Ausgabe 
4.3.1888 Zweites Blatt
 
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Vellage zu Jlr, 55 desMeßmer Anzeiger".

Lokale».

Gieße«, 3. März. (Sitzung der Stadtverordneten vom 1. März.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Gnauth und Keller, Seitens der Stadtverordneten die Herren Baist, Georgi, Grüneberg, Hanftetn, Hoch, Hornberger, Zughardt, Kauf, Ad. Noll, Aua. Noll, Dr. Ploch, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wallenfels.

r x ?elU0 ^cr ^ony'schcn und der von Krug'schen Stiftungszinsen werden laut Beschluß der Versammlung die Bewerber durch die Mitglieder der Armen­deputatton, welche Mitglieder des Stadtvorstandes sind, ausgewählt. Der in voriger Sitzung von der Tagesordnung abgesetzte Voranschlag des Poltzetamts für das cly ir 'i größten Theil der Debatten in Anspruch. In dem Vor-

anschlag ist eine Mehrausgabe von 6995 jl vorgesehen, welche zu einem geringeren

c rv.aU " cHeizung" undBeleuchtung", zum größten Theil auf das Kapitel Besoldungen" kommt, letztere resulttrend aus der beantragten Vermehrung der Schutz- manmchast und des Bureaupersonals. In dem dtesbezüglrchen Berichte Großh. Poliztramts wird ausgeführt, daß das Entgegenkommen, welches die Stadt bei der im Jahre 1878 stattgehabten Reorganisation des PolizetwesenS gezeigt, allenthalben gewürdigt und dankbar anerkannt worden sei. Allein man habe Seitens der Polizet- verwaitung schon damals darauf htngewtcsen, daß die zur Verfügung sichende Anzahl Schutzleute jedenfalls zu gering sei, um allen an die Polizei gestellten Anforderungen zu entsprechen, so zeige sich die Zahl der Offizianten jetzt um soviel kleiner, als die Einwohnerzahl Gießens um ca. 6000 zugenommen habe. Aber nicht nur an Ein­wohnerzahl habe Gießen so zugenomwen, auch in Bezug auf die äußere Vergrößerung sei dies der Fall; denn die tn den äußeren Stadtthetlen wohnenden Leute verlangten denselben Schutz wie die im Innern der Stadt wohnenden. Von den 15 Schutz­männern wird einer im Crimtnalfache verwendet, 13 versehen den äußeren, einer den inneren Dienst. Bei eintretenden Krankheitsfällen sei die Zahl der Schutzmänner eine noch viel geringere, die ganze Last des Dienstes ruhe dann auf den übrigen Offizianten. Daß dies die Ausübung eines ersprießlichen Sicherheitsdienstes beeinträchtige, liege auf der Hand. Bei der großen Ausdehnung der Dtstrtcte, welche begangen werden müßten, sei es nicht möglich, dieselben mehrere Male täglich zu begehen, gerade um dieses zu erreichen, sei die Verkleinerung der Dtsiricle nöthtg. Das Entstehen neuer, die Erweiterung bestehender Erwerbsetablissements und der damit in Zusammenhang stehende Zuzug von Arbeitern, die Eröffnung neuer Wirthschaften in den äußctsten Stadttheilcn, die mit der Zunahme der Frequenz der Universität zusammenhängende und sich mehrende Anzahl studentischer Verbindungen, der durch Verlegen zweier Bataillone Militär in die neue Easerne auf der Grünberger- und Ltcherstraße und deren Umgebung gesteigerte Verkehr in diesen Stadttheilcn erhielten das Interesse der Polizei rege, nicht minder die Aufsicht über die Einhaltung und Befolgung neu ein- geführier Gesetze und Verordnungen, der Zuzug von Elementen, die infolge des Unter - stützunzswohnsttzgesetzes der Stadt zur Last zu fallen drohen u. s. w. Auch Social- demok alte und Anarchie erhöben kühner ihr Haupt und erforderten die ganze Auf­merk iamkeit der Polizei. Auch bei Anstellung eines Vergleiches mit anderen hessischen Städten ergäbe sich zur Evidenz, daß die Polizeimacht in Gießen in keinem Verhätlntß weder zur Einwohnerzahl noch zur räumlichen Ausdehnung stehe. Darmstadt z. B., welches Gießen an räumlicher