Ausgabe 
1.7.1888 Zweites Blatt
 
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1888.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Bureau r Schul st raße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Aingerlohrr. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst

Mi- sollen wir rauchen t Aerztliche Anleitung zur Vermeidung der Schädlichkeiten des Tabaksgenusscs von Ur. Erich^Keibel. Fünfte Auflage. Pre

1 W^k?nnm E°wan'schm°'daß die"? Buch,"b-s'in so cingeh-nLer, sachv-rständiger und überzeugender Weise die Wege an die Hand gibt, mit möglichster Schonung der Gesundheit dem Tabaksgenuß huldigen zu können, weitere Verbreltung finde, überhaupt in die Hände eines jeden Rauchers gelangen möge.

Harr^L NNd Berkeh;

__ sDie Pafikarte.1 Im Hinblick auf den demnächst zu erwartenden großen Reiseverkehr macht dieDeutsche Verkehrs-Zeitung" aus die Bestimmung aufmerksomr, wÄrleiste? an fremdes genügenden Ausweises

S' unter allen Umständen eine Paßkarte oder ein vollgiltiges Ausweispapier mit denn auck an einen Hotelwirth geschieht die Auslieferung solcher Postsendungen nur dann wenn er die volle Bürgschaft übernimmt und den Ablieferungsschein mit unter­schreibt. Wenn also Personen, nur mit den nöthigften Reisebedurfnissen versehen, bei beabsichtigten Fußreisen im Gebirge rc. ihre Gepäckstücke unter der Bezeichnmi gpost- lagernd" mit der Post an einen weiter gelegenen Ort senden, so werden ste m ore veinlichste Verlegenheit kommen, wenn ste bei Abholung der Sendung sich als r ch- mäßige Empfänger nicht ausweisen, auch persönliche Zeugen für ihre Empfangsberech i tigung nicht zu stellen vermögen.

- sZur Klrschenernte.) Da jetzt die Zeit der Kirschenernte herangekommen ist wollen mir nicht versäumen, unsere Leser darauf aufmerksam zu machen, daß die Ä n ni^t Ml jeder beliebigen Reit gepflückt werden dürfen, wenn sie nicht den Geschmack und Saft verlieren sollen, namentlich in den heißen Mittagstunden ist das Pflückm zu vermeiden. Die beste Zeit dazu ist am Morgen und zwar so früh als möglich * Die zu dieser Zeit gepflückten Kirschen sind schon frisch und sehr saftreich und halten sich länger als die zu anderen Zeiten gepflückten.

Vermischtes.

Butzbach 28. Juni. sDer Verbandslag der mittelrheinischen Bildungsvereme.)

Lerrni waren vertreten die Dolksbildungsvercine ,u Franksurt Darmstadt Wtesbad-n, Zöchst Worms und Sauer - Schwabenheim. Der Borsttzende des D-rb°nd-s Herr vr W-idenbusch-Wiesbadcn, eröffnete die Versammlung mit einem warmen Nachruf den vcestorbenen Kaiser Ariedrich, in dessen Zustimmung sich di- Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Hieraus erstattete der Vorsitzende den Bericht über die Thatig- keit des Verbandes in dem verflossenen Jahre. AIS von °^""^"Erew Interesse ist daraus hervvrzuhcben, daß der Verband in -rsreultchem Austchwungi begriffen ist Die Radl der ihm zugehörigen Vereine hat sich von 23 aus 29 gehoben. Bay Gesammtmitglieder des Verbandes ist in gleicher Weise ganz erheblich gewachsen. - st-ulich ist die von allen Seiten gemeldete starke Benutzung der V-r-ns-Btb oth-k-n. Die vom Verband ausgehenden Wanderbiblrotheken sind °^erordentlich gesucht und k^nn dem Bedürinis! na» Lektüren, wie es von vielen Gemeinden aus der Verbands, leituna gegenüber kundgethan, leider nicht in erwünschtem Matze entgegengckommcn werden? Mehrere Vereine haben Flick- und Nöhschulen b» ^ch 'ebhafler

