Amts- und Anztigeblait für den Kreis Gießen.
Ur. 289 Drittes Blatt.
Drrreairr Schul st raße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Betreffend: Faselhaltung zu Odenhausen.
Bekanntmachung.
Der von Pachter Clotz zu Odenhausen Namens der zur Faselhaltung für die Gemeinde Odenhausen verpflichteten Freiherrlich von Rabenau'schen Gutsherrschast gehaltene Fasel (Vogelsberger, 2 Jahre alt) ist von der Körkommission als untauglich bezeichnet worden. Wir haben oeshalb die fernere Verwendung des fraglichen Fasels als Gemeindefasel bei Meidung einer Strafe bis zu 100 Mark auf Grund des Gesetzes vom 26. October 1887 Untersaat.
Gießen, am 5. December 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Darmstadt, 7. December. Das Grobherzogliche Regierungsblatt Nr. 36 enthält: j
Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben i beschäftigten Personen betreffend.
Faßen wir nochmals alles zusammen, so müssen wir die Darstellung eines vollkommen neutralen billigen Speisefetts, welches sich infolge seiner Reinheit sehr lange unverändert aufbewahren läßt, als einen großen Fortschritt bezeichnen, und wir stehen darum nicht an, der Eocosnußbutter eine bedeutende Zukunft vorauSzusagm und sie als ein Volks- und diätetisches Nahrungsmittel von größter Bedeutung zu bezeichnen.
Ein neues Nahrungsmittel.
Es ist bekannt, eine wie hohe Bedeutung das Fett in dem Ernäbrungsprocesse hat, und wie wichtig es ist, dafür zu sorgen, daß dasselbe in einem möglichst reinen Zustande unserem Körper zugeführt werde. Man ist deßhalb in neuerer Zeit anget Legentlich bestrebt gewesen, die dem Genüsse dienenden Fette möglichst rein und befreit von den schädlichen Stoffen, welche in vielen enthalten sind, darzustellen. Auch der Staat hat durch angemessene Gesetze den Eonfumenicn zu schützen gewußt, damit er keinen Täuschungen zum Opfer falle. Alle Fette und Oele verfallen, schneller oder langsamer, einem Zersetzungsprocesse, indem der Sauerstoff der Luft die in ihnen enthaltenen ätherischen Oele verändert und die Bildung freier Fettsäuren verursacht. Fette und Oele werden, wie wir uns gewöhnlich ausdrücken, „ranzig" und können in diesem Zustande nur noch technischen Zwecken dienen. Der Proceß deS Ranzigwerdens beginnt sehr häufig schon in den Oelfrüchten, aus welchen die Fette gewonnen werden, und bei den animalischen Fetten begünstigen die in ihnen enthaltenen Eiweißkörper außerordentlich die Zersetzung , so daß wir bis jetzt im Handel noch kein Fett oder Oel besessen haben, in welchem nicht freie Fettsäuren in beträchtlicher Menge nachgewiesen werden konnten. Je weniger freie Fettsäuren in den Fettarten enthalten, je weniger zersetzt die ätherischen Oele noch sind, um so höher schätzen wir dieselben und um so leichter verdaulich sind sie; denn die freien Fettsäuren sind die Ursachen, warum fette Speisen selbst dem Gesunden so oft schlecht bekommen, warum sie dem an schlechter Verdauung Leidenden geradezu schaden. Diese leichte Zersetzlichkeit ist auch der Grund, weßhalb bisher die großen Mengen Oelfrüchte und Fette, welche die Tropen erzeugen, uns nicht als Nahrungsmittel dienstbar gemacht werden konnten, denn bis dieselben den langen Seeweg von den Tropen zu uns zurückgelegt haben, ist das in ihnen enthaltene Fett ranzig geworden.
