand aus Wunsch des greisen Gelehrten erst in den späten Nachmittagsstundm ftati' wo sich Freunde und Verehrer mit ihm zum festlichen Mahle vereinigten; aber auch schon am Vormittag konnte der Gelehrte zahlreiche persönliche Glückwünsche und Glückwunsch-Telegramme entgegmnehmen.


