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Veitage zu Nr. 36 besfliefjmer Anzeiger".

Deutschland.

Berlin, 7. Februar. In den Kreisen der Abgeordnete rechnet man jetzt, nachdem die Wehrvorlage heute erledigt und die Militärforderung gleich­falls in wenigen Tagen bewilligt sein wird, mit großer Bestimmtheit aus eine baldige Beendigung der Reichstags-Session, vielleicht schon in etwa 3 Wochen. Man Hoffs, daß er im Reichsamt des Innern gelingen wird, so rechtzeitig noch die Vorlage, betr. die Alters- und Jnvalidtn-Vrrsicherung, sestzustellen und im Reichstag einzubringen, daß bis dahin noch die erste Lesung der Vorlage Im Reichstag stattfinden kann. Dagegen hält man es für kaum ausführbar, bereits in diefem Sommer die Verlage zu erledigen, zumal die Mehrzahl der Abgeord­neten das dringende BedÜrfniß hat, stch an der Hand der einzelnen Bcstim- muvgen gründlich mit Industriellen uuO Sachverständigen über den Gesetzentwurf zu verständigen.

Die Neußerlichkeiten in der Erscheinung des Reichskanzlers während sslvec großen Rede im Reichstage werden in einem Berichte derKöln. Zlg." folgendermaßen geschildert:Eben hatte der Präsident bie hergebrachten geschäftlichen Einleitungen vorgetragen, oa erschien, flinken Schrittes auf seinen Plctz am Tisch des Banoesrath» zuschreitend, Fürst Bismarck in Dem bekannten dunkeln Kürassierrock mit aelbcrn Kragen. Kaum wieder halte der Fürst Zeit gehabt, das Haus durch ein einfaches Augenglas zu mustern, als der Präsioeut den eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung aufrief und ter Reichskanzler stch sofort ei hob. Es ist mehr al« überraschens, eine wie kleine, fast könne Stimme in diesem riesenhaften Körper wohnt. Dazu scheint es auch, als ob das Sprechen den Reichskanzler ermüde, fast schmerze, sodaß es für die erste Zeit in gelindem Sinne beängstigend ist, ibm zu folgen. Die fast zuckenden halben Drebungen des Kopses, das Vor- und RückLärt-beuaen des Oberkörpers bei Ver­schmähung jibcr Handbewegung der Reichskanzler spricht saft unausgesetzt mit im Rücken übereinandergelegten Händen das abwechselnde Stützen des Körpers bald auf dem rechten, bald auf dem linken Fuß, all' das macht den Eindruck, als spreche der Fürst mir großer Anstrengung und nur sehr ungern. Für den Näherstehenden mag es einen eigenen Reiz haben, daß gerade die Ironien und Schärfen, wie die humorvollen und launigen Wendungen, in denen der R-ichskanzler ja Meister ist, mit halbunterdrückter Stimme und unter ab­sichtlicher Vermeidung jeder ihre Wirkung erhöhenden Betonung vorgebracht werden; dem etwas entfernt Sitzenden geht dadurch das eigentlich Fesselnde ver­loren. Und dennoch packt der Fürst durch die Art, seine Gedanken von Weitem einzuleiten und sie so unwiderleglich zu begründen, bevor er sie noch eigentlich formulirt hat, auch bei längeren, namentlich geschichtlichen Darlegungen den Hörer so allgewaltig, daß die zwei Stunden, während welcher er nahezu sprach, vorüber waren,, wie ein kurzer Augenblick Nach der ersten Stunde war es unverkennbar, wie außerordentlich die ängstliche Sorgfalt, mit der jedes Wort abgewogen wird, bevor es über die Lippen kommt, den Reichskanzler anstrengte und abspannte. In immer kürzeren Zwischenpausen leerte er das mit einer Mischung von Selters- und Biliner Wasser und Wein gefüllte Glas, das ihm der hmter ihm stehende Sohn Herbert immer wieder erneuerte; wiederholt machte er baraaf aufmerksam, daß nicht genug Kohlensäure im Glase sei; je größer die Anstrengung und die Müdigkeit wurde, desto schwieriger schien es, das Getränk richtig zu mischen. Ein unotrLnnbarer Beweis der körperlichen Abgespanntheit."

Arankreich.

