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ZZeilage zu Ar. 104 desMchener Anzeiger".

Verwischt«».

Capitän: Wenn möglich, Nichts ist Herrn

Corpora!:

Capitän:

,Nachgerade fängt mir aber das Postenstehen wirklich langweilig zu ,Jch werde Sie in wenigen Minuten ablösen lassen."

Corporal:

Dumanet: werden an."

Corporal:

alles in schwarzen Hosen. Und daß die Knöpfe gut angenäht sind. Beautendon unangenehmer als Jacquettes ohne Knöpfe."

Hat er sich darüber schon einmal beschwert?"

Ja, neulich traf er zwei Leute auf der Straße, die keine Knöpfe an

sDie französische Armee unter Freycinet.] Allen noch vernünftig über die Zukunft der Armee denkenoen Franzofen erscheint die Ernennung eines Civillsten zum Kriegs Minister als der Anfang zur vollständigen Entwerthung derselben. So carriktrt Figaro" die voraussichtlich bald in der französischen Armee zu erwartenden Sub­ordinations-Verhältnisse wie folgt:

(Inneres einer französischen Kaserne. Dank dem neuen Kriegsminister herrscht in der­selben eine außerordentliche Thättgkeit. Personen: Ein Capitän, Corporal Arthur, Soldat Dumanet, ein Bursche des Capitäns, ein Waffenmeister).

Corporal (in die Kaserne tretend):Warum steht denn kein Posten vor dem Thor?"

Dumanet:Ach, der will nur mal ein Viertelstündchen im Lesezimmer die neueste Zeitung lesen."

Corporal:Danke Ihnen sehr für die Auskunft, Herr Dumanet. Aber wollten Sie nicht vielleicht die Güte haben, so lange Posten zu stehen, bis Ihr Herr Kamerad wieder herauskommt?"

Dumanet:Ich habe, offen gesagt, keine große Lust dazu. Ich schlendere hier so bequem im Hausrock und Pantoffeln herum, jetzt nun wieder die eklige, unbequeme Uniform anziehen!"

Corporal:Bitte, Herr Dumanet, thun Sie mir den Gefallen und stehen Sie so lange Posten, bis Ihr Kamerad die Zeitung ausgelesen hat."

Dumanet:Nun Ihnen, Herr Corporal, zu Gefallen, will ich es thun. Aber es regnet ja!"

Corporal: Nehmen Sie den Regenschirm dort, dann schadet Ihnen der Regen nichts. Hier haben Sie auch eine Cigarre, die Sie sich anstecken können."

Dumanet:Danke! Ich werde also den Posten so lange vertreten."

Corporal:Tausend Dank, Herr Dumanet! Der Kriegsminister wünscht, daß wir Soldaten höflich, liebenswürdig und versönlich miteinander sind. Er selbst ist uns in dieser Beziehung sein Lebelang ein leuchtendes Vorbild gewesen. Jetzt ist unsere Armee eine feine Armee. Wir können uns dazu gratuliren."

Capitän (tritt ein):Entzückt, Herr Corporal Arthur, Sie zu sehen. Bitte, haben Sie die Freundlichkeit, meinen Burschen zu rufen."

Corporal:Mit Vergnügen." (Ruft. Der Bursche kommt.)

den Jacquettes hatten. Da war er recht mißgestimmt. Kommt so was noch einmal vor, sagte er zu den Beiden, so erhaltet Ihr kein Dessert zum Diner."

Waffenmeister (eintretend):Ich erlaube mir, die neuesten Zeitungen zu überbringen."

Capitän (zum Corporal):Wohlan, mein Freund, empfehlen Sie Ihren Herrn Soldaten dringend, die neuesten Parlamentsreden genau durchzulesem Ich möchte gern die Ansicht der Herren Soldaten über die dreijährige Dienstzeit hören."

Corporal:Die Herren Soldaten finden sämmtlich, daß drei Jahre Dienstzeit schrecklich lang ist."

