Ausgabe 
8.1.1888 Erstes Blatt
 
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Mr. 7

Erstes Blatt. Sonntag den 8. Januar 1888.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

TM

" Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.

Pnreaur Sch ul st raße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post berogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Amtlicher Hheit.

Gießen, den 5. Januar 1888.

Betreffend: Das Reichsgesetz vom 14. Mai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an Großh. Polizeiami Gießen und die Großh, Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 20. Februar 1886 (Anzeigeblatt Nr. 46) sehen wir der Einsendung der vorschriftsmäßigen Auszüge aus der von Ihnen zu führenden Tabelle über die im Jahr 1887 vorgenommenen Untersuchungen von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen bis zum 20. Januar l. I. entgegen.

______________________Dr. Boekmann.___________________________________________________

Gefunden: 1 Handschuh, 5 evang. Kirchengesangvereinsbücher, 1 Cigarrenspitze, 1 Sporn, 3 Portemonnaie's mit Inhalt, 1 Taschentuch, 1 Halstuch. 2 Schulbücher, 1 Taschenmesser, 1 Eiszeichen, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.

Gießen, am 7. Januar 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius. _

Deutschland.

Darmstadt, 1. Januar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 1 enthält:

1. Allerhöchste Verordnung zur Ausführung des Reichsgesetzes vom 11. Juli 1887, betreffend die Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Erhebung Don Reichsstempelabgaben betreffend.

Berlin, 5. Januar. Auf den 14. Januar, den letzten verfassungsmäßigen Termin, ist der preußische Landtag zu einer neuen Session einberufen. Wenige Tage spater tritt auch der Reichstag wieder zusammen und die beiden Parlamentär.' Körperschaften werden sich s-nach wieder nebeneinander einrichten müssen. Die Lanü- tagssession wird, wie es scheint, diesmal mit gesetzgeberischen Arbeiten ersten Ranges sich nicht zu beschäftigen haben. Von einer neuen Kirchenvorlage ist nicht die Rede, auch nicht von einer Steuerreformvorlage, und was sonst bisher von Gesetzentwürfen in Aussicht gestellt worden ist, betrifft nur Angelegenheiten zweiten Ranges. Man wird sonach erwarten können, daß die Landtagssession diesmal nur eine mäßige Dauer einnehmen wird, was angesichts der vielen wichtigen Geschäfte, die dem Reichstag noch obliegen, allerdings sehr wünschenswerth ist. Die bevorstehende Landtagssession ist bekanntlich die letzte der gegenwärtigen Legislaturperiode und nach deren Ablauf dürfte eine Verlängerung der Gejetzgebungspertode eintreten.

Das Reichsamt des Innern wird den Entwurf, betreffend die Alters- und Invalidenversicherung der Arbeiter, wahrscheinlich bis Ende dieses MonatS fertigstellen. Da die bisher veröffentlichten Grundzüge allen Betheiligten ein Urtheil über di? wich­tigsten Gesichtspunkte schon jetzt ermöglicht haben, so hofft man, daß der Bundesrath ben fertigen Gesetzentwurf so rasch wird berathen können, daß der Gesetzentwurf etwa Mitte Februar dem Reichstag zugehen kann.

Die Theilnahme an der bevorstehenden internationalen Ausstellung in Mel­bourne hat in neuester Zeit einen recht erfreulichen Grad erreicht. Reben den in vor­züglicher Weise vertretenen Werken der bildenden Kunst, Maschinen, musikalischen In­strumenten sind vornehmlich zur Anmeldung gekommen: Druckwerke, photographische Abdrücke und Apparate, mathematische und physikalische Instrumente, Draht, Möbel und Zimmereinrichtungen, Kleidungsstücke, Ehemikalien und Apothekerwaaren, Leder, Telegraphen-Apparate, Gummiwaaren, Bier und Ltqueur. In den Rhetnlanden und n Westfalen sind die von sachkundiger Seite in die Hand genommenen Vorbereitungen, welche eine gleichmäßige Vertretung der für den australischen Handel wichtigen Waaren- gattungen bezwecken, im Fortschreiten begriffen. Die deutschen Eisenbahnen gewähren 50 Procent, beiheiligte Schifffahrtsgescllschaften etwa 25 Procent Frachtermäßigung für Ausstellungsgüter.

