Beilage zu Jlr. 52 des „Achmer Anzeiger".
Darmstadt, 27. Februar. [Zweite Kammer der Stände.^ Die Abgeordneten -v. Rabenau, Bergsträßer und Wernher haben bei der -weilen Kammer der Stände beantragt: Großh. Regierung zu ersuchen, eine durchgreifende neue Reguiirung aller Beamtengehalte unter Berücksichtigung der Rangstellung, des Grades der zur Bekleidung des Amtes nothwcndigen praktischen und theoretischen Ausbildung, der Aussicht auf größeres oder geringeres Avancement und dergleichen in's Auge zu fassen und in den Ansätzen des Budgets folgender Ftnanzperioden in der Art zum Ausdruck zu bringen, daß für die betreffenden Kategorien der Beamten — Rangstufen — Gehaltsklassen gebildet werden, in denen ein Ausrücken in bestimmten Zeitläuften erfolgt, so daß mic Erreichung eines gewissen Dtenstalters — tadellose Dtensiführung vorausgesetzt — auch der höchste Gehaltssatz der betreffenden Rangstufe erreicht wird.
Abg. B re im er hat folgenden Antrag Angebracht: Mit Rücksicht auf die großen Lortheile, welche mit der Erleichterung des Besuches besser eingerichteter Lehranstalten für weite Kreise der nicht städtischen Bevölkerung verbunden sind, und zur Ausfüllung der Lücke, welche zwischen der Volksschule und dem darin ertheilten Elementarunterricht einer-, und der von der Realschule gebotenen höheren wissenschaftlichen Ausbildung andererseits bestehl, beantrage ich: Großh. Staatsregterung zu ersuchen, in nähere Erwägung zu ziehen, ob nicht durch Einrichtung, resp. Suboenlionirung von Mittelschulen dem vorhandenen Bedürfnitz genügt werden könne, und im Falle der Bejahung in dieser Frage dem Landtage eine geeignete Vorlage zu machen.
nn. Darmstadt, 29. Februar. [Zweite Kammer der Landstände.j Die Verhandlungen werden heute fortgesetzt. Nach Verkündigung einer Reihe neuer Einläufe erstattet der Abg. Heinzerling Bericht Namens des zweiten Ausschusses über einen Antrag des Abg. Haas, betr. die landwirthschaftltche Enquete.^
Hierauf wird die am Samstag abgebrochene Debatte über die Landwirthschaft, speciell über die obere landwirthschaftltche Behörde fortgesetzt.
Staatsminister Finger ergreift das Wort, um zu betonen, daß das Darniederliegen der Landwirthschaft nicht nur in Hessen, sondern in allen Theilen des Reiches beobachtet weide. Die Ursache sei wohl nicht in der allgemeinen Weltlage zu suchen. Es sei entschieden falsch, wenn man für diesen Niedergang nur einen Mann zum Sündenbock machen wolle, der ein eifriger, pflichttreuer und ein in gelehrten Kreisen geachteter Beamter sei. Der Grund liege tiefer als seither ausgeführt worden; er liege in dem Hineintragen der Politik und des Culturstreites in die landwirthschaftlichen Vereine. Hier sei der Krebsschaden, welcher eine gedeihliche Entwickelung unmöglich mache. Wenn am Samstag die Meinung aufgetaucht sei, daß die Regierung den Generalsecretär in die neu creirten Stellen mit hinüber nehmen wolle, dem sei nicht so, sondern es sei schon lange die Absicht der Regierung gewesen, eine Aenderung in dieser Richtung eintreten zu lassen. Die Regierung werde alles thun, um den vorgebrachten Klagen auf den Grund zu gehen, sie hoffe aber auch auf die Unterstützung des Hauses.
Abg. Gut fleisch rehabilitirt in längerer Rede den am Samstag so stark angegriffenen Generalsecretär, der in dieser Weise angegriffen wurde, weil er nur zwei Fehler habe: der eine sei, daß er Freihändler, der andere, daß er deutsch-frei- sinnig sei.
Abg. Metz-Gießen spricht sich in gleicher Weise aus.
Abg. Wasserburg vergleicht die am Samstag stattgehabte Debatte als einen wohlvorbereiteten Feldzug der nationalliberolen Abgeordneten gegen einen ihnen unangenehmen Mann, welcher auf Selten der Fortschritts stehe. In dieser Weise einen verdienten Beamten herunterzumachen und ihn vor dem ganzen Lande zu brandmarken, halte er nicht für taktvoll.
