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08/04/1888 Zweites Blatt
 
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82 Zweites Blatt, Sonntag den 8. April 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen.

c» » L k p ow uuaa Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Bnreaur Schulftraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2Mark50 Pf.

Amtlicher HHeit.

Betreffend: Die Voranschläge der Landgemeinden des Kreises Gießen für 1888/89. Gießen, am 4. April 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzogtichen Bürgermeistereien des Kreises.

Die rubr. Voranschläge werden wir Ihnen in den nächsten Tagen zusenden. Sie wollen das in Ihren Händen befindliche Concept alsbald mit dem Oriainale aleichsiellen und letzteres sofort an den Gemeinde-Einnehmer abgeben, damit dieser seine Bücher für 1888/89 darnach einrichten kann.

9 9 Dr. Boekmann.

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Berlin, 4. April. DerKöln. Ztg." entnehmen wir das Nachstehende: In spater Abendstunde ist uns von Wien die Nachricht zugegangen, daß man dort in wohlunterrichteten Kreisen darauf vorbereitet sei, den deutschen Reichskanzler in's Privatleben zurücktreten zu sehen. Wie aus der uns gewordenen Meldung zu erkennen ist, dürfte nicht etwa der Wunsch einer Aenderung unserer auswärtigen Politik, die vielmehr in ihren bewährten Bahnen bleiben soll, der Grund sein, weßhalb Fürst Bis­marck von der Last, die er so lange getragen, befreit sein will, sondern eine tiefgehende Meinungsverschiedenheit in Fragen mehr häuslicher Natur, die an den Grundlagen unserer Politik unmittelbar nichts ändern würden, deren Lösung aber, in einem anderen Sinne als dem des Reichskanzlers ausgeführt, diesem in seiner verant­wortungsvollen Stellung Schwierigkeiten zu bereiten drohe, denen er in seinem hohen Alter und bet seiner schwankenden Gesundheit sich nicht mehr gewachsen fühle. Wir enthalten uns einstweilen bet dem Ernst der Nachricht jeder näheren Andeutung oder Vermuthung über den Charakter der plötzlich entstandenen Schwierigkeit; wir beschränken uns darauf, zu betonen, daß die Hoffnung noch nicht geschwunden ist, den Kaiser Friedrich dasNiemals" seines verstorbenen Vaters wiederholen und die Schwierig­keiten ausglcichen zu sehen, die sich zum tiefen Bedauern aller Deutschen nicht am wenigsten sicher des Kaisers Friedrich selbst ergeben haben. Die auszeichnende Auf­merksamkeit, mit welcher sich die kaiserliche Familie bei der Feier des Geburtstags des Fürsten am verflossenen Sonntag betheiligt hat, bewies, wie hoch der Werth dieses Mannes für Land und Volk auch von dem Kaiser und seinem Hause angesetzt wird. Denr deutschen Volke aber könnten Verhältnisse nun und nimmer völlig lieb werden, welche es den bewährten Reichskanzler gekostet hätten. Hoffen wir, daß sich ein Aus­weg aus den Schwierigkeiten finden lassen werde, dem an keiner Stelle Bitterkeit folge und der uns und dem Throne den Reichskanzler erhalte.

Berlin, 5. April. DieKöln. Ztg." schreibt: Unsere Leser sind über die Ursachen der schwebenden Kanzlerkrisis unterrichtet und wir haben unseren ausführ­lichen Mittheilungen nur wenig anzufügen. Die Sache liegt so, daß von englischer Sette die Vermählung der Prinzessin Victoria von Preußen, der zweiten Tochter unseres Kaisers, mit dem Prinzen Alexander von Battenberg, dessen Bruder Heinrich mit der Ltebltngstochter der Königin von England verheirathet ist, auf's Lebhafteste betrieben wird und daß anscheinend auch Kaiser Friedrich keine persönlichen Einwendungen gegen den tapferen Prinzen Battenberg erhebt, zumal Prinz Heinrich von Preußen demnächst eine Tochter des Vetters desselben, des regierenden Grobherzogs, heimführen wird. Politische Erwägungen aber widerrathen diese Verbindung auf's Entschiedenste, da die­selbe unser Verhältntß zu Rußland sofort trüben, an unserem Hofe zudem Einflüsse stärken könn'e, die uns dazu treiben wollen, Englands Gegner zu bekriegen, ohne daß deutsche Interessen dazu zwingen würden. Jedenfalls würde es dem Fürsten Bis­marck nach seiner bisherigen Haltung in der russisch-orientalischen Frage und mög­licher Weise auch in der Frage der battenbergischen Heirath, unmöglich sein, die Geschäfte persönlich weiterzuführen, wenn der Prinz Alexander von Batten­berg zum Mitgltede unseres Kaiserlichen Hauses erhoben würde. Da nun in der letzten Zeit der Plan der erwähnten Vermählung in einer amtlichen Weise an den Reichskanzler gelangt ist, so hat er seine Stellung zu demselben frei-- müthig und offen dargelegt und in eventu, für den Fall, daß die enge Familien- verbtndung des Prinzen Battenberg mit dem kaiserlichen Hause an Allerhöchster Stelle gebilligt werde, um seinen Abschied gebeten. Ob er denselben erhalten werde, hängt also lediglich davon ab, wie die battenbergische Frage an Allerhöchster Stelle entschieden werden wird. Bis diese Entscheidung getroffen ist, bleibt die Kanzlerkrtsis in der Schwebe. Möglich, daß die Entscheidung schon bald erfolgt, möglich, daß sie sich noch längere Zeit hinzieht, etwa bis nach dem erwarteten Eintreffen der Königin von England am Allerhöchsten Hofe, dem um den 12. April (Geburtstag der Prinzessin Victoria) enlzegengesehen wird. Das ist Ursache und Inhalt der Krisis, die einige Tage hinaufretcht, einmal vorübergehend beigelcgt schien, ^dann aber wieder auftauchte unb dann die jetzige klare Form annahm. Daß man in Wien in hohen diplomatischen Kreisen und wahrscheinlich auch am Hofe am Mittwoch Kenntniß von der Krisis und, wie es scheint, auch von deren Ursache hatte, wissen unsere Leser gleichfalls.

