Rr. 284 Zweites Blatt. Dienstag den 4. December 1888«
Giehener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Bureau r S ch u l ft r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. - Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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München.
Zugleich machen wir darauf aufmerksam, daß zu den Schuldverschreibungen der in Art. 2, Zlff. 4, des Gesetzes vom 18.,Junr 1887 bezeichneten Art die Obligationen der Nassauischen Landesbank zu zählen sein dürften, und daß es sich empfiehlt, bet Anträgen auf Zulassung städtischer Schuldverschreibungen unter anderem darauf Rücksicht zu nehmen, ob dieselben im Eoursblatt der Frankfurter Börse notirt werden."
Darmstadt, 1. December. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen hallte u. A. den Secondlieutenant Kreuter II. vom 2. Großh. Jnf.-Regtment (Groß- Herzog) Nr. 116.
Berlin, 1. December.. Unserer socialpolitischen Gesetzgebung und namentlich der gegenwärtig in Vorbereitung begriffenen Alters- und Invalidenversicherung wird von gegnerischer Seite der Vorwurf gemacht, sie sei nichts weiter als eine veränderte Armenpflege. Der Vorwurf ist leicht mit dem Hinweis darauf widerlegt, daß die Armen- unterstützung eine nachzusuchende Gnade, die Alters- und Invalidenrente ein zu beanspruchendes Recht darstcllen. Daß indesien beide, Armenpflege und Alters- und Invalidenversicherung, in einem gewissen Zusammenhänge stehen, ist durch die realen Verhältnisse bedingt und eigentlich selbstverständlich; die erstere wird durch die letztere in vielen Fällen aufgehoben werden. Ueber diesen Zusammenhang läßt sich auch die dem an den Reichstag gelangten Gesetzentwurf über die Alters- und Invalidenversicherung beigegebene Begründung aus.
Es ist danach hervorzuheben, daß der durch die Alters- und Jnvaliditats- versicherung eintretenden neuen Belastung eine namhafte Erleichterung der öffentlichen Armenpflege gegenübersteht. Die Einführung der obligatorischen Alters- und In- validitätSversicherung muß nämlich notwendig zugleich auf das gesammte bisherige System der Armenpflege zurückwirken. Nicht als ob diese Rückwirkung auf die Annen- vflege der eigentliche Zweck der Vorlage wäre. Dieser Zweck ist vielmehr ausschließlich soctalpolitischer Natur. Die Gewährung eines rechtlich erzwingbaren, vermöge eigener Leistungen wohl erworbenen Anspruchs auf Alters- und Jnvalidenfürsorge reicht weit über das Gebiet der Armenpflege hinaus. Aber die Alters- und Jnvaltdttätsversicherung wird in zahlreichen Fällen den bisherigen Nothbehelf der Armenunterstützung überflüssig machen. Und mehr als das, sie wird nicht nur dem Eintritt von Armenfällen im bisherigen Sinne steuern, sondern sie wird auch die drückende Last, welche aus dem Nothbehelf der Armenpflege für die Träger der letzteren erwachsen ist, in anderer, und zwar gerechterer Weise vertheilen, indem sie große, leistungsfahrge Verbände unter Heranziehung der eigenen Leistungen der Versicherten mit der Aufgabe betraut die Mittel aufzubringen, um in zahlreichen Fällen san Stelle der bisher zu gewährenden Armenunterstützung einen Rechtsanspruch auf ein bestimmtes Einkommen zu setzen. Schon die erziehliche Rückwirkung dieser Anspannung der eigenen Leistung der Besicherten auf deren gesammte sittliche Lebenshaltung wird allmalig auf die Notwendigkeit eines Einschreitens der Armenpflege einen beschrankenden Einfluß „ ausuben und auch nach dieser Seite darf die Rückwirkung der Alters- und Jnva tdttatsvLrsicherung auf die künftige tatsächliche Gestaltung der Armenpflege nicht unterschätzt werden.
Universität- - Chronik.
Sonn, 30. November. Der außerordentliche Professor der evangelischen Theologie an der hiesigen Universität Dr. theoL Karl Budde ist in gleicher Eigenschaft an die Universität in Straßburg berufen und hat den Ruf angenommen.
