Heilage zu Jir. 132 Öes „Hichmer Anzeiger".
Der Unterstühungsverein deutscher Buchdrucker.
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1. für
2. „
Haltung des Tarifs . außerordentliche Unterstützungen Gewährung von Rechtsschutz . Beiträge arbeitsloser Mitglieder an die Krankenkasse .
130,861. 80.
266,344. 53.
530. —.
1,738. 50.
9,802. 50. — 546,893. 60.
Der feit 1866 bestehende Unterstützungsverein deutscher Buchdrucker hat vor einiaen Wochen in Hamburg seine Generalversammlung abgehalten, um sich namentlich darüber schlüssig zu werden, ob der Sitz des Vereins, welcher sich seither in Stuttgart befindet, nach Preußen zu verlegen sei, oder aber, ob die centrale Form aufgegeben und dafür Landesveretne gegründet werden sollten. Veranlassung hierzu gab die schon seit längerer Zeil von Seiten der preußischen Regierung vorgenommenen Recherchen und Beanstandungen der Kassen des genannten Vereins, weil man diese Humanitären Anstalten für Versicherungen im Sinne des § 360,9 des deutschen Strafgesetzbuches erklärte und verlangte, man müßte entweder Eorporcttionsrechte in Württemberg erwerben oder aber die Zulassung zum Geschäftsbetrieb in Preußen nachsuchen. Das letztere geschah- jedoch wurde das Gesuch zweimal vom Ministerium abschlägig befchreden. Erst in letzter Stunde ging dem Berliner Gauvorftand, welcher mit Führung der Angelegenheit betraut worden war, weil man die Mitglieder des Stuttgarter Eentralvorstandes als „Ausländer" betrachtete, auf eine abermalige Eingabe folgender ministerielle Ent- scheid zu. Po,stände ertheile ich auf das an den Herrn Minister des Innern
gerichtete Gesuch vom 11. v. M. im Auftrage des letzteren hiermit zum Bescheide, daß derselbe geneigt ist, dem Unterstützungsveretn deutscher Buchdrucker die Erthetlung der landespoltzeiltchen Genehmigung zum Geschäftsbetrieb in Preußen in Aussicht zu stellen, wenn der Verein seinen Sitz hierher verlegt und sein Statut den erforderlichen Abänderungen unterzieht.
Der Polizeipräsident."
Aus Grund dieser neuesten Verordnung beschloß dann die Generalversammlung nach längerer Debatte und mit überwiegender Majorität, dem Verlangen der preußischen Regierung uachzukommen und den Sitz des Ceniraloeretns nach Berlin zu verlegen. Gegenwärtig befindet sich das neue Statut beim preutztichen Ministerium, um für dasselbe die staatliche Genehmigung zu erwirken.
Wie segensreich der Unterstutzungsverein deutscher Buchdrucker bisher seme Thätigkeit entfaltet, dürfte am deutlichsten aus dem neuesten Rechenschaftsberichte dieses Vereins heroorgehen. Darnach wurden im verflossenen Geschäftsjahre (ausschließlich Verwaltungskosten), welche etwa 5 Procent der Einnahmen ausmachen, für Unter
stützungen abgegeben.yon Allgemeinen (Gewerkoereins-) Kasse: Reiseunterftützung . . , JL 137,616. 27.
Arbeitslosen-Unterstützung Unterstützung zur Aufrecht-
b) von der Jnvalidenkasse: Jnvalidenunterstützung . - ** 72,649. —•
Begräbnißgeld verstorbener In- ,
validen 2,710. —. — 75,309. —.
2.
JL 941,649. 37.
Znsgesamml
c) von der Krankenkasse (eingeschr. Hiltskasse):
1. für Krankengeld u. Verpflegungskosten v* 304,808. 27.
Begräbnißgeld 14,588, 50. = 319,396. 77.
Eingenommen wurden in diesem Zeitraum: a, in der Gewerkoereintzkasse an Beiträgen und Zinsen b. „ „ Jnvalidenkasse „ v » »
c. „ „ Krankenkasse „ „ » »
Zusammen
Die Mehrausgaben in der Gewerkoereinskasse wurden
JL 398,660. 85.
„ 194,716. 10.
„ 353,426. 95.
«X 946,803. 90.
aus dem Reserve
fonds 0^)becrcr^erm5ßen§ftant) ber drei Kasten (einschl. betrug am 1. April 1888:
a. Allgemeine (Gewerkoereins-) Kasse .
b. Jnvalidenkasse
c. Krankenkasse
der Vorschüsse in den Gauen)
. JL 65,524. 57.
. ,, 756.835. 60.
. „ 104,783. 78.
Summa v* 927,143. 95.
Landwirthschaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— sVertreibung der Natten.) Als ein vorzügliches Mittel zur Vertreibung der Ratten ist in vielen Gegenden Deutschlands die jetzt blühende Hundszunge im Gebrauch. Diese Pflanze, kenntlich an den langen, schmalen, behaarten Blättern und den kleinen, blauen Blüthen, ist den Ratten sehr unangenehm und sie sollen die Orte verlassen, in denen sie auf die Hundszunge stoßen. Man steckt zu dem Zwecke die blühende Pflanze, nachdem man sie vorher zerquetscht hat, um den Geruch besser heroortreten zu lassen, in die Rattenlöcher oder legt sie an den ,von Ratten besuchten Orten aus. Da die Pflanze allenthalben wild oorkornrnt, können wir unsere Leser nur zu einem Versuch mit dem einfachen Mittel rathen.
— Gegen Fliegenstiche bei Thiercn läßt sich, wenn die Stiche sehr schmerzhaft und die Stelle sehr anschwillt, bekanntlich mit Vortheil Salmiakgeist anwenden, von dem einige Tropfen auf die Stelle gebracht, eine Schmerzlinderung herbeiführen. Da indeß Salmiakgeist nicht immer bei der Hand ist und es doch oft nölhig scheint, den Thieren, namentlich unruhigen Pferden, eine Schmerzlinderung zu verschaffen, so emvfehlen wir unseren Lesern in solchen Fällen den in vielen Gegenden Deutschlands allgemein angewendeten Tabakssaft zu gebrauchen. Dieser Saft ist immer vorhanden, wo eine Pfeife geraucht, und diesen braunen Saft aus der Pfeife schmiert man auf die gestochene Stelle. Die Wirkung ist eine sehr gute, da in dem Safte kohlensaures Ammoniak enthalten ist, welches das in die Stichwunde gerathene Insectengift (Ameisensäure) neulralisirt.
- (Achtet auf die Kornmotte.) Wir erinnern daran, daß die Flugzeit der Kornmotte begonnen hat und daß daher, wenn auch das Hauptaugenmerk des Land- wirths jetzt dem Acker zugewandt ist, doch der Speicher^nicht vergessen werden darf. Die Kornmotte ist bekanntlich ein kleiner, silbriggrauer Schmetterling von noch nicht einem (Sentimeter Länge, dessen Flügel hinten gekreuzt sind und in die Höhe stehen, er ist also leicht kenntlich. Die Motte schwärmt von Ende Mai bis in den. Juli hinein und legt nach erfolgter Paarung ihre kleinen mit bloßem Auge nicht recht sichtbaren Eier an die einzelnen Getreidekörner. Die Raupen, die nach 10—14 Tagen auskriechen, fressen sich in das Korn ein, fressen es hohl und geben dann zu einem andern über, ein Räupchen braucht 20—30 Körner. Dahin darf es der Landwirth nicht kommen lassen, sondern er muß zur Vernichtung der Motten schreiten und hierbei^ sind die scharfen Augen und fünfen Hände der Kinder gut zu verwenden, man lasse täglich mit Fliegenflappen die am Tage an den Wänden und dem Gebälk sitzenden Motten tobt- schlagen. Daneben ist ein fleißiges Wenden des Getreides zu empfehlen. Um nicht ein Zufliegen der Motten von Außen zu begünstigen, sind die Speicher während der Flugzeit möglichst zu schließen. , . r .
— Um eigroße Stachelbeeren zu ziehen, wird jetzt vielfach folgendes Mittel empfohlen, das wir unfern Lesern nicht omenthalten wollen. Man wählt zunächst einen Stachelbeerstrauch mit grohfrüchtigen Stachelbeeren. Nachdem die Beeren die Größe eines Nußferns erreicht haben, umwickelt man einzelne Zweige mit Moos mittelst dicker wollener Fäden, stellt ein flaches Gefäß mit Wasser unter den Strauch und laßt die angefeuchteten Fäden in das Wasser hinein hängen. Vermöge der Capillaritat zieht sich das Wasser in die Höhe an den Zweig. Es muß natürlich dafür gesorgt werden, daß fortwährend Wasser in dem Gefäß ist. Nach Verlauf einiger Wochen werden die Beeren an den betreffenden Zweigen eine abnorme Größe erreicht haben, soweit das empfohlene Mittel. Wir wollen unseren Lesern aber auch gleich mittheilen, daß sich die eigroßen Stachelbeeren nicht lange halten und auch nicht besonders schmecken.
— Gurken geben nach folgender Behandlungsweise einen besonders großen Ertrag. Man ziehe einen Graben von einem Spatenstich Breite und Tiefe, fülle ihn ein Drittel mit Asche und Abtrittdünger und dann ganz mit der ausgeworfenen Gartenerde. Jiun macht man mitten auf den gefüllten Graben eine ca. 5 (Zentimeter tiefe Rille, Legt tue Kerne hinein, scharrt die Erde wieder locker darauf und gießt gut an. Die Gurken gehen schnell auf, wachsen stark, setzen reich an und bringen gute und große Fruchte, weshalb wir diese Art der Aussaat unseren Lesern nur empfehlen können.
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