Hesterreich.

Wien, 7. Januar. Wie dasFremdenblatt" erfährt, bezweckte die gestrige Mimster-Conserenz, den ungarischen Ministern und Mitgliedern des öster­reichischen Cabinets einen genauen Einblick in die allgemeine Lage zu gewähren und über deren gegenwärtigen Charakter zu informiren. Zu Beschlüssen lag keinerlei Veranlassung vor. Dis mehrfach ausgetauchte Anregung betreffs einer Modification des Wehrgesetzes fei noch nicht so weit vorgeschritten, um über deren Zeitpunkt und Modus Bestimmtes anzugeben.

IranLreich.

Paris, 6. Januar. Ribaudeau, Hebert und Dubreuil wurden in Folge Aufschubs der heutigen Gerichtsverhandlung einstweilen der Hast entlassen.

Italien.

San Remo, 6. Januar. Das Befinden des Kronprinzen ist an­dauernd gut. Der leichte Katarrh, welcher sich während der letzten kalten Tage eingestellt hatte, ist gänzlich gewichen. Da jetzt Sommerwstter ist, hat der Kronprinz feine regelmäßigen Spaziergänge wieder ausgenommen. Man erwartet hier den Großherzog von Baden. (Fr. Zig.)

Ziußtand.

Petersburg, 6. Januar. DasJournal de St. P6tersbourg" be­spricht die Verleihung des Schwarzen Ldlerordens an den deutschen Botschafter, General v. Schweinitz, und bemerkt: General v. Schweinitz gehört der alten Generation von Staatsmännern an, welche in den Traditionen enger Freund­schaft zwischen Preußen und Rußland erzogen waren; sein ganze» politisches

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Leben war der Aufgabe gewidmet, diese Traditionen zu dauernden zu machen. Die Belohnung, welche jetzt eine so ehrenvolle und loyale Laufbahn krönt, kann bei uns nur mit lebhafter Genugthuung begrüßt werden, als neuer Beweis dasür, daß die Gefühle, wovon der ehrwürdige deutsche Kaiser gegen Rußland beseelt ist, unverändert dieselben find, wie diejenigen, welche beständig den König von Preußen erfüllten.

Telegraphische Depeschm.

Wolff'S telegr.

Waldersee geladen waren. £

Se. Majestät der Kaiser empfing heute Perponcher und hierauf den Oberst Brix vom Kriegsministerium, welcher die neue Armeerangliste überreichte. Nachmittags 4 Uhr erscheint der Staatssecretär Bismarck zum Vortrag.

Der Kaiser war durch leichte Erkültungserschetnungen in den letzten Tagen am Ausfahren verhindert. .

