Ausgabe 
7.7.1888 Drittes Blatt
 
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Nr. l&T

Drittes Blatt.

Sonntag den 7. Juli

im.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Heit.

Betreffend: Die Nachsuchung der Berechtigung ;um einjährig «freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen.

Bekanntmachung.

Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

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Diejenigen jungen Leute, welche aus Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdi'rch aus die nachsolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige

während einer einjährigen acliven Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

c. ein Unbesch oltenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürger­schulen) durch den Director der Lehranstalt, sür alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;

d. das Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf.

Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeug- niffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen I. Ort)., sämmtlich nach dem Schema'17 zur Ersatz-Ord­nung (I. Th eil der Wehr - Ordnung vom 28. September 1875 Reg.-Bl. Rr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen.

der angeführten Ersatz-Ord. verwiesen.

Großherzogliche Prüfungs-Commission sür einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr Zeller.

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzog- thum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauern­den Aufenthaltsort hat.

2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen'Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berech­tigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des An­rechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen.

3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist tierzu ein Bogen in Actensormat (nicht.Briefpapier) zu ver­wenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.

4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. Geburtszeugniß;

b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit u. Fähigkeit, den Freiwilligen Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und

Lokales.

Gießen, 7. Juli. Der feit Beginn vorigen Jahres mit neuer Organisation versehene Oberhessische Bienenzüchter-Verein hält seine diesjährige 27. Generalversammlung, verbunden mit Vorträgen, Ausstellung, Prämiirung und Ver- loosung am 16. Juli in Nidda ab. Ist diese Organisation auch noch neu, so haben sich doch ihre Wirkungen schon in äusserst günstiger Weise bemerkbar gemacht, was am Besten durch das stete Wachsen des Vereins, dessen Mitgliederzahl inzwischen von ca. 150 auf ca. 550 gestiegen ist, und die Thätigkeit in den Zweigvereinen bekundet wird. Das für den 16. ausgegebene Programm, sowohl in Bezug auf die in Aussicht genommenen Vorträge, wie auch zum erstenmale stattfindende Gratts-Verloosung von Bienen, Bienenwohnungen und Kunstwaben an die anwesenden Vereinsmitglieder dürfte geeignet sein, zahlreiche Imker, Freunde und Freundinnen der Imkerei, wie auck Aus­steller von Bienen-Produkten und Bienenzucht-Geräthen aus nah und fern zum Besuche zu veranlassen, zumal auch Angehörige anderer Bienenzüchter - Vereine von der Prämiirung nicht ausgeschlossen sind. So viel bekannt, bietet das bereits in emsiger Thätigkeit befindliche Local (S.omftS alles auf, den Besuchern den Aufenthalt in Nidda so angenehm wie nur möglich zu machen, möge nur auch der Himmel bis dahin wieder ein freundlicheres Gesicht zeigen.

.Vermischtes.

X Nidda, 6. Juli. Heute Vormittag machte ein hiesiger angesehener Ein­wohner seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Schwere Schicksalsschläge und Geistes­störung sind die Motive der That.

A Mainz, 6. Juli. Die serbische Gesandtschaft in Stuttgart hat an die hie­sigen Weinhändler ein Circular versandt, wonach noch große Quantitäten 1887er Wein unverkauft in Serbien lagern, die billig zu verkaufen seien. Die Gesandtschaft wäre gerne bereit, Reflectanten die Adressen der Producenten aufzugeben. Ein hiesiges Localblatt begleitet die Mittheilung von diesem etwas naiv abgefaßten Circular mit der Meldung, daß einige Weinhändler der Gesandtschaft erwidert, sie würden vorziehen, vorerst Adressen von Eonsumenten entgegen zu nehmen. Der hiesigen Handelskammer ist ein vertrauliches Schreiben zugegangen, in welchem die dringende Aufforderung aus­gesprochen wird, den Abschluß handelspolitischer Verträge und die Spectalbestimmungen nicht zum Gegenstände öffentlicher Besprechungen zu machen, da hieraus erfahrungs­gemäß das Ausland Vortheile ziehe, ohne daß durch die öffentliche Besprechung der Sache selbst Vortheile erwachsen.

Leipzig, 4. Juli. Ein etwa 2000 Leichname fassendes Massengrab aus den Tagen der Völkerschlacht hat man kürzlich in der Nordvorstadt in unmittelbarer Nähe der alten Gasanstalt aufgefunden. Die Ueberbleibsel von Uniformen und Knöpfen, welche man darin vorgefunden hat, lassen darauf schließen, daß hier die Gefallenen der russischen Corps Langeron und Sacken, der polnischen Division Dombrowsky und der französischen Division Durette, welche am Morgen des 13. October 1813 in jener Gegend gegeneinander kämpften, ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Die auf­gefundenen Gebeine sollen auf dem Nordfriedhofe wieder dem Schooße der Erde übergeben werden; bis jetzt sind bereits sieben Wagenladungen dahin übergeführt worden.