Die stete Zunahme der Bevölkerung Europas und die hiermit gleichen Schritt haltende Preissteigerung der Nahrungsmittel spornte jedoch stets zu Versuchen an, diese exotischen Fette verwendbar zu machen und dadurch die Zahl unserer Nahrungsmittel zu vergrößern. Von allen diesen Fetten war es von jeher das in der Cocosnuß enthaltene, welches die größte Aufmerksamkeit auf sich zog und auch verdiente; schon Liebig hatte darauf hingewiesen, daß es der Milchbutter am nächsten siebe. Die Eocos- palme, deren Heimath ursprünglich nur die Südsee-Jnseln und die Inseln des oft: jüdischen Archipels waren, ist jetzt in allen Ländern der Wendekreise in Wäldern angebaut und die nützlichste Palmenart; dient sie doch nach der Aussage der Hindus zu 99 Dingen. Diese Palme trägt bereits von ihrem 8. bis 100. Jahre, und zwar zu allen Jahreszeiten, Früchte — Cocosnüsse — etwa 10 bis 30 Stück an jedem Kolben, die vier- bis fünfmal jährlich geerntet werden und die Größe eines KinderkopfeS erreichen. Der innere Kern dieser Nüsse, anfangs fast ganz aus flüssigem, süßem und mtlcharttgem Eiweiß — Eocosmilch — bestehend, enthält nach der Reife eine weiße, fleischige und nußartig schmeckende Masse, die sogenannte Copra oder Eopperah. Dieselbe enthält 60-70 Procent Fett und 9-10 Procent Eiweiß. In den Tropen gewinnt man bereits das Fett durch Auspressen oder Auskochen der Nüsse. Seit den letzten Jahren wicd die getrocknete Eopra auch nach Europa verschifft und hier in den Oelfabrtken ausgepreßt. DaS aus frischen Nüssen bereitete Cocos-Oel hat eine schöne weiße Farbe, milden Geschmack und einen charakteristischen, nicht unangenehmen Geruch Leider geht aber gerade bei dem EocoSnuß - Oel die Zersetzung in freie Fettsäuren und die Veränderung der ätherischen Oele sehr rasch von Statten, wodurch es zu Speisezwecken ganz und gar unbrauchbar war. — Der Firma P Müller 4 Sohne in Mannheim ist es gelungen, das äußerst werthvolle Fett verwendbar zu machen. Dieses neue Speisefett, die Eocosnußbutter, enthält keinerlei Beimischung, es ist in seiner Zusammensetzung durch die Raffination^ methode durchaus nicht verändert, nur die ranzigen Stoffe sind daraus entfernt es ist somit ein reines Naturproduct. Die Eocosnußbutter stellt sich dar als eine weiße Masse, etwas härter als Kuhbutter, sie ist ausschließlich für die Zubereitung von Speisen bestimmt, dagegen zum Aufstreichen auf,Brot schonihrer Harte wegen nickt aceianet Die bereits erfolgte Ein uhrung dieses neuesten Nahrungsmittels in staatlichen und communalen Anstalten, wie Universitätskliniken, Casernenmen.zen Irrenanstalten, Krankenhäusern, ist der bette Beweis ihrer vorzüglichen Eigenschaft n und unleugbaren Vorzüge. Die absolute Reinheit der Eocosnußbutter' macht sie n erster Linie emvfeblenswerth. Denn nach den Analysen von Fresenius und anderen dieselbe aus : Fett 99,979 sprocent, » 0 020 Pe°--nt, Mineralstoff 0,001 Pcocent, stellt also ein vollständig neutrales d°r ^i von jeder Miiäure und jeglichem ätherischen Oele, sie laß! sich d-sha b in praklischer Be- rtebuna als ch-mlsch rein bezeichnen. Der scharse und zum'Husten reizend- Geruch, welcher sich so oft in unseren Küchen bemerkbar macht, zeigt die Entwicklung Ire,er Fettsäuren an, di- besonders im Backwerk -ing-schloss-n ost der Grund für die Schw-r- ö-rdaulichkeit oder richtiger di- Schädlichkeit des F-ttgeb°cken-n sind. Bei der Cvcos- nujjbuiter ist jedoch dieser Uebelstanb vollsiandi» b-I-ilig. und si- empsi-HIi sich d-s. halb als das gesundeste Speisefett. Aber nicht etwa nur für Kranke eignet sich selbe, ihr mäßiger Preis gestattet auch allen Elasten der Bevölkerung dte Verwendung; es mag früher oder später dahin kommen, daß bei Mastcnernahrung an Sklle der in Gefängnissen, Pfl-geanstalt-n und ähnlichen Instituten so knapp b°-nest-nm F-ttm-ngen größere Mengen verabreicht werden können, auch ohne Aufwendung größerer Geldmittei.
