diese seither 2—3 JL höchstens erzielen konnten. Außerdem erhalten dieselben für ihre Faßtage eine Leihgebühr und für die Benutzung der Necttficattonsapparate eine noch zu vereinbarende Entschädigung, sowie 5pCt. des Reingewinnes; ebenso warm hat man auch die Sptritushändler bedacht; letztere bekommen für die Ueberweisung ihrer seitherigen Bezüge von den Brennern an die Bank eine angemessene Provision. Für diese beiden ist das Zustandekommen der Spiritusbank ein so lohnendes, müheloses Geschäft, daß es begreiflich ist, wenn sie das Zustandekommen der Bank herbeisehnen und man dabei zu Mitteln greift, wie jener Sprtlfabrikant Herr Sturm in Nordhausen, der in der Versammlung der Spritfabrtkanlen in Berlin eine Erklärung abgab, wonach der Anschlutz der Nordhäuser Branntweinhändler zwecks Bezugs des Spritoerbrauches an die Bank wahrscheinlich wäre, während dieser Behauptung am folgenden Tage, als diese Erklärung in Nordhausen bekannt wurde, eine so gründliche Desaooutrung folgte, daß von 70 Branntweinhändlern 67 jede Verbindung mit der Bank energisch zurückwiesen. Inzwischen haben die Nordhäuser eine Etnkaufscommission gebildet und sich den Bezug ihres Bedarfes gesichert.
Betrachten wir nun einmal die Chancen, die den Brennern geboten werden. Diese erhalten für ihre conttngentirte Waare, die sie insgesammt, einschließlich der nichtcontingentirten, an die Bank abzuliefern haben, 50 JL pro 100 Liter lOOpCt., was diese Herren aber für die nichtconttngentirte Waare erhalten, darüber schweig! des Sängers Höflichkeit. Nun ist aber der heutige Berliner Preis 54 Jt, sodaß also die Herren Brenner heute 4 JL für ihre Waare mehr bekommen als ihnen die Bank bietet. Wenn es nun der Spirilusbank nicht gelingt, den Preis der Waare in die Höhe zu schrauben und event. unter der freien Concurrenz der Brenner, die der Bank nicht bettreten, der Preis nur um 1 big 2 JL unter dem den Brennern garantirten Minimal- preis sinkt, wie rasch ist dann das Acttenkapital von 10 Millionen Mark verwirth- schaftet. Daß man sich auf dem Weltmärkte keine Lorbeeren oder Dividenden holen wird, dafür sorgen die Exporteure anderer Länder, und vielleicht in viel kürzerer Zett als sie erwarten finden dann die Betheiligten, daß es noch immer Leute gibt, die nicht alle werden.
Um sich die Selbstständigkeit bezüglich des Bezuges zu erhalten und zu verhindern, daß man der Bank eine monopoltsirende Macht einraume, hatten sich am Mittwoch in der „Stadt Ulm" in Frankfurt die Mitglieder des Verbandes südwestdeulscher Branntweininteressenten etngefunden, die unter dem Vorsitze des Herrn Eanthal (Hanau) einstimmig beschloß:
„eine Einkaufscommission sofort zu wählen, welche beauftragt werden soll, für den Fall des Zustandekommens der Spiritusbank den Einkauf von Sprit für die Interessenten des südwestdeutschen Verbandes einheitlich zu bewirken, aber sich zu diesem Behufe nur mit solchen Spritfabriken in Verbindung zu setzen, welche der Spiritus-Commtssions-Bank nicht beigetreten sind."
Hierauf wurden in die Einkaufs-Commission gewählt die Herren Canthal (Hanau), F. Birkenholz (Vilbel), I. I. Diefenbach (Darmstadt), Stephan Lieber (Wiesbaden), Aug. Oppenheimer (Gießen), K. Schäfer (Dauborn) und Schott (Frankfurt), die nunmehr vorbereitende Schritte thun werden, um sich die Lieferung der nöthigen Waare von den Brennern bezw. Spritfabriken zu sichern, die sich der Spirilusbank nicht angeschlossen haben.
In der Versammlung waren vertreten: Hanau, Wiesbaden, Gießen, Schlüchtern, Alzey, Oppenheim, Gr.-Gerou, Darmstadt, Vilbel und Mainz, während sich Regensburg, Dauborn und der badische Verband schriftlich zum Anschluß an obige Vorschläge bereit erklärt hatten. Möge der Spritbankschwindel ruhrg weiter spuken und sich seinen Vorgängern würdig anreihen, es wird denn wohl mancher Belheiligter um eine Hoffnung ärmer, aber auch um keine trübe Erfahrung reicher. L.
Landwirthfchaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— [Noch einmal die Nützlichkeit des Maulwurfs.^ Auf unsere neuliche Mahnung, den Maulwurf zu schonen, weil er nützlich sei, sind und mehrfache Proteste und BeweiS- forberungen zugegangen. Wir erwidern darauf folgendes:
Um einen entsprechenden Beweis zu liefern, daß der Maulwurf niemals Pflanzenwurzeln angretft, sondern nur von animalischer Kost lebt, wurde verflosscnes Jahr im pomologischcn Garten zu Kassel folgender Versucv veranstaltet: Eine Fläche von ca. 5 Quadratmetern wurde in einer Tiefe von 1 Meter ausgehoben und die Grube an allen 4 Seiten und auf dem Boden mit Brettern dicht verwahrt. Hierdurch wurde ein 30 Zentimeter über den Erdboden hervorragender Kasten gebildet. Der Kasten ward mit der ausgegrabenen Erde wieder gefüllt, mit Strauchwerk bepflanzt, und nachdem dieses angewachsen war, 140 Engerlinge nebst einer größeren Zahl von Regenwürmern über diese begrenzte Fläche vertheilt, die durch die Bretteroerschalung am Entweichen verhindert waren. Die Engerlinge und Regenwürmer vergruben sich sofort in die Erde. 9Zun wurde ein gefangener Maulwurf in diesen Erdhaufen ausgelassen, der sofort sich einwühlte und seine Jagd begann. Nach 34 Stunden wurde die Erde einer genauen Untersuchung unterzogen. Von den eingesetzten 140 Engerlingen fanden sich nur mehr 17, von den Regenwürmern gar nur 1 Stück vor- den Rest hatte der Maulwurf binnen dieser kurzen Zeit verzehrt. Dieser gelungene Versuch ermöglicht einen Schluß auf die ungeheure Menge von Engerlingen, Würmern rc. welche ein Maulwurf binnen Jahresfrist zu seiner Nahrung bedarf. Man nimmt mit Recht an, datz jeher Maulwurf innerhalb eines Tages sein Gewicht an Kerlen und Würmern verzehrt. Wie erwähnt, verursacht der Maulwurf in Gemüsegarten hier und da durch die Lockerung der Erde Schaden, indem durch das Unterwühlen der Pflanzenwurzeln Hohlgänge rc. entstehen, an welchen der Maulwurf schuld ist. Allein es gibt Mittel genug, um den nützlichen Maulwurf — ohne ihn zu tobten ober zu ver- utchten — aus einem solchen Gartengrund zu vertreiben, so u. A. indem man mit Schwefelkohlenftoff getränkte Lappen in die Gänge steckt. Das vertreibt den Maulwurf sicher.
Telegraphischer Schisf-bericht
der „Red Star Line" Antwerpen.
o. ,, i^w-York, 8. Mai. Der Postdampfer „Pennsylvania" der „Red Star Line , ist von Antwerpen heute wohlbehalten hier angekommen.
Farbig, febmotj und weiß Seiden Moiree von Mk. 2.65 bis Mk. 10.30 per Met. (antique und francais) versendet robeni und stückweise portv- und zollfrei das Fabrik-Däpöt G. Hennebere (K u. K. Hoflief.) Zurich. Muster umgehend. Briefe 20 Pf. Porto. ' 2377
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Freiwill. Immobilien- Versteigerung.
Dienstag, den 15. Mai l. I.,
Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Ludwig Schmidt I. Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 35 Nr. W100 — 195 Meter Hof- raithe auf die Glünberger- Straße,
Flur 35 Nr. 268Vio — 455 Meter Grabgarten daselbst,
Flur 34 — Nr. 5996/10 — 382 Meter Hof- raithe zwischen dem Wäldchen und dem Schießhaus,
Flur 34 Nr. 599’/io - 79 Meter Grabgarten daselbst
Flur 33 Nr. 95 - 1350 Meter Acker im Altenfeld links auf den Weg, getrennt oder zusammen einer einmaligen freiwilligen Versteigerung ausgesetzt werden.
Gießen, 11. Mai 1888.
Großherzogliches Ortsgericht Gießen.
I. V. d. V-:
_______Vogt, Ortsgerichtsmann. 4032
Montag, den 14 Mai,
Nachmittags 2 Uhr, werden im Krom bach'schen Hause, Ka plansgasse 10:
Colonialwaaren, Cigarren, Thee, 1 «iste Limburger Küse, Pinsel und Farven u. s. w.
versteigert. [4023
F» Hoffmann, Konkursverwalter.
Montag, den 14. d. M,
Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich in meinem Bureau — Schillerstraße 5:
ca. 10 Mille Cigarren und ca.
5 Mille Cigarretten.
Versteigerung bestimmt.
Geißler,
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Allgemeiner Anzeiger.
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Das Bureau der 1. Bezirk» - Kompagnie Gießen befindet sich jetzt
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Gießen, den 2. Mai 1888.
Großherzogliches Bezirks-Kommando.
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