Vor Eintritt in die Tagesordnung thcilt Herr Bürgermeister Bramm mit, daß der Turnverein Gießen die Mitglieder des Stadlvorstandes zu seinem am 4. Februar stattftndenden Winterfeste etngeladen habe. — Die Königl. Eisenbahn- Direction Hannover erwiderte ein an sie gerichtetes Schreiben in Betreff der Wegüberführung an der Rüfing'schen Wtrthschaft mit der Mtttheilung, daß sie zur Zeit mit der fpectellen Bearbeitung der Pläne zur Ueberbrückung der Schtenen- anlage an fragt Stelle beschäftigt sei. — Die Bürgermeisterei Großenltnden hat den hiesigen Stadtoorstand ersucht, ihr an Königl. Eisenbahndirection zu richtendes Gesuch um Einlegung eines wetteren Zuges zwischen Großenlinden und Gießen zu unterstützen. In den Motiven wird auf den Mangel geeigneter Verbindung zwischen den genannten Stationen um den Beginn und das Ende der Arbeitszeit in den hiesigen Fabriken htngewiesen und betont, daß durch Einlegen eines Zuges, welcher gegen 6 Uhr Morgens hier eintreffe und gegen 7 Uhr Abends nach Großenlinden abgehen würde, den zahlreich in den Gießener Fabriken beschäftigten Arbeitern Gelegenheit gegeben würde, die Bahn zu benutzen. Die Großh. Handelskammer, an welche ein gleiches Gesuch gerichtet gewesen, berichtet auf das an sie gestellte Ansinnen um Abgabe dtes- bezügl. Gutachtens, daß sie das Gesuch der Bürgermeisterei Großenltnden befürworten würde. Es wird beschlossen, den Vertreter der Stadt Gießen im Eisenbahnbeirathe zu Darmstadt zu ermächtigen, ebenfalls das Gesuch zu befürworten. — Im vergangenen Jahre ersuchte Großh. Bürgermeisterei Leihgestern den hiesigen Stadtvorstand um Angabe seiner Ansicht und Darlegung der Stellungnahme der Stadt Gießen zu dem bei dem Kreistage zur Verhandlung stehenden Bau einer Kreis st ratze von Gießen nach Leihgestern. Es wurde beschlossen, zu erklären, daß Gießen die Erbauung dieser Straße wünsche. Mittelst Rescripts theilt Großh. Kreisamt Näheres über die der Stadt in diesem Falle entstehenden Verbindlichkeiten, sowie die Kostenvoranschläge mit. Darnach hat die Stadt Gießen das innerhalb ihrer Gemarkung gelegene, zum Straßenbau sowie zum Lagern von Unterhaltungsmaterial erforderliche Gelände unentgeltlich zu stellen, sowie ein Viertel der in der Gemarkung aufzuwendenden Baukosten zu tragen. Der Bau der gen. Kreisstraße erfordert einen Kostenaufwand von ca. 66 000 Jü, wovon auf die Gemarkung Gießen ca. 22 000 JL kommen; es würde sich demnach der Beitrag der Stadt Gießen auf ca. 5500 belaufen, cxcl. der Kosten für etwaigen Geländeerwerb, welche aber in Anbetracht der Geringwerthigkeit des in Frage kommenden Geländes (ca. 4—6000 Qu.-M.) nicht sehr bedeutend sein können, ferner auf Tragung der Baukosten der Straße von der Stadt her bis an die Actien- brauerei. Die Baudeputation hat beantragt, auf die von Großh. Kreisamt gestellten Bedingungen in Rücksicht auf die Zweckmäßigkeit einer Kreisstraße -wischen Gießen und Leihgestern einzugehen, worauf die Versammlung den Antrag zunr Beschluß erhob. — Unter den das städtische Schlachthaus betreffenden Angelegenheiten wird mtt- gethetlt, daß Großh. Polizeiamt bei Großh. Kreisamt beantragt habe, Herrn Schlacht- Hausverwalter Möhl in Verpflichtung auf Poltzetschutz zu nehmen. — Großh. Kreisamt fordert ferner Festsetzung des Gehalts des Stellvertreters des Fleischbeschauers, sowie Angabe des Gehalts des Fleischbeschauers selbst. Da sich die belden hiesigen Fleischbefchauer über den Bezug der ihnen zukommenden Gebühren seither selbst geeinigt, so ist über die Höhe des dem Einzelnen zukommenden Betrages noch kein Anhalt vorhanden, weshalb dementsprechend berichtet werden und vorerst von der Feststellung von Gehältern abgesehen werden soll, bis das finanzielle Ergebniß des ersten Betriebsjahres des neuen Schlachthauses vorliege. — Infolge erhobener Beschwerde