Uuiverfitöt- - Ghrouik.

Kiel 5. April. DenJtzehöer Nachrichten" zufolge wurde der außerordent­liche Professor Dr. Peters als außerordentlicher Professor und Director der Stern­warte nach Königsberg, Dr. Bäthen als außerordentlicher Professor der Rechts­wissenschaft nach Gießen berufen.

Vermischte-.

Mainz, 4. April. Ganz in der Stille hat sich nachherErklärung der Bäcker­meister" seit dem 1. April ein Brodabschlag vollzogen, wie er wohl kaum jemals hier vorgekommen ist. Während nämlich in der abgelaufenen Woche der von der hiesigen Bäckerinnung festgesetzte Brodprets für einen Laib (3 Pfund Weißbrod) noch 65 Pfg. betrug, ist für diese Woche der Brodprets für 3 Pfund Weißbrod auf 55 Pfg. herab- ge sitzt. Da weder bei den Frucht- noch bei den Mehlpreisen ein Abschlag eingetreten ist, so muß wohl das jüngst veröffentlichte Submissionsresultat (für die Hospicien) die Ursache sein. Bei dem Weißbrod wurde besonders viel abgeboten und zwar bezieht sich das Abgebot jedesmal auf den jeweilig von den Bäckermeistern allwöchentlich fest­gesetzten Brodprets. Damit nun der Lieferant das Weißbrod für die Hospizienanstalten zu einem reckt niederen Preis absetzen muß, ist der Ladenpreis um 10 Pfg. per Laib herabgesetzt worden. In dieser Preisherabsetzung, so behaupten die Submittenten, liegt Syst-m DerRing" der Bäckermeister wolle dadurch bezwecken, daß für die Folge bei Submissionen nicht mehr so viel abgeboten wird, denn durch die Feststellung des wöchentlichen Brodpreises haben es die Bäckermeister in der Hand, den Brodprers hoch

oder niedrig zu stellen, ganz nach ihrem Belieben und ohne Rücksicht daraus, ob die Frucht theuer oder billig ist.

Der Wittwe des Erfinders des Telephons wurde, wie derTaunusbote" meldet, ein jährliches Gnadengehalt von 1000 bewilligt. Frau Reis, welche gegen­wärtig in Friedrichsdorf bei Homburg lebt, erhielt diese freudige Nachricht am 1. April durch Depesche des Generalpostmcisters v. Stephan.

Heber die Diät Kaiser Friedrichs werden folgende Einzelheiten berichtet: Der Kaiser trinkt des Morgens gegen halb acht Uhr eine Tasse Ehocolade. Um halb zehn Uhr nimmt er sein Frühstück; dasselbe besteht zumeist aus einer Platte Fisch oder Geflügel, häufig auck Cavtar, den der Kaiser sehr gern nimmt. Um 1 Uhr Mittags besteht die Mahlzeit aus Suppe, Fisch und Fletsch und einem süßen Gericht, dem der Kaiser tüchtig zuspricht, da er letztere Speisen sehr liebt. Abends um 8 Uhr wieder Fleisch oder Geflügel; der Kaiser trinkt nur sehr wenig Wein, dagegen mehrere Male des Tages ein Glas Milch mit etwas Whisky gemischt, ein Getränk, welches dem Kaiser sehr zu munden und vortrefflich zu bekommen scheint.

sWie man Blutungen stillt.) Es gibt keinen Handwerker, dem es bei der Arbeit nicht vorkommt, daß er sich verletzt und irgend ein Glied stark zu bluten beginnt. Für solche Fälle möge sich jeder Handwerker das folgende einfache, aber sehr wirksame Mittel merken: Nimm Watte, tauche sie in heißes Wasser und lege sie dann auf die Wunde. Der Erfolg ist überraschend. Blos Watte auflegen oder Watte in kaltes Wasser getaucht soll nicht die überraschende Wirkung äußern.

sDeutsch - nationale Kunstgewerbe-Ausstellung zu München 1888.) Das ? irectorium der Deutsch-nationalen Kunstgewerbe-Ausstellung thellt uns mit, daß viel­fach verbreiteten irrtümlichen Nachrichten entgegen keinenfalls eine Verschiebung der Ausstellungseröffnung auf 1. Juni stattfinden wird. Der Stand der Vorarbeiten ist vielmehr ein derartiger, daß der 15. Mai mit aller Sicherheit als unabänderlich fest­gesetzter Eröffnungstermin betrachtet werden kann.

