Lckiweriu, 28. Avril. Die hiesigen Blätter veröffentlichen die Condolenz- | treibender Ritterschaft und der Landschaft an die Großherzöge von Mecklenburg- Schwerw und Mecklenburg - Strelitz anläßlich des Ablebens Seiner MaMat des Kaisers Wilhelm, und ferner zwei Rescripte des Großherzogs von Mecklenburg- Schwerin mit seiner Danksagung, sowie derjenigen Seiner Majestät des Kaisers Fried- rich "^^StMde. Der Großherzog und die Großherzogin haben für die
von Ueberschwemmungen Heimgesuchten eme weitere Spende von 5000 JL beroiaigt. Der Erbgrotzherzog und die Erbgroßherzogtn Haden zu dem gleichen Zwecke 1000 JL angewiesen.^ Schiffbrücke in Maxau ist in Folge des Antreibens eines Schiffes theil- weise zerstört; bis zur Wiederherstellung derselben geht der Güterverkehr über andere Brücken, der 'Personenverkehr wird durch Schiffe vermittelt.
Bremen, 27. April. Die Königliche Etsenbahn-Directton macht bekannt: Vom 27. d. M. wird der Personen- und Güterverkehr zwischen Wittenberge und Lenzen in vollem Umfange wieder ausgenommen. Es werden bis auf Weiteres folgende Zuge befördert: Vormittags die Züge 392 und 91, Abends die Zuge 96 und 391 außerdem Nachmittags ein Zug 3.30 ab Wittenberge, Ankunft in Lenzen 4,17. Rückkehr von Lenzen 5,00, Ankunft in Wittenberge 5,33. „
Breme«, 28 April. Die Rettungsstation Rugenwaldermunde telegraphirt: Am 28. April von dem deutschen Schuner „Mathilde", Capitän Papenfuß, gestrandet beim Westbade, sechs Personen durch den Raketenapparat gerettet.
Frankreich.
Paris, 27. April. Der Senat erledigte heute die Berathung von 27 Artikeln des Militärgesetzes und vertagte sich sodann auf nächsten Montag.
der Deputirtenkammer wurde die Wahl Boulangers in der Dordogne für giltig erklärt, von einer Beschlußfassung über seine Zulassung als Deputtrter der Dordogne aber abgesehen, weil er auf das Mandat verzichtet habe.
— Der Botschafter in Berlin, Herbelte, hat zum Zweck einer Reise nach Frankreich einen kurzen Urlaub erhalten. , . , . . m «
w _ Boulanger wird sich Mitte nächsten Monats nach dem Departement du Nord begeben, um seinen dortigen Wählern zu danken. ... , ,
B «aris, 27. April. Aus Anlaß des Diners, zu welchem Boulanger für heute Abend eine Anzahl Abgeordneter nach dem Cafö Rtche eingeladen Hatte, waren dre nach dem Cas6 Riche führenden Zugänge schon seit 6 Uhr von einer etwa tausend Personen zählenden Menge beseht. Letztere vermehrte sich, als Boulanger um 7 Uhr mit dem Grafen Dillon in einem Coupäwagen angefahren kam, so erheblich, daß der Wagenverkehr auf dem Boulevard vollständig gehemmt wurde. Aus d^ Volksmenge werden vielfach Hochrufe auf Boulanger laut, abwechselnd mit dem Rufe. „Nieder mit April. Bei dem Diner in dem Caf6 Riche brachte Naquet einen
Toast auf Boulanger aus, auf welchen letzterer erwiderte, indem er hauptsächlich die Beschuldigung zurückwies, daß er nach der Dictatur strebe. Er bereit, für die Aufhebung der Präsidentschaft der Republik zu stimmen, wenn ein solcher Antrag in den Kammern eingebracht werden würde. Während des Diners hatte sich eme zahlreiche Menschenmenge vor dem CafL eingefunden, doch kam es zu keiner ernsteren Kundgebung. Als Boulanger um Mitternacht das Casä verließ, wurde er von der Menge enthusiastisch begrüßt; die Polizei mußte energisch etnschretlen, um die Passage für die Wagen frei zu halten und verhaftete hierbei D^roulvde, Desusinr und andere Deputirte, welche Nieder mit Ferry" gerufen hatten. Die Verhafteten wurden spater wieder freigelassen.
