Sonntag den 9. September
Zweites Blatt
Nr. 211
4^00
Drrreaur Schul ft raße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
ortsarmen.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
waren von 100 nur 8. ledig sind, landarmen
Francs
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Der Wald so grün, die Luft so frisch, Im Quellbach hüpft der flinke Fisch: Herr Kaiser, die kleinen Gesellen, Sie tummeln sich wie die Forellen.
Die Heerde läutet am Wiesenklee, Am Waldsaum äst das kluge Reh: Herr Kaiser, die munterer Bürschchen, Sie springen floh wie die Hirschchen.
füglich mehrere hundert Familien von den Ueberresten dieser Ueberbleibsel wird an die Bettler verschenkt und oorgeworfen, von welchen die Gassen voll find. Man des kaiserlichen Haushaltes jährlich wie folgt:
Erneuerung von Möbeln, Wäsche und Teppichen Kleider, Schmuck, Parfüms rc. für die Frauen Verschiedene Launen
Kleider und Mobiliar des Sultans
Geschenke und Gehälter
Manch Beerletn duckt sich unter'm Blatt, Manch rother Mund wird blau, nicht satt: Herr Kaiser, die holden Knaben, Sie können sich auch bei uns laben.
Bei Wenigem stets wohlgemuth, Treu ist das Herz und leicht das Blut: Herr Kaiser, die blühenden Kinder, Sie kehren Dir wieder gesünder.
Silber- und Goldgeschtrr
Ankauf und Erhaltung von 474 Wagen und Bespannungen
Küchenbedarf
der größere Theil dm Hunden schätzt die regelmäßigen Kosten
Auf unseren sonnigen Bergeshöh'n
Wie ist es so wonnig, wie ist es so schön: Herr Kaiser, zu nächstem Pfingsten Bekommen wir auch den Jüngsten.
Dem entspricht, daß die landarmen Männer überwiegend (51—73 pCt.) während unter den ortsarmen die Verheiratheten überwiegen. Bei den
hervor, daß dteOrtsarmen auf einer höheren sittlichen Stufe stehen als die Landarmen. Ein ähnlicher ganz beträchtlicher Unterschied macht sich geltend bezüglich der Ursachen der Bedürftigkeit, besonders bezüglich der sogenannten unmoralischen Ursachen, wie Trunksucht, Arbeitsscheu, Verlassen seitens des Ernährers, Strafverbüßung seitens des Ernährers und Verwahrlosung. Es kamen auf diese Ursachen 1885 im Königreich Sachsen bei den dauernd unterstützten Ortsarmen 11,37 pCt., bei den Landarmen aber 23,93 pCt.
Wie schon alle diese Zahlen eine deutliche Sprache gegen das Wanderleben führen, so ersieht man auch aus dem Durchschnittsalter der Landarmen, daß ihr Leden schwer bestraft wird. Bei den dauernd unterstützten ortsarmen Männern entfallen überall relativ die meisten auf die Gruppe „60—70 Jahre", während die meisten landarmen bald zwischen 50—60, bald zwischen 40—50, bald gar zwischen 30—40 Jahre alt sind, also sich in dem Alter befinden, in dem die Erwerbskraft am größten sein sollte. Roch mehr werden die Frauen durch die Heimathlosigkeit ruinirt, bei den ortsarmen ist die stärkste Gruppe die zwischen 60 und 70 Jahren, bei den landarmen die zwischen 30 und 40. Heber 60 Jahre waren alt im Königreich Sachsen 1885 von ortsarmen Männern 49,46 pCt., von landarmen 25,13, von ortsarmen Frauen 46,89 pEt., von landarmen 23,75, 1880 sogar nur 16,88 pCt. Fürwahr, ein Fluch ist Heimathlosigkeit!
Zusammen 199 800 000
Folgendes originelle Gedichtchen veröffentlicht das „Arnstädter Tgbl.": Oberhof.
