Mafle (jtt Jlr. 285 »es „flicBener Anzeiger '.
Deutschland.
Berlin, 1. December. Von einem der größeren zum Centralverbande Deutscher Industrieller gehörenden Vereine war bei dem Directorium desselben beantragt worden, den Bestrebungen auf Ermäßigung der Personentarife der Eisenbahnen entgegenzutreten, welche, veranlaßt durch das bekannte Engel'sche Buch über „Eisenbahnreformen", seit einiger Zeit in der Presse bemerkbar werden. Begründet war der Antrag mit dem Hinweis auf den Umstand, daß die Ueberschüsse der Preußischen Staatsetsenbahnen nicht dem Personenverkehr entstammen, sondern von dem Güterverkehr geliefert werden. Der beantragende Verein vertrat demzufolge die Ansicht, daß die erwähnten Ueberschüsse in erster Reihe auch dem Güterverkehr, namentlich dem Transport der Massengüter zu Gute kommen müßten. Hierbei wären ganz besonders diejenigen Fälle zu berücksichtigen, in denen durch Ermäßigung der Productionskosten und Erleichterung der Ausfuhr die ausländische Eoncurrenz wirksamer bekämpft werden könnte.
Das Directorium des Centralverbandes konnte sich der Begründung des beantragenden Vereins in vollem Umfange anschlteßen, umsomehr, da seines Wissens die häufig aufgestellte Behauptung, daß die Einnahmen der preußischen Staatseisenbahnen aus dem Personenverkehr kaum die Selbstkosten decken und daß demnach die Ueberschüsse lediglich von dem Güterverkehr aufgebracht werden, von zuständiger Seite bisher nicht widerlegt worden ist. Demgemäß stellte sich das Directorium des Centralverbandes in seiner Sitzung vom 26. November d. I. auch vollständig auf den Standpunkt des beantragenden Vereins, daß eventuelle Tarifermäßtgungen zunächst dem Güterverkehr zu Gute kominen müßten und daß der Personenverkehr auf solche Ermäßigungen vorläufig keinen Anspruch habe.
Dem Anträge selbst, eine Agitation gegen die erwähnten Bestrebungen einzuleiten, konnte das Directorium jedoch nicht Folge geben, da es vacb seiner Ansicht an einem greifbaren Object fehle. Den in der Presse hervorgetretenen Forderungen konnte das Directorium eine entsprechende Bedeutung um so weniger beilegen, da andererseits in Zeitungen, von denen angenommen wird, daß sie eine gewisse Fühlung mit den maßgebenden Kreisen haben, entschieden in Abrede gestellt worden war, daß beim Ministerium der öffentlichen Arbeiten die Absicht bestehe, die Personentarife zu ermäßigen. Zugegeben wurden nur vorbereitende Schritte, um eine Erleichterung für die Arbeiter zur Erreichung ihrer Arbeitsstellen herbeizuführen, wofür die Industrie dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten nur dankbar sein kann.
Der ganzen Sache legte das Directorium jedoch solche Bedeutung'bei, daß es beschloß, die Aufmerksamkeit der Mitglieder des Centraloerbandes durch ein Rundschreiben auf die in Rede stehende Angelegenheit zu lenken.
— Der „Kreuz-Zeitung" zufolge besteht die Absicht, im Süden Berlins eine neue Garntsonsktrche zu bauen.
Afrika.
Zanzibar, 30. November. S. M. Schiff „Sophie" hat bei Saadani eine Anzahl Dhaus zerstört, welche die Insurgenten auf dem Festlande mit Waffen und Munition versorgen wollten. Während des Kampfes wurden 10 Araber und auf deutscher Seite der Oberztmmermannsgast Zimmermann getödtet.
Vermischtes.
— Eine erschütternde Tragödie erzählt das „Wiener Fremdenblatt": Nächst der Bahnstation Brandeis am Adler befindet sich ein Wächterhäuschen. Dort standen am Sonntag Abend der Bahnwächter und seine Frau; sie erwarteten den Personenzug, mit welchem ihr als Bremser bediensteter Sohn das Wächterhäuschen passiren sollte. Die Frau hielt einen Korb in der Hand, in welchem sich das Essen für ihren Sohn befand. So warteten sie immer auf ihn, so oft er in die Station einfuhr, so
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M warm geblieben waren. Eben, als der Zug e nberfubr
gtelt sie den Korb frohlockend empor wie eine Siegestrophäe ihres wackeren SK der alte Vater stand neben ihr, klopfenden Herzens wielmmer wenn ei sollte. In ihrer Freude bemerkten sie gar nicht, daß auf dem Geleise, an welchem sie standen, der in der Richtung nach Wien verkehrende Hua baber- brauste. Die Locomotive erfaßte die alten Leute, ein leichtes wimmerndes Geräusch und betbe befanden sich unter den Rädern der Maschine. Ein Schrei des Entsetzens aliirf mit°nnnpibhn ^u9cn scr' benn Passagiere derselben batten das schreckltch/un- t angesehen, ohne den armen Leuten helfen zu können. Der alte Bahnwächter und seine Frau waren von der Maschine zermalmt worden; erst in Trübau wurden an den Radern derselben die Kletderreste und Fleischstücke der Verunglucktenb^mertt che Sohn, der sich auf den Anblick seiner Eltern so sehr gefreut !^tc Entsetzliche mit ansehen, ohne daß es ihm möglich gewesen wäre den ae- liebten Eltern in ihrer Todesnoth beizuspringen, die Pflicht hielt ihn, den'Bremser mit eherner Gewalt auf seinem Posten zurück. Von Zeit zu Seit liest die Pocnmntinp ihre schrillen Pfiffe erschallen,„ aber diese vermochten nicht den Schmerzensschrei seiner verwundeten Seele zu übertönen. So fuhr der unglückliche Bremser in die Nacht m Unb ^ b'.ode Nacht breitete sich über sein verzweifelndes Herz. Er hatte keme Eltern mehr, z ______________ 6 M
ex t Aul aß zum Wohlthun.) Dieser Tage wurde der Gastwirth
Frohner m Budapest von seiner Frau geschieden. Der Stimmung, die ihn in Folge dessen beherrschte gibt er nun durch - verschiedene Wohlthätigkeitsakte Ausdruck. So ungarischen Journalisten Pensions-Anstalt 2000 fl. gespendet. Ferner stiftete g 102? cin österreichischer Schüler erhält, welcher die ungarische
Sprache m Wort und Schrift erlernt. Auch errichtet er in seinem Heimathsorte Jnzers- dorf ein Krankenhaus. M 8
Literarische-.
