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Mage zu JTr. 186 Desfließener Anzeiger".

UniverfitätS- Ghronik.

Die Berliner philosophische Facultät batte anläßlich des fünfzigjährigen Doctorjubiläums Gustav Frey tags das vor 50 Jahren diesem erlhetlte Doctor- diplom erneuert und zugleich ein Schreiben an den Dichter gerichtet, in dem es heißt:

Der Gruß gilt dem Dichter, der einst in Tagen verwilderten Geschmacks den Wohllaut und die Formenreinheit unserer klassischen Dichtung zu erneuern, in Zeisen der Tendenz und Parteisucht wieder Menschen von Fleisch und Blut aus der Fülle deutschen Lebens herauszuschaffen wagte und seitdem den Deutschen das Vorbild eines denkenden Künstlers geblieben ist. Er gilt dem Historiker, der, schwere Forschung hinter lieblicher Hülle verbergend, sinnig wie kein zweiter den Werdegang des deutschen Gemüths durch die Jahrhunderte verfolgt hat. Es gilt dem Publictsten, der viel ver­kannt unter den Fahnen des schwarzen Adlers tapfer gefochten hat, bis Preußens Geschicke sich erfüllten. Was Ihnen auf allen diesen Gebieten Ihres Schaffens von edlen Früchten herangereift ist, gehört der Nation. Uns aber gestatten Sie noch ein Wort persönlichen Dankes. Sie haben uns unfern Beruf verklärt durch den an­heimelnden Zauber Ihrer goldenen Laune. Sie wissen, wie viel Mühsal und Ver­suchung, wie viel Ruhm und Forscherglück um die einsame Lampe des Gelehrten webt und wenn die Deutschen kommender Geschlechter aus Ihren Dichtungen dereinst lernen werden, wie den Söhnen des 19. Jahrhunderts zu Muthe gewesen, so werden sie auch versieben, warum es in unseren Tagen ein Stolz und eine Freude war, ein deutscher Professor zu sein. Mögen Sie noch lange Jahre uns zur Ehre den deutschen Doctorhut tragen, der Ihnen so viel verdankt!

Darauf hat Freytag Folgendes erwidert:

Den größten Dank aber Ihnen und unserer Facultät für die Adresse, mit welcher Sie mich beehrt baben. Die gütige Würdigung meiner Lebensarbeit durch die stolze, gelehrte Körperschaft, welcher eine Reibe unserer erlauchten Namen angehören untz der ich selbst in meiner Jugend die Anfänge gelehrten Wissens und die Ehrfurcht vor wissenschaftlichem Forschen verdanke, war für mich, den bejahrten Mann, weit mehr als ein froher Gruß. Ihre feierliche Zuschrift ist mir ein Zeugniß meiner Standes- genossen, daß ich nach dem Maße meiner Kraft redlich und nicht fruchtlos für das deutsche Volk gelebt habe. Ein ehrenvolleres Zeugniß gibt es nicht. Sie, hochverehrte Herren, danken dem Dichter auch, daß er unternommen hat, die krause Art und den edlen Idealismus deutscher Professoren seiner Zeit in leichten Bildern abzuschildern. Manches darin mag schon der nächsten Folgezeit fremdartig erscheinen. Aber liebe, hochverehrte Herren, so lange es ein deutsches Volksthum gibt, wird es auch deutsche Professoren geben, Männer, denen das eigene Leben wenig bedeutet im Dienste ihrer Wissenschaft; oft wird den Helden und Opfern unendlicher Arbeit ein kleiner Zopf im Nacken hängen und immer, so vertraue ich, wird das Volk der Deutschen mit Neigung, Ehrfurcht und zuweilen mit guter Laune auf sie schauen. In Hochachtung und Verehrung verharre ich Ihnen und der philosophischen Facultät dankbar ergeben Dr. Gustav Freytag.

Vermischtes.

Frankfurt, 9. Aug. Der Poftdefraudant Haag aus Homburg v. d-H. ist also thatsächlich in Amerika verhaftet worden. Die kaiserliche Oberpoft-Direction dahier ließ die Nachricht heute den hiesigen Blättern zugehen. Ob man noch etwas von der unterschlagenen Summe bei Haag vorgefunden, wird nicht gesagt. Es scheint Übrigens keinem Zweifel zu unterliegen, daß der in Boston verhaftete Felix Bruno der gesuchte Haag ist.

Hachborn (Kr. Marburg), 8. August. Auch in unserer Gegend hat sich in diesen Tagen das Steppenhuhn bemerklich gemacht. Nachdem Herr B. aus I. die Eier dieses seltenen Vogels gefunden, brachte Herr L. aus H. eines dieser Thiere gestern zur Strecke. (£). Z.)