VariS, 28. April. Im Ganzen wurden anläßlich des gestrigen Banketts im Cas^ Riche etwa 40 Personen verhaftet, aber später wieder freigelassen. — Die Morgenblätter erfahren, daß heute eine Interpellation wegen dieser Verhaftungen etngebracht werden wurd^e. ^pril. Dsrouldde richtete an Floquet ein Schreiben, worin er als constitutionelles Recht beansprucht, dieser oder jener Persönlichkeit seinen Beifall öffentlich kundzugeben, gegen das Einschreiten der Polizeiagenten protestirl, das durch keine Gesetzesbestimmung gerechtfertigt werde, und Floquet für eine Gesetzesverletzung ver- antworttich^machtt Bei dem gestrigen Banket im Theater sagte der Präsi
dent Carnot in Erwiderung auf den Toast des Maire: Die sympathischen Kundgebungen. welche ihn begrüßt hätten, seien ein Protest gegen alles, was den Interessen der Feinde der Republik dienen und ihre Hoffnungen ermuthrgen konnte (einstimmiger Beifall) Die Beifallsrufe gelten nicht allein ihm, als dem treuen und entschlossenen Führer dieser öffentlichen Freiheiten, sondern auch der Regierung, durch deren Festtg- tett allein ein unbedingter Respect vor den Institutionen der Republik emgefloßt werden wird. (Erneuter Beifall.) Gegenwärtig würde Diejenigen die größte Schuld treffen welche, indem sie die Brandfackel der Zwietracht schleudern, die Arbeit der ländlichen und industriellen Bevölkerung stören und die nächstjährige der Ausstellung aus's Spiel setzen wollen. Frankreich müßte gerade dann ruhig und würdig dastehen, um Sympathie und Achtung etnzuflößen. Nur durch die Einigkeit werden wir un ere Kräste auf die Höhe unserer Bedürfnisse erheben, nur so werden der arbeitenden Bevölkerung die Fortschritte, welche sie erwartet, sichern; durch die Einigkeit müssen wir auch unserer tapferen nationalen Armee, welche ganz und gar von ihren patriotischen Pflichten erfüllt ist, ein wahrhaft bewundernswerthes Schauspiel darbieten. Und so rufe ich Sie alle zur Einigkeit auf in diesem großen, von republikanischem Patriotismus erfüllten Gemeinwesen, wo meine Stimme gewiß Gehör finden wird.
England.
London, 27. April. Die Königin ist mit der Prinzessin Beatrice und dem Prinzen von Battenberg heute Abend 6 Uhr in Sheerneß gelandet und hat sich alsdann mittelst Extrazugs nach Windsor begeben. .
Windsor, 27. April. Die Königin ist mit der Prinzessin Beatrice und dem Prinzen von Battenberg heute Abend 7 Uhr 30 Min. hier eingetroffen.
Italien.
Rom, 28. April. Die Deputirtenkammer genehmigte den Handelsvertrag mit Spanien. Der Ministerpräsident Crispt hatte in längerer Rede aus die politische Freundschaft zwischen beiden Völkern und Staaten hingewiesen.
— Wie aus Massauah gemeldet wird, ist General San Marzano gestern von Aden zurückgekehrt, wo er von den britischen Behörden mit großer Auszeichnung empfangen worden war. Der General nahm von Kantibai Briefe von abessinischen Anführern entgegen. Kantibai ersuchte den General um die Ermächtigung, sich zum Negus zu begeben, der ernstlich zum Frieden geneigt sei. um mit ihm wegen der Entsendung von Vertrauensmännern nach Massauah behufs Friedensschlusses zu verhandeln. San Marzano gab die nachgesuchte Ermächtigung.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 29. April, Morgens 9 Uhr. Der Kaiser ist heute Morgen fieberfrei, nachdem schon gestern Abend das Fieber merklich gesunken war. Der Schlaf und das Allgemeinbefinden waren ziemlich befriedigend. Mackenzie. Wegner. Krause. Hovell. Leyden. Senator.
Paris, 29. April. Gestern Abend fanden in Toulouse ernstliche Ruhestörungen statt. Eine große Anzahl boulangiftisch gesinnter jüngerer Leute aus den Vorstädten veranstalteten eine Kundgebung vor dem Clubhause der Studirenden, in welchem gegen 300 Personen versammelt waren. Aus den Fenstern des Hauses wurden einige Revolverschüsse abgegeben, jedoch wurde Niemand verletzt. Bei dem alsdann entstehenden Tumulte mußten die Polizei, die Gensdarmerie und Truppen einschreiten, um die Ordnung wiederherzustellen. Ein Polizist, ein Gensdarm und ein Student wurden verwundet.
Nancy, 29. April. Gestern Abend erneuerten sich hier die boulangistischen Kundgebungen vom Donnerstag, indem sich um 9 Uhr gegen 1000 Maytfestanten singend von dem Greveplatz nach dem Stanislasplatz bewegten und „Es lebe Boulanger" riesen, sowie Schimpfworte gegen den Präfecten ausstießen. Militär und Gensdarmerie
räumten den Platz, wobei etwa 10 Personen verhaftet wurden. Um 10 Uhr hatte sich die Menge auf dem Stanislasplatz wieder sehr bedeutend vergrößeit und mußte durch die Gensdarmerie, welche in scharfem Trabe anrückte, zerstreut werden. Alle Behörden waren zur Stelle. Ernstere Ausschreitungen sind nicht vorgekommen. Um 11 Uhr war Alles beendet.
Venedig, 29. April. Der Kaiser und die Kaiserin von Brasilien sind nach Mailand adgereist.
Berlin, 30. April. (Privatdepesche.j Bulletin vom 30. April früh 9 Uhr. Der Kaiser hatte eine ruhige Nacht. Sein Befinden ist nahezu fieberfrei, das Allgemeinbefinden unverändert.
Lokales.
Gießen, 30. April. Das officielle Verzeichniß der Thetlnehmer (Aussteller) an der deutschen Abtheilung der internationalen JubUäumsausstellung zu Melbourne im laufenden Jahre weist 13 Firmen aus dem Großherzogthum Hessen auf. Hiervon kommen auf Offenbach 5, Mainz 3, Gießen 3 (die Firmen Heyligenstaedt & Comp., Werkzeugmaschinenfabrik, Emil Roth, Verlags- und Kunsthandlung, Staudinger Nachfolger, Feinmechaniker) und Worms und Darmstadt je 1.
Vermischtes.
A Mainz, 29. April. In der Strikebewegung der Maurer fanden gestern und heute wieder sehr zahlreich besuchte Versammlungen statt. Die gestrige Versammlung war ausschließlich von Maurergehülfen besucht, wogegen die heutige Versammlung eine allgemeine Arbeiterversammlung war. In der ersteren wurde es scharf getadelt, daß die Bauunternehmer, um die deutschen Arbeitskräfte zu drücken, sich Hülfe aus dem Auslande geholt und betont, daß durch das Heranziehen der italienischen Maurer die Gegensätze zwischen Meister und Gehülfen noch bedeutend verschärft würden und eine friedliche Verständigung jetzt noch weniger möglich sei wie früher. Im Uebrtgen gab man sich der Hoffnung hin, daß selbst trotz dieser Hülfe aus dem Auslande die Bauunternehmer durch die Verhältnisse gezwungen würden, den Ansprüchen der Gehülfen gerecht zu werden. In der heutigen Versammlung wurde auf die Solidarität aller Arbeiter, gleichviel welcher Branche dieselven angehörten, hingewiesen, und zur kräftigen Unterstützung der Strikenden aufgefordert.
A Mainz, 29. April. Reich beflaggt traf heute Abend der neue Porsonen- und Guterdampfer „Rhein" der Preußisch-Rheinischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft hier ein. Dieses prächtige, in seiner inneren Einrichtung von den anderen Dampfern durch eine Reihe kleiner auf das Comfortabelste ausgestattete Salons abweichende Schiff ist auf der Werft der Firma L. Smit & Zoon in Kinderdyk (Holland) erbaut und gleicht dessen Aeußeres genau den von derselben Firma gelieferten Dampfern „Hohenstaufen" und „Hansa". Der Schiffskörper, über dessen Mitte sich ein Promenadendeck erhebt, ist 67 Meter lang, die Breite zwischen den Radkasten 7,10 Meter und der Tiefgang 1,10 Meter. Eine Neuheit auf dem Dampfer, der mit 70 electrischen Glühlampen versehen und bet einer Ladfähigkeit von 3000 (Zentner annähernd 1500 Personen faßt, ist die Einrichtung des forcirten Luftzuges und besteht darin, daß die Kesselfeuerungen mit erhitzter Luft in starkem, regulirbarem Zuge gespeist werden, wodurch eine bedeutende Kohlenersparniß erzielt wird. Die Maschine von 650 indicirten Pferdekräften ist von der Firma Wyhs & Cie. in Zürich erbaut. Die Führung des Dampfers, der zu seiner heutigen Fahrt von Coblenz genau die fahrplanmäßige Zeit von 7Vr Stunden brauchte, ist dem Capitän Hubert Büllesheim, eine erprobte Kraft der Gesellschaft, übertragen worden.
— Zum Besten der Ueberschwcmmten im Norden fand gestern in der „Stadt- Halle" ein von sämmtlichen Mililärcapellen von hier und Kastel gegebenes Monstre- concert statt, das sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte und dessen Erträguiß sich auf 15—1800 JL belaufen dürfte.