Tbeilnahme erneuen. Der Anschauungsunterricht nach der Methode des Ver vj0; stssor Kumva in Darmstadt und unter der Leitung deffelben hat °u» dem °er- aanaenen Jghre guten Erfolg gehabt. (Der Volksbridungsverein zu Butzbach hat die Absicht, auf feine Kosten einen Herrn an dem nächsten Kursus tbetlnehmen ru lasten.) Mancbe Vereine veranstalteten gesellige Ausfluge; hervorzuheben ist noch die ^hattgretl des Vereins zu Schwanheim in Pflege des Obstbaues rc. Das Vortragswesen inner- bald des Verbandes ist einer Reorganisation unterworfen, die gute Erfolge verspricht. Auch nach dem Sktoptikon ist lebhafte Nachfrage. Nach Erstattung der Rechnung wurde dem Kassirer Decharge ertheilt, ebenso der Voranschlag für das neue Vereins, jahr in Einnahme und Ausgabe mit rund 600 JL genehmigt. Ein Antrag des Vor­standes auf Abänderung einiger Paragraphen des Verbandsstatuts-wurde' ^ne wesent­liche Debatte angenommen. Die Aenderung bezweckt eme pracisere Bezeichnung des Verbandsbezirks und die Möglichkeit einer selbstständigeren Entwickelung gegenüber der Eentralstelle in Berlin. Die Neuwahl des Ausschusses ergab die ^Ltederwahl fast sämmtlicher bisherigen Mitglieder desselben; neugewahlt wurden ^ Herren Eonsul Glade in Wiesbaden und Redacteur Simon m Darmstadt. Im dcamen des hiesiger» Volksbildungsvereins wurden die fremden Gaste vom Vorsitzenden MWn, Lerrn Dr. Pogt, auf's Herzlichste begrüßt. Das von demselben entworfene Büd der Wirksamkeit des genannten Vereins fand die lebhafteste Zustimmung. An die^ Ver­handlungen schloß sich ein durch ernste und heitere Toaste gewürztes gemeinschaftliches Mahl im selben Locale. Nach demselben veranstaltete man einen gemeinsamen Spazier­gang nach dem Aussichtstempel und derWilbelmshöhe".

Die Abendzüge entführten sodann die Delegirten nach ihrer Heimath, dieselben waren sichtlich befriedigt über die ihnen hier gewordene Aufnahme, wie über das Jn^ teresse, das man hier ihren Bestrebungen entgegenbrachte. Der nächste VerbandStag wird in Biebrich adgehalten werden.

a Mainz, 29. Juni. Eine blutige That wird aus dem nahen Mombach gemeldet: Zwei junge Leute gerleihen in einer dortigen Wirihschast rntt einem dritten jungen Manne in Streit. Nach allerlei Thätlichkeiten und Mesterstichen» wurde das Streitfeld auf die Straße verlegt, wo die zwei Angreifer ihren Gegner entkleidet und fürchterlich mißhandelt haben sollen. Der Mißhandelte wird seit dieser Zeit vermiß. Die beiden jungen Leute sind gestern Abend verhaftet worden und ist man eben damit beschäftigt, die mit Wasser gesüllten Graben am Mornbacher Thor nach dem Vermißten

Landwirthschaftliche Nachrichten.

sWie bereitet man einen guten Johannisbeerwein?) Der Johannisbeerwein ist die Perle aller Beerenweine! Wenn richtig bereitet, ist er ebenso gut als der beste französische Rothwein, dessen Farbe er auch zeigt. Dabei besitzt er ein vorzügliches Aroma und Bouquet und ist von untadelhafter Reinheit, so daß er ftranfen und Reconoalescenten besonders dienlich ist und niema s Kopfschmerzen verursacht. Kein Wunder also, daß die Production dieses edlen Getränkes in den letzten Jahren enorm zugenommen hat. Wer nur einige Johannisbeerbusche in seinem Garten hat, sollte nntprtnfien sich jährlich ein Fäßchen selbst zu bereiten; die Sache ist nicht sogar schwierig und der Preis stellt sich, wenn man die Arbeit und den Werth der Beeren nicht metter°7epOflWtm Trauben werden °bg-b--rt, dann in grotzen

