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8 v k -r L e s.

Gießen, 29.Februar. Herr Hauptmann Walter vom 116. Regiment ist zum 83. Regiment nach Cassel kommandirt worden. Er versieht dort die Stelle des 13. Hauptmanns.

nr " nTu österreichische Gesangsquartett Ringler concertirte gestern Abend im Caf6 Leib und erfreute .sich eines regen Beifalls. Die Damen, welche in schönen öster­reichischen Rationalcostumen, in jeder Abtheilung in anderen, auftreten, haben durchweg gut geschulte frische Stimmen. Das Ensemble ist ein sehr gutes und zeugt von sorg­fältig,1er Eimtudtrung und es ist nicht zu verwundern, wenn die Sänger durch wieder­holten Beifall nach jedem Auftreten immer wieder zu zwei, häufig drei Zugaben ver­anlaßt werden.

Schiffs Nachrichten.

Bremen, 28. Februar. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Schnelldampfer Fulda, Capitän R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. Februar von Bremen und am 19. Februar von Southampton abgegangen war ist gestern 5 Uhr Nachmittags Wohlbehalten in Newyork angekommen.

Vermischtes.

Fulda, 28 Februar. Se. Kgl. Hoheit Prinz Wilhelm von Preußen passirte heute auf der Fahrt nach Karlsruhe um 5 Uhr 46 Min. Nachm. die hiesige Station und wurde Hochderselbe von einer zahlreichen Bevölkerung enthusiastisch begrüßt.

Mainz, 28. Februar. Am Sonntag Abend wurde hier bei einer Schlägerei, die sich zwischen mehreren jungen Leuten und dem Buchhalter eines hiesigen Bau­unternehmers entspannen, einer der ersteren von dem Angegriffenen erdrosselt. Dieses Vi»ikommniß hat sich bei der Untersuchung als ein Akt der Nothwehr herausgestellt. Der Buchhalter, der mit seiner Frau und einer anderen Dame ruhig seines Weges ging, wurde von dem Erdrosselten, einem als Raufbold bekannten 16jährtgen Schuh- macherlehrling, und dessen gleichgeartetem Begleiter ohne jeden Anlaß angerempelt und mit gemeinen Redensarten verfolgt, was den Buchhalter veranlaