Ausgabe 
5.6.1888
 
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1888.

Dienstag den 5. Juni

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nzerger

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

jvureairr Schulstraße 7.

(siebener

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

haben, da sowohl Prinz Alexander von Hessen als sein Sohn Prinz Ludwig von Battenberg Einladungen Sr. Majestät des Kaisers zu den Vermählungsfeierltchkeiten in Eharlottenburg erhielten." ,

Potsdam, 2. Juni. Se. Majestät der Kaiser machte heute mit Ihrer Majestät der Kaiserin im Park von Eharlottenhof eine Spazierfahrt, begleitet von einem Flügel- adjutanten. Seine Majestät der Kaiser verließ unterwegs den Wagen. Se. Majestät hat heute den Vortrag des Generals v. Albedyll entgegengenommen. Zum Diner sind keine Einladungen ergangen.

Se. Majestät der Kaiser fühlt sich heute frischer und verweilte von 11,,2 vis IVr Uhr theils zu Fuß, theils zu Wagen im Park. ,

Straßburg i. E., 2. Juni. Wie dieLandeszeitung für Elsaß-Lothrmgen hört, sei für den Orient-Expreßzug eine Erleichterung der Paß-Eontrolle eingefuhrt, indem Reisende mit directen Billets von Paris bis wenigstens München von dem Paßerforderniß befreit seien, wenn sie innerhalb des Reichslandes den Zug nicht verlassen.

Irankrcich.

Paris, 2. Juni. Deputtrtenkammer. Laur bringt einen Antrag ein, wonach in dem Nordwesten Frankreichs eine Zone geschaffen werden soll, in welcher Deutsche nicht wohnen dürfen, ohne sich analoger Maßregeln zu unterziehen, wie sie von Deutsch­land für Elsaß Lothringen getroffen worden seien. Laur verlangt die Dringlichkeit für seinen Antrag, der Ministerpräsident Goblet bekämpft die Dringlichkeit, sowie den An­trag und erklärt, die Republik rechne es sich zur Ehre an, die Grenze des Landes offen zu halten; Jeder wisse, welche Leichtigkeit im Verkehr die Fremden in Frankreich genössen. Alsdann vei langt Goblet, daß Laur den Antrag zurückzrehe oder daß er die Kammer bäte, die Angelegenheit der Regierung als der natürlichen Hüterin der Wurde und der Interessen Frankreichs zu überlassen. Hierauf wird die Dringlichkeit mit 509 gegen 7 Stimmen abgelehnt.

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Gießen, 4. Juni. Nach lang anhaltender Hitze entlud sich gestern Nachmittag nach 5 Ubr ein äußerst heftiges Gewitter über unsere Stadt und Flur. Dasselbe mar von Aagel begleitet, welcher namentlich in den Gemarkungen Watzenborn und Steinberg^a?ge Verheerungen anrichtete. Auch der Forstgarten nebst angrenzendem

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Politische Ueberficht.

Gießen, 4. Juni. |

Seit Freitag residtrt Kaiser Friedrich in seinem vorläufigen Sommerheim, ] dem Schlosse Friedrichs krön bei Potsdam und mit einiger Genugthuung vernimmt man die Kunde, daß dem Monarchen die Uebersiedelung, welche bis Potsdam zu Wasser ausgeführt wurde, in erwünschtester Welse bekommen ist. Sowohl bei der Abfahrt von Eharlottenburg, wie bei der Landung in Potsdam wurden dem kaiser­lichen Herrn, welcher sich auf der Wasserfahrt von der Kaiserin, der Prinzessin Sophie, dem Kronprinzen und einem kleinen Gefolge darunter die Aerzte Dr. Mackenzie und Dr. Howell begleitet sah, vom Publikum mit stürmischen Ovationen begrüßt und Jedermann konnte sich an den Bewegungen des Kaisers mit eigenen Augen über­zeugen, welch' erfreuliche Fortschritte die Wiedererholung des hohen Patienten gemacht hat. Die erste Nacht nach der Uebersiedelung verbrachte der Kaiser recht gut, nur fühlte er sich am Samstag Morgen in Folge der Anstrengungen des vorangegangenen Tages etwas ermüdet, das Allgemeinbefinden war jedoch gut. Die in Berlin wohn­haften Aerzte des Kaisers werden jeden Morgen um 8 Uhr mit der Eisenbahn nach Potsdam fahren und sich um 11 Uhr nach Berlin zurückbegeben.

