Ausgabe 
11.3.1888 Drittes Blatt
 
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Mage zu Nr. 61 Desfliejjener Anzeiger

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sind bei mir zu haben.

VERITABLE IIQUEUR BENEDICTINE Marques döposees en France et ä 1'Eiranger

Literarisches.

Nach 8jährigem ununterbrochenem Erscheinen liegt endlich die zur Zeit einzig exislirende größte Flora von Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz, in 5. Auflage herausgegeben von o. SchlechtendaI Hallter, rn-rOstatt­lichen Bänden mit 3300 Farbendrucktafeln complet vor uns. (Kohler s Verlag m Gera-Untermhaus.) Die außergewöhnliche Verbreitung ist wesentlich durch gunstrge Bezugsbedingungen (Ratenzahlung rc.) herbeigeführt worden, wodurch die hohe Auflage bereits bis aus ein Sechstel verkauft und somit von diesem bedeutenden Unternehmen ein selten günstiger Erfolg erzielt wurde.

Die glückliche Durchführung eines so groß angelegten wrstenschaftlrchen Werkes, dessen Hauptschwierigkeit in den anerkannt naturtreuen, vortrefflichen, tauienöen von Pflanzentafeln liegt, ist für die Botanik eine Errungenschaft von hohem Werth.

Kleinkinder - Bewahranstalt

Von dieser Woche an werden die Beiträge für unsere Anstalt für das 1. Vierteljahr d. I, mit denen zugleich der Gesammt-Jahres-Beitrag gezahlt werden kann, erhoben werden. Mit der Erhebung der Beiträge ist unsere Anstalts-Dienerin Elise Werner, sonst Niemand, beauftragt.

Indem wir dies den Wohlthätern und Freunden der Anstalt mittheilen, richten wir an dieselben die herzliche Bitte, uns auch in diesem Jahre freund­lichste Unterstützung gewähren zu wollen.

Wir haben ständig für mehr als 200 Kinder in unserer Anstalt zu sorgen, und wir haben außerordentlicherweise infolge der in der Kleinkinder- schule ausgebrochenen Feuersbrunst zur Wiederherstellung des Dachstuhls etwa 700 Mark mehr aufzuwenden, als uns aus der Brandkaffe an Entschädigung gezahlt werden konnte. Hierzu sind wir zumeist aus Liebesgaben angewiesen.

Gießen, den 5. März 1888. *

Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt.

Dr. Naumann, Pfarrer.

UniverfitLts -Thront?.

Zum Nachfolger des verstorbenen Prof. Schlottmann in Halle ist Professor Dr. Kautzsch in Tübingen ausersehen.

Der außerordentliche Professor Dr. Alois Brandl in Prag ist zum ordentlichen Professor der philosophischen Fakultät der Universität Göttingen ernannt worden.

Das Amt des Unioersitätsrichters in Göttingen, welches durch den Tod des Universitätsralhs Rose frei geworden, ist dem Landrichter Backmeifter mit Ge­nehmigung des Justizministers als Nebenamt übertragen worden.

Tübingen. Professor Liebermeister lehnt den Ruf nach Leipzig ab. Der Ge­lehrte wurde von einem schweren Schicksalsschlage betroffen; er fand seinen hoffnungs­vollen Sohn, der Abends vorher von einem Ausfluge auf den Hohenzollern gesund zurückgekehrt war, tobt im Beile.

empfiehlt sich im 6inr*hmen von Bildern und Spiegeln In allen denkbaren Rahmen

Man achte darauf, dass sich auf jeder Flasche die vier­eckige Etiquette mit der Unterschrift des General-Direc­tors befindet.

Sämmtliche

lormularicn für Krankenkassen

Wilh. Klee

Schreibmaterialienhandlung zu Gießen

Distillerie der Abtei ZU Fecamp (Frankreich) tolabie Liquenr BMlHclhie der Benedictiner Mönche.

Vortrefflich, tonisch, den Appetit und die Verdauung befördernd.

Gießen, 10. März. (Prüfung der hiesigen Fortbildungsschule.^ Laut Publikation imGießener Anzeiger" fand Freitag Abend, den 9. d. M., zum ersten Male eine öffentliche Prüfung der hiesigen Fortbildungsschule statt. Es waren hierzu erschienen: Herr Schulrath Büchner als Vertreter Großherzoglicher Kreis- Schulcommission, Herr Bürgermeister Bramm in Vertretung des Schul- und Stadt­vorstandes und die Vorstände der Fleischer-, Bäcker-, Schuhmacher- und Barbier- Innungen als Vertreter ihrer reff). Innungen.

Kurz nach 7 Uhr wurde die Prüfung nach einer vorherigen passenden Aus­einandersetzung des Herrn Oberlehrer Hahn über Zweck und Ziel des Fortbildungs­unterrichts, sowie speciell über den Gang der heutigen Prüfung eröffnet. Herr Hahn gab neben Anderem auch seiner Freude darüber Ausdruck, daß es gelungen fei, wie die Vertretung der Innungen ja beweise, das Interesse des Handwerkerstandes für den Fortbildungsunterricht zu erwecken und sprach die Hoffnung aus, daß es gelingen möge, dieses Interesse dem Unterrichte auch auf die Dauer zu erhalten.