Ausdehnung nicht übertreffe, habe bet ca 43 000 Ein­wohnern über 50 Schutzleute (mit Einschluß der Vorgesetzten), Mainz bei 66 000 Ein­wohnern ca. 80 (welche Anzahl übrigens noch erhöht werden solle), Offenbach bei 31000 Einwohnern 32. Unter den dargelegten Verhältnissen habe Großh. Poltzeraml sich entschließen müssen, bet der Stadtoerorbneten-Veisammlung die Anstellung weiterer 4 Schutzmänner zu beantragen. Großh. Polizeiamt halte außerdem die Errichtung einer Revierwache in dem rechtsseitigen Thorhause tn der Neustadt für nölhig des- gleichen die Einstellung eines wetteren, mit 1400 JL zu salarirenden Gehilfen für das Polizeibureau. Die Errichtung einer Revierwache an der bezeichneten Stelle sei noch wendig geworden infolge des seit der Eröffnung des Schlachthauses erheblich gesteigerten Verkehrs durch die Neustadt, auch lasse die Lage der Märkte dieselbe für wünschens­wert erscheinen. Was die Anstellung eines zweiten Bureau-Gehilfen betreffe, so sei dieselbe in Anbetracht der sich steigernden Arbeitslast des Bureaupersonals nöthtg. Der Zuzug solcher Personen, deren Erwerbsunfähigkeit etntrete, sobald sie zwei Jahre in der Stadl wohnten, müßte ganz besonders überwacht werden, zu welchem Zwecke man auch die Einrichtung von Niederlassungsoerhandlungen, tn denen sich die Anziehenden genau über ihre Erwerbs- und sonstigen Verhältnisse auszuwetsen hätten, im Auge habe Diese Maßnahmen erforderten aber eine Kraft, die die Qualtfication eines Poltzet- EommtssärS besitze und mittelst welcher es möglich sei, daß dem Zuzug fubsistenzloser Elemente vorgebeugt und dadurch die Stadt vor Schaden bewahrt würde. Der hierzu von der Finanzdeputation gestellte Antrag geht dahin, die Anstellung von wetteren zwei Schutzmännern sowie eines mit 600 zu salarirenden dritten Gehilfen zu genehmigen, die Errichtung einer Revierwache vor dem Neustädler Thor abzulehnen. Zu den Anträgen Großh. Poltzetamts ergreift zunächst Herr Georgi das Wort. Er sei durch die tn dem Schreiben Großh. Poltzeiamts angeführten Gründe nicht über­zeugt wo.den, daß eine Vermehlung der Schutzmannschaft nöthtg, es sei auch die Zahl der Hilfsschutzmänner größer als tn anderen Städten. Kämen Krankheitsfälle vor, durch welche der polizeiliche Apparat ins Stocken gerathen könne, so könnten die Hilfsschutzmünner yerangezogen, natürlich auch besonders honorirt werden. Die Frequenz der Universität sei auch nicht tn dem Maße gewachsen, wie angenommen. Die Fabrikitadt Gießen sei nicht größer wie vorher auch, die von hiesigen Industriellen errichteten Fabriken befänden sich meist auf den umliegenden Ort- > schäften, eine Zunahme des Verkehrs von Arbeitern lasse sich nicht erblicken. Er bitte, die beantragte Anstellung von Schutzmännern abzulehnen und nöthigenfalls die Hülfsschutzmänner heranzuziehen. Herr Bürgermeister Bramm ist lediglich der äußeren Ausdehnung der Stadl wegen, welche derjenigen Darmstadts gleichkomme, für Vermehrung der Schuhmannschaft. Herr Georgi meint, Darmstadt sei Residenz und schon deshalb einer stärkeren Schutzmannschast oedürftrg. Seines Dafürhaltens habe die Schutzmanuschafl Gießens noch nicht so viel gearbeitet, daß eine Vermehrung der­selben nothig sei, wenigstens nicht in ihren eigentlichen dienstlichen Verrichtungen; allein die schutzmannschast würoe zu Arveuen benutzt, wofür dieselbe nicht da sei, z. B. fungirten Schutzleute bet dem Eisoerein als Billeteure. Herr Ad. Noll hält eine kleine Vermehrung der Schutzmänner für wünschenswerth. Herr Homberger ist lediglich angesichts der zunehmenden Einwohnerzahl für Anstellung weiterer zweier ! Schutzmänner. Güßen habe jetzt einen Zuzug an Publikum, an welches man früher I