Laadwirthschaftlich« Nachricht«».
(Nachdruck verboten.)
; ~ fDle Auspflanzung der Obstbäume.) Die günstigste Zeit zum Auspflanzen
der Baume ist von Ende October bis in den April, so oft man nicht durch Frost oder starken Regen daran gehindert oder der Boden nicht gar zu feucht ist. Natürlich gibt es aber in diesem langen Zeitraum einen Zeitpunkt, welchem man unbedingt den Vorzug geben muß. Die Erfahrung hat es nun gezeigt, daß in den meisten Fällen die Baume um so besser gedeihen, je früher man sie pflanzt. Wer jemals Gelegenheit hatte, im Spätherbst oder Wintersanfang Bäume „einzuschlagen", welche er entweder selbst ausgegraben oder von auswärts bezogen hatte, der konnte beobachten, daß bet den eingeschlagenen, d. h. bei den ohne besondere Sorgfalt in den Boden gelegten unb nur an den Wurzeln mit Erde bedeckten Bäumen die Wurzeln schon vor Frühlingsanfang zu vernarben und neue Faserwurzeln zu bilden begonnen hatten, welche ja die für das Anwachsen und die Ernährung der Bäume wichtigsten Organe sind. Die Praxis lehrt, daß (mit Ausnahme der sehr kalten, nassen und sumpfigm Bodm oder solche^, welche einen Theil des Winters hindurch unter Wasser gesetzt werden tonnten) die Baume bei der Auspflanzung im Spätherbst ober Winter weit leichter anwachsen und entschieden weniger unter der Verpflanzung leiden, als die im März und besonders die im April gegrabenen und ausgepflanzten Bäume. Die Vortheile, die eine fruh- J zeitig ausgeführte Anpflanzung bietet, sind ziemlich bedeutende, so daß wir wenigstens \ die hauptsächlichsten hier noch anführen wollen. Zu diesen gehört vor Allem, daß die 5 Lücken,» die zwischen den Wurzeln sind, möglichst gut mit Erde ausgefüllt werden, durch ; das frühzeitige Auspflanzen wird dies sehr gut erreicht, indem Regen und Schnee das 6 Zusammensinken der frisch umgegrabenen Erde befördern, welche trotzdem doch locker bleibt und bie Lücken ausfüllt, die trotz aller Vorsicht noch zwischen den Wurzeln ge- bttebm sein können. Ebenso wird durch den Frost die Erde gelockert und zur oberflächlichen Bebauung geeignet gemacht; die Wurzeln, welche dadurch in eine leichtere, lockere, der Luft und den atmosphärischen Eindrücken zugängliche Erde kommen, bleiben gesunder und entwickeln sich leichter und kräftiger, während dagegen im Frühjahr nach
! dem Aufthaucn und Schneeschmelzen die noch Übermäßig mit Feuchtigkeit geschwängerte Erde schwer, dicht und lehmig wird, durch den Regen sich setzt, durch die Sonnenhitze
! zusammenbackt und eine zähe Kruste bildet, welche Regen, Thau, Luft und Wärme den i Zutritt zu den Wurzeln versagt und diesen eine Zeit lang dte zu ihrem guten Unters 1 halt, ihrer Ernährung und Gesundheit so nöthigen Elemente entzieht. Da die Wurzeln \ der zu verpflanzenden Bäume immer — wie schnell auch die Verpflanzung vorgenommen j werden mag — eine gewisse Zeit hindurch den Einflüssen der Luft und des Lichts auS- ] gesetzt