Von dem hervorragenden thatkräftigen Gemeinsinn der Bürgerschaft Leipzigs ist schon wiederholt die Rede gewesen; ein glänzendes und überall nachahmungs­würdiges Beispiel desselben zeigt sich in der am 31. v. M. imTageblatt" veröffent­lichten ersten Quittung über die dem Verein zur Erbauung eines Kinder-Hospitals in Leipzig zugeflossenen fteiwilligen Gaben. Dieselben betragen die stattliche Summe von 113,132 50 welche in ganz kurzer Zeit von 114 Menschenfreunden zusammen­

gebracht wurde und die sich im weiteren Verlaufe der Sammlung noch sehr wesentlich steigern dürfte. Es finden sich darunter wiederholt Bettäge von 3000, 5000 und so­gar 8000 JL. Bei einer solchen glänzenden Betätigung des Gemeinsinnes muß eine Stadt gedeihen.

Landwirthschaftliche Nachrichte«.

(Nachdruck verboten.)

Die Verabfolgung von Salz an die Thiere wird leider nicht in dem Maße und mit der Sorgfalt betrieben, die hierfür unbedingt nothwendig ist. Jeder Land- wirth weiß zwar, daß die Thiere das Bedürfntß nach Salz haben, aber nur selten wird für die Befriedigung dieses Bedürfnisses gesorgt. Allenfalls gibt man noch dem Rindvieh und auch wohl den Schafen etwas Salz, den Pferden aber nur sehr selten, trotzdem diese des Salzes ebenso dringend bedürfen. Zahlreiche Versuche Haden dar- gethan daß die Thiere, denen Salz verabreicht wurde, weit besser gedeihen; bei den Schafen tritt eine schnelle Gewichtszunahme ein, den Schweinen erhält das Salz eine rege Freßlust und damit auch ein gutes Gedeihen und bei Pferden und Rindvieh zeichnen sich die Thiere, die Salz erhalten, durch ein schönes Aussehen der Haut, glatt anliegende, glänzende Haare und lebhafte, kräftige Bewegungen aus. U.b?r die Menge des Salzes, welches den Thieren gereicht werden soll, gehen die Angaben auseinander. Auf ausgewachsene Pferde rechnet man 1520 Gr. pro Tag, Schafe 38 Gr., Schweine 315 Gr. Am besten ist es, dem Jnstinct der Thiere die Bemessung der Menge zu überlassen, indem man an den Ständen Salzlecksteine anbringt, an denen die Thiere ihr Salzbedürfniß befriedigen können.

sVorsicht bei halbgezogenem Samen.) Es kann nicht oft genug davor gewarnt werden, aus Sparsamkeitsrücksichten ober aus Stolz über die selbst erzielten gärtnerischen Erfolge selbst gezogenen Samen in zu ausgedehntem Maße zu verwenden. Wir erinnern jetzt bei der beginnenden Aussaatzeit, daran, daß in Hausgärten doch kaum die Be­dingungen immer derartig erfüllt werden können, um eine Gewinnung durchaus untadeligen Samens erwarten zu dürfen. Feinere Gemüsearten, Blumenvarietäten rc. entarten gar zu leicht und der gewonnene Same liefert entweder nur spärliche ober in der Qualität sehr verschlechterte Ernten. Deshalb sollte man in Hausgärten die Samenzucht nicht in zu ausgedehntem Maße betreiben, sondern lieber öfter frischen Samen beziehen. Aber auch in Gärtnereien werden oft die nöthigen Vorsichtsmaß­regeln verabsäumt, um gute, nicht entartete Sarnen zu erhalten. Es dürfen in erster Linie nie verwandte Pflanzen zur Samengewinmma w nahe an einander gepflanzt werben, da bann meist durch die Jnsecten unb den Wind eine wechselseitige Befruchtung unb damit bie Entstehung von Bastarben eintritt. Es ist diese Gefahr so groß, daß sie sich nicht einmal ganz vermeiben läßt, wenn die betreffenden Beete räumlich sehr weit getrennt von einander liegen. In großen Samenzüchtereien werden daher vielfach in einem Sommer nie zwei verwandte Pflanzenarten zur Samengewinnung angebaut, sondern solche verwandten Pflanzen abwechselnd, ein Jahr nach dem andern oder in räumlich getrennten Etablissements cultivirt.

wy cond. Bouillon ist eingedickter reiner

K Ammßricn S Fleiscbeaft ohne ZusaUvon bUstgen Suppen- £

MvlUlUvl IvU ** kräutern. Bequem.Gebrauch, fein.Geichmack. et