darüber, daß es den Landleuten und Händlern, welche Vieh in das hiesige Schlachthaus bringen, nicht gestattet sei, zugegen zu sein, wenn das Vieh geschlachtet und gewogen werde, haben Erhebungen stattzefunden, welche ergeben haben, daß den direct Jnteressirten möglichst entgegengekommen werde, daß es aber nicht gestattet sei, wenn drei oder mehr Personen, die bet dem Handel nicht betheiligt seien, das Schlachthaus betreten. Die Versammlung erklärt sich mit dem in dieser Sache beobachteten Vorgeben des Schlachthausverwalters einverstanden, desgl. damit, daß derselbe befugt und verpflichtet ist, in Zweifelsfällen das geschlachtete Vieh nachzuwiegen. — Ein Schreiben der Metzger- Innung, in welchem sich dieselbe für Einführung der obligatorischen Trichinenschau (aber aus Kosten der Stadt) ausspricht und worin sonstige die Fleischbeschau, sowie die Behandlung nicht ladenrcinen Fleisches betreffende Vorschläge gemacht werden, wird unter Bezugnahme auf die noch schwebenden Verhandlungen über die Einführung der Trichinenschau und die Fassung des noch nicht in Kraft getretenen 8 4 des Schlacht- hausregleinents für erledigt erklärt. Desgl. ist die Eingabe der Metzger um Ausdehnung der Schlachtzeit für Hornvieh durch Erlaß einer dem Wunsche der Interessenten möglichst Rechnung tragenden Anordnung als erledigt -u betrachten. — Herr Kaufmann Vogt beschwert sich über die vor seinem Hause in der Wolkengasse durch den städtischen Brunnen verursachte Wasseransammlung und verlangt Abhülfe. Die stattgehabte Besichtigung hat ergeben, daß der größte Thetl des angesammelten Wassers aus der Hofraithe des Herrn Seng kommt; die Baudeputation sieht deshalb keinen Grund zu einer Aenderung in dem Standorte des Brunnens, das sich dort bildende Eis könne höchstens von Zeit zu Zeit auf Veranlassung der Stadt entfernt werden. — Herr Stadtbaumeister Sties hat über das Kehrwesen in der Stadt die Einführung eines Regulativs vorgeschlagen und empfohlen, die Stadt in 6 Kehrbezirke einzutheilen, das Kehren und die Abfuhr des Kehrichts an einzelne Unternehmer zu vergeben. Die Baudeputation ist gegen die Errichtung eines besonderen Statuts, hält die Einführung entsprechender Bestimmungen in das bestehende, die Straßenreinigung betreffende Reglement für genügend und beantragt, die Straßenreinigung in städtischem Tagelohn und zwar an den Tagen Dienstag, Donnerstag und Samstag in 3 Eolonnen d 6 Mann nebst einem Vorarbeiter und je einem Fuhrwerk vornehmen zu lasten. Bei Annahme dieses Antrages würden sich die Kosten für das Stratzenreinigen in den Grenzen der bei Berathung dieses Gegenstandes veranschlagten Summe bewegen. Der Antrag der Baudeputation wird angensmmen, nachdem noch Herr Ad. Noll sich für diesbezügliche Orientirung in anderen Städten ausgesprochen hatte. — Herr H an stein bemerkt, ihm sei wiederholt vorgehalten worden, daß z. B. bei Glatteis gerade die städtischen Plätze nicht bestreut seien, während die Privaten streng an ihre Pflicht erinnert würden. — Laut Schreiben der sreiwilügen Feuerwehr sind bei dem letzten Brande verschiedene Schläuche, Leitern rc. beschädigt worden, deren Erneuerung nothwendig sei. Ein Schreiben Großh. Kreisamts weist darauf hin, daß bei den Bränden der Klein- kinderschule, des Hauses der Wittwe Belloff und der Scheid'schen Fabrik eine sehr lange Zeit verstrichen sei, ehe die Spritzen mit Wasser aus den städtischen Hydranten versehen werden konnten, da gewöhnlich die Inhaber der Schlüssel zu den Hydranten nicht rechtzeitig zur Stelle waren oder die Hydranten selbst, weil Schnee und Eis dieselben bedeckte, nicht aufgefunden werden konnten. Außerdem habe sich bei dem Brande der Scheid'schen Fabrik gezeigt, daß der Druck der Wasserleitung ein viel zu geringer gewesen sei. Es wird der Stadt- »ertretung aufgegeben, hierin Abhülfe zu schaffen