Schüsseln mit den Händen zerdrückt; hieraus wird die Masse inhTet geschüttet, so daß der Saft adlaufen kann. Die im Siebe zuruckbleibenden Trester werben dann in einem geeigneten Gefäß mit ein wenig Wasser übergossen und» bleiben zum Auslaugen an einem kühlen Orte 24 Stunden stehen, worauf sie ebenfalls abge­preßt werden. Der so gewonnene Saft muß nun mit einem entsprechenden Waster- und Zuckerzusatz in einem reinen Weinfäßchen vergären. Auf je 1 Liter Saft nimmt man 2 Liter Wasser und je nach der Starke des zu erzielenden Weins 1 2 Pfund Hutzucker. Auch Spiritus-, Rum- und Branntwetnfäster Wonnen im Rothsalle Ver­wendung finden, müssen aber erst mehrmals mit kochender »Lodalauge ausgebruh und mit reinem Wasser nachgespült werden. Ist das Fäßchen ganz geruchlos und rein, so bringt man den Most hinein, legt das Fatz in einen Raum, wo die Temperatur 14 bis 16v R. beträgt, bedeckt das Spundloch mit einem umgekehrten Weinglase und wartet nun ruhig den Beginn der Gärung ab, die gewöhnlich in einigen ^agen einrrttt. Ist dieselbe in vollem Gange, so wird das Spundloch mit einer Garrohre verschlosten, die man sich leicht für ein paar Pfennige selbst Herstellen kann. Die Anwendung derselben itt nötbra weil sonst Essigbildung eintreten wurde. Hat das Zischen und Brausen im Fasse aufgehört (October-November), so füllt man das Fatz mit Weinl(in Ermangelung mit Zuckerwasser) ganz voll, spundet es fest zu und bringt es in den kühlen Keller. Damit es stets spundvoll bleibe, muß man häufig nachfullen (bester ist die Hullflasche.) Im März ist der Wein völlig klar geworden, die Hefe hat sich zu Boden gesenkt und es ist nun Reit, ihn von dem Bodensatz abzuziehen, um ihn getrennt von der Hefe m einem eigenen Fäßchen, das ebenfalls immer spundvoll gehalten werden muß, der voll­kommenen Ausbildung entgegen zu führen. Das Abfullen geschieht mittelst einer Hebevorrichtung, die sich ebenfalls Jeder für einige Groschen aus zwei Glasrohrchen und einem Gummischlauch leicht selbst Herstellen kann. Beim Einbringen und Be­festigen des einen Schenkels des betr. Hebers muß aber mit großer Behutsamkeit ver- fabren"werden, damit die Hefe nicht aufgerührt wird. Den Bodensatz gießt man durch einen FMer oder ein Tuch damit die Hefe zurückgehalten wird Hal man kein zweites Fäßchen zur Verfügung, so kann das Gärfaß auch als Lagerfatz dienen. Rian laßt den Wein dann klar in einen Eimer, einen glasirten Topf (aber nie in einJUktalb aefäß!) ab reinigt das Fatz durch Ausspülen und bringt den Wein wieder baldmoglich hinein. Das Faß muß im kühlen Keller lagern und stets spundvoll gehalten werden, ^ch 68 Wochen ist der Wein gut ausgebildet; er wird auf Flaschen Sezogen, die fest verkorkt (Korkmaschine) und verlockt im Keller stehend ober liegend aufbemabrt werden. Näher auf die Sache hier einzugehen ist nicht möglich. Wer ^darüber aenauer informiren will, den verweisen wir auf das eben erschienene Buch.H. Timm, derJoHannisbeerwetn". Dasselbe ist bet Eugen Ulmer in Stuttgart erschienen und kann aus jeder Buchhandlung, wie auch, wo keine Verbindungen mit Elchen vor­banden sind vom Verleger direct zum Preise von elegant gebunden (mit Lein­wandrücken)' bezogen werden. Es ist sehr reich illustrtrt und enthalt hierauf Bezügliches in P0PÄU1bh^ä^ru®anS Gebrauch- aufbewahrt w-rdeu mutz man sie erst sehr sorgsältig mit heißem Sodawasser mehrmals auslaugen, dann mit Schwefel (Brenndraht) einbrennen und im Keller aufbewahren. ^"^res Aufbewahren bedingt ein öfteres Einschwefeln. Vor dem Gebrauch spult man sie mit heißem W ast er