Capitän:Ich werde die Angelegenheit demnächst genau mit ihnen besprechen. Es liegt mir sehr viel daran, die Urtheile meiner Leute Herrn Beautendon mtttheilen zu können. Apropos, als ich gestern um 10 Uhr Abends nach der Kaserne zurückkehrte, brannte noch Licht auf einer Stube."

Corporal:Ja, das ist beim Herrn Füsilier Piston von der 6. Compagnie. Der hat die Gewohnheit, noch längere Zeit im Bette zu lesen, weil er sonst nicht ein- fchlafen kann."

Capitän:So? Ja, dann ist es was anderes. Er soll sich aber wenigstens mit dem Licht in Acht nehmen."

Dumanet (ruft herein):Herr Arthur!' ' Was beliebt?"

Bursche:Mit Freuden, mein Herr!"

Capitän:Also, Herr Beautendon bittet uns, die Güte zu haben, ihm heute Nachmittag ein Stündchen zur Besichtigung des Regiments bewilligen zu wollen. Seien Sie so gut, meinen schwarzen Anzug sauber zu machen und mir eine weiße Cravatte zu besorgen. Herr Beautendon hält etwas auf guten Anzug."

Corporal:Das will ich gleich meinen Leuten mittheilen."

.Die Unterofficiere kommen im Ueberrock, die Leute in Jacquettes.

Aufgepaßt, ihr Obstziichter!

Des Winters Bann ist gebrochen; wohl streicht hier und da noch ein rauher ^ufirug über die sich allmahlig mit üppigem Grün bedeckende Flur, aber mehr und mehr erschließt sich das Erdreich dem Einflüsse, welchen die warme Frühlingssonne auf Alles ausubt, was da lebt und webt. Durch die linde Wärme geweckt und berbei- gezogen, erscheint ein altbekannter lieber Freund nach dem andern, um uns zu ver­künden, daß die Lenzzeit, die blüthenreiche, sangesfrohe, wiedergekehrt ist. Aber auch unter Dem finsteren lichtabgewandten Gesindel der Feinde des Menschen und seiner Schützlinge beginnt es lebendig zu werden. Aus düsteren Schlupfwinkeln kommen sie alle hervor, um beutegierig über dasjenige herzufallen, was bestimmt sein soll uns ru ?U^:Jllnt,.lne^rfrccuen- Unsere heutige Absicht geht deshalb darauf aus, zLr nach- drucklichen Bekämpfung eines der gefährlichsten Widersacher desjenigen Theils unserer Wohl ahrt aufzufordern, welcher durch die Pflege und Erhaltung eines gesunden Obst­baumbestandes bedingt ist. Dieser Feind, dessen Wirkung eine zwar langsame dafür aber umso sicherere ist, je ungehinderter man ihn schalten und walten läßt, ist die Apfelblut- und Wolllaus, ein zur Gattung der Blattläuse gehöriges, und wie alle diese, binnen kurzer Zeit sich ins Unglaubliche vermehrendes Insekt. Es beginnt seine verderbliche Wirksamkeit an den vernarbenden Wundstellen des Stammes und der Asttheile. An derartigen Plätzen haust es gegenwärtig noch in kleinen Kolonien unter einem wolligen Neberzug (daher der Name Wolllaus!), welcher seinen Körper bedeckt und schützt. Zerdrückt man mit dem Finger dieses wie ein Flöckchen Wolle aus­sehende Gebilde, so nimmt die betreffende Stelle jene rothe oder rothbraune Färbuna an, welcher das Insekt seine Bezeichnung alsBlutlaus" verdankt. In den Insassen solcher Kolonien hat man zweifellos die Jahresgeneration der Blutlaus zu erblicken welche so lange noch leicht zu bekämpfen ist, als sie auf solche Art in Erscheinung tritt' Um die Kolonien zu rerstören und ihre Bewohner der Vernichtung preiszugeben ge­nügt es, wenn man die geschilderten wolligen Plätze mit einem rauhen Tuche zerreibt und sie nach einer sorgfältigen Reinigung durch Auskratzen mit einem Anstrich von Kalkmilch Aetzkalk in Wasser aufgelöst wiederholt überzieht.

