Rr. loe. Iweites Blatt. Sonntag dm 6. Mai
1888.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vurearrr Schulftraße 7.
grltSnniim, kpr «mrtHiAAÄ Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. fcurti die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst
Amtlicher Hyeil.
Bekanntmachung.
Im Interesse des Publikums macht man noch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Reclamationen gegen Einkommen- und Kapitalrentensteueransätze 1. Abtheilung harnet, aber auch Remonstrationen gegen Ansätze dieser Abtheilung, sowie Reclamationen gegen Einkommen- und Kapitalrentensteueransätze 2. Abtheilung möglichst schriftlich und zwar unter genauer Angabe der für eine etwaige Ermäßigung sprechenden Gründe (wenn aber mündlich, nur an den Amtstagen Dienstags und Samstags) während der gesetzlichen Frist bei dem Unterzeichneten vorzubringen find, damit der Commission das zur Beschlußfassung erforderliche Material demnächst unterbreitet werden kann.
Gießen, den 21. April 1888. Der Vorsitzende:
Süffert.
Großhcrzoglichcs Stcuer-Commiffariat Gießen.
Amtstage: Dienstag und SamStag Vormittags von 8—12 Uhr und Nachmittags von 2—4 Uhr.
Ter»ischtes.
Darmstadt, 3. Mai. Die jetzt abgeschlossene Rechnung der Großh. Brandversicherungskasse vom Jahre 1885 zeigt eine Gesammteinnahme von 2.891,699 vH», worunter insbesondere enthalten sind: Kassevorrath aus voriger Rechnung 1,083,347 vH», in ausgeschriebenen Beiträgen aus Oberhessen 273,311 vH», aus Starkenburg 401,325 vH», aus Rheinhessen 343,085 vH», zusammen 1,017,722 vH», an zurückempfangenen Depositen 780,000 vH». Unter den 1,700,321 vH» betragenden Ausgaben sind enthalten an vergüteten Brandschäden, Adschätzungskosten :c. in der Provinz Oberhessen 310,610 vH», Provinz Starkenburg 274,061 vH» und Rheinhessen 234,949 vH». Ferner Besoldungen rc. 17,485 vM, Erhebgebühren 37,166 vH», Depositen 780,000 vH», Beitrag in den Fond zur Unterstützung verunglückter Feuerwehrleute 10,177 vH» rc. rc. Belohnungen für angezeigte Brandstiftungen kamen keine zur Auszahlung. — Die Gesammtausgabe von der Gesammteinnahme abgezogen verblieb ein Rest von 1,191,377 vH», der aber nicht baar vorhanden, sondern zu den Ausgaben der Rechnungsjahre 1886 und 1887 verwendet, resp. bei der Bank für Handel und Industrie beponirt ist.
— Frankfurt, 4. Mat. Die Spenden für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal baben die Summe von 140,000 vH» erreicht. — Kommende Woche wird die Bahn "ankfurt-Eschersheim dem Betrieb übergeben werden. Dieselbe ist für Dampfbetrieb »gerichtet, wird aber aus Gründen Der Vorsicht zunächst durch Pferde betrieben - erden. Es werden täglich 25 Züge nach und von Eschersheim abgehen. In den . cühstunden fahren die Züge in ganz kurzen Zwischenräumen; es soll dadurch den - beitem und sonstigen Personen, welche hier ihren Erwerb suchen, Gelegenheit geboten * n, möglichst rechtzeitig und schnell nach Frankfurt zu gelangen. Für den Markt- kehr sind besondere Marktwagen eingerichtet worden, welche zwei Abtheilungen für csonen und eine für Güter enthalten. Sonntags gehen nach beiden Richtungen V O Züge ab. Die Abfahrtszeiten sind so gelegt, daß Passagiere von Vilbel und Bonames Anschluß nach Frankfurt haben. Man verspricht sich — und gewiß mit gutem Recht — von dieser Bahn eine bedeutende Steigerung des Verkehrs sowohl nach Eschersheim hinaus wie nach ferner gelegenen Orten. — Augenblicklich ist man hier bemüht, die Anlage eines Floßhafens im Ostende zu erreichen. Dem Magistrat ist vom „Verein ür Handel und Verkehr" ein darauf hinzielendes Gesuch bereits eingeretcht worden und •nan hofft, daß demselben entsprochen werde. Die Anlage eines solchen Hafens, mit lchem die Mainkanalisation freilich erst ihren Abschluß firiben würde, dürfte circa 2,000,000 vH» kosten. Der der Stadt dadurch erwachsende Nutzen würde voraussichtlich bedeutend sein. — Sonntag findet am Forsthaus das Rennen des mtttelrhetnischen Rennvereins und gleichzeitig im Palmengarten das Velocipedrennen des hiesigen Bicycle- Clubs statt.