Die Prüfungen, welche nunmehr begannen und sich auf Lesen mit Besprechung, Geschäftsaufsatz, practisches und geometrisches Rechnen und eine geordnete gewerbliche Buchführung erstreckten, nahmen einen im Ganzen recht flotten Verlauf und zeigten Seitens der Lehrer eine verftändnißreiche Auffassung und Durchführung ihrer Aufgabe. Ein erhöhtes Interesse gewannen bei den Anwesenden sichtlich die Leistungen der 1. Elasse. Zunächst ward hier, vollständig neu, ein absoloirter Buchführungscursus durch anschauliche Besprechung in klarer und auch dem Laien verständlicher Weise vor- geführt. Die Antworten bewiesen, daß das Erlernte verstanden worden ist und wohl s. Z. entsprechend verwerthet werden wird. Daß die gründliche Durchführung eines solchen Eursus viel Schweiß erfordert, ist klar, darf indessen der Wichtigkeit der Disciplin gegenüber nicht in Betracht kommen. Die jungen Leute werden es der Fortbildungsschule Dank wissen, daß sie ihnen einiges Wissen in der Buchführung zuführen ließ.

Die darauf vorgenommene Prüfung in der Körperberechnung ergab ein exactes und abschließendes Wissen in einem namentlich für Baubandwerker so nöthigen Wissenszweig und machte auf die Anwesenden den besten Eindruck. Irren wir nicht, so war auch der Eindruck der ganzen Prüfung auf die Vertreter der Schulbehörde ein durchaus befriedigender.

Nach der Prüfung wurden Seitens der Jnnungsmeister entsprechende Prämiirungen an die vom Lehrpersonal vorgeschlagenen Schüler unter passender Ansprache der Meister vorgenommen.

Präcis 9 Uhr Schluß der Prüfung und Entlassung der Schüler der ersten Elasse, nachdem Herr Oberlehrer Fuhr denselben die besten Ermahnungen mit auf den Lebensweg gegeben hatte.

Unordnung und Collisionen einzelner Classen waren durch präcise Regelung der ganzen Handlung ausgeschlossen und Störungen auf dem Heimwege durch dankens- werthes Eingreifen der Polizei vermieden worden.

Sollen wir nun noch unsere Meinung über Zweck, Anlage und Durchführung dieser Prüfung anfügen, so ist es die, daß wir glauben, es werde durch eine derartige öffentliche Kundgebung doch das Interesse der öffentlichen Meinung für die Fort­bildungsschule wachgerufen und fehlt es nicht an Interesse hierfür, so werden auch die Leistungen in derselben immer bessere und gedeihlichere werden können.

Gießen, 8. März. Der Beschluß unserer zweiten Kammer, kein Geld für die Wohnlichmachung des alten Hofgerichts und der uralten Canzlei zu bewilligen, scheint in unserer Stadt nicht in seiner ganzen Tragweite erfaßt worden zu sein. Dem Hof­gericht wird Niemand eine Thräne nachweinen, auch wenn es niedergelegt und für eine neue Straße Platz geschaffen wird, die ja recht wünschenswerth sein mag und schon lang geplant ist.

Was wird aber aus der Canzlei mit dem Heidenthurm? Auch auf den Abbruch verkaufen? Das älteste, geschichtlich bedeutendste Gebäude, in dem unsere alten Landgrafen so manchmal gehaust haben (1518 wohnte hier auch der junge Land­graf Philipp, der später der Großmüthige genannt wurde), die alte Wasserburg, über deren Geschichte und Bedeutung Herr Geh.-Rath v. Rügen, der vorzügliche Kenner alter Bauwerke, im vierten Jahresbericht des Oberheff. Vereins für Localgeschichte S. 51 u. ff. sich ausführlich ausgelassen hat, versteigern, vielleicht auf den Ab­bruch versteigern? Das ist dock geradezu undenkbar! Für was haben wir in Hessen die verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz geschichtlicher Denkmäler? Daß aber das alte Schloß ein solches ist, wird Niemand im Ernst zu bestreiten wagen. Der Staat bat Geld für die Erhaltung der Ruinen Lißberg, Münzenbera rc., aber nicht für die Ruine des alten Schlosses in Gießen! Der hiesige historische Verein, der trotz der wenigen Jahre seines Bestehens sich unzweifelhafte und von urtheilfähiger Selle vollkommen anerkannte Dienste um die Localgesckichte der Stadt und der ganzen Provinz erworben hat, könnte keinen geeigneteren Ort für seine Sammlungen und seine Arbeiten finden, als das alte Schloß. Mit 10000 «X ließen sich die Dächer ausbessern, die späteren Holzanbauten beseitigen und das Schloß wieder einigermaßen wohnlich ern- rickten. Der Stadt würde ihr interessantestes Gebäude erhalten und dem Verein einen Raum übergeben, in dem er freudig weiterhin seinen gemeinnützigen Arbeiten ob­liegen könnte.