und auch dafür zu sorgen, daß ein Einfrieren der Deckel zu den Hydranten verhütet werde, was am zweckmäßigsten durch Bestreuen mit Salz geschehe. (Das letztere Verfahren ist seither auch angewendet worden.) Großherzogl. Kretsamt empfiehlt es schließlich als zweckmäßig, daß ein größeres Quantum Spritzenschläuche in Vorrath gestellt werde, um allenfallsigen Abgang durch Beschädigungen rc. sofort ersehen zu können. Die Versammlung beschließt, außer den nothwendigen Ergänzungen der Geräthschasten, Anschaffung von 100 Meter Schläuchen und Behaltung derselben in Reserve, sowie Anordnung der für erforderlich gehaltenen Maßregeln zur Hebung der angeführten Mängel. — Die durch Abschaffung zweier alter Spritzen frei gewordenen Spritzenmeister sollen nach Vorschlag des Stadtbauamts in der Art auf die noch vorhandenen Spritzen vertheilt werden daß auf jede derselben 4 Mann kommen; außerdem sollen durch Erlaß einer Instruktion die Obliegenheiten der Spritzenmeister geregelt werden. Die Versammlung schließt sich dem Anträge der Baudeputation an, welcher dahin gebt, eine Neuwahl der erforderlichen Mannschaft vorzunehmen, namentlich aber Diejenigen auszuscheiden, welche seither ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind. — Gegen Erlaß eines von Großh. Garnisonverwaltung Gießen geforderten Polizeireglcments zur Verhütung weiterer, seither an der Wasserleitung zu den Kasernen vorgekommenen muthwilligen Zerstörungen hat die Versammlung nichts einzuwenden. — Bei der neulich abgehaltenen Versteigerung zweier Bauplätze an der Ostanlage wurden Gebote von 6550, resp. 6500 JL, für beide Plätze zusammen von 13,100 eingelegt. Der Steigerer des ersten Platzes, Herr PH. Schäfer VI., hat nunmehr ein Nachgebot von 200 JL eingelegt, event. Anberaumung einer nochmaligen Versteigerung beantragt. Nach § 7 der Versteigerungsbedingungen können Nachgebote nicht berücksichtigt werden und bliebe sonach nur noch eine nochmalige Versteigerung übrig, über welche die Baudeputation, «n welche das Gesuch zurückoerwiesen wird, verhandeln soll. — Der Pachtvertrag
über ein Stück Gelände an der Ludwigsstraße mit Herrn Commercienrath Silbereifen wird auf ein weiteres Jahr verlängert. — Der stattgehabten Vermiethung von Kcllerräumlichkeiten im Schulhause in der Schulstraße an Herrn A ndr. Weidig wird Genehmigung ertheilt. — Von den beiden von Herrn Ehr. Rübsamen eingereichlen Gesuchen um Ueberlassung von Kieslagcrplätzen zwischen den Wehren und unterhalb des unteren Wehres kann nur das elftere genehmigt werden, während über letzteres verhandelt werden soll, wenn über die Legung des Stadtringgrabens in eine Steinsohle endgiltig entschieden worden ist. — Dem Gesuch der Fräulein v. St. George um Herstellung eines gepflasterten Ueberganges über die Fahrbahn vor ihrem Hause in der Wiesenstraße wird stattgegeben. — Das Gesuch des Bäckermeisters Heinrich Faß um Erlaubniß zum Bau einer Bäckerei an feinem neu erworbenen Hause an der Licherstraße wird beanstandet, da der projectirte Bau in Ansehung des § 18 der Bauordnung als mißständig bezeichnet wird. — Herr Gutsbesitzer Schlenke hat seinen Antheil an dem über den Hardtberg nach Gleiberg führenden Weg der Stadt in Eigen- thum offerirt, wenn sie den Weg ausbauen läßt, was einen Kostenaufwand von 7000 bis 8000 vM veranlassen würde. Die Baudeputation ist mit der Offerte einverstanden, die Versammlnng ebenfalls, wenn die hierüber einzuleitenden Schritte bei Großherzogl. Kreisamte Gießen, welches um Uebernafcme des hergestellten Weges als Kreisstraße angegangen werden soll, von Erfolg sein sollten. — Den am Fuße des Hardtbergs in nordöstlicher Richtung hinziehenden Weg beschließt die Versammlung ebenfalls chaufsiren zu lassen, wenn Herr Steinbruchbesitzer Valentin als Mitinteressent an dem Weg sich zur unentgeltlichen Ueberlassung