Paris, 7. Februar. Die heutigen Abendblätter bringen lange Be- sprechungm über Brnmarck's Rrde, die von vielen Blättern mit unwürdiger Heftigkeit angegriffen wird; so äußertParis" in einemDas Ungeheuer" überschriebenen Artikel, Bismarck greise Fortschritt, Recht und Gerechtigkeit an, aber der Reichskanzler sei im Grunde ferne« Herzens oermuthlich nicht so voll Heiterkeit, als er zur Schau trage, er fürchte den Krieg und werde ihn rffchl um eine Bagatelle onsangen; für ihn sei Bulgarien eine solche. War werde man dazu in Wien fügen, wo man die Unterordnung Bulgariens unter Oester­reich als Existenz-Bedingung betrachte; indeß die Ansicht feiner Bundesgenossen mache Bismarck dis wenigste Sorge. DieFrance" äußert:Aus Bismarck's Rr)e ist eine beredte Antwort zu erwarten, nämlich der Abschluß des Bündniffes mit Rußland und womöglich auch mit England und der Türkei." DieFrance" wünscht auch, daß ein Redner die französische Rcdnerbühne besteige, um dem furor teutonicus die Gefühle der patriotischen Solidarität, der Gloiren und Hoffnungen der furia francese entgegen zu setzen. DerNational" sucht zu beweisen, daß das Werk Bismarck's auf schwachen Füßen stehe: das Ganze sei ein Coup, den ein Mann spiele, der nicht sterben wolle, ohne fein Mark be­festigt zu haben; aber wenn Deutschland sich bis an die Zähne bewaffne und olle Parteien sich vereinigten, sobald man ihnen die bedrohte Einheit des Reiches vorführe, so sei es wehr als je geboten, wachsam zu sein. (Köln. Ztg.)

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' Gießen, 10. Februar. In der Sitzung derOberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde" am 8. Februar sprach uir zahlreichen Zuhörern Herr Pros. | Dr. Spengel überDie Stützen der Abstammungslehre". In Bezug auf j die Entstehung des Sennensystems, sowie auf die Stntsluth ist, wie frühere Redner zeigten, die Wissenschaft zu anderen Ergebnissen gelangt als die alttestamentltche Ueber- lieferung lehrt. Ebenso ist es mit der Entstehung der Thiere; auch hier ist die Genesis nicht in Übereinstimmung mit der Forschung.

! Entweder sind alle Thierfornien unabhängig von einander geschaffen worden, wie es die biblische Schöpfungsgeschichte lehrt, oder das Geschaffene änderte stch im Laufe der Zeit und wurde wieder zum Ausgangspunkt weiterer Veränderungen, wie < es die Abstammungstheorie lehrt.

Redner zeigte an zahlreichen Beispielen, daß die Eigenschaften einer Thierart ; nicht unveränderlich sind. Es zeigen sich individuelle Abweichungen und geographische I Varietäten.

j Manche derselben werden dauernd auftretenden, oft nur auf kleine Bezirke ! beschränkte Varietäten, wenn auch der Bau einzelner Körpertheile selbst bei sehr ver- i schtedenen Geschöpfen nach demselben Plan stattfindet und aus denselben Theilen besteht.

Redner zeigt, daß z. B. das Vorderbein des Pferdes, das Flugorgan der Fledermaus oder das Ptenedactilus und die Flosse des Wals nach demselben Grundplan und aus i denselben Theilen gebildet sind.

/ Latz neue Arien von Thieren im Laufe der Zeit entstanden sind, lehren besonders : die Versteinerungen. Die Lehre von Euvier, daß die verschiedenen Thierformen zu f verschiedenen Zeiten geschaffen worden seien, nachdem die vora'usgegangenen durch : gewaltige Ereignisse untergegangen waren, konnte vor der Erfahrung nicht bestehen, t Es haben sich vielmehr neue Formen aus den früheren allmälig entwickelt und finden wir die Uebergangssormen als Versteinerungen. Durch diese ist z. B. die große Kluft ; zwischen Vögeln und Amphibien ausgefüllt worden und zwar sowohl durch Amphibien ( mit Federn als durch Vögel mit gezahnten Kiefern.

! So nimmt also die Abstammungslehle an, daß eine fortdauernde Umwandlung und Umformung der Stammformen stattgefunden habe. Ist doch z. B. der Uebergang ! von dem fünfzehigen Pferde in der früheren Tertiärzeit zu unserem jetzigen einzehigen j Pferde durch alle Zwischenglieder nachweisbar.

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Darmstadt, 6. Februar. Seit einigen Tagen werden zur Reinigung unserer J Trottoirs Handwägelchen benutzt, welche eine Vorrichtung zum Gießen ähnlich wie die X Wasserfässer, Haden. Nachdem die Trottoirs auf diese Weise ordentlich bespritzt sind, werden sie durch hinter dem Wagen hergehende Straßenkehrer mit Besen von beträcht­licher Kehrlänge gereinigt. Wie man sich durch den Augenschein überzeugen kann, wird auf diese Weise eine gründliche Reinigung erzielt und der zähe Schmutz, der sich auf den Asphalt- und Cement-Trottoirs bei feuchter Witterung so gern bildet, voll­ständig entfernt. Die amtliche fakultative Trichinenschau ist für Darmstadt heute t in's Leben getreten. Die Gebühren für Untersuchung eines Schweines sind auf 35 * festgesetzt.