— Der „Hamburgische Correspondent" schreibt in Nr. 110 vom 12. April d. I.: „Die letzte Sitzung des Weltsprache-Vereins in Hamburg hatte ein erhöhtes Interesse durch die Anwesenheit eines ausländischen Volapükisten, des Herrn Professors Aaen, Redacteurs der dänischen Volapük-Zeitschrift, durch welche Gelegenheit geboten war, Volapük aus dem Munde eines Ausländers zu hören. Es zeigte sich hierbei, daß die dänische Aussprache mit unserer norddeutschen nicht ganz überernftimmte, das a klang wie das eines Hannoveraners, das o näherte sich dem u, das sch etwa einem sj. Aber zweifellos war es, daß durch diese Verschiedenheit in der Aussprache die Verständigung nicht im Mindesten erschwert würde. Keiner der Zuhörer ist bet der Ansprache des Herrn Aaen an die Versammlung ober im Gespräch mit ihm einen Augenblick im Zweifel gewesen, welches volapükische Wort gemeint war. Aus dem angestellten Versuche darf man folgern: Eine mündliche Verständigung zwischen einem Dänen mit einem Deutschen vermittelst Volapük ist nicht schwieriger als die zwischen zwei deutschen Volapükisten."
— lieber einen originellen Geizhals schreibt man den „Dresdener Nachrichten" Folgendes: Der vor Kurzem in den Zeitungen gesuchte Karl Pohlisch von hier ist am Montag im Schlunkwitzer Walde bei Bautzen von einem Jäger tobt aufgefunden worden. Der Mann war ein solcher Sonderling, daß wohl darüber zu reden ist. Er lebte als Junggeselle wie ein Einsiedler in einem kleinen Stübchen, schlief in keinem Bett, aß und trank fast nichts; er nährte sich vorzugsweise von trockenem Brode und trockenen Kartoffeln, sowie Kaffee. Selbst im strengen Winter feuerte er nur früh und kochte dabei feinen Kaffee. Um kein Licht anzubrennen, legte er sich bei Anbruch des Abends schlafen. Seine Schlafstelle war ein altes Canapee. Dieser Geizhals hinterläßt ein Vermögen von weit über 120,000 JL In der Absicht, einen Hypothekenleiher zu besuchen, fuhr er am dritten Osterfeiertage nach Dresden vierter Classe und begab sich von da nach Kreischa; dort übernachtete er im Freien und wurde von der Polizei aufgehoben, um in Nummer Sicher die Nacht zu verbringen. Von Dresden weg hat er zurück die Bahn nicht benützt, sondern wollte mit Gelegenheit per Möbelwagen nach Hause fahren und kam auf diesem Wege nach Bischofswerda. Von da ist er gelaufen und ist auch in mehreren Dörfern gesehen worden; ebenso ist bemerkt worden, daß er in der Nacht im Freien campirt hat, da es im Gasthof für ihn zu viel gekostet hätte. Jedenfalls ist er im Walde verhungert oder erfroren. Obwohl er gegen sich so geizig war, hat er für seine Mitmenschen stets ein edles Herz gehabt, und hat er sich in der Gemeinde selbst ein schönes Denkmal gesetzt, indem er 20,000 JL zu einer neuen Orgel, 6000 JL dem Gustav-Adolfs-Verein, 6000 JL dem Albert-Verein und 6000 JL für innere Mission testamentarisch vermacht hat.
Handel und Verkehr.
Grünberg, 28. April. (Fruchtpreise.) Weizen JL 18.00, Korn X 14.60, Gerste 14.50, Hafer JL 14.40, Erbsen JL 17.20, Linsen X 00.00, Lein 00.00, Samen 00.00, Kartoffeln vM 5.20, Wicken 14.00.
Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankiurt a. M.
t Opernhaus.
Dienstag den 1. Mai: Der Troubadour. Gewöhnliche Preise.
Mittwoch den 2. Mai: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Fatinitza. Außer Abonnement.
Donnerstag den 3. Mai: Freischütz. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 4. Mai geschlossen.
Samstag den 5. Mai: Der Sommernachtstraum. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 6. Mai: Carmen. Gewöhnliche Preise.
Schauspielhaus.
Dienstag den 1. Mai: Alt-Frankfurt. Große Preise.
Mittwoch den 2. Mai: Donna Diana. Große Preise.
Donnerstag den 3. Mai: Abonnement-Vorstellung für den in dieser Woche ausgefallenen Montag. Mit fremden Federn. Vorher: Diana. Große Preise.
Freitag den 4. Mai: Zum ersten Male: Die Salontyrolerin. Posse mit Gesang in 4 Akten von E. Karl und E. Jacobsohn. Musik von Roth. Große Preise.
Samstag den 5. Mai geschlossen.
Sonntag den 6.Mai: Zum ersten Male wiederholt: Die Salontyrolerin. Große Preise.


