Beilage zu Ar. 126 des „Meßmer Anzeiger".
B«,mischt« 4.
Oppenheim. Unsere herrliche Katharinenkirche, die schönste evangeliche Kirche des Hessenlandes, das Kleinod gothischer Baukunst am schönen Rheinstrom, geht nun mehr und mehr ihrer Vollendung entgegen. Seit einiger Zeit sind wieder mehr Arbeiter eingestellt, die eifrig mit Entfernung der Tünche und des Verputzes im Langhaus beschäftigt sind, um die Hausteinconstraktion in der Naturfarbe des rothen Sandsteins wieder zur Geltung zu bringen. Glücklicherweise haben sich die Schäden, besonders an den Säulen nicht größer herausgestellt, als angenommen wurde. Je mehr Säulen von der Tünche blosgelegt werden, um so schöner wird der Eindruck, den die Kirche im Innern auf den Besucher macht, der nach Entfernung der Gerüste ein großartiger sein wird. Ueber die Vergoldung der Rippen und Kapitäle und entsprechende Bemalung des Gewölbes ist ein fester Beschluß noch nicht gefaßt; was bis jetzt darin geschehen, gilt als Probe. Dagegen steht ziemlich fest, daß die oberen Fenster des Langhauses nach einem einheitlichen Motiv hergestellt und eine Verherrlichung des deutschen Reichs, aus dessen Mitteln die Kirche zum Theil restaurirt wurde, ausdrücken soll, wofür das Langhaus sehr geeignet erscheint. Ursprünglich beabsichtigte Freiherr von Heyl zu Herrnsheim im Ostchor eines der großen Fenster zu Ehren deS Reichs zu stiften, hat aber nun unserer Kirche ein viel werthvolleres Geschenk in den von ihm auf Zurathen des Herrn Baumeister v. Schmidt erkauften alten Kirchenfenstern gemacht, welche nach ihrer Einfügung im Nordfenster des Querschiffs einen Werth von ca. 19000«^ repräsentiren. Außerdem ist die Stiftung zwei weiterer kleiner Fenster des Ostchors versprochen, oder für diesen Zweck bestimmte Geldsummen unserer Kirche vermacht. Wir bezweifeln nicht, daß bis zu der Einweihung der Kirche noch weitere Stiftungen erfolgen. Diese wird nach einem früheren Beschluß des Comitv's am 200jährigen Jahrestag der Zerstörung durch die Franzosen den 31. Mai 1889 stattsinden. Zu einem Festspiel, das Anfangs geplant wurde, wurden die hiesigen Verhältnisse ungeeignet und unzureichend erkannt, dagegen die Herausgabe einer Festschrift durch das Comitö beschlossen. (Landskr.)
— Wie der Prinz und die Prinzessin Heinrich in ihrer Herzensgüte bestrebt gewesen sind, anläßlich ihrer Vermählung Freude ringsumher zu verbreiten und auch den einfachsten Arbeiter nicht vergessen haben, zeigt der Umstand, daß die zahlreichen, mit der Restauration des Kieler Schlosses, des künftigen Wohnsitzes des hohen Paares, beschäftigten Arbeiter am Vermählungstage freundlich bedacht worden sind. Der Bauführer Krause empfing eine mit der Fürftenkrone und dem Namenszug „Hu geschmückte und mit Edelsteinen besetzte Nadel und jede Abthetlung der Arbeiter wurde durch Ueberreichung eines Zwanztgmarkstückes mit dem Btldniß Kaiser Friedrichs erfreut.
Belfort. sEtn falscher Boulanger.] Nahe bei dem der deutschen Grenze am nächsten gelegenen Belforter Fort Noppe liegt ein Ort gleichen Namens. Das Dorf ist nicht groß, aber an Wirthshäusern hat es darin keinen Mangel. In eines derselben — so erzählt die „Straßb. Post" — trat an einem schönen Mainachmittag ein gut gekleideter Herr mit kühnen Zügen und spitz zugeschnittenem Vollbart. Er musterte die in der Wirthsstube aufgehängten Bilder und blieb vor zweien, welche „not’ brave ^4n6ral“ vorstellten, nachdenklich stehen. Nebenher bemerkt, es gibt in Frankreich wohl keine Wirthsstube, auch fast kein Bureau, in welchem le eauveur de la France nicht in allen möglichen Ebenbildern zu sehen wäre; gewiß sehr bezeichnend für die republikanischen Gesinnungen unserer heutigen Franzosen! Doch zurück zur Geschichte! Unser Gast stand vor dem Bilde des Generals Boulanger, ries den Wirth, welcher ihm mittlerweile einen Absynth bereitete, hinzu und fragte ihn mit leiser Stimme: „Lieben Sie den General?" „Von Herzen", entgegnete sofort der Gefragte. „9iun denn, General Boulanger steht vor Ihnen. Ich bin in Geschäften hier. Sagen Sie Niemanden ein Wort davon, dann dürfen Sie sich stets meiner Protection versichert halten. Aber Schweigen!" Dabei legte er zur Bekräftigung den Finger auf den Mund. Dieses feinem Haufe widerfahrene Glück konnte aber unser Wirth allein nicht tragen; er theilte es seiner Frau unter dem Siegel der größten Verschwiegenheit mit — eine halbe Stunde nachher war schon das ganze Dorf vor dem Wirthshaus versammelt und bewunderte ebenso sehr seinen Nationalhelden, wie es den Wirth beneidete. Unterdessen ward es Abend, ohne daß Boulanger's sehnlichst erwarteter Wagen eintrifft. Der glückliche Wirth ist kurz entschlossen und erbietet sich, „not brave göneral“ mit seinem eigenen Wagen nach Belfort zurückzubringen. Das Anerbieten wurde angenommen und unterwegs — ja, der General ist ein gar leutseliger Mann — in einigen an der Straße liegenden Wirthshäusern tüchtig gezecht. Boulanger zeigt sich dabet als trinkfester
Mann, der, wie das einem alten Kriegslöwen wohl zukommt, seinen Humpen wacker schwingt. Der Wirth zahlt Alles; auf eine Vergütung läßt er sich nicht ein. Im Gegentheil, er labet den zukünftigen Kaiser auf den nächsten Tag noch zu einem feinen £)tner nach Noppe ein. Boulanger verspricht es und kommt auch wirklich zur übergroßen Freude der Dorfbewohner. Was Küche und Keller des frohen Wirthes zu bieten vermögen, muß herhalten. Die Tafel bricht fast unter der Last der Leckereien. Die seltene Kunde war schließlich auch zu den Ohren eines Försters gelangt, dem die Sache etwas sonderbar vorkam. Er verschaffte sich Zutritt zur Gaststube und fordert von dem lustig Zechenden Beweise, daß er auch wirklich der General Boulanger sei Darüber etwas bestürzt, wird er auch anderen Leuten verdächtig. Man durchsucht seine Kleider und findet neben einigen die Vergangenheit des Besitzers sehr compromttttrenden Schriften darin — die Taschenuhr des Gastgebers!!! Derselbe hatte deren Abhandenkommen noch gar nicht bemerkt und war darüber natürlich außer sich vor Wuth. (Es tstbt auch in Frankreich pendalarda). Der Pseudo-Boulanger wurde zur nächsten Gendarmeriestation gebracht und hatte sich nun kürzlich hier in Belfort wegen Diebstahls und Betrugs zu verantworten. Der Doppelgänger Ernst des Schönen heißt Mergel, ist 55 Jahre alt, in Kolmar geboren und hat bereits 20 Jahre im Zuchthaus gesessen. Während der wahre Prophet von Elermont Ferrand seiner Zeit wegen gewöhnlichen Ungehorsams 1 Monat Arrest erhielt, wurden dem falschen Propheten von Noppe deren 15 zubictirt wegen außergewöhnlichen Undanks.
— Humoristisches. Aus einerVertheidigungsrede. „Meine Herren Geschworenen!" ruft pathetisch der Verteidiger. „Betrachten Sie meinen Clienten! Die Unschuld ist ihm auf das Gesicht geschrieben; er ist ein wahres Schaf — (der Verbrecher springt auf) Schließer halten Sie die Bestie fest, sonst geht er uns zu Leibe-." — Em Kind seiner Zeit. Lehrer: „Abraham sagte zu Lot: Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten. Was erkennen wir daraus?" — Schüler: „Abraham war conservativ, Lot liberal." — Die aufmerksame Hausfrau. Hausfrau (dem Gaste Spargel anbietend): „Aber bitte, greifen Sie doch zu, die Spargel sind ja jetzt so billig und wir haben so viele — zum Schweinefüttern."
LebenSvrrficherungSbank für Deutschland in Gotha.
Trotz den in mehrfacher Beziehung ungünstigen Zeltoerhältnissen hat die genannte älteste und größte deutsche Lebensoersicherungsanstalt auch im Jahre 1887 befriedigende Ergebnisse ihres Geschäftsbetriebs erzielt. Es traten ihr 3854 neue Theilhaber mit 28 198 100 .4L Versicherungssumme bei, welche sich durch 730 Nachversicherungen bereits versicherter Personen noch um 5 168 100 oder auf insgesammt 33 366 200 erhöhte Dagegen blieben die Summen, welche für eingetretene Sterbefälle zu zahlen waren' auch in dem abgelaufenen Jahre erheblich — um 1315995 JL — hinter der rechnungsmäßigen Erwartung zurück, und die Abgänge bei Lebzeiten hielten sich ebenfalls in sehr mäßigen Grenzen. Demgemäß wuchs der Versicherungsbestand um 1865 Personen mit 13 907 300 JL. Versicherungssumme und belief sich am Schlüsse des Jahres auf 70037 Personen mit 529 182 700 JL Versicherungssumme.
Die finanziellen Ergebnisse entsprechen dieser Geschäftsentwickelung. Der reine Ueberschuß des Jahres 1887 beziffert sich auf 6 316 873^ und ist außer dem günstigen Verlauf der Sterblichkeit hauptsächlich dem Umstande zu verdanken, daß die Bankfonds ungeachtet des niedrigen Standes des Zinsfußes immer noch einen den rechnungsmäßigen Bedarf erheblich übersteigenden Ertrag lieferten, und daß die Verwaltungskosten auf der außerordentlich niedrigen Ziffer von nur 4.82pCt. der Jahreseinnahme gehalten werden konnten. Der Vermögensbestand der Bank erreichte die Höhe von 142 862 208 JL, davon bilden 27 558 353 Jü den Bestand des Sicherheitsfonds, welcher in den nächtten fünf Jahren als Dividende an die Versicherten zurückgewährt wird Für das Jahr 1888 beträgt diese Dividende 41pEt. der im Jahre 1883 eingezahlten Normalprämie nach dem alten System der Ueberschußvertheilung und 31pEt. der Normalprämie, sowie 2.5pCt. der Prämienrescroe nach dem neuen oder „gemischten" System der Ueberschußvertheilung.
WpM an der Erhaltung einer reinen Kopfhaut und- schönen Haarwuchses etwas gelegen ist, der kaufe 95g
Better’s Haarwasser (München).
Dasselbe staatlich geprüft und begutachtet sowie von ersten Autoritäten empfohlen
verkauft zu 40 H und JL 1.10 J. H Fuhr, Sonnenstraße.
Allgemeiner Anzeiger.
Versteigerung.
Montag, de« 4. Juni 1888, Nachmittags von V22 Uhr an,
sollen folgende Arbeiten auf hiesiger
Bürgermeisterei versteigert werden: veranschlagt zu:
Pflasterarbeit, incl. Materiallieferung 625.20
Lieferung und Kleinschlagen von Chausstr- Steinen „ 270.—
Maurerarbeit, incl. Materiallieferung „ 233.70
Schreinerarbeit, incl.
Materiallieferung „ 119 60 Weißbinderarbeit, incl.
Materiallieferung „ 64.44
Dachdeckerarbeit, incl.
Materiallieferung „ 14.—
Burkhardsfelden, 29. Mai 1888.
Gr. Bürgermeisterei Burkhardsfelden.
Hoffmann- 4519
Hoffgelderhebung.
Künftigen Montag, den 4. Juni, von Vormittags 9 bis Nachmittags 2 Uhr, soll eine nochmalige auswärtige Erhebung von Freiherrlich von Rabenau'schen Holzgeldern in der Wirthschaft des Herrn Kaspar Ranft in Beuern stattfinden.
Londorf, den 29. Mai 1888.
Der Rentmeister:
4512 Schmidt.
Holzversteigerung
in den Waldungen der Freiherren von Nordrck )ur Rabenau.
1) Mittwoch, den <». Juni 1888,
District Noll 2a, 1 b, 2, 4, Röddern, Hörnes 9.
32 Eichen-Stämme, 16—37 cm Durchm., 6—13 m lang,
126 Fichten-Derbftangen,
897 Fichten-Reisstangen.
Scheit
Knüppel
Reis
Stöcke
Buchen
136 |
1105 I. El.
i 30 II. El.
191
24
Elchen
32 j
' 58 I. El.
i 23 II. El.
152
24
Birke
2
—
—
—
Aspe
4 II. El.
33 II. El.
( 137
9
Nadelholz
11
HO
4
Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Ende der neuen Chauffee im Roll 1 b.
2) Freitag, den 8, Juni 1888 (pro 1888 letzte Versteigerung): District Hörnes 8 und Odenberg le.
Scheit Knüppel Reis Stöcke
Buche 159 67 245 20
Eiche 1 4 2 —
Zusammenkunft Morgens 9 Uhr im District Odenberg 1 c.
Kesselbach, den 28. Mai 1888.
4515 Trost, Freiherr!. Revierverwalter.
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96 Andreas Euler. j Herreutjeulülu nach Maaß, g
4529] Gute Kartoffeln verkauft Karl Plank, Bäcker, Wolkengasse.
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