Frauen zeigt sich ein geringeres Vorwiegen der verwtttweten als bei den DnaaniuH. Die Geschiedenen und Getrenntlebenden '.betrugen im Königreiche Sachsen 1885 unter den ortsarmen Männern 7,18 pCt., unter den landarmen 12,87; unter den ortsarmen Frauen 7,53 pCt., unter den landarmen 22,57. Daraus schon geht
halt zu wechseln, so darf Niemand davon überrascht sein und jeder seiner Befehle muß unverzüglich ausgeführt werden. In Erwartung eines solchen Wunsches muß immer ein gesatteltes Pferd und ein bespannter Wagen bereitstehen. Der Lieblings-Aufenthalt des Sultans ist Mdiz-Ktosk. Es ist unnöthtg, hervorzuheben, daß unter solchen Umständen eine ungeheure Verschwendung an Lebensmitteln getrieben wird und daß sich ernähren könnten. Ein Theil
gehend unterstützten Landarmen, so sind gar 86 bis 90 pCt. Männer. Famtlienhäupter 100 erwachsenen Landarmen 18 oder 19, von den Männern allein unter
Meßmer Äiizciger
Amts- und Anzcigeblsit für den Kreis Gießen.
aL’m oond. Bouillon iat eingedickter reiner
H Pi mm Rrinn S Fleiachsaft ohne Zusatz von billigen Suppen- ** kräutern. Bequem.Gebrauch, fein.Geichmack.
Vermischtes.
Darmstadt, 6. September. Wie vor einiger Zeit Kronen mit dem Bildniß des Großherzogs Ludwig IV. zur Ausgabe gelangten, so kommen jetzt auch Zweimarkstücke gleicher Art in den Verkehr.
Darmstadt, 7. September. An Zollen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern wurden im Etatsjahre 1887—88 in Hessen 10 698 520 vereinnahmt. Im Einzelnen betrug die Einnahme aus Eingangszoll 6 574 290 JL, aus Rübenzuckersteuer 734 306 n*L, aus Salzsteuer 871807 JC, aus Tabaksteuer 315 297 Jt, aus Branntweinsteuer 1064 229 Jt, aus Uebergangsabgaben von Branntwein 2577 JL, aus Brausteuer 839 856 JL, aus Uebergangsabgaben von Bier 80 885 JL, aus Reichsspielkartenstempel 146113 JL und aus anderen Reich^fiempelabgaben 68 244 Jt
Aus Oberhessen, 6. September. Der Streit, ob der Simmenthaler oder Vogelsberger Rindvtehrasse der Vorzug einzuräumen sei, ist dahin beglichen, daß der Vogelsberg an der Vogelsberger, der übrige Theil der Provinz an der Simmenthaler Rasse festhält. Simmenthaler Bullen werden durch eine bestellte Commission in der Schweiz angekauft und demnächst in Friedberg unter den Bestellern versteigert. Der Staat leistet zu den diesbezüglichen Kosten einen Beitrag von 1000 JL Vogelsberger Bullen sind nicht in genügender Zahl vorhanden; es werden deshalb Kalbinnen und Rinder, sowie Bullen dieser Rasse angekauft und zur Nachzucht auf dem Oberseemer Hof, auf dem Hof Zwiefalten und auf der Bingmühle bei Grünberg eingestellt. Die mit der Ausführung betrauten Commifsionsmitglieder und die Besitzer der genannten Höfe sind Mitglieder der neugebildeten Herdbuchs-Gesellschaft für das Großherzogthum Hessen. Für die Kosten leistet der Staat einen Beitrag von 3000 JL Die Bildung weiterer örtlicher Zuchtvereine soll gleichzeitig thunlichst gefördert werden.
— Frankfurt, 7. September. Gestern stürzte am Gutleuthof ein Kehrichthaufen zusammen und begrub drei Arbeiterinnen. Eine derselben war auf der Stelle tobt, zwei erlitten so schwere Verletzungen, daß sie in's Hospital gebracht werden mußten^ Abend wird die zweite Zufuhrstraße nach dem Hauptbahnhof eröffnet, womit einem dringenden Bedürfniß entsprochen wird. Die seitherige provisorische Straße war nicht nur für die Bewältigung des ungeheuren Verkehrs völlig unzureichend, sondern auch so herzlich schlecht beleuchtet (durch Petroleumlampen), daß es in letzter Zeit auf der belebten Straße passiren konnte, daß alleingehende Damen von unverschämten Burschen in der gemeinsten Weise insultirt wurden. Die neue Lufuhrstraße ist mit Gasbeleuchtung versehen. - Auch mit dem Durchbruch nach der
Wiesenhütte ist heute begonnen worden. — Von dem Verkehr am neuen Bahnhof kann man sich übrigens einen kleinen Begriff machen, wenn man vernimmt, daß die Restaurateure seit dem Eröffnungstage, also in 20 Tagen, allein 5 Waggonladungen bayrisches Bier verzapft haben.
Marburg, 6. September. Das dieser Tage in hiesiger Stadt umlaufende Gerücht, daß eine Mutter ihr Kind getödtet habe, stellt sich als unwahr heraus und ist darauf zurückzuführen, daß ein, eines natürlichen Todes gestorbenes Kind in einem Korbe unter das Bett gestellt und hier von einer Katze angefressen wurde.
Berlin, 6. September. Seit einigen Tagen verweilen hier zwei höhere ital. Postbeamte, die Herren Earlo Pirrone, Jnspector des Centralpoftamts in Rom, und Luigi Chiapussi, Generalpostdirections-Secrelär, um sich im Auftrage der königlich italienischen Postverwaltung mit den deutschen Posteinrichtungen, namentlich mit dem Postzeitungswesen, bekannt zu machen.
— Für die Münzen mit dem Bildniß Kaiser Friedrichs ist in den letzten beiden Wochen schon ein weit geringeres Agio gezahlt worden, besonders die Kronen und Doppelkronen erzielen kaum noch einen Aufschlag von 50 H. Begehrter sind die Sildermünzen, indessen finden auch die Zweimarkstücke zum Preise von 3 JL kaum noch Abnehmer; auch für sie beträgt das Agio nicht viel über 50 H. Ebenso sind die silbernen Fünfmarkftücke im Preise zurückgegangen; während im Juli und in der ersten Hälfte des August noch 3 bis 4 JL über den Nennwerth für sie gezahlt wurden, finden sie jetzt zu 6,50 und 7 JC. willige Abgeber. Dies liegt daran, daß ein erheblicher Theil jener Münzen — so komisch das auch klingen mag — sich, nach einem Börsenausdruck, in zu schwachen Händen befand. Gegen Ende des letzten Monats waren sämmtliche Friedrichsrnünzen stark angeboten. Diesem Cursrückgange haben sich die Sterbethaler von 1861 angeschlossen. Die neuerdings vielfach aufgetauchten Falschstücke haben dieser noch kürzlich so gesuchten und mit unglaublich hohen Preisen gezahlten Münze die frühere Beliebtheit geraubt; die Curshöhe schwankt gegenwärtig zwischen 30 bis 40 JL Dagegen hat sich das Interesse der Münzsammler den Goldmünzen mit dem Bildniß Kaiser Wilhelms I. und mit der Jahreszahl 1888 zugewandt. Mit erneutem Eifer sucht man ferner die Sterbethaler von Friedrich dem Großen, welche gegenwärtig ebenfalls höhere Preise erzielen. Man versteht unter diesen Sterbethalern nicht alle derartigen Münzen aus dem Jahre 1786, sondern nur diejenigen, welche vor und hinter dem Münzzeichen Ajinen erhabenen Punkt zeigen.
