Vellage zu Jlr. 59 des „Meßmer Anzeiger".
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Deutscher Reichstag.
55. Sitzung vom 7. Marz 1888.
Abg. Kolt (bfr.) ist neu in das Haus eingetreten.
Auf der Tagesordnung steht zunächst: Erste Berathung deS Entwurfs über die Auslegung des Gesetzes betr. die Einführung des deutschen Strafgesetzbuchs in Elsaß-Lothrtngen.
Nach der Vorlage sollen gewisse strenge Bestimmungen über die Bestrafung von Preßvergehen, von aufrührerischen Rufen, Tragen und Aushängen von unerlaubten deutschfeindlichen Abzeichen durch Einführung des Strafgesetzbuchs nicht außer Kraft gesetzt sein.
Unterstaatssecretär ». Puttkamer begründet die Vorlage mit dem Hinweis, daß man in Elsaß-Lothringen auf diese Bestimmungen nicht verzichten könne, so lange dort deutschfeindliche Bestrebungen zu Tage treten.
Abg. Traeger (freis.) beantragt Verweisung der Vorlage an eine Commission von 14 Mitgliedern; werde Eommtssionsberathung abgelehnt, so würden seine politischen Freunde gegen die Vorlage stimmen.
Abg. Fieser (natl.) befürwortet unveränderte Annahme der Vorlage. Die Verweisung der Vorlage an eine Commission würde einer Ablehnung gleichbedeutend sein, da bei der Geschäftslage des Hauses eine zweite und dritte Berathung unmöglich wäre.
Abg. Dr. Hartmann (cons.) erklärt sich gleichfalls gegen Eommtssionsberathung. Die Sache sei eilig und klar. Es handle sich nicht darum, zu untersuchen, ob die betreffenden Bestimmungen gut seien oder nicht, sondern nur um eine Interpretation.
Der Antrag auf Eommtssionsberathung wird abgelehnt, die zweite Berathung findet daher direct im Plenum statt.
Das Gesetz betr. den Reingewinn aus krtegsgeschichtlichenoWerken des großen Generalstabes, sowie die Vorlage betr. die Ausführung der Convention wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst werden debattelos in erster und zweiter Lesung angenommen.
Der Nachtragsetat (strategische Bahnen) wird auf Antrag des Abg. v. Bennigsen der Budgetcommtssion zur schleunigen Berathung überwiesen.
Es folgt dritte Berathung des Gesetzes betr. die unter Ausschluß der Oeffentltchkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen.
Abg. Singer (L>oc.) macht die Nationalliberalen für das Zustandekommen dieses Gesetzes verantwortlich. Die Vorlage richte sich weniger gegen die Hoch- und Landesoerrathsprozesse als vielmehr gegen die socialdemokratischen Bestrebungen, da die Regierung eingesehen, daß das Soctalistengesetz keine ausreichende Waffe mehr sei.
Abg. Kulemann (natl.) protestirt dagegen, daß seine Partei das Palladium der Oeffentlichkeir vernichten wolle. Die Bedenken des Vorredners könne er nicht theilen. Er werde der Vorlage zustimmen, wenngleich er manches anders gefaßt haben möchte.
Abg. v. Strombeck (Centr.) erklärt sich entschieden gegen die Vorlage, besonders gegen die Strafbestimmungen über den Strafbefehl.
Abg. Traeger (freis.) wendet sich gegen einzelne Bestimmungen der Vorlage, insbesondere gegen die Dehnbarkeit der einzelnen Paragraphen und befürwortet nochmals seine in zweiter Lesung abgelehnten Anträge.
Nachdem noch Abg. Hahn für die Vorlage gesprochen, wird die General- discussion geschlossen und die Vorlage ohne Specialdebatte angenommen.
Es folgt dritte Berathung der Anträge Dr. Lieber .'und Hitze betreffend die Sonntagsruhe.
Abg. Niethammer (nl.) bezeichnet die Regelung der Sonntagsfrage als ein Glied der Socialreform und hofft, daß der Bundesrath sich dem einmüthigen Beschluß des Reichstags gegenüber nicht ablehnend verhalten werde.
