Ausgabe 
4.2.1888
 
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Girrgefarrdt.

Zu den dankenswerthesten Erlassen Großh. Kreisamts Gießen gehört der vor acht Tagen im Anschluß an ähnliche Verfügungen anderer Oberhessischer Kreisämter an die Landgemeinden ergangene, welche die Spinnstuben betrifft. Vielleicht bedauern Manche dieses Vorgehen gegen ein Volksinstitut auf dem Lande, von dem noch vielfach die Anschauung eines harmlosen, traulichen, förderlichen Zusammenseins der Dorf­jugend verbreitet ist, über das in Prosa und Dichtung viel Schönes gesagt worden und wird.

Es sei dahingestellt, ob dieSpinnstube" wirklich je in der poetischen Ver­klärung bestanden hat, mit der man sie in der Vergangenheit umflossen schaut; auf Eultur- undDorf-Gefchichten" dürfte in dieser Hinsicht nicht allzuviel Verlaß sein, da die Autoren meist nur darstellen was sie gehört, weniger was sie gesehen, indem hier der Blick hinter die Eoulissen seine Schwierigkeiten hat. Wo man sich aber bet seinem Urtheil über Dorf und Bewohner allein auf die Aussagen von Dörflern verläßt, wird man viel hintergangen, denn wer ist ein feinerer Schönfärber in eigener An­gelegenheit, wer weiß die Dinge auf dem Lande schöner zu idealtsiren als der Ländler?

PariS, 2. Februar. Die Deputirtenkammer nahm heute die Berathung des Budgets wieder auf. Ministerpräsident Tirard sprach sich gegen die Vorlage der Com- mtssion bezüglich der Alkoholsrage unv mehrerer anderer Punkte aus. Die Reckte be­schloß wegen des Urtheils des Eassattonshofes in dem Dtsciplinaroerfahren gegen den Richter Vtgneau, der in dem Proceß gegen Wilson seiner Funktionen als Untersuchungs­richter enthoben worden war und vom Cassationshofe mit einem Verweise belegt wurde, eine Interpellation an die Regierung zu richten. Die Interpellation nimmt Bezug auf die dem Urtheile des Cassationshofes vorausgeschickten Erwägungen und ver­langt Aufklärungen von der Regierung über ihr Vorgehen in der Ordenshandels- Angelegenbeit^, Februar. Heute Vormittag wurden in Jnverneß und Birming­ham, sowie in oer ganzen Umgegend dieser Städte ziemlich heftige Erderschütterungen »ahrgemttnmm. ^^uar. Lord Ripon und Mr. John Morley sind heute hier ein- fletroffen. Bet der Landung in Kmgstown wurden dieselben von einer Deputation begrüßt. In Erwiderung der Ansprache sagte Lord Ripon, sie seien gekommen, um die intimst; und herzlichste Einigung zwischen England und Irland anzubahnen und den lebhaften Sympathien der liberalen Partei Englands und Schottlands für das irische Volk Ausdruck zu geben, sowie auch zu erklären, daß die Zeit gekommen sei, um der Herrschaft der Bedrückung und des Zwanges für immer ein Ende zu setzen und Irland diejenige Selbstständigkeit zu geben, worauf es em Recht habe. Lord Ripon und Mr. Morley wurden in den Hauptstraßen Dublins von einer ungeheuren Menschen­menge enthusiastisch begrüßt.

Dublin, 2. Februar. Im großen Rathhaussaale wurde heute Lord Ripon und John Morjey unter Beifall einer zahlreichen Einwohnerschaft das städtische Ehren­bürgerrecht verliehen. _ _ .

Ehristiania, 2. Februar. Das Storthing wurde heute mit einer Thronrede eröffnet, worin Gesetzoorschläge, betreffend das Postwesen, die Erweiterung der Wirk­samkeit der Staatsbank und der Volksschulen angekündtgt werden.

Sun Remo, 2. Februar. Mackenzie begibt sich morgen früh zum Besuche eines Patienten .mch Barcelona und kehrt Dienstag hierher zurück.

Washington, 2. Februar. Der dem Senate zugegangene Bericht der Com­mission für die Vorlage, betreffend die Einsetzung einer Inspektion des für den Export bestimmten Fleisches und zur Verhinderung der Einfuhr verfälschter Lebensmittel und geistiger Getränke, spricht sich zu Gunsten der Vorlage aus._____________________________

Lokales.

X X Gietzen, 3. Februar. Die Zahl der Accessisten für das höhere Lehrfach rm Großhe.zogthum beträgt nach einer neuesten Aufstellung 119. Von diesen ist eine große Anzahl schon provisorisch beschäftigt und bezieht Gehalt, andere sind in auswärtigem Dienste thätig.

S e » b < 1 u

Darmstadt, 1. Februar. Die wir aus authentischer Quelle erfahren, beab­sichtigt die hohe Proteklortn deS Vereins für hessische Lehrerinnen, Ihre Durchlaucht Frau Prinzessin von Battenberg, im Laufe dieses Monats in den Räumen ihres Palais eine musikalische Aufführung zu veranstalten, deren Ertrag dem Vereine zu Gute kommen soll. Glieder des Großh. Hauses haben ihre Mitwirkung bei diesem Concerte, das einen sehr abwechselnden Charakter zu tragen verspricht, gleichfalls gnädtgst zugesagt. , t

Die Vorbereitungen sind in vollem Gange und wird demnächst durch die Tages- blätter das Nähere bekannt gegeben werden. Als Tag ist 'vorläufig der 20. Februar in Aussicht genommen.

Neu - Ulrichstein, 1. Februar. sMonats-Bericht der Arbeiter-Colonie pro Januar 1888.J Ultimo Januar sind in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 120.

Hiervon waren landw. Arbeiter rc. 31 Bäcker 3, Bergleute 1, Böttcher 1, Brauer 2, Bronceur 1, Buchbinder 3, Cigarrenmacher 1, Conditor 1, Dachdecker 3, Färber 3, Fleischer 2, Former 3, Gärtner 1, Glasarbeiter 1, Graveur 1, Kauf­leute 4, Kellner 3, Korbmacher 1, Lackirer 1, Landwirth 1, Maler 3, Maurer 3, Mühlcnbauer 1, Pflasterer 1, Schlosser 9, Schneider 10, Schreiber 2, Schuhmacher 8, Steindrucker 1, Steinhauer 1, Schweizer 1, Tapezierer 1, Tischler 1, Tüncher 4, Weber 2, Ziegler 1, Zimmerleute 3.

Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 44, Nassau 12, Oldenburg 1, Thüringen 5, Bayern 13, Sachsen 2. Von Preußen auf die Pro^ vinzen: Brandenburg 3, Hannover 1, Hessen (Cassel) 15, Pommern 1, West­preußen 2, Schlesien 4, Sachsen 4, Rheinland 12. Oesterreich 1.

Abgegangen sind im Laufe des Monats Januar 33.

Davon gingen auf eigenen Wunsch 32, durch die Colonie in Stellung 1.

Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 848 Colonisten.

3020 Arbeitstage, incl. 75 Tage für fremde Rechnung. Verpflegungstage pro Monat Januar 3580.

Mainz, 3. Febr. In dem Alzeyer Wahlmonstreproceß wurde heute von dem Landgericht das Urtheil gesprochen. Sämmtltche Angeschuldigtc, mit Ausnahme von 10 Personen, welche freigesprocheu wurden, wurden der ihnen zur Last gelegten Delikte für schuldig erklärt. Wegen Zusammenrottung und Widerstand geyen die Staatsgewalt wurden entsprechend der Betheiligung der Angeschuldigten Strafen von 1 Woche Gefängniß und 8 Tage Haft bis 3 Monate Gefängniß und 14 Tage Haft erkannt. Für groben Unfug und Hausfriedensbruch lautete das Urtheil von 8 Tage Hast bis auf 4 Wochen Gefängniß. Als am meist belastet wurden von dem Gericht die Brüder Ernst und Joseph Knobloch angesehen, die Strafen von 2 Monat Gefängniß und 8 Wochen Haft und 3 Monat Gefängniß und 14 Tage Haft zudicjtrt erhielten. Sämmtliche Verurtheilte haben Veo der Kosten zu tragen. Unter den Freigesprochenen befinden sich Redacteur Preetortus und Kaufmann Gtnz, welche nach der Anklage mit zu den Belasteten gehörten.

A Aus Rheinhessen, 3. Febr. In vielen Orten Rheinhessens, so haupt­sächlich in Mombach, Eppelsheim, Bretzenheim, herrschen die Kinderkrankheiten, Masern, Rötheln u. s. w., in mörderischer Art. Einer Familie in Eppelsheim sind in wenigen Tagen drei Kinder gestorben.

Em Bewohner von Lonsheim wäre voroerflossene Nacht beinahe erfroren. Derselbe kehrte von Alzey zurück und wurde am Abend von seinen Angehörigen ver­mißt. Bei den angestellten Nachforschungen fand man den Mann halberstarrt auf der Chaussee liegen.

* DieCölner Zeitung" schreibt: Bisher wurde das auf den Eisenbahn- Anlagen vorgefundene sogenannte Fallwild von der Staats-Kasse in Anspruch genom­men. Neuerdings jedoch bat der Minister der öffentlichen Arbeiten bestimmt, daß dieses Fallwild denjenigen Grundbesitzern, Jagdpächtern u. s. ro., welchen in dem von der jeweiligen Bahnstrecke durchschnittenen, oder an dieselbe grenzenden Jagdbezirke das Iagdrecht zusteht, fortan unentgeltlich zu überlassen ist, ohne daß jedoch den Bc- theiltgten ein Rechtsanspruch auf Herausgabe des Fallwildes zugestanden wird.

So gerade auch in Hinsicht auf die Spinnstube, und doch ist dieselbe mit dem stttitcyen, ja selbst ästhetischen Maßstabe gemessen auf ihrem Tiefpunkte oder, wem» man lieber will, auf dem Höhepunkte der Entartung angekommen. Solches reden wir nach Er­fahrung von dem, was wir fortwährend sehen und hören und wollen dieses herbe Urtheil nachstehend begründen:

1) Eine Spinnstubc im eigentlichen Sinne ist kaum noch vorhanden, denn man spinnt im Allgemeinen nicht mehr, am wenigsten die Spinnstubengängcr, höchstens noch einige alte Mütterchen, welchen das Spinnen die Kaffeebohnen und etwas Brod etnbringt. So wenig aber unter der Jugend der Bursche jetzt noch Gefallen am Strickstrumpf hat was wir ihm nicht Übelnehmen wollen, so wen'g achtet das Mädchen in den weitaus meisten Orten, vielleicht überall, noch das schöngedrechselte Spinnrad mit buntfarbenem Steckenband als Zierrath und das ist schade, trotzdem dieser Industriezweig gering lohnt.

Daß sonst viel Nützliches an den langen Abenden ernstlich gearbeitet würde, kann ein Sachverständiger nicht wohl behaupten. Ehrenwerlhe Ausnahmen sollen unbehelligt bleiben!

2) Früher bestanden die Spinnstuben aus eigentlichen Burschen von 18 bis 26 Jahren mit den Mädchen entsprechenden Alters; die darunter waren, hielten sich meist in's Elternhaus, stahlen sich einmal scheu in's Wtrthshaus und wurden, wenn sie über Stand und Rang hinaus wollten, handgreiflich von den Burschen in die gebührende Stellung zurückgewiesen; heute umfaßt das Spinnstuben-Hauptcontingent. die grünen Jahrgänge von 14V,20, die auch wegen des ihrem Alter eigenen Triebes nach Flüssigmachen des Geldes von Wirthschaften, und besonders wenig gangbaren, wohl ausgenommen und gehegt werden; wer, zumal in Fabrikdörfern, den Militär- dienst hinter sich weiß, hat's gewöhnlich eilig mit dem Heiralhen, wenn nicht zeitweise Einer eine Ehe mit Weib und Kind in die Soldatenzeit mitbringt; das Geschlecht der Untauglichen hat meist nicht so lange Zeit undmutz" zum Thetl heiralhen; wer aus 26 oder gar 28 unverehelicht gekommen, gilt als veraltet und bekommt keine Kameraden mehr; woher sollen da die Burschen kommen?