— sDer Haushalt des Sultans.) Mehr als sechstausend Personen halten im Sultanspalaste von Dolma-Bagtsche täglich ihre drei Mahlzeiten und es ist keine leichte Sache, das Räderwerk einer so ungeheueren Maschine zu schmieren; die Sache wäre viel einfacher, wenn man die Mahlzeiten zu bestimmten Stunden und nach einem fest- gestellten Menu hielte;' allein man muß da immer mit der Laune des Herrn oder irgend einer seiner Favoriten rechnen. So unvernünftig, unvorhergesehen, ja selbst unausführbar ein solches Verlangen auch sei, so wird doch gefordert, daß es auf die Minute ausgeführt werde. Der Großkämmerer ist der wohlbestallte Interpret aller Wünsche des Herrn; er muß daher Tag und Nacht zu seiner Disposition stehen. Auch der Schatzmeister trägt in seiner Eigenschaft als oberster Chef aller häuslichen Dienstzweige eine ziemlich schwere Last auf seinen breiten Schultern. Seine Einkäufer allein, von welchen jeder mit einer besonderen Specialität betraut ist, bilden thatsächlich eine Armee. Eine Abtheilung derselben ist z. B. blos mit dem Einkauf von Fischen beschäftigt, und für sechstausend Personen täglich Fische zu besorgen, ist in einer Hauptstadt, welche keine geregelten Märkte hat, durchaus keine leichte Sache. Die für den Sultan selbst bestimmten Speisen werden durch seinen Personal-Koch zubereitet und kein Anderer darf dieselben berühren. Die Kasserollen, in welchen sie bereitet werden, sind aus Gold und Silber und mittelst eines Papierftreifens versiegelt, den der Groß- Kämmerer vor den Augen Sr. Majestät abreißt und von jeder Speise kostet, ehe der Herr sie zum Munde führt. Um den Bedarf der Küche an Geflügel, Obst und Gemüse zu beschaffen, läßt der Sultan mehrere große Domänen in der europäischen und asiatischen Türkei ausschließlich zu diesem Zwecke bewirthschaften. Wenn es dem Sultan beliebt, seine Residenz mit einer anderen seiner zahlreichen Schlösser zu vertauschen, wird nichts in den häuslichen Gewohnheiten des Schlosses geändert. In jedem dieser Schlösser muß zu jeder Stunde Alles zu seinem Empfange bereit sein. Wenn ihm, wie das zuweilen der Fall ist, mitten in der Nacht die Laune kommt, seinen Aufent-
Die Landarmen-
Die Armen, welche öffentlicher Unterstützung bedürftig werden, zerfallen nach dem Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz in zwei große Gruppen: die Ortsarmen unb' die Landarmen. Die Ortsarmen haben einen bestimmten Unterstützungswohnsitz, sie Haden ihn durch Abstammung, Verehelichung oder mindestens zweijährigen Aufenthalt in einer Gemeinde erworben, ein bestimmter Armenverband ist verpflichtet, für sie aufzukommen. Landarme sind solche, für die keine Gemeinde aufzukommen braucht, meist weil sie von ihrem früheren Unterstützungswohnsitze zwei Jahre lang ununterbrochen abwesend waren. Für diese Landarmen hat der Landarmenoerband, also die Provinz, der Kreis oder ein'^sonstiger größerer Bezirk, in dem sie hilfsbedürftig werden, zu sorgen.
Daß zwischen seßhaften Ortsarmen und wanderlustigen Landarmen in mancher Hinsicht große Unterschiede herrschen müssen, liegt nahe. Welcher Art und Bedeutung diese Unterschiede sind, ist wissenschaftlich festgelegt durch den soeben erschienenen letzten Abschnitt des Werkes über „Das Armenwesen in 77 deutschen Städten und einigen Landarmenoerbänden", welches auf Veranlassung des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit herausgegeben worden ist. Das Landarmenwesen der Provinzen Sachsen unb Posen unb des Königreichs Sachsen wirb darin einer gründlichen statistischen Beobachtung unterzogen und dabei ist ermittelt worden, daß Posen wegen seiner eigenartigen wirtschaftlichen Stellung keine allgemein gültigen Erscheinungen zeigt; wohl aber können die Provinz und das Königreich Sachsen ein Bild für allgemein deutsche Verhältnisse geben.
Die Zahl der Landarmen betrug in der Provinz Sachsen 1883: 4332 und 1884: 4011 Personen, im Königreich Sachsen 1880 : 8122, 1885 : 8589 Personen. Aus 10,000 Einwohner kommen also in der Provinz Sachsen 18 oder 17 Landarme, im Königreich Sachsen 27. Von 100 selbstunterstützten Landarmen waren in der Provinz Sachsen 85 Erwachsene, im Königreich 1880: 88, 1885: 78 Erwachsene. Dieses Verhältniß zwischen Erwachsenen und Kindern besteht ungefähr auch bei den Ortsarmen, dagegen ist das Verhältniß der Geschlechter in beiden Gruppen sehr verschieden. Während von 100 Ortsarmen etwa 60 Frauen und 40 Männer sind, waren unter 100 erwachsenen Landarmen in der Provinz Sachsen 73 ober 74 Männer, im Königreiche Sachsen 1880: 73 unb 1885: 62 Männer. Berücksichtigt man nur die vorüber-