Wien. Mit der kürzlich von den Regierungen Oesterreichs und Ungarns vor­genommenen Erhöhung der Cigarrenpreise scheint man über's Ziel geschossen zu haben. UeberaU wird von den Tabakverschleißern über einen beträchtlichen Rückgang des Ver­brauchs geklagt. Im Sluhlweißenburger Finanzsprengel einem Gebiet von ziemlich geringer Ausdehnung ist der Verbrauch im Monat Juni um 18,000 fl. gegen jenen des Vormonats zurückgeblieben.

Der heurige Sommer hat mit seinem vorwiegend kühlen und regnerischen Wetter dem Brauerei- und Gastwirthgeschäft bedeutenden Abbruch gethan. Auch in den Steuerämtern macht sich der verminderte Bieiconsum sehr empfindlich geltend. In Böhmen veranschlagt man den Steuerausfall beim Bier auf rund 750,000 fl.

[Druck von Doctordissertationen.) Die medicinische Fakultät in Göttingen hat mit höherer Genehmigung beschlossen, in Zukunft den Druck der Doctordissertationen selbst zu übernehmen und die Druckkosten aus den Gebühren für Examen und Pro­motion, deren Betrag unverändert bleibt, zu decken, für die Dissertationen jedoch nur bis zum Umfange von etwa 3 Druckbogen und mit Ausschluß etwa der Arbeit bei­gegebenen Tafeln. Bei umfangreicheren Arbeiten behält die Fakultät sich vor, wenn dieselben besonders gut sind, ausnahmsweise die Mehrkosten des Druckes zu tragen. Durch diese Einrichtung stellt sich der medicinische Doctor an dieser Universität wesent­lich billiger als bisher.

[Fortschritte der Lebensversicherung in Deutschland.) In der nächsten Zeit wird in den Hildebrand - Conrad'schen Jahrbüchern fürNational - Oekonomie und Statistik" wieder die bekannte statistische Abhandlung überZustand und Fortschritte der deutschen Lebensversicherungs-Anstalten", und zwar für das Jahr 1887, zur Ver­öffentlichung gelangen. Einige hauptsächliche Ergebnisse dieser Untersuchung, welche sich auf die eigenen Geschäftsberichte von 34 Lebensversicherungsanstalten gründet, dürften allgemeinstes Interesse für sich in Anspruch nehmen.

Der Versicherungsbestand der 34 Anstalten hat sich im abgelaufenen Jahre um 28244 Personen mit 156,206,174 JL Versicherungssumme vermehrt. Es ist dies der reine Zuwachs, welchen die sämmtlichen Anstalten nach Abzug des im Laufe des Jahres durch Sterbefälle, Zahlbarwerden bet Lebzeiten und Aufgabe der Versicherung ent­standenen Abgangs erzielt haben. Der Brutto - Zugang betrug 63653 Personen mit 282,383,176 «4L Versicherungssumme. Von letzterer Summe kommen auf die Lebens­versicherungsbank für Deutschland in Gotha 33,366,200 JL, auf dieGermania" zu Stettin 26,634,435.X, auf die Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig 25,401,800 JL, auf die Lebensversicherungs- und Ersparnißdank in Stuttgart 23,307,540 und auf die Allgemeine Versorgungs-Anstalt zu Karlsruhe 20,697,912 JL Die genannten fünf größten Anstalten allein haben also zusammen 129,407.887 JL oder 45,8 pCt. des Gesammtzuganges aller 34 Anstalten erzielt. Der Versicherungsbestand belief sich am Schlüsse des Jahres auf 785475 Personen mit 3135.308,884 <X. Wie in Bezug auf den Brutto-Zugang und den reinen Zuwachs, so behauptet die Lebensoersicherungsbank für Deutschland zu Gotha auch in Bezug auf die Höhe des Gesammt-Versicherungs- bestandes mit 529,182,700 JL die erste Stelle. Ihr zunächst folgen dieGermania" mit 320,033,317 JL, die Stuttgarter Lebensversicherungs- und Ersparnißdank mit 265,529,011 Jt, die Lebensversicherungs - Gesellschaft zu Leipzig mit 260,346,200 und die Allgemeine Versorgungsanftalt zu Karlsruhe mit 210,473,381

An Versicherungssummen für gestorbene Versicherte sind im vorigen Jahre insgesammt 44,587,153 zur Auszahlung gelangt. In dieser bedeutenden Ziffer liegt wohl das stärkste Zeugniß für die segensreiche Bedeutung der Lebensversicherung.

Allgemeiner Anzeiger.

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