Göttingen, 28. November. Geh. Regierungsrath Professor vr. Victor Men er der Director unseres chemischen Laboratoriums, hat den an ihn ergangenen ehrenvollen Rus an Bunsen's Stelle nach ßeibelberg abgelehnt und wird samt unserer Universität erhalten bleiben. — Die Königliche Hochschule sur Thierarznetkunde soll demnächst von Hannover hierher verlegt und mit unserer Universität verbunden werden^ vr. Duhm in Göttingen hat einen Rus nach Basel angenommen.
_ Aus toten, 30. November, wird der „K. Z" g-schrieb-n: Als Nachfolger des verstorbenen Professors v. Bamberger in Wien sind in Aussicht genommen in erster Linie Professor vr. Riegel in Gießen, sodann Professor und Geh. Medicmal- rath vr. M o sler in Greifswald, ferner der Professor und Medicinalrath vr. Quincke in Kiel,'endlich Professor Rembold.
Arutschland.
30 November. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Darmstadt, 30. Justizverwaltung, Nr. 30, enthalt folgendes Aus-
db$«mftab® am 21. November, b-tr-fs-nb die Anlegung vormunbschast-
Literarische*.
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Beruf zur münblichen Behandlung beS ^"abn»£n gaif^r unb Sebanreben sich
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PrtnMm, nach welchen ein monarchischer Staat regiert wirb. (W. Pr.)
Politische Rundschau.
Gießen, 3. December.
Frühestens am kommenden Mittwoch gedenkt der Reichstag in die erstmalige Berathung der wichtigsten Vorlage der ganzen Session, der Alters- und JnvaliditätS- verficherungSvorlage, einzutreten. Der wiederholt umgeänderte Entwurf derselben hat bekanntlich kurz vor Eröffnung der jetzigen Retchstagsfession durch die vom Bundes- rathe oörgenommene anderweitige Bemessung der Renten nach Ortsklassen und Errichtung von territorialen Versicherungsanstalten eine nochmalige Abänderung in principiell wichtigen Punkten erfahren. Aber jetzt noch erweist sich der Entwurf so verbesserungsbedürftig, daß die parlamentarische Behandlung der ganzen hochwichtigen Frage sich voraussichtlich bedeutend in die Länge ziehen wird und dem gegenüber kann man nur den Wunsch aussprechen, daß trotz aller vorhandenen Schwierigkeiten sich zuletzt doch eine befriedigende Lösung ergeben möge.
Das Arbettsmaterial des Reichstages soll noch eine fernere Bereicherung erfahren, da das Reichsjustizamt dem Vernehmen nach eine Vorlage über die Prozeßkosten vorbereiten will. Außerdem sind vom Bundesrathe die Gesetzentwürfe über die Vorarbeiten für das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I. und über die Vorschriften wegen Vermessung der Schiffe für die Fahrt durch den Suez-Canal angenommen worden und dürften dieselben dem Reichstag zur Stunde vielleicht schon zugegangen sein.
Von den bislang eingesetzten Commissionen desRetchstages ist diejenige für die Wahlprüsungen am ersten, am Freitag, zusammengetreten, ohne indessen an diesem Tage schon Beschlüsse zu fassen. Am Montag hielt die Budgetcommission unter Vorsitz des Abg. v. Bennigsen ihre erste Sitzung ab und gelangten zunächst die Positionen, bett, di- fortdauernden Ausgaben für das Auswärtige Amt, zur Berathung.
Die unpassenden Angriffe deutscher Blätter gegen den Kronprinzen Rudolf von Oesterreich wegen dessen dem deutsch-österreichischen Bunde angeblich abgeneigter Halrung habenseilens mehrerer leitender Wiener Blätter mit Recht eine scharfe Zurückweisung erfahren. Da die betreffenden deutschen Blätter indessen hiergegen wiederum Verwahrung cinlegten, so hat sich aus der ganzen Affaire eine sehr unerquickliche Fehde zwischen den betheiltgten Preßorganen entwickelt, daß man fast meinen möchte, das deutsch-österreichische Freundschafts- und Bündnißverhältniß sei bedroht. Glücklicherweise nehmen die beiderseitigen Regierungen die Sache viel kaltblütiger, man weiß an leitender Stelle in Berlin wie in Wien, daß derlei Preßgezänk keinerlei Mißtrauen zwischen den maßgebenden Kreisen Deutschlands und Oesterreichs zu säen vermag.