Hat sich dennoch Schimmel gebildet, so werden die F^r vom Böttcher aus­einander genommen und sehr eingehend gereinigt, e-onft wurde der Wein verderben.

In den letzten Tagen wurden hier mehrere falsche 10-Markstucke mit dem Bildniß Kaiser Friedrichs angehalten. - Doppelkronen mit der Prägung des ver­storbenen Kaisers werden hier durchgängig mit 3 «X Aufgeld bezahlt.

a Mainz, 29. Juni. Zu den vielen Unbegreiflichkeiten, welche das mehrfach erwähnte traurige Vorkommniß in einer hiesigen Badeanstalt aufzuweisen Hat, ist eine neue merkwürdige Thatsache getreten, welche dazu beitragt, die über den Unfall ungemein erregten Gemüther wieder auf das Neue in Wallung zu bringen. Wahrend man nämlich die bis jetzt geländete Leiche der einen der beiden ertrunkenen Frauen aUgemein für die des Dienstmädchens hielt und dessen Familienangehörigen wie auch dessen Dienstherrschaft die Leiche agnofclrte, wollte es gestern Abend der Zufall, als man eben im Begriff war, die Leiche in einen Zinksarg zu thun, um solche m den H^mathsort des Mädchens zu verbringen, daß der Mann der ertrunkenen Hebamme zur Pouzet kam, um die Kleider jener Frau in Empfang zu nehmen und bei dieser Gelegenheit die Ringe und Ohrgehänge zu Gesicht bekam, welche die gelandete Leiche getragen hatte. Ru Aller Ueberraschung erklärte der Mann diese Gegenstände als das Eigenthum f"ner Frau, welche Angabe Veranlassung gab, dem Manne die Leiche zu zeigen, die derselbe nun sofort als die seiner Frau reclamtrte. Auf Grund dieser Behauptung wurde me bereits begonnene Einsargung inhibirt und eine nochmalige Untersuchung der Leiche angeordnet, wobei alsdann durch eine große Anzahl Personen in der Lerche thatsachlich die Hebamme erkannt wurde. Diese Personen-Verwechselung ist bei der kurzen Zeit wo die Leiche nur im Wasser gelegen, kaum begreiflich und kann für die Behörden als ernste Warnung dienen, bei Agnoscirung von Leichen mit der größten Vorsicht zu Werk zu geben Auf Grund der Gewerbeordnung hat die Besitzerin der betreffenden Bade­anstalt den Weiterbetrieb des Geschäftes von dem Kreisamt vorläufig^untersagt bekommen und gleichzeitig hat die Bürgermeisterei eine Revision sämmtlicher hiesigen Badeanstalten durch ^^rstäill)ige angeordn^ preu^t^en Königen als Unterthan gelebt zu haben, ist ein so seltener Fall, daß er der Erwähung wohl werth ist. General v. Wurmb von bier erlebt wie der K. Rta." gefcHcben wird, mit der Thronbesteigung Kaiser Wil­helms II. 'zum sechsten Male den Regierungsantritt eines preußischen Königs. Im Jahre 1795 unter der Regierung Friedrich Wilhelm II. geboren, lebte er unter den Königen Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV Wilhelm und Friedrich HI. und jetzt sieht er Kaiser Wilhelm II. auf Preußens und Deutschlands Thron.

ar- ist Zweites Blatt. Sonntag den 1 Juli

«ließeuer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Lokales. uLLSGEMLMW ?anbiC *UnmD^üfa6mnpi£ Äen^bk' $e?anntma»Un8 für b.e nach Ems 6«n Extrazüge bringen wir dieser Tage. __