Die Frage, ob das Gesetz über die Verlängerung der Legislaturperioden in Preußen endlich die königliche Sanction erhalten habe, harrt noch immer ihrer Erledigung. DieNat.-Ztg." wußte dieser Tage zu melden, daß der Kaiser schon vor mehr als einer Woche das Gesetz unterschrieben habe, aber andere Meldungen be­haupteten das Gegentheil und auch auf officiöser Seite ist man bislang nicht in der Lage gewesen, eine bestimmte Mittheilung über den Vollzug des Gesetzes zu bringen. Begreiflicherweise giebt diese Ungewißheit Anlaß zu allerhand Combinationen und namentlich in fortschrittlichen Blättern wird die Sache dahin gedeutet, als ob die Ver­zögerung der allerhöchsten Sanction des Gesetzes eine empfindliche Schlappe für die Cartellpaiteien und die von ihnen vertretene Politik bedeute. Auch die über den signalisirten Rücktritt des preußischen Ministers des Innern, Herrn v. Puttkamer's, aufgetauchlen Gerüchte haben durch diese Unsicherheit der Dinge neue Nahrung er­halten ohne daß auch hierüber irgendwelche controlirbare Nachrichten Vorlagen. Nur bestätigt sich die Mittheilung, daß der Kaiser an den Minister einen Brief gerichtet hat in welchem sich der erlauchte Briefschreiber entschieden für Wahrung der voll­ständigsten Wahlfreiheit bei den politischen Wahlen ausgesprochen habe. In Folge dieses allerhöchsten Schreiben soll Herr v. Puttkamer zu seiner Rechtfertigung mit Aus­arbeitung eines Rechenschaftsberichtes über seine gesammte bisherige ministerielle Thatig- reit beschastlg^o^eiten im Birndesrathe über den abgeänderten Entwurf des Arbeiter-Altersversorgungs- und Jnvaliditatsgesetzes schreiten außerordentlich langsam vorwärts und alle Mittheilungen über den voraussichtlichen Zeitpunkt der Beendigung der ersten Lesung des Entwurfes können einstweilen nur als Mutmaßungen bezeichnet merden Die Schwierigkeit der zu behandelnden Materie erklärt ein solches langsames Arbeitstempo in den bundesräthlichen Berathungen, die mit der größten Gründlichkeit aefübrt worden. Unter Anderem ist seitens der betreffenden Ausschüsse eine Unter-- commission eingesetzt worden, welche die bereits gesaßten Beschlüsse zu redigiren hat und gleichzeitig ein vermittelndes Element der stellenweise sehr bestimmt heroortretenden widersprechenden Ansichten bilden soll.

Der König von Württemberg ist m voriger Woche von den Leibärzten Äönia Karls einer eingehenden Untersuchung seines gesammten körperlichen Zustandes miterwaen worden. Dieselbe hat ergeben, daß die schwere Lungenerkrankung, an welcher d "rch im Winter litt, sich als geheilt, darstellt und daß von ihr

auch feine krankhaften Rückstände in den Aihmungsorganen hinterlassen worden sind, ßbenfo ist der Zustand des Herzens, in dessen Functionen sich Storungen eingestellt batten jetzt ein befriedigender, dagegen ist das Nervensystem des Königs noch ange- arisien und muß sich daher der hohe Herr noch fortdauernd große Schonung auferlegen.

Sn München fand am Freitag die feierliche Eröffnung der dritten inter­national e n Mn ft a u§ ft ellung durch den Prinz-Regenten Luitpold statt

Nach einer Meldung aus Straßburg sind die des Landesverrath es An- aeklagten Instrumentenmacher Strettzguth und Apotheker Girard, auf Beschluß des Reichsgerichtes außer Verfolgung gefetzt worden. Dagegen schwebt das ans gleichem Anlaffe gegen die Eifenbahtibeamten Dietz, defsen Ehefrau und den Färber Appel em- neleitete Untersuchungsoerfahren noch. , , , .

Der Afrttaretsende, Lieutenant Tappenbeck, traf vorige Woche auf einem smürmannicben Dampser aus Kamerun in Hamburg ein. Wie erinnerlich, wurde die Tappenbeck und dem Lieutenant Äunbt geleitete Expedition zur Erforschung des südöstlichen Hinterlandes von Kamerun wiederholt von feindlichen Stämmen über- faUen und fchließl.ch zur Aufgabe ihres Vorhabens gezwungen; beide Herren erhielten in bieten Kämpfen Verwundungen.

®a« österreichische Abgeordnetenhaus erledigt letzt angesichts der herange- nabten Deleaationsarbeiten Hals über Kopf das noch restiiende Arbeitsmaterial. So nadm das ßau6 am Freitag die Spiritussteuer-Vorlage indringlicher Behandlung' neuen die Stimmen ber Liberalen und einiger Abgeordneten der Rechten an und Graf laaffe wird feelensfroh fein, daß er diese Vorlage, welche in Folge der ursprünglichen widerspenstig u Haltung der Polen beinahe eine Ministerkrisis heraufbefchworen Hatte, nunmehr" glücklich unter Dach und Fach gebracht hat -aberfragt mich nur nicht wie!"

Deutschland.

2 ctuni I Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen beute u Ä. ^Ofeffar ü='mann von Gwßen, den Oberamtsrichter Arnold von A"°nst^ und den Ob^ratntsrichter 3^°n n ^von^Hungen. sagenden Artikel,

97 Wni' em einer auch von DerAllg. Ztg." erwähnten Darm- r®6ontiDonbmÄ bei 3rff Journ." Über die Theilimhme der Großherzoglichen

Hos?theiln-hm-n könnten."" - Tiefe Annahme scheint in Berlin nicht bestanden zu

Italien.

Rom, 2. Juni. Die klerikalen Bätter veröffentlichen die vom Papste im letzten Eonsistortum gehaltene Allokution. Der Papst weist in derselben auf die Festlichketten anläßlich seines Jubiläums hin und hebt hervor, wie die hierbei bekundete allgemeine Freude gegen die Beleidigungen kontrastire, welche die Feinde der Kirche durch das neue Strafgesetz derselben zufügen. Dieses Gesetz sei ein sehr ernster Angriff auf den Elerus und die Rechte des heiligen Stuhles; namentlich anstößig erscheine der Artikel, betr. die Mißbrauche, welche dem Elerus beigelegt werden. Dieser Begriff sei sehr dehnbar und "könne je nach den schlechten Absichten der Feinde der Kirche an gewendet werden. Wie die Gesetze gegen die Lehre Ehristt verstoßen, so habe die Kirche die Pflicht, ihre Stimme zu erheben; es sei gegen Wahrheit und Gerechtigkeit, den ganzen Elerus in so unbegründeter Weise zu verdächtigen. Der italienische Elerus habe nichts gegen die öffentliche Ruhe unternommen. Der Papst sei der einzige Gerichtsherr innerhalb der Kirche- das neue Gesetzbuch aber greife in seine Rechte ein durch unbestimmt gehaltene Artikel, welche Jeder nach seinen Leidenschaften auslegen könne. Auch in anderen Ländern seien Gesetze gegen die Kirche geschaffen, doch wurden dieselben, so­bald sich die Geister beschwichtigt hatten, wieder aufgehoben. Der Papst protestirt ent­schieden gegen das Strafgesetz, welches den Rechten der Kirche, des Elerus und der Bischöfe zuwiderlaufe. Die Kirche habe andere Stürme gesehen und sei strahlender aus denselben hervorgegangen; er kenne den italienischen Episkopat, sowie den Elerus und zweifle nicht, daß dieselben dem neuen Gesetz gegenüber die entsprechende Haltung em- nehmen werden, aber er fei tief betrübt, die Kirche in Italien und ihr Oberhaupt in dieser Weise verfolgt zu sehen, da sie doch diesem Lande so viel Gutes erwiesen hatten. Seine Lage gestatte ihm nur, zu protestiren, er verlasse sich aber auf Gott, der Italien beschützen und bessere Zeilen herbeiführen möge.

Aegypten.

Kairo, 2. Juni. Die Regierung erhielt via Zanzibar ein Schreiben von Emin Bey, bahrt vom 23. October 1887, nach welchem letzterer keine neue Nachricht von Stanley erhalten habe.

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenz - Burean.

Potsdam, 3. Jun, Vormittags. Se. Majestät der Kaiser hatte -im bester- Nacht, als die vorhergegangene war; die Ermüdung ist gänzlich gewichen. Um 10 /4 Uhr begaben sich der Kaiser und die Kaiserin zu Wagen nach dem Wildpark, um 12 ,2 Uhr wird der Kaiser im Schloß Friedrichskron die Gesangsvortrage des Zwolf-Apostel- Kircken Chores unter Leitung seines Dirigenten Piuefer mitanhoren.

Potsdam, 3. Juni. Se. Majestät der Kaiser fuhr um halb 11 Uhr mit dem Ponnyfuhrwerk in den Schloßanlagen spazieren, begleitet von der Kaiserin, dem Gene- raladjutanten v. Winterfeldt und dem FlÜgeladiutanten vom Dienst - Um 1 Uhr empfing der Kaiser den zum Gesandten tu Munchenernannten Geh.Legatonsrath («raren xu Rantzau. Um 2 Uhr fand das Diner statt, an welchem die Frau Kron­prinzessin, die erbprinzlich Meiningenschen Herrschaften, der Botschafter v. Schweinitz und Fürst Radolin 2c. theilnahmen.

Potsdam, 4. Juni. sPrivatdepesche.) Der Kaiser hatte eine recht'gute Nacht und ist nach kräftigem Schlaf erfrischt. Seit WV2 Uhr befindet er sich im Park. Um 11 Uhr hörte er den Vortrag Wilmowski's.