bleiben, so werden sie bei der Verpflanzung im Winter weniger schnell aus- i trocknen, weil im Winter die Temperatur niedriger und die Atmosphäre mehr mtt r Feuchtigkeit geschwängert ist als im Frühjahr. Auch ist beobachtet worden, daß die : Bäume, die im Spätherbst oder Winter aus irgend einem Grunde einige Zeit unein- ' geschlagen liegen blieben, darunter in keiner Weise erheblich gelitten haben, während im • Frühjahr ein weit kürzerer Zeitraum, welchen die Bäume außerhalb des Bodens zu- > bringen, hinreicht, um ihre Wurzeln runzlich zu machen und ihnen Schaden zuzufügen. ’ Ebenso werden die im Spätherbst und Winter gepflanzten Bäume bet Wiederkehr deS i Sonnenscheins im Frühjahr auch der Trockenheit weniger ausgesetzt sein, da der Bodm j eine hinreichende Menge Feuchtigkeit ausgenommen hat und deshalb auch das Begießen entbehren können, welches bei einer spät vorgenommenen Auspflanzung stets erforderlich ist. Aus allem diesem ist zu ersehen, daß die Auspflanzung im Spätherbst und Winter für die Bäume von einem weit größeren Ruhm ist, als wenn dieselbe im Frühjahr vorgenommen würde. Jedoch handelt es sich hier nur um zu versetzende Bäume und nicht um junge Setzlinge, welche noch wenig Wurzeloermögen haben und die daher nur in ganz geringer Tiefe gepflanzt werden dürfen, denn für diese ist es rathsarn, mit dem Verpflanzen derselben bis dahin zu warten, wo keine starken Fröste mehr zu besürchtm sein werden, da sie sonst beim Aufgefrieren mit dem Boden emporgehoben werden und ihre ganze Zukunft einbützen könnten. Ebenso wird man, wenn es sich statt des 23er- pflanzens von Obstbäumen um das Verpflanzen von Gewächsen mit fleischigen Wurzeln, wie Spargel, Weinreben, Feigen u. bgl. handelt, besser dem Monat März den Vorzug geben; denn wollte man diese früher auspflanzm, so würde die im Boden vorhandene dauernde Feuchtigkeit in den meisten Fällen bas Faulen der Wurzeln herbetführm und, wo nicht einen gänzlichen Verlust der gesetzten Gewächse veranlagen, so doch in sehr
\ fühlbarer Weise das künftige Gedeihen der Setzlinge schädigen. Allein diese Fälle i bilden, wie ersichtlich, die Minderzahl und diese seltene Ausnahme ist durchaus nicht j hinreichend, um daraus eine Regel zu machen, da für die Mehrzahl der Bäume da« . AuSpflanzen im Winter von Vortheil und demgemäß auch zu empfehlen ist.
Literarische-.
— Die Verlagshandlung von I. I. Weber in Leipzig sandte uns soeben Lieferung 8—12 des X. Bandes der ,9ReifUttt>erfe der -ol-schrreidekrrnst" -u- Wenn wir in früheren Besprechungen das Gediegene und Künstlerische dieses Werkes nur anerkennend loben konnten, so ist es auch bei der heutigen Smdung der Fall. Nicht Jeder hat das Glück, Blldergallerien und Museen, jene Sammelstatten der Kunst, die doch immerhin das Vorrecht größerer Städte bleiben, besuchen zu können und nicht zu jeder Zeit sind ihre durch alle Länder zerftreutm Meisterwerke dem Auge geboten.