sDas letzte Stück.j Am Montag vor seinem Hinscheiden hatte Kaiser Friedrich nach dem Bericht derGermania" den Wunsch ausgedrückt, daß ein Künstler ihm auf einem (im Nebensaale stehenden) Flügel etwas vorspiele, und die Kaiserin batte dazu den Künstler ausersehen, welcher der Prinzessin Victoria Orgelunterricht gibt, Ph. Rufer, den Componiften desMerlin". Als an jenem Montag die in der Born­stedter Kirche gegebene Orgelstunde um 11 Uhr Vormittags zu Ende war, sagte die Prinzessin zu. ihrem Lehrer:Papa wünscht so gern Musik zu hören und da läßt Mama Sie bitten, wenn es Ihre Zeit erlaubt, heute Vormittag nach Schloß Fried- richskron zu kommen." Natürlich erlaubte es dem Künstler seine Zeit, er begab sich

sofort nach Schloß Friedrichskron und wurde auch unmittelbar nach erfolgter An­meldung vorgelasfen. Kaiferin Victoria empfing den Künstler, führte ihn in das an das Zimmer des Kaisers stoßende Gemach und bat, auf den geöffneten Flügel deutend, um den Vortrag eines Musikstückes eigener Eomposition. Die Thüren zum Neben­gemach wurden weit geöffnet; Rüfer setzte sich an das Instrument und spielte, tief ergriffen, während der kranke Kaiser im Nebenzimmer den Tönen lauschte. Als die Pidce beendet war, erschien Kaiserin Victoria im Musiksaale und sagte zu dem Künstler: Der Kaiser hat sich sehr gefreut; er läßt Ihnen danken und Sie bitten, noch ein Stück eigener Eomposition zu spielen." Als c^uch die Schlußakkorde dieser zweiten P öce verklungen waren, bat die Monarchin den Eomponisten, er möge doch auch noch den Marsch ausMerlin" spielen.Aber," fügte sie in zärtlicher Sorge für den leidenden Gemahl hinzu,wird der nicht etwa zu laut sein und den Kaiser am Ende dadurch aufregend" Rüfer bejahte die Frage der Kaiferin und bat um die Erlaubniß, an Stelle des Marsches das Adagio aus der Fi8-moll-(5onate von Schumann spielen zu dürfen. Die Kaiserin gab diesem Vorschläge ihre Zustimmung und kehrte an das Ruhelager ihres Gemahls zurück, während Rüfer das Adagio zum Vortrag brachte. Eine kleine Weile, nachdem der letzte Ton verklungen war, stand die Kaiserin wieder vor dem in begreiflicher seelischer Erregung vom Flügel aufgestandenen Musiker. Sie reichte ihm die Hand, überbrachte ihm den nochmaligen Dank des Kaisers und fügte hinzu, der Kaiser wünsche ihn von nun an öfter zu hören. Sie bitte ihn, in der nächsten Zeit zweimal in der Woche in's Schloß zu kommen und dem Kaiser etwas vorzuspielen. Es sollte anders kommen. Die Klänge, dieses Adagios waren die letzten musikalischen Töne, die an das Ohr des sterbenden Monarchen drangen.

Gtugesandt.*)

G. K. Nach dem bekannten Satz der Billigkeit: audiatur et altera xars, hätte es sich vielleicht geschickt, die Reccnsion über die Montagsaufführung desBarbters von Sevilla" in diesem Blatte mit einer Gegenkritik zu beantworten. Da es mdeflen verlorene Liebesmüh' schien, den Enthusiasmus des betr. Herrn Referenten durch eine dem Sachverhalt gerecht werdende Besprechung zu paralysiren, so hat der Einsender es vorgezogen, die Thatsachen reden zu lassen. pr . .

Die Intendanz des Königl. Hoftheaters zu Cassel hat ihm auf Befragen in der zuvorkommendsten Weise mllgelhcill, daß ein FiSuletn Adeline Weul, weder oni Hos- theaier zu bastel engagirl ist, noch überhaupt im Buhnenaimanach von 1888 irgendwo als Sängerin oder Schauspielerin figurirt. Ferner ist Herr Gustav Haste! nach seiner eigenen Aussage nicht hier gewesen, überhaupt an dem Gastspiel dersogenannten Hofoper gar nicht bctheiligt. Rosa Wings, vorausgesetzt daß dieselbe identisch ist mit Frau Bertha Simon, geb. Wings, und Herr Hugo, nicht Robert Simon, gehörender nofoper als Mitglieder des Chors.an. Als Solisten sind nur die Herren Schulze, Paul Greeff und Robert, nicht Emil Bartram, thatig. Einsender glaubte diese Aufklärung dem Tbeil des Gießener Publikums, welches die neuliche Aufführung als eine Beleidigung unserer Stadt und Universität empfunden hat, nicht vorenthalten zu sollen.

*) Wir geben vorstehendemEingesandt" mit dem Bemerken Raum, daß die darin beregte Recension über die Aufführung desBarbiers von Sevilla infolge Unwohlseins unseres Redacteurs ohne dessen Wissen Aufnahme fand. Nachdem wir nachträglich erfahren, daß die Aufführung so zieml ch unter aller Kritik gewesen fein soll, darf man dem geschätzten Herrn Einsender dieses zu Dank verpflichtet sein, daß er sich der Mühe unterzogen und die Personen des Unternehmens in das richtige Licht gestellt hat.Ned. d. Gieß. Anz.

WT _ Cond. Bouillon ist eingedickter reiner -j

f PlUlHPriPh CI Fleischsaft ohne Zusatz von billigen buppen- 1U11 W Kräutern. Bequem.Gebrauch,fein.Geschmack. cs#