„ , -r 3«m Christfeste. Deutsche- Weihnachtsblatt. Preis 2 50 4.
unter diesem Tttel bringt die bekannte G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung ein Unternehmen, das allgemeiner Beachtung werth ist und sich wohl auch des allgemeinsten Beifalls versichert halten darf. Es ist eigentlich zu verwundern, daß ein solches Festjournal, wie das nun vorliegende Grote'sche Weihnachtsblatt, nicht früher schon in deutschen Landen seine regelmäßige Verbreitung zur festlichen Weihnachtszeit gefunden hat. In Frankreich und England sind Festblätter dieser Art längst eingebürgert Es zählt dort zur hergebrachten Sitte, mit Anbruch des December eines der Londoner oder Pariser Weihnachtsblätter anzuschaffen und am abendlichen Familientische sich ihres weihnachtlich anregenden Inhalts zu freuen. Mancherlei Weihnachtssitten sind auch bei uns zu Hause. Aber als eine der schönsten würde es doch gelten können, wenn man in der vorweihnachtlichen Zeit dieses stattliche Grote'sche Heft „Zum Christfest" heimtrüge, als ein sichtbares Zeichen dafür, daß an dem innigst und tiefst empfundenen unserer Feste die Geister im Hause nicht fehlen sollen, durch welche jedwede Feier erst ihre höhere Weihe erhält, nämlich die der Poesie und Kunst.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch -ur öffentlichen Kennt- niß gebracht, daß bei der Spar- und Leihkaffe Gieße« in den Monaten De- • cemoer l. I. und Januar k. I. folgende Geschäftstage festgesetzt worden sind:
Mittwoch
den
5. December 1888,
Donnerstag
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6.
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Samstag
ff
8.
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Dienstag
11.
Mittwoch
12.
Donnerstag
ff
13.
Samstag
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15.
Montag
ff
17.
w
Dienstag
II
18.
V
Mittwoch
ff
19.
If
Donnerstag
ff
20.
If
Samstag
ff
22.
Montag
ff
24.
u
Freitag
ff
28.
—
Samstag
M
29.
ff
Montag
u
31.
ff
Mittwoch
2. Januar 1889,
Donnerstag
ff
3.
ff
Samstag
ff
5.
ff
Dienstag
8.
Mittwoch
9.
Donnerstag
w
10.
ff
Samstag
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12.
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Die Beischreibung bezw. Empfangnahme der Zinsen von Capitaleinlagen pro 1888 kann an diesen Tagen erfolgen, zu welchem Zwecke die Schuldscheine vorzulegen sind.
Die Großh.Bürgermeistereien des Sparkassebezirks werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung auf ortsübliche Weise zur Kenntniß der Ortseinwohner bringen zu lassen.
Gießen, den 26. November 1888.
Der Rechner der Spar- u. Leihkasse Gießen-:
Doering.
Wegzugshalber ist ein noch wenig gebrauchtes kreuzsaittges
Fianino
preiswürdig zu verkaufen.
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9696 A. Fangmann.
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zur
BÄCKEREI
empfiehlt, bekanntlich in nur besten Qualitäten,
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• Handschuhe in Gtacö, Seide und durchbrochen in hellen Farben.
I 9695 ß. ü'ieiigmmuu
Mittwoch den 5. December,
Nachmittags 2 Uhr, werden in der früher Br a mm'scheu Hofraithe versteigert:
Bettladen, Matratzen, 1 vollständiges Bett, polirte Kleiderschränke, Kommode, Tische, Sophas, 1 Secretär, Stühle, Spiegel, mehrere Wagen und andere Gegenstände.
Gießen, den 3. December 1888.
Bühner, 9725 Gerichtsvollzieher.
Iseilgeöotenes.
Neue
Pugl. Mandel«
per Pfd. 90 H,
bei 5 Pfd. 85 H per Pfd.
Neue
Neap. Haselnusskerne per Pfd. 80 H, bei 5 Pfd. 73 H per Pfd.
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Ingredienzien zur feinen Backerei empfiehlt in besten Qualitäten zu billigsten Preisen 9593
Fr. Seibel.
Gewaschene, metirte, Rutz , Anthracit und Braunkohlen, Briquets und kleingemachtes Hot? empfiehlt 9423
J. Happel, Neustadt 49.