"cht gewohnt gewesen, die Leute, welche lediglich der Erlangung des Unterstützungs- woynfthes wegen nach hier zögen, seien meistens von einer Qualität, welche eine ganz besondere Fürsorge seitens der Polizei beanspruche. Für Heranziehung der Hülfs- schutzmanner könne er sich nicht aussprechen, dieselben könnten, da sie Nachts in An­spruch genommen würden, Tags über nicht tn dem Maße herangezogen werden, wie dies erforderlich sei. Er bitte, den Antrag der Eommtssion anzunehmen. Herr Bei- geordneter Gnauth hält es namentlich im Interesse der Bewohner des Distrikts Grunbergerstraße, Ltcherstraße und Umgebung, welcher durch die neue Kaserne neben seiner verhältnißmäßig großen Ausdehnung einen ziemlich regen Verkehr aufweise, für geboten, daß eine angemessene Vermehrung der Schutzmannschaft eintrete. Er halte die Hülfsschutzmänner doch nicht in dem Maße wie die ständigen Schutzmänner qualt- sicirt, um allen an sie gestellten Anforderungen zu entsprechen. Die Einrichtung einer Nevterwache am Neustädter Thor hält Herr Gnauth für nöthig, die Revierwachen seren die Punkte, an welchen man bestimmt einen Schutzmann finde, wenn sich das Einschretten eines solchen nöthig mache, in den Distrikten sei ein sofortiges Ausfinden ^nnes nichts möglich. Auf die Bemerkung des Herrn Baist, daß die Besoldung des in dem Schreiben Gr. Polizeiamts erwähnten Eriminalschutzmannes eigentlich von Staatswegen zu erfolgen habe, bemerkt Herr Bürgermeister Bramm' vag nach der Städteordnung die Gesammtkosten der Polizei von der Stadt aufzu- vringen seren, doch könne seitens der Polizei veranlaßt werden, daß ein Schutzmann, welcher tm Eriminalfache Verwendung finde, auf den Staat übernommen werde. A/ie Versammlung beschließt hierauf tm Sinne des Eommissionsantrages und gend): gefeben ^°^lttoncn "Heizung" undBeleuchtung", wie solche tm Voranschlag oor-

Eine Eingabe der Hülfsschutzmänner um Aufbesserung ihrer Besoldung w rd nach längerer Debatte mit Bewilligung einer jährlichen Zulage von 20 X pro Mann erledigt. Zur Begründung ihrer Petition machen die Hülfsschutzmänner geltend, daß dte 35 lahrltch hier abgehalten werdenden Märkte, an denen sie von Morgens bis Nachmittags in Anspruch genommen, für sie insofern von Nachtheil wären, als sie an diesen Lagen vollständig auf das angewiesene Nebeneinkommen verzichten und außer­dem noch besondere Aufwendungen machen müßten, abgesehen von der besonders starken Abnutzung ihrer Dienstkleidung, welche dem Wind und Wetter ausgesetzt sei. Unter Bezugnahme auf die vor Jahresfrist erfolgte Ablehnung eines ähnlichen Gesuches der ständigen L>chutzmannschaft ha^ die Finanzcommtssion die Entscheidung über das vor­liegende Gesuch vollständig der Stadtoerordneten-Versammlung anheimgegeben. Während ein Theil der Herren Stadtverordneten gegen Gewährung einer Zulage sich ausspricht, empfiehlt der andere die Bewilligung derselben, theils in Form einer festen Zulage, theils in Form eines Kieidergeldzuschusses und theils tn der Weise, daß Gr. Polizei amt eine bestimmte Summe überwiesen wird, welche es je nach der gethanen Dienst- leistung der betr. Hülfsschutzmänner vertheilt. Die gegen diese Vorschläge erhobenen Bedenken einigten schließlich die Versammlung tn ihrer Majorität zu dem oben ange­führten Beschluß. ö

Das Gesuch des H^rrn Joh. Sieck um Erlaubniß zum Ausschank von Brannt- wem soll, nachdem Gr. Poltzeiamt erklärt, hiergegen nichts einzuwenden zu haben, die Bedurfmßirage aber verneinen zu müssen, befürwortet werden, sofern dem Gesuchsteller die Wirthschafls-Concession überhaupt crtheilt würde.

Gegen die nicht auf der Tagesordnung stehenden Gesuche der Herren Louis Fel dH auS, welcher die frühere Pipp iche Wirlhschaft gepachtet und Heinr. S chmall, welcher in dem von ihm erworbenen Löber'schen Hause an der Grünbergerstraße Wirth- schaft und Metzgerei zu betreiben gedenkt, werden von der Versammlung Einwendungen nicht erhoben, nachdem auch Gr. Polizeiamt die Bedürfnißfrage hinsichtlich des Aus­schanks von Branntwein bejaht.

Die Direction der städtischen Schulen schlägt in einem diesbezüglichen unb von Herrn Director Vigeltus persönlich in der Sitzung erläuterten schreiben vor, die Trennung der Vorscvule für die höhere und erweiterte Mädchenschule oorzu- nehmen, außerdem das Schulgeld an der letzteren in den unteren Klassen zu erhöhen. Durch diese Maßregel beabsichtigt man, eincstheils der drohenden Ueberfullung der Vor­schule zu begegnen, anderntheils gleich vom Beginn des Unterrichts an feststellen zu können, welche Kinder in der höheren und welche in der erweiterten Mäochenschule weiter unterrichtet werden können. Durch die Erhöhung des Schulgeldes um 16 hofft man die Anstellung eines weiteren Lehrers für die Vorschulen zu ermöglichen. Das Eutatarium hat sich mit der beabsichtigten Trennung einverstanden erklärt, wogegen die stadtoerordneien-Dersammlung, da verschiedene Einreden gegen die Trennung zur Geltung kamen, beschloß, die weitere Verhandlung hierüber auszusetzen.

. Das Gesuch des Herrn Joseph Herz um Rückvergütung von Octrot auf Mehl und Hafer wird auf Antrag der Baudeputation nur in Bezug auf das von dem Pe­tenten ausgeführte Mehl genehmigt und zwar mit Wirkung vom 1. Juli vor. Js. ab.

Herr Sus mann Katzen ft ein beabsichtigt, seine durch das sog. Essiggäßchen getrennten Holjlagerplätze dmch ein ^chienengeleise zu verbinden und sucht um die erfmderltche Genehmigung nach. Dieselbe soll widerruflich crtheilt werden, wenn zwischen dem Gesuchsteller und der Siadt eine Einigung über den Preis für das dem­nächst zum Ausbau der Liebigstraße benöthigle, z. Z. dem Ersteren gehörige Gelände erzielt wird.

Auf Anfrage Gr. Kreisamts in Betreff der Belegungsfähtgkeil der Stadt mit Miliärpcrsonen infolge der alljährlich stattfindenden Hebungen der Ersatzreserotsten wurde in der vorvorigen Vetsammlung beschlossen, Gr. Kreisamte zu berichten, daß die Stadt geeignete Locale zur Unteibringung von Mannschaften nicht besitze. Hierauf hat Gr. Kretsamt empfohlen, das Regie, ungsgebäude auf dem Brand hierzu mieth- weise zu benutzen. Die Versammlung beschließt, hierauf nicht einzugehen im Hinblick auf die großen Kosten, welche die Einrichtung des betr. Gebäudes als Quartierhaus verursache, ohne daß damit dem Zwecke vollständig gedient sei, weil das Gebäude nur jur Unterbringung von ca. 125 Mann Raum biete, während 700 Mann auf die Dauer von 10 Wochen untergedracht werden müßten. Die von Seiten der Gr. Bürger­meisterei Gießen erlassene Aufsordeluna an hiesige Einwohner, welche gewillt sind, Mannschaften gegen eine entsprechende Vergütung in Quartier zn nehmen, sich unter Angabe der Mietpreise zu melden, hat ergeben, daß die angemeldeten Quartiere für höchstens 60 'JJiann ausreichen. Die Annahme, daß nach der Verlegung zweier Ba­taillone in die neue Kaserne die seitherigen Quartiergeber sich veranlaßt finden würden, ihre freiwerdenden Raume zu Wohnungen unb möbltrten Zimmern einzurichten, hat sich demnach bestätigt.

Allgemeiner Anzeiger.

Kirchenrath Engel s Stiftung.

Die Zinsen der Engel's Stiftung sollen am 24. d. Mts. an zehn arme und würdige Familien aus Gießen vertheilt werden. Die Familien, die sich um diese Stiftung bewerben wollen, mögen sich bis zum 1*2. d MtS« bei einem der drei evangelischen Pfarrer anmelden.

Gießen, den 3. März 1888.

Der evangelische Kirchenvorstand:

Dr. Naumann. I. Hanstein. 1814

Ich wohne von jetzt ab Wolken- gafse 13 und empfehle mich im Aus- ( setzen jeder Art Feuerungen.

1763 Martin Melcher. I

2 Lehrmädchen für mein Prrtzgeschäft gesucht.

1673 Albert »ehrend.

Geschäfts-Empfehlung.

Unterzeichneter hat am hiesigen Platze ein Weiß Kinder- und Lackirer- - geschäft errichtet und empfiehlt sich in allen hierin vorkommenden Geschäften ° bestens.

| Hch. Ruhl,

1813 Mühlgaffe 23 (Brauerei Von»).

Ludwig Schmitt, Glaser,

Kanzleiberg 7, empfiehlt sich im Gtnrahmen von Bildern und Spiegeln in allen denkbaren

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