— sDie Dämmerungserscheinungen von Ende August 1883 bis Juli 1886.] lieber die Entstehungen und den Verlauf der Dämmerungserscheinungen, welche bekanntlich vor einigen Jahren ein außerordentliches Aufsehen erregten, hat Herr Professor Kießling in Hamburg eine Arbeit durchgeführt, welche demnächst veröffentlicht werden wird. Zu dem Zweck ist demselben eine namhafte Summe von der Akademie der Wissenschaften in Berlin bewilligt worden. In einem in der „Meteorologischen Zeitschrift" abgedruckten Artikel gibt Derselbe einen interessanten Ueberblick über diese Arbeit, dem wir das Folgende entnehmen:
Bekanntlich hat die Königl. Gesellschaft in London im Januar 1884 eine Commission eingesetzt zur Untersuchung aller Erscheinungen, welche im unmittelbaren Anschluß an den Krakatau-Ausbruch beobachtet worden sind. Obgleich der Bericht dieser Commission noch nicht erschienen ist, so hält es Herr Kießling auf Grund des umfangreichen, von ihm persönlich im Laufe der vergangenen Jahre gesammelten und gesichteten Beobachtungsmaterials für angebracht, die Hauptergebnisse seiner Untersuchung zu veröffentlichen, da dieselbe eine Reihe meteorologischer Fragen, welchen s. Z. die weitesten Kreise mit großem Interesse näher getreten sind, zu einem endgiltigen Abschluß bringt.
Aus den überaus zahlreichen, für die Tage vom 26. bis 31. August 1883 vorliegenden Beobachtungen ergibt sich, daß der zeitliche Beginn der Störung genau mit der Steigerung der vulkanischen Thätigkeit aus der Insel Krakatau am 26. und 27. August 1883 zusammenfällt und daß der geographische Ausgangspunkt gleichfalls in der Sundastraße liegt.
Der Verlauf der geographischen Ausbreitung der Erscheinungen bis zu ihrer ausgedehntesten Entwickelung läßt drei Perioden unterscheiden. In der ersten Periode bis Ende September beschränken sich die Erscheinungen, welche eine die Erde mehr als zweimal in der Richtung von Osten nach Westen mit 40 M. Geschwindigkeit umkreisende Bewegung erkennen lassen, im Allgemeinen auf die äquatoriale Zone. Daneben ist eine nach N.-N.-O. gerichtete Bewegung von 20 M. Geschwindigkeit vorhanden, deren westliche Grenze durch die zahlreichen Beobachtungen auf japanischen Stationen sich sehr genau feststellen läßt.
In der zweiten Periode, etwa bis Mitte November, wird die äquatoriale Zone allmälig frei von optischen Störungen, welche, die westöstliche Bewegung verlierend, auf beiden Hemisphären polwärts vordringen.
In der dritten Periode, bis Ende December 1883, breitet sich das Störungsgebiet gleichzeitig in der nördlichen und südlichen Hemisphäre über die ganze gemäßigte Zone diffundirend aus.
Es bleibt daher nur die Annahme übrig, daß die Störung durch die vulkanische Katastrophe auf der Insel Krakatau verursacht worden ist.