Nicht allein jedes Siegel, jede Etiquette, sondern auch der Gesammteindruck der Flasche ist gesetzlich eingetragen und geschützt. Vor jeder Nachahmung oder Verkauf von Nach­ahmungen wird mithin ernstlich gewarnt und zwar nicht allein wegen der zu gewärtigenden gesetzlichen Folgen, sondern auch hinsichtlich der für die Gesundh eit zu befürchtenden Nachtheile.

Man findet den echten Benedictiner Ijiqiieiir bei Nachgenannten, die sich schriftlich verpflichtet haben, keine Nachahmung zu verkaufen.

Emil Fischbach,

Hr. Kinkel, Conditor; Carl Schwaab.

wy______ oond. Bouillon ist eingedickter reiner

K PIHIH ftVIC 11 S Fleischsaft ohne Zusatz von billigen Suppcn- llvlUUivi *VU M läutern. Bequem.Gebrauch, fein.Geschmack.

Gießen, 10. März. In dem Proceß Schaum wurde heute Vormittag >r/12 Uhr das Urtheil verkündet. Dasselbe lautet hinsichtlich des Stemmler auf Freisprechung, dagegen in Bezug auf die versuchte Beeinflussung des Wolter auf eine Zuchthaus­strafe von 15 Monaten, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren und Tragung von 6/io der Kosten. Wie wir erfahren, wird gegen das Ur- thetl die Revision verfolgt. Der Vertheidiger des Schaum, Rechtsanwalt Grüne­wald, stellte den Antrag, den Verurtheilten gegen eine Eaution von 20,000 JL aus der Haft zu entlassen, welchem Antrag der Gerichtshof willfahrte. Der Staatsanwalt fixirte eine Eaution von 50,000 JL. (Wegen Raummangel muß das ausführlichere Referat bis zur nächsten Nummer zurückbleiben. Red.)

Vermischtes.

Mainz, 9. März. Aus Anlaß des Ablebens des Kaisers sind die hiesigen Stadtverordneten heute Abend zu einer Extrasitzung zusammengetreten. Nachdem Ober­bürgermeister Dr. Oechsner in kurzen Worten das schmerzliche Ereigniß berührt, beschloß die Versammlung, eine Beileidsadresse an die verwittwete Kaiserin zu richten und eine Deputation zu den Begräbnißfeierlichkeiten nach Berlin zu entsenden. Die Deputation wird entweder aus dem Obeibürgermeister Dr. Oechsner oder den drei Beigeordneten bestehen.

A Aus Rheinhessen, 9. März. Der Landtagsabgeordnete Dr. Schröder hat an den Vorsitzenden der am Sonntag in Guntersblum abgehaltenen landwirth- schaftlichen Versammlung, Herrn Dettweiler, ein Schreiben gerichtet, worin er dagegen protestirt, daß er die hessischen Landwirthe heruntergesetzt habe. Er sehe sich, schreibt Dr. Schröder, genöthigt, sein Mandat für die Kammer niederzulegen, sobald sich nach Darlegung der thatsächlichen Verhältnisse ergebe, daß der Beschluß der Guntersblumer Versammlung von seinen Wählern getheilt werde.

Alsfeld, 7. März. Jüngst ist ein kleines Schriftchen des Herrn Kreisrath Hoffmann dahier erschienen, das in weiten Kreisen unseres Vaterlandes ganz be­sondere Beachtung verdient. Es ist ein Geschichtskalender der Stadt Alsfeld, der zugleich fünf Abbildungen von geschichtlich und baulich bedeutenden Gebäuden ent­hält und aueb andere Sehenswürdigkeiten der alten Stadt aufzeichnet.

Die Schicksale der Stadt im Mittelalter, mehr noch im dreißigjährigen Krieg und selbst noch in den späteren Kriegszeiten waren höchst wechselnd, dazu zeitweise geradezu furchtbar; aber immer wieder hat der selbst durch die schwersten Zellen nicht zu unterdrückende Bürgersinn die Stadt aus Schutt und Asche emporgerichtet und die ihr geschlagenen schweren Wunden wieder ausgeheilt. Daß jetzt die Stadt Alsfeld Mühe hat, das herrliche Rathhaus in seiner alten, stolzen Pracht wieder herzustellen, liegt nicht in ihr selbst, sondern in den jetzt vollständig veränderten Verkehrsverhält­nissen, und ist es nur dankbar anzuerkennen, daß Herr Kreisrath Hoffmann den Reinertrag seines Sckriftchens gerade zur Wiederherstellung dieses Rathhauses bestimmt hat. Wir wünschen dem Herrn Verfasser und der Stadt einen reichlichen Erfolg.