Wie man sieht, ist es keine schwierige oder sehr zeitraubende Arbeit, welche dazu gehört, einzelne Niederlassungen der Blutlaus zu vertilgen. Aber wehe denen, die es aus Unverstand oder Nachlässigkeit versäumen, einige Vietelstunden ober Stunden auf sie zu verwenden! Mit fabelhafter Geschwindigkeit setzt sich dann eine neue Kolonie nach der anderen auf dem Baume fest; die Aeste älterer Zweige genügen der Gier der Blutläuse nicht mehr, nach dem Maitrieb haben sie sich schon auf den Zweigen ein­genistet. Und ist es ihnen erst gelungen, in den mit Vorliebe aufgesuchten lichtaba?- wandten, beschatteten Zweigen ein Asyl zu finden, dann ist ihre Vertreibung vollends unmöglich. Der angegriffene Baum ist in solchen Fällen unbedingt verloren.

Manch' Einem mag es schwer glaubhaft dünken, daß ein so kleines Insekt, wie die Blutlaus es ist, an einem mächtigen Stamme solches Unheil anrichten könne. Aber deshalb bleibt die Sache nicht minder wahr. Der Schaden, den das Tbier bei seinem massenhaften Auftreten an dem Baume verursacht, ist ein doppelter: Erstens erhält es sich selbst üon<j)en Nährsäften des Baumes und entzieht dem Letzteren dadurch dasjenige, was ihm zur Ausbildung der Früchte und zum Ansatz neuer Pflanzentheile nothwendig ist. Zweitens verursacht es durch die Einbohrung seines Säugrüssels in die saftleitenden Organe des Baumes Wunden, welche nur schwer verheilen; meisten- theils treten dann beulige Anschwellungen der angestochenen Theile ein und sehr ost werden die Wunden krebsartig. Unfruchtbarkeit und Absterben der betroffenen Bäume ist die notwendige Folge davon.

Wem nun daran gelegen ist, daß Nachtheile für die Obstzucht, wie sie im Vor­stehenden geschildert werden, vermieden bleiben sollen, der mache sich jetzt ungesäumt daran, seine Bäume einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen. Findet man dabei daß den Bäumen von der Blutlaus eine Gefahr droht, dann heißt es ungesäumt mit dem Vertilgungswerk beginnen. Doch nicht allein den eigenen Bäumen, sondern auch denjenigen der Nachbarn wende man klugerweise seine Aufmerksamkeit zu und sehe darauf, daß auch die letzteren nicht zögern, den Krieg wider das verderbliche Insekt zu eröffnen.

Dumanet:Ach, das wäre mir wirklich angenehm, nach dem Regen sticht die Sonne furchtbar."

Corporal:Sie erhalten unverzüglich einen Sonnenschirm."

Capitän:Fahren Sie so fort, meine Herren! Der Fortschritt in der Armee wirdvon Tag Zu Tag ersichtlicher. Höflichkeit, gMnseitige Gefälligkeit, liebenswürdige Nachsicht, Alles für, Alles durch das Decorum, dstz sind die Grundlagen einer feinen Armee. Denken Sie stets daran, meine Herren, daß wir einen Kriegsminister haben der doppelt ctvil (Ctvilist und höflich) ist, nehmen wir Alle uns ein Muster an ihm"

Allgemeiner Anzeiger.

ObtthesKsche Eisenbahnen.

Von Montag, den 7. Mai, an wird versuchsweise, unter Voraussetzung ge­nügender Benutzung, bis auf weiteres an allen Wochentagen, mit Ausnahme also der Sonn- und Feiertage, ein Arbeiterzug von Reiskirchen nach Gießen abgelassen werben.

Abfahrt ab Reiskirchen 520 Vormittags,

Großen-Buseck 5^

Ankunft in Gießen 547

Der Zug führt nur Wagen dritter Klasse. Wochenkarten für denselben müssen am Samstag oder spätestens am Sonntag vorher gelöst werden.

Gießen, den 30. April 1888.

3685 Großherzogliche Direction.

Freitsg, dru 4 Mai l. I,

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