Abg. Bergsträßer bedauert, daß die Debatte eine solche Wendung genommen. Es sei doch nicht abzuleugnen, daß der Generalsecretär viel Gutes in unserer Landwirtschaft geleistet. Auch sei derselbe als Schriftsteller und Gelehrter im Reich stets anerkannt. Es sei bedauerlich, daß er es nicht verstanden habe, in der gewünschten Weise mit den Landwirthen umzugehen. Er habe aber auch die feste Überzeugung,
daß der Nachfolger ein wahrer Messias sein müsse, um allen Anforderungen die Spitze bieten zu können.
Abg. Möhn wünscht, daß man bei der Organisation der Oberbehörde vorsichtig zu Werke gehe, damit auch endlich einmal der Kleinbauer mehr in den Vordergrund trete und mehr Berücksichtigung finde. Seither habe dieses nur bei dem Großbauer stattgefunden.
Die Debatte, in welcher die Redner theils noch peisönliche Angriffe zu widerlegen suchten, theils mit der Frage der Art der Besetzung der oberen landwirthschaftlichen Behörde sich beschäftigt, dauert den ganzen Morgen.
Zum Schluß bringt der Abg. Osann einen Antrag ein, Titel I. und II. des Kapitels 59 an den Ausschuß zurückzuoerweisen, welcher Antrag einstimmig Annahme findet.
Morgen Sitzung.
UntverfitätS - Ghromk.
— Professor Kußmaul, der seine Straßburger Professur niedergelegt hat, wird nach Heidelberg übersiedeln. Dort hat er das Haus Kuno Fischcr's angekauft und für sich emrichten lassen.
— Ein gegenwärtig in Wien studirender reicher amerikanischer Student und Verwandter des Präsidenten Cleoeland, Harry Färber von Ehicago, hat seiner Vaterstadt 1,000,000 Dollar zur Gründung einer Universität nach deutschem Muster angeboten.
Landwirthschaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— [Dickschalige Eier.) Wer die Production seiner Hühner an Eiern -um Verkauf verwendet, hat ein Interesse daran, möglichst hartschalige Eier zu erzielen, die beim Transport nicht so leicht zerknicken und auslaufen. Auch werden dickschalige Eier von den Händlern aus demselben Grunde lieber gekauft als die dünnschaligen. Es muß sich daher der Hühnerzüchter angelegen sein lassen, von seinen Hühnern dickschalige Eier zu erzielen. Dazu gehört natürlich in erster Lime, daß ihnen Kalk in beliebiger Menge zur Verfügung steht, von dem sie nach Bedürfnitz aufnehmen können. Ganz ist indessen damit noch nicht geholfen, demr die Hühner mancher Rassen nehmen freiwillig nicht Kalk genug auf, datz derselbe zur Bildung harter Schalen genügt. Hier mutz auf künstliche Weise nachgeholfen werden, und dies geschieht, indem man den Hühnern kalkhaltiges Trinkwasser verabfolgt. Man wirft zu diesem Zweck in das für die Hühner bestimmte Trinkgefäß eine Hand voll gelöschten Kalk, von diesem löst sich eine geringe, aber ausreichende Menge in dem ganz klar bleibenden Wasser auf. Um das Aufrühren des auf dem Boden liegenden Kalkes durch die Hühner zu verhüten, kann man das Gefäß mit einem zweiten durchlöcherten Boden, unter dem der Kalk liegt, versehen, nölhig ist dies jedoch nicht. Der Kalk braucht so lange nicht erneut zu werden, als überhaupt noch etwas von ihm vorhanden ist. Man gießt nur immer wieder frisches Wasser auf. Der von den Hühnern so im Trrnkwasser aufgenommene Kalk hilft sehr viel zur Bildung dicker Eierschalen.
— (Anpflanzung von Farnkräutern.) Wer schattige Stellen seines Gartens unter Bäumen und im Gebüsch mit heimischen Farnkräutern schmücken will, wozu wir nur allgemein rathen können, den erinnern wir daran, daß schon jetzt die Zeit für die Frühjahrspflanzung der Farnkräuter gekommen ist. Denn für die Farnkräuter beginnt die Vegetationsperiode schon sehr früh, meist noch ehe der Boden vollkommen aufgethaut ist. Ein Verpflanzen nach begonnener Vegetation vertragen aber die Farnkräuter nur in den seltensten Fällen. Deshalb soll man schon jetzt die Wurzelstöcke der Farnkräuter von ihrem Standorte im Walde entnehmen. Dabei ist darauf zu achten, daß sie vom Mutterboden nicht entblößt werden, sondern datz ein gut Theil davon mitgenommen und die Pflanzstelle im Garten auch mit Heideerde vorbereitet werde. Nach dem Pflanzen sind die Wurzelstöcke wieder mit Moos zu bedecken.
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