Darmstadt, 8. Februar. Zur internationalen Jubiläumsausstellung in Mel- ( bourne haben sich bis jetzt aus dem Großherzogthum Hessen folgende Firmen gemeldet: j Karl Traiser in Darmstadt, Mechaniker und Reißzeugfabrikant; Mayer, Michel j u. Deninger in Mainz, Lederfabrikanten; Simon Wolf in Mainz, Schuhwaaren- fabrikant; Dörr u. Reinhard in Worms, Lederfabrikanten; Dick u. Kirschten in Offen- t baß, Wagenfabrikanten; Julius Formstecher in Offenbach, Albumpapierfabrikant; \ I. A. Galette u. Er, in Offenbach, Staniolkapseln- und Kellereigeräthschaftenfabrikanten, \ und Heyligenstädt u. Ep. in Gießen, Maschinenfabrikanten.

Berlin, 8. Februar. Seit dem Tage des Berliner Congresses hatte unsere ; Telegraphenverwaltung nicht wieder eine solche Fülle von Depeschen an die Provinzen 1 und an das Ausland abzugeben, wie am 6. Februar von Nachmittags 3 Uhr bis spät \ in die Nacht hinein. Außer Betracht lassen wir die telegraphischen Miltheilungen an J vreußische und deutsche Blätter, die stundenweise über einen gemietheten Draht ver- i fügen. Die österreichische und unaarische Presse erhielt Berichte von zweitausend bis s viertausend Worten. England erhielt neben ausführlichen Analysen der Bismarck'schen j Rede Telegramme bis zu fünftausend Worten und in gleichem Umfange übermittelte das Kabel Depeschen nach Newyork. Die französische Presse begnügte sich mit zwei­tausend Worten, in gleicher Ausführlichkeit wurde Italien bedient. Nach Rußland gingen nur knapp gehaltene Eindrucksberichte, ebenso nach Kopenhagen, Stockholm, Brüssel und Madrid. . Es war wegen der zahlreichen Drähte, die Berlin mit allen Hauptplatzen des Festlandes verbinden, möglich, daß die Depeschenbeförderung für die Presse nicht unter dem Massenandrang der Riesentelegramme litt, die von den sämmt- I lichen Gesandtschaften an ihre Regierungen abgingen. Diesen officiellen Sitzungs- ! berichten folgten ungewöhnlich umfangreiche Telegramme mit Urtheilen und Eindrucks- | Darlegungen. Morse und Hughes arbeiteten so vortrefflich rasch und sicher, daß nur i eine verhältnißmäßig geringe Verstärkung des Personals erforderlich war. Es gingen i gestern an Absender von diesen Telegrammen Bescheide dahin lautend ein, es wäre jeder Satz und jedes Wort unoerstümmeli eingelroffen. Kurz, man war des Lobes voll über die außerordentlichen Leistungen der Reichstelegraphie. Interessant ist ein Vergleich der gegenwärtigen Drahtberichterstattung und»der zur Zeit des Berliner Eon- gresses. Damals war das zeitungslesende Publikum weitaus noch nicht so verwöhnt wie jetzt; die Telegramme haben an Umfang ungefähr um das vierfache zugenommen und die Raschheit der Beförderung hat sich reichlich verdoppelt, einfach weil die Zahl der Drähte wesentlich vermehrt ist. Wenn in drei Stunden ununterbrochener Arbeit etwa 4000 Worte telegraphirt worden, so ist das gewiß eine recht anerkennenswerthe | Leistung. Die Blätter in Newyork erhielten wegen des sechsstündigen Zeitunterschieds ? die große Bismarck - Rede in früher Abendstunde, so daß also in Amerika die erste ' Hälfte der zweistündigen Rede schon zwischen 7 und 8 Uhr Abends gelten werden ' konnte. Nach dem inzwischen hier erschienenen stenographischen Bericht gingen gestern | im Lause des Tages noch eine Unmasse von Ergänzungs-Telegrammen ab.

Allgemeiner Anzeiger.

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im Fürstlich n Herrngarten u. Dietrichüberg bei Villingen.

MittwVch den 15. d MtS., Morgens 9 Uhr, sollen in obigem Revier 8 Eichenstangen 0,30 Festm, 57 Festm. Fichtenbohnenstangen nebst 53 Raumm. Buchen-Scheitholz, 96,8 Raumm. Eichen- und Buchen-Prüqelholz, 529 Raumm. Buchen Oberholz resp. Durchforstungsreiser, 25,5 Raumm. Buchen- und Eichen-Stockholz öffentlich verkauft werden.

Hungen, den 6. Februar 1888.

Fürstl. Rentamt:

1002 Demme.

Dreh- und Frats-DpLhne, ausge- j 1074] Teltersweg 81 n. ein braves zeichnetes Brennmaterial, per Sack 15 X ! Dienstmädchen für Küche und Haus- bei Ludw. Müller, Schillerstr. [1035 J arbeit gegen Ende März gesucht.