Die Feier des 40jLhrigen RegierrrngSjirbilLurns deS Kaisers Kranz Closes ist von der Bevölkerung Oesterreich Ungarns am Sonntag mit freudigster Thetl- nahme begangen worden; der Kaiser selbst verbrachte seinen Ehrentag in Zurückgezogenheit auf Schloß Miramare bei Triest.
Die Nachrichten über die Strtkebewegung unter den Kohlengrubenarbettern Belaiens lauten augenblicklich wieder etwas günstiger. Die strtkenden Bergleute in den Grudenbezirkcn von Martemout und Bascoup im Becken von Charleror haben die Arbeit wieder ausgenommen und auch in anderen Kohlenrevleren soll die Wiederaufnahme der Arbeit seitens der Strtkenden bevorstehend es scheint, daß die beireffenden Gesellschaften allenthalben die Forderungen der austtändrgen Arbeiter bewilligt haben. Eine neue teilweise Arbeitseinstellung wird nur aus dem Kohlenbergwerke Marrhage im Lütticher Kreise gemeldet. .
In Frankreich wird die sattsam bekannte Scandalaffarre Numa Gtlly nun nochmals ihre Kreise ziehen. Die Deputirtenkammer hat den Antrag der opportunistischen Budgetcommissions-Mitglieder, den socialtsttschen Deputirten Numa Gilly wegen Kiner beleibigenben Aeußerungen über bie Budgeicvmmisston gerichtlich »erfolgen zu lassen, am Freitag genehmigt. Herr Gilly wirb also vor Gericht ben Wahrheitsbewe s für seine Antchuldigungen ber Bubgeteommission antreten ober be- unb wehmuthig Abbitte leisten müssen, in jebem Falle gewährt aber bie französische Volksvertretung burch bas Breittreten bleiet Affaire ein abermaliges erbauliches Schauspiel! - Der Zwiespalt, bet zwischen bet Bubgeteommission einer-, bem Sriegämin er unb bem Sinaniminifter anberfeltS wegen ber von letzteren verlangten außerorbentlichen Bnbgets AL. war, "st wie ff» voraussehen ließ, burch bie Nachgiebigkeit ber Commission belaeleat worben Dieselbe hat beiben Ministern bie von ihnen verlangten Summen ohne jeben Abstrich bewillig? unb betragen J»eciea bie betn Kriegsministet für bas Jahr 1889 bewilligten außerordentlichen 125 Millionen Francs.
cvn Ottafrika haben noch in voriger Woche die Operationen des deutschenglischen Blokadegeschwaders begonnen. Ihnen ö‘ns/ine9I^
des deutschen und englischen Admirals voran, welche den Anfang der Zikade der fes - ländischen Küstenbesitzungen des Sultans von Sansibar ankündigte. Am Mittwoch bie deutschen Schiffe mehrere Punkte berSüfie, an benen «ch die Aufständischen festgesetzt haben, wie Windi, südlich von Bagamoyo, dann Mucki, n. Sinfnii aeaenüber von Sansibar, wurde von den Deutschen amSams- westltch davon Kn , g g beschossen am Freitag mehrere Stellungen der
bardements lagen noch keine Meldungen vor.
IttUer ^klder. 9I o Kiffer 5, des Gesetzes vom 18. Juni 1887, „die
„Au, ®runb be3 »tti2, J sowie bie Aufbewahrung ber
^erwischtes.
SP PIT-111 riefte in 1. December. Monats-Bericht der Arbeiter-Colonie pro November 1888.] Ultimo November sind in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 111 Ntann. Bäcker 2, Barbiere 1, Bergmann 1, Buch-
btnber 3 Bürstenmacher 1, Commis 6, Condttor 1, Eisengießer 1, 51)r^Ic^cr torSfr'R ffilaStaÄer 1 Gürtler 2, Kammmacher 1, Koch 1, Korbmacher 1, StfdSl ' MasLnschlosser 5 Maurer 4, Metzger 1 Müller 1, Schmiede s, Schneider 4 Schreiber 7, Schreiner 1, Schuhmacher 9, Stellmacher 1, Stein- m*erfo5Jen8,auf2: ^«hurn Hessen 38 Regietungs- ber^k Cassel Sachsen 3?
?us die KönigrN: Bayern 8, Sachsen 2, Württemberg 1; Thüringer Staaten 2.
»-».dm 1.
d-, W« .»!««.»»» 1077 entlassen 966. ---------- —