Berlin, 6. Januar. Se. Mai. der Kaiser hat auf die ihm anläßlich des Jahres­wechsels dargebrachle Glückwunsch - Adresse des hiesigen Magistrats folgende Antwort erlassen. Adresse, mit welcher mich der Magistrat zum neuen Jahre begrüßt hat, begegne ich zu meiner Freude wiederum den Gesinnungen aufrichtiger Treue und An­hänglichkeit, von denen ich schon so manche Beweise empfangen habe. Auf solcher Grundlage ruhend, sind mir die Glückwünsche um so werthvoller. Ich spreche Ihnen meinen herzlichen Dank dasür aus. Wenn der Magistrat bei dem Rückblick auf das vergangene Jahr noch einmal des seltenen Tages gedenkt, an welchem Fürsten und Völker sich veremigten, um mir ihre erhebende Theilnahme an der Vollendung meines neunten Lebensjahrzehntes zu bethätigen, so ist mir das eine wohlthuende unvergeßliche Erinnerung. Nicht oft genug aber kann ich Gottes Gnade dankend rühmen, welche mir in der Erhaltung meiner Kräfte zugleich den Willen der Vorsehung kundgibt, auch noch in meinem hohen Alter meines fürstlichen Amtes zu wallen. In der Erftillung dieser mir obliegenden Pflicht liegt die höchste Beftiedigung meines Levens. Gestutzt auf festes Gottvertrauen, gehört mein ganzes Streben, meine unablässige Sorge allein dem Wohle meines geliebten Volkes. Ich gebe mich vertrauensvoll der Hoffnung hin daß unter dem Schutze dauernden Friedens, welchen Gott unserem Vaterlande erhalten wolle, in Folge der auf wirthschastlichem und socialem Gebiete getroffenen gesetzlichen Maßnahmen die Wohlfahrt der Nation sich ferner kräftig entwickeln und daß durch eine billige und angemessene Vermittelung der in den gesellschaftlichen Klaffen bestehenden Verschiedenheiten eine ausgleichende Zufriedenheit gefordert werde. Wenn ich mit solchem Bewußtsein die Schwelle des neuen Jahres beruhst überfcbretten burftc, so ist doch mein Gemüth von ernster Sorge erfüllt und mein Vaterherz schwer bedruckt durch die betrübende Heimsuchung meines Herrn SohneS. In der allgemeinen Ther^ nähme, welche sich für de» Erkrankten aller Orten zu erkennen gibt und welche auch der Magistrat zum Ausdruck bringt, finde ich Trost für die mir und meiner Gemahlin auferlegte harte Prüfung. Möge Gott bald Wandel schaffen."

Berlin, 6. Januar. Von der Walfischbay wird unterm 5. Januar gemeldet: Das Schiff der deutsch - westafrikanischen Eompagnie, die BriggAdolph" ist wohl­behalten angekommen. Eine Centralfaktorei und Exportschlächterei werden errichtet. Die erste Expedition ist von der Reise in's Jxneie nach der Walffschbay zuruck- öefC^Ä<itldrube, 6. Januar. Der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin sind gestern Abend über Mailand und Genua, wo sie heute Mittag eintrafen, nach Cannes abgereist. Vor ihrer Weiterreise gedenken dieselben morgen von Genua aus sich auf einige Stunden nach San Remo zum Besuche der kronprinzlichen Herrschaften zu begeben^ Wahl im 13. Reichstagswahlkreise wurde Graf Douglas, der

Candidat der Cartellparteien, gewählt.

Wien, 6. Januar. DiePresse" antwortet den russischen Blättern, welche die bosnische Frage aufgeworfen haben, daß die Stellung Oesterreichs in Bosnien auf dem Artikel 25 des Berliner Vertrags beruhe und an keinen Termin gebunden sei; das Occupationsmandat könne niemals ein Object der Compensation birecter oder indirekter Natur sein, auch nicht Gegenstand einer internationalen Kündigung werden; wolle Rußland eine Verständigung, dann sei die Basis dafür nicht in Bosnien, sondern im Berliner Vertrage zu finden, dessen Aufrechthaltung in Petersburg so ent­schieden betont wird.

London, 6. Januar. D-r Herzog von Norfolk, welcher im Lause der Woche von der Königin und von Lord Salisbury empfangen worden war, reiste heute fru- nach Rom.

Berlin, 6. Januar. Seine Majestät der Kaiser empfing gestern Nachmittag Uhr den Prinzen Wilhelm, welcher sich später nach dem Finanzministerium begab, um u Uhr wieder kehrte und auch I. Maj. der Kaiserin einen Besuch abstattete. Um 8 Uhr war Thee, wozu der Prinz und die Prinzessin Wilhelm, General Lo« und Graf