3) Früher hatte die Spinnstube ihren Wohnsitz im Elternhaus, das in regel- mätziger Abwechslung die Gesellschaft aufnahm, jetzt geht es wöchentlich abwechselnd wohl auch von Haus zu Haus, aber als Centrum und Hauptstützpunkt erscheint eins der Wirthshäuser, woran kein Mangel ist. Nach diesem Rückhalt gestaltet sich auch die Art des Genusses, der früher entweder gar nichts oder an hohen Abenden ein schlichter Kaffee, ein Glas Apfelwein gewesen, mit etwaiger Beigabe eines versüßten Schnäpschens, jetzt trägt man nicht selten einen gefüllten Korb wohlgefüllter Bier­flaschen nach der weithin wahrnehmbaren Spinnstube. Danach ändern sich auch die Kosten. Einst 12 Kreuzer, jetzt läufts nach eigenem Geständnisse mit dem Verbrauch in die Mark wöchentlich, deren Anzahl sich je nach der Stärke des Verdienstes und der Nerven, nach dem Durst und der Weite des Gewissens bestimmt. Früher gab der Vater oder die kassenführende Mutter dem Sohne was er ausgeben durfte die Mädchen erfreuten sich der Liberalität ihrer Verehrer, was auch nicht mehr Regel ist jetzt macht vielfach das den Wochenlohn heimbringende Kind mit denAlten" über die Beitragspflicht einen Accord und geht wohl, wenn der nicht nach seinem Sinne sich gestalten will, davon und richtet sich auf einer Miethstube ein. Wird diese letzte

Consequenz auch selten gezogen, so ist's arg genug, wenn sie nur einmal gezogen

werden kann.

4) Früher standen dieSpinnftuben" unter der Obhut der Eltern, wenigstens

der Mutter, jetzt hetßt's: Ihr Alten fort aus der Stube und oft auch fort aus dem

Haus, damit die junge Herrschaft sich nicht Zwang anzuthun braucht. Daß dann Lieder gesungen, Reden geführt werden, die bet Aufsicht unterlassen würden, daß sich, zumal wennLicht gespart" werden soll, ein etwas bedenklich-traulicher Verkehr bildet, leuchtet, wohl nicht dem Idealisten, aber dem im realen Landleben Stehenden ein! Nebenbei sei mit Beziehen auf das Singen bemerkt, daß leider die eigentlichen ächten lieben Volkslieder in ihren mannigfachen Arten selten gehört werden und dafür (selbst­redend auf den einzelnen Orten in verschiedenem Umfange) ein inhaltloses oder sogar obscönes Surrogat zum Ueberdruß geboten wird, das zum Theil ausLiederbüchern" stammt, die neben allgemein Gültigem so Schandbares, Frivoles enthalten, daß sie wahrscheinlich nur wegen Unbekanntschaft der zuständigen Behörde straflos verkauft, werden. Auch der Volksgesang scheint, wiewohl an einigen Orten wohlthuend oder doch erträglich, im Niedergang begriffen, trotz oder, wie leicht begreiflich, gerade wegen der zahlreichen Gesangvereme auf dem Lande, die, wenn überhaupt bei ihnen Singen die Hauptsache ist, das eigentliche Volkslied zu wenig cultivtren und sich oft an schwierigen, nicht volksthümlichen Partien quälen und deshalb mehr zur Verdrängung als Erhaltung des Volksgefanges beitragen.

5) Ob ehedem christliche Art und Sitte durch die Spinnstube respectirt wurde, wissen wir nicht, das aber wissen wir, daß sie jetzt, abgesehen von manchem mitter­nächtigen Straßenunfug mit Schlägerei, viel thut zur Entheiligung von Sonn- un> besonder- von Festtagen.

6) Angesichts dieses Zustandes ist die Spinnstube derzeit nicht geeignet, daS in der Schulzeit Erworbene zu bewahren und zu fördern, sondern vielmehr dazu, das Erbe des Hauses, der Schule, der Confirmandenstunde, schnell zu zerstören, die Jugend in eine der bisherigen entgegengesetzte Richtung zu schlagen, was ja dem Beobachter | Thatsache ist.