Abg. Stöcker (cons.) bedauert die jüngsten Auslastungen der „Nordd. Allg. Ztg.", die die materielle Seite dec Sonntagsruhe zu sehr betont hätten. Er sei der Meinung, daß der Ausfall der Sonntagsarbeit die Arbeitslöhne erhöhen werde. Die große Mehrheit der Arbeitnehmer habe sich für die ideale Forderung der Sonntagsfeier ausgesprochen. Der blaue Montag erkläre sich einfach aus der Indignation der Arbeiter, die am Sonntag arbeiten müßten. Nähme der Reichstag die Anträge einmüthig an, so werden die Regierungen nicht länger zögern, den Anträgen zuzustimmen.
Abg. Bebel (Soc.) erklärt Namens der Socialdemokraten, daß sie, nachdem der S 105 der Vorlage in der zweiten Lesung eine solche Abschwächung erfahren, gegen das Gesetz stimmen werden. England und Amerika, die beiden größten Industriestaaten, hätten ihre Sonntagsfeier, warum sollte Deutschland als Dritter fehlen? Es würde sich überhaupt empfehlen, endlich eine internationale Arbeiterschutzgesetzgebung deutscherseits anzuregen.
Die Discussion wird geschloffen und die Vorlage unverändert angenommen.
Es folgt dritte Berathung des von den Abgg. Munckel und Rintelen eingebrachten Antrags betr. die Entschädigung unschuldig Verurtheilter.
Der Antrag wird ohne Discussion gegen die Stimmen der Conservativen an genommen.
Es folgen Wahlprüfungen.
Die Wahlen der Abgg. Dornrnes (4. Marienwerder) und Böhm (5. Hessen) werden für gültig erklärt.
Morgen 11 Uhr: Kleine Vorlagen, dritte Lesung des Etats.
Lokales.
Sietzen, 8. März. sThierschutzverein.) Ihr weit verbreitetes Blatt ist für uns schon darum auch ein höchst geschätztes, weil es stets ermahnte, wenn strenge Kälte eintrat und tiefer Schnee die Fluren bedeckte, der überwinternden, hungrigen Vögel nicht zu vergessen und wir können Ihnen die freudige Versicherung geben, daß wenigstens in unserer Stadt Ihre edlen Ermahnungen auf einen fruchtbaren Boden gefallen sind, denn viele, ja sogar sehr viele Bewohner haben an ihren Wohnungen und in Gärten recht zweckmäßige Futterplätze errichtet und die darbenden Vöglein reichlich mit Futter versorgt. Wir fühlen uns daher gedrungen, allen Denen, die ihre milde Hano den »othleidenden Thterchen nicht verschlossen, öffentlich unsere volle Anerkennung zu zollen, >
und eine hochverehrliche Redaction, die jeder Zeit bereit ist, für dm Schuh der nütz- lichm Vögel etnzutretm, wird gewiß auch einigen Worten zu Gunsten des Staares die Aufnahme nicht versagen.
Von allen unseren Zugvögeln erschien seither am frühesten der Staar, denn er kehrte in der Regel Mitte Februar von seiner Südreise zu uns zurück. Seine Wanderungen dehnt der Staar bis Nordafrika aus, denn in Egypten ist er im Winter als regelmäßiger Gast zu finden. Viele jedoch treten die beschwerliche Seereise gar nicht an, sie bleiben in Südeuropa zurück und beziehen dort Winterquartiere. Einzelne Staare find wohl in früheren Jahren auch bei uns im Winter gesehen worden, aber in diesem Winter hatten wir fast jeden Tag Gelegenheit, recht viele zu beobachten, die es demnach vorgezogen haben, gar keine Herbstreise zu unternehmen. Dieselben sind regelmäßig mit allerhand anderen Vögeln auf unseren Futterplätzen erschienm und haben sich die ihnen dargebotenen Speisen so vortrefflich schmecken lasten, daß unsere Kasse ein Liedchen davon zu fingen weiß. Allein wir haben uns doch gefreut, dm Staar als Wintergast bei uns zu sehen, denn er hat unsere stille und öde Winter- natur wesentlich belebt. Es gibt wohl kaum einen Vogel, welcher munterer, heiterer und fröhlicher wäre als der Staar. Schon am frühen Morgen haben wir denselbm auf den höchsten Spitzen der Bäume wahrgenommen, und wenn auch da ihn ein sehr kalter Nordwind von allm Seiten bestrichen, wenn selbst dicke Schneeflocken ihn vollständig einhüllten, so sang er doch munter und vergnügt sein einfaches Liedchen, und wer trotz eines solchen Hundewetters seine gute Laune bewahrt, den muß man doch wohl bewundern und lieb gewinnen. Wiederholt haben wir in Ihrem Blatte auf dm sehr großen Nutzen des Staares, indem er viele, viele Millionen höchst schädlichen Ungeziefers vertilgt, aufmerksam gemacht, und wir haben dabei klar und deutlich nachgewiesen, daß der Staar einer der nützlichsten Vögel unserer Gegmd ist, und also gewiß verdient, bei uns gehegt und gepflegt zu werden. Vor allen Dingen werden wir dafür Sorge tragen müssen, daß der Staar recht viele Nistkästchen, in denen er so gern seine Wohnung aufschlägt, bet uns antrifft, denn je mehr Wohnungen, die ihm behagm, sich demselben an einem Orte darbteten, desto mehr siedelt er sich da an. Der Bau, die innere Einrichtung der Staarenkästchen müssen aber der Art sein, daß sich der Staar darin vor seinen Feinden, den Katzen, Mardern, Raubvögeln u. s. w. ganz sicher fühlt. In einen Kasten, der nicht die gehörige Länge und Breite hat, der mit Rissm behaftet, dessen Flugloch zu weit ist, nistet der Staar sicherlich nicht. Wie und w» benannte Kästchen angebracht werden müssen, dürfen wir wohl als bekannt voraussetzm, da wir ja darüber auch in diesem Blatte schon mehrfach ganz genaue Andeutungm gegeben haben und wir möchten nur dringend abrathen, Kästchen an Giebeln anzu- brtngen, weil wir die unangenehme Erfahrung gemacht haben, daß die Staare gerade in diesen auf eine so schlimme Weise von den Thurmschwalben belästigt worden sind, daß sie die Nester und ihre Jungen, welche natürlich zu Grunde gingen, verlassen mußten. Im Interesse des Staares wollen wir nun noch die Bewohner unserer Stadt und namentlich die Landbewohner, denen ja der Staar am meisten Nutzen schafft, darauf aufmerksam machen, daß Staarenkästchen (50 $ per Stück) bei der hiesigen Firma Andreas Euler zu haben sind. Dieselben sind, was Länge, Breite und Weite des Flugloches anbelangt, ganz genau nach einem Modell gefertigt, das sich vollständig bewährt hat. 0.
Vermischtes.
A Kastel (bei Mainz), 7. März. Durch Gensdarmerie und Polizei fanden gestern Abend umfangreiche Haussuchungen statt. Es war nämlich zur Kenntniß der Polizei gekommen, daß während des fürchterlichen Schneefturms am Sonntag eine Anzahl als Wilddiebe bekannte Persönlichkeiten ein förmliches Treibjagen abgehalten hatten. Die Haussuchungen hatten manches Verdächttge zu Tage gefördert. — Bei dem gestrigen Schneegestöber wurde in der Nähe von Kostheim eine große Heerde Gänse von einem daher brausenden Zug scheu gemacht und flogen die scheuen Thiere, durch das Schneegestöber schneeblind gemacht, gegen das Nadelwehr im Mainkanal, wo über hundert derselben in den Nadeln stecken blieben und ertranken.
— sDie LebenSverstcherungSbank für Deutschland zu Gotha.) Es wird für viele unserer Leser nicht ohne Werth sein, zu erfahren, daß diese älteste und hingesehen auf die Versicherungssumme umfangreichste deutsche Lebensversicherungs-Anstalt neuerdings eine Neubearbeitung ihres Statuts, Verfassung genannt, unternommen hat. Ist diese Neubearbeitung auch in erster Linie veranlaßt durch das mit der Zeit immer dringender hervorgetretene Bedürfniß einer klareren und übersichtlicheren Fassung, so hat sie doch auch ganz erhebliche und werthvolle sachliche Neuerungen zur Folge gehabt. Zwar dem Beispiele vieler Anstalten, welche in neuerer Zeit ihre Versicherungsbedingungen umgeändert haben, um die sogenannte Unanfechtbarkeit der Police einzu- führen, ist die Bank nicht gefolgt, weil sie grundsätzlich und aus guten Gründen, wie uns bedünkt, aus Gründen, die man zu achten alle Ursache und die man zu mißdeuten kein Recht hat, der herrschenden Rechtsanschauung über den Versicherungsvertrag Gewalt anzuthun das größte Bedenken tragt. Aber was sonst an Zugeständnissen an die Versicherten einer Lebensversicherungsanstalt aus Gründen der Billigkeit und des Rechts nach technischen Erwägungen und auf Grund der Erfahrung sich rechtfertigen läßt, das gestehen die neuen Versicherungsbedingungen der genannten Anstalt im vollsten Maße zu. In mehr als einer Beziehung stehen dieselben so wie sie jetzt sind, unerreicht da. Vor Allem müssen wir aufmerksam machen auf die in der neuen Bankoerfassung enthaltenen Grundsätze, betreffend die Aufrechterhaltung der Versickerungen im Kriegsfälle. Hiernach übernimmt die Bank von jetzt ab das Kriegsrisiko für alle durch Staatsgesetz zum Kriegsdienst Verpflichteten und für alle Nicktcombattanten ohne jede besondere Gegenleistung und gewährt sie Berufssoldaten, welche sich als Kombattanten am Kriege zu betheiligen haben, zwar überhaupt fortan nur noch Versicherung gegen Entrichtung einer Zuschlagsprämie während der ganzen Dauer der Dienstpflicht; diese Zuschlagprämie ist aber mit 3%o der Versicherungssumme überaus mäßig bemessen.
Möge diese tief eingreifende Neuerung überall im Geschäftsgebiete der Bank — und in diesem ganzen Geschäftsgebiete ist das Heer das Volk in Waffen — die verdiente Anerkennung finden!
Beleuchtungsartikel:
Ben .in und Ligroine,
Crystallöl, Spiritus, Nachtlichte und feinstes Öel hierzu, Stearinkerzen, Wachsstöcke, schwedische Zündhölzer rc. zu haben in der 1934
Orogenhandlung von
Otto Schaaf, *“&**“’
1903 Unterzeichneter empfiehlt Asrankfurter Koch-Geschirre tzu billigen Preisen.
Ph. Wagner, Neustadt.
Allgemeiner Anzeiger. Zur gefi. Beachtung.
Mit dem 15, März beginnt in meiner Arbeitsschule der
II. Btigelcursus.
Anmeldungen hierzu, sowie Anmeldungen zum Nähen, Sticken, Kneten u. s. w. nehme jeder Zeit entgegen.
Lina Moeser, gepr. Lehrerin,
1727 kl Gartenstraße.
Ludwig Schmitt, Glaser,
Kanzleiberg 7, cmpfiehlt sich im «inratnun een eil»««! ««» Spiegel« In allen benfbortu Rahmen. *77
MeW Erfolg Miitirt innerhalb weniger Wochen b. 9t» brauch von Pror. Gerdes Haar* u.Bartellxir, vorzüglich. Mittel 5; zur Beförderung d. WachSthum« von Schnurr- u. Backenbart, so». Haupthaar. Pr«. p. gla«. irbst- Grbr.-Anw. i n 3 Sprachen t Mk. Absolut unschädl. Segen Nach«, ob. Einsdg deS Betrages alleix echt direct zu beziehen durch die Parfüineriefabrik von
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ST Neuen Bäue 12 *W6