Aus den umfangreichen Untersuchungen von Verbeek ergibt sich, daß die Hauptexplosion am 27. August, IOV2 Uhr Morgens stattgefunden hat, und zwar in Folge des Einsturzes des größten Theiles der Insel. Diese Katastrophe ist der größte unterseeische Vulkanausbruch, welcher bis jetzt beobachtet worden ist. Die durch den Einsturz der Insel erregte Wasserwelle und die durch die heftige Erplosion erzeugte Luftwelle haben gleichzeitig von derselben Stelle aus ihre die ganze Erde wiederholt umkreisende Bewegung begonnen. Die bei der letzten Explosion in die Atmosphäre emporgetriebenen vergasten und zerstiebten, mit Verbrennungsprodukten vermischten Wassermassen sind als die einzige Quelle der fast drei Jahre lang dauernden optischen Störung der Erdatmosphäre anzusehen.
Literarische-.
— Nachdem in Nr. 15 der „Gartenlaube" die originelle und spannende Novelle „Josias" von Fanny Lewald zum Abschluß gelangt ist, bringt die neueste Nummer 16 des weitverbreiteten Blattes den Anfang einer neuen Novelle „Der Kampf um die Kunst" von Carl Edm. Edler; dieselbe spielt in Wien und ist humoristisch gefärbt. Den Hauptanziehungspunkt des novellistischen Theiles der „Gartenlaube" bildet jedoch nach wie vor der Roman „Das Eulenhaus" von E. Marlitt, welcher bekanntlich nach dem Tode der Verfasserin von W. Heimburg vollendet wurde. Unter den Artikeln in den beiden obengenannten' Nummern wird das größte Interesse ein populärer Essay „lieber Erderschütterungen" von Rudolf Falb erregen, in welchem der vielgerühmte und auch vielfach angegriffene Verfasser in einer überaus klaren Weise seine Ansichten über die Entstehung der Erdbeben und ihren Zusammenhang mit der Constellation der Himmelskörper entwickelt. Dem Artikel ist auch ein wohlgelungenes Portrait R. Falb's beigegeben.
Landwirthschaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— Was für Häcksel soll den Pferden gereicht werden, das ist eine Frage, die häufig wiederholt wird. Da, wie wir neulich ausführten, der Häcksel keinen Nähr- oder Futterwerth hat, sondern nur als Verdauung fördernde Beimischung gilt, so ist es gleich, ob zu dem Häcksel Roggen-, Weizen- oder Haferstroh genommen wird. Nicht gleichgültig ist es dagegen, in welcher Länge der Häcksel geschnitten wird. Erfahrene Landwirthe entscheiden sich für die Mitte zwischen kurz und lang, indem sie IVa—2 Ctm. langes Häcksel verfüttern. Es wird dagegen eingewendet werden, daß die Thiere den kurzen Häcksel lieber treffen; das ist richtig, bei der Verfütterung kurzen Häcksels wird aber der Zweck der Häckselbeimtschung nicht erreicht, denn das Futter wird nicht genügend eingespeichelt, auch kann leicht Kolik entstehen. Ist der Häcksel dagegen zu lang, so füllt er unnöthig den Magen an und hindert die Pferde an der Aufnahme des Futters. Also nicht zu lang und nicht zu kurz.
Verzeichnis
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen
vom Monat April 1888.
Je 50 Kilogramm kosten:
9 26 7 38 8 00
7
22
395
2
75
3
05
©
17
d
25
21
75
26
00 25
n-tc
00
25
50
25
00
14
aq
50 73
43-
90
ig j? *a
1557
£ . ff
ijj
Je Va Kilogramm kostet
£
-t
E
E
cy
rs
89
vH»^
El
AI
vH»
j
AI
A
9
52-
— 58 20
11
1 60
17
15
22
47
9EE.
e .
■e Q
B E
r- L
89-
5€ gS
LS
L)C>
8 v
£.5
J(»lh
|_ 82 — 64 21 -