7) Wenn das Elternhaus seiner Pflichten gegen die Kinder, die kleinen und großen, sich stets bewußt bliebe, wären Besprechungen wie vorstehende, sowie besondere amtliche Erlasse nicht nöthig. Viele Eltern seufzen unter dem Druck dieses tief etn- gerissenen schwer zu bewältigenden Uebels, aber soviel Klagen man fort und fort aus Eltern- und Anderer Mund hören muß, so wenig geschieht etwas dagegen. Wollte Jemand, etwa der Pfarrer den man gern für den Unfug verantwortlich macht oder selbst die Polizei etwas zur Besserung unternehmen, so blieb jeder Versuch ohne kräftige Unterstützung der Eltern. Die Einen sind zu furchtsam, den Bann zu brechen, scheuen, ob es auch noch so toll zugeht, eine Ausnahmestellung einzunehmen, sich dem Spott und dem Ausschluß der Leichtfertigen auszusehen, Andere wissen leider nicht, was sie mit den Kindern daheim anfangen sollen, wissen keinen Ersatz für das Spinn- stubenlcben, wissen nicht das Haus heimisch und lieb zu machen, verstehen auch nicht die Spinnstube selbst und den sie bedingenden an sich berechtigten menschlichen und besonders jugendlichen Drang nach Gemeinschaft in heilsamen Schranken zu halten, zu veredeln, mit wahrer Freude zu erfüllen; Andere endlich betrachten gar und bei ihnen sind die eigentlichen Heerde verdorbener und verderblicher Spinnstuben diese als Speculationsmittel, wo etwas Genuß für sie selbst abfällt oder worin der Sohn, die Tochter eineGelegenheit" nach ihrem Wunsch machen kann, mit oder ohne Rück­sicht aufkeusch und züchtig".

8) Es sei willig zugegeben, daß nicht auf alle Gesellschaften, die den Stempel der Spinnstube noch tragen, vorstehende Charactertstik zu^ beziehen ist. Einsender kennt, wie schon bemerkt, untadelhafte Vereinigungen, die er in Schutz nimmt, andere, auf die nur theilweise das Angeführte anwendbar, aber ihrer sind sehr wenige.

Wer trotz dieser Einräumung dem oben Ausgeführtcn principiell widersprechen muß, der möge anstatt des heute beliebten allgemeinen Vorwurfs, man habe zu schwarz gemalt, eine auf sicherer persönlicher Wahrnehmung berubende wirkliche Correctur, aber nicht eine in Rosa gefärbte Schilderung der modernen Spinnstube geben; es käme dann bei gegenseitig eingehender Begründung über diese wahrlich nicht bedeutungslose Sache eine fruchtbare, klärende Discussion zu Stande, unter Anderem auch wohl darüber, ob und rote dieSpinnstube" zu reformiren oder was der Jugend zu geistig- leiblicher Frische, Gesundheit und Freude als gleichwerthige oder bessere Unterhaltung vorzuschlagen und zu erstreben sei.

Welche praktischen Erfolge wird besagter Erlaß bringen? Großh. Kreisamt mochte wohl in Rücksicht auf die verschiedenartigen Zustände in den Gemeinden von einer für Alle obligatorischen Bestimmung absehen; ob aber die facultatioe Einführung nun gerade da, wo am meisten nöthig, geschehen wird?

Manche Orte mögen bereits guten Gebrauch davon machen, leider muß man aber auch schon hören, daß gerade in den Gemeinden, wo solche Verordnung sollte freudigst begrüßt werden, d. h. wo der Unfug sehr arg vorhanden, von einigen I Gemeinderäthen Bedenken, Abneigung und Widerstand sich documentirt, theils nach dem Grundsatz:Es bleibt beim Alten", theils aus muthmaßlichen Gründen, die vorerst sollen verschwiegen bleiben.

Viele würden der Behörde Dank wissen, wenn sie nach einiger Zeit a..fragte, wo man diese Handhabe ergriffen hat und an den Orten, wo man ihrer entbehren zu