des erforderlichen Geländes bereit erklärt. Das letztere ist geschehen, nur behält sich Herr Valentin das Benutzungsrecht an den Böschungen vor, womit die Versammlung ebenfalls einverstanden ist. — Dem Gesuche um Verbesserung, resp. Entwässerung des Laufertsröder Weges kann in der geforderten Weife nicht entsprochen werden, es wird beschloffen, den Interessenten anheimzugeben, auf die Zusammenlegung der Grundstücke hinzuwirken. — Herr Han stein weift auf die Gefährlichkeil des Fußwegs hinter der Hornberger'schen Fabrik (an der Westanlage) hin. Dadurch, daß die am Grabenrande bestandene Baumreihe entfernt worden ist, sei die Gefahr des Hinabfallens in den Graben noch augenscheinlicher geworden, es sei wohl nöthig, daß durch Anlegung einer Hecke ober Barriere diese Gefahr beseitigt werde. — Das Gesuch mehrerer Einwohner der Sandgasse, die Stadt möge Anspruch erheben auf .ein ihr angeblich gehörendes, in dieser Gasse von einem Privaten benutztes Stück Gelände, kann die Baudeputation nicht befürworten; es erfr'gt Ablehnung desselben. — Mehrere Bewohner des Gäßchens in der sog. Scheppecke (an ber Westanlage) petitioniren um Herstellung der Gasse, welche in letzter Zeit sehr zerfahren worden sei. Die Baudeputation beantragt die Herstellung des Gäßchens, sofern die Anwohner sich verpflichten, das Ihrige dazu beizutragen. — Das Gesuch einer Casseler Firma um Eoncessionirung zur elektrischen Beleuchtung der Stadt wird abgelehnt.
Gießen, 4. Februar. Nachstehend erlauben wir uns, einen kurzen Auszug des Vortrages, welchen Herr Dr. W. Sonne aus Darmstadt im hiesigen Localgewerb- verein (Eafä Ebel) am 31. Januar über die Haltbarmachung der Nahrungsmittel hielt, unseren Lesern mitzutheilen:
Die besseren Verkehrswege der .Neuzeit (Chausseen, Eisenbahnen) ermöglichen es, nothleidenden Gegenden die Erzeugnisse reicherer Landstriche rasch zuzuführen. Das Bestreben, Nahrungsmittel längere Zeit in unverändertem Zustande aufzubewahren, findet namentlich dadurch seine Rechtfertigung, daß man im Falle der Noth stets größere Mengen derselben zur Hand haben und so dem Eintreten wirklicher Hungerzeiten energisch vorbeugen kann. Wie jedes Nahrungsmittel im frischen Zustande nach kurzer Zeit verdirbt, weil sich zahllose in der Luft vorhandene Fäulniß- und Gährungserreger auf und in demselben anfiebeln, so läßt sich andererseits auch jedes durch geeignete Methoden haltbar machen und vor dem Verderben schützen. — Namentlich die Eon- fervhung des Fleisches hat einen national-ökonomischen Hintergrund von großer Bedeutung, weil Deutschland nicht sv viel Fleisch erzeugt, um allen Klassen der Bevölkerung diejenige Fleischmenge täglich zukommen zu lassen, welche zu einer guten Ernährung unbedingt nothwendig ist. Daher ist eine Ergänzung des Fehlenden durch im Auslande hergestellte Eonseroen als wünschenswerth zu bezeichnen. Die haltbar gemachten Nahrungsmittel werden heute schon im größten Maßstäbe angewandt bet Expeditionen, Seereisen und zur Verproviantirung der Festungen im Kriegsfälle. Vsn besonderer Wichtigkeit aber werden sie in Zukunft werden bei der Verproviantirung der Truppen im Felde, wodurch eine ganz neue Art der Verpflegung sich Bahn brechen wird, welche sich von dem heute noch üblichen System der Proviantcolonnen vortheil- hast unterscheidet. Zur Conservirung des Fleisches stehen uns eine ganze Reihe sehr beachtenswerther Methoden zur Verfügung. Zunächst das Ein salz en des Fleisches, wodurch demselben allerdings nicht nur Wasser, sondern auch lösliche Eiweißstoffe und einige für die Ernährung wichtige Salze entzogen werden. Sodann die Aufbewahrung des Fleisches unter Luftabschluß, was sowohl durch Ueberziehcn der Fleisch- ftücke mit verschiedenen Substanzen, wie Gelatine, Leim, am besten mit Paraffin, — wie auch besser noch dadurch geschehen kann, daß man das Fleisch in Weißblech- oder Zinngefäße bringt, den mit einer kleinen Oeffnung versehenen Deckel auilöthet und diese Oeffnung nach mehrstündigem Erhitzen des Gesäßes auf 95—100° C. verschließt. (Verfahren von Appert.) — Das Haltbarmachen des Fleisches durch Eintrocknen (Herstellung von Fleischmehl; in Europa zuerst von den Franzosen zur Ernährung der Truppen im Krimkriege angewandt) muß bei möglichst nichtiger Temperatur geschehen, da sonst die Eiweißstoffe des Fleisches unlöslich werden und der Fleischsaft theilweise verloren geht. — Die Aufbewahrung des Fleisches in Kältekammern ist größter Ausdehnung fähig, weil wir im Stande sind, uns künstliches Eis zu jeder JabreSzeit in beliebiger Menge zu verschaffen. In den Kältekammern hält sich solches „Eisfleisch* monatelang unverändert. — Bei den Methoden, das Fleisch durch Behandlung mit fäulnißhemmenden (antiseptischen) Substanzen haltbar zu machen, gehört zunächst daS Jedem bekannte Räuchern, wobei gewisie im Holzrauche enthaltene Stoffe (Phenol, Eresol) die Fäulnißkeime tobten. Alle Präparate, welche man zum Jmprägnircn des Fleisches oorgeschlagen hat, wie Borsäure, saurer schwefltgsaurer Kalk, Salicylsäure rc., erfreuen sich bis jetzt keiner allgemeinen Verwendung. — Nachdem dann noch die Herstellung des von unserem berühmten Lcmdsmanne Liebig erfundenen Fleisch- ex tract es und die des Fleischzwiebacks besprochen worden war, wurden weiter die Methoden der Milchconservirung durch Abkühlen, Aufkochen, Versetzen mit gewissen Salzen, wie saures kohlensaures Natrium ober mit Borsäure, sowie die Herstellung der condensirten (concentrirten) Milch beschrieben, ferner auf die Herstellung von Eierconserven und die Haltbarmachung der Gemüse durch Trocknen bei 50—60° C. und darauffolgendes Comprimiren ober nach bem oben erwähnten Verfahren von Appert, näher eingegangen. — Am Schlüsse des Vortrages gab Herr Dr. Sonne ber Hoffnung Ausdruck, daß es durch die neuerdings veröffentlichten Gesetze über den Verkehr mit zink- und bleihaltigen Gegenstänben, sowie über bie Nichtanwendung schädlicher Farben gelingen werde, den Lebensmittelmarkt und also auch die Nahrungsmittelconserven vor gefälschten Fabrikaten zu schützen. Durch den beständig steigenden Eonsurn der haltbar gemachten Nahrungsmittel werden diese in Zukunft noch erheblich billiger und so von weittragender Bedeutung für eine gute und billige Ernährung des Volkes werden.
Vermischtes.
Bochum, 30. Januar. Lebendig begraben wurden zwei Knappen auf einer nahegelegenen Zeche. Dieselben waren am letzten Donnerstag Nachmittag in ber Grundftrecke eines Flötzes mit Abbau beschäftigt, als plötzlich bie anftehenben Kohlenmassen in's Rutschen kamen unb ber Pfeiler etwa 10 Meter in der Streichrlchtunß des Flotzes einstürzte, infolge dessen die beiden Hauer in den bereits abgebauten Flotz- theil eingefperrt wurden. Die Rettungsarbeiten wurden sofort mit aller Kraft aufgenommen und es hatte anfänglich den Anschein, als ob dieselben von Erfolg gekrönt werden sollten, da man wiederholt Lebenszeichen, welche die Abgeschnittenen durch Klopfen gaben, vernahm. Nachdem jedoch etwa 3 Meter weggeschafft waren, stürzten neue bedeutende Massen herab und von diesem Augenblicke an hörten auch bie Lebenszeichen auf. In ber Nacht vom Samstag zum Sonntag ist es nun nach unablässiger angestrengtester Thätigkeit enblich gelungen, ben ersten ber Verunglückten, vermuthlich denjenigen, welcher anfänglich bie Lebenszeichen gegeben hat, zwischen Kohlenmasien eingeklemmt aufzufinden. Dagegen hat man von bem zweiten noch immer keine Spur und ist anzunehmen, baß derselbe sogleich beim ersten Zusammenbruch zu Tobe gekommen ist — immer noch ein angenehmerer Tob als der seines Kameraden, der zuvor lange Stunden in qualvoller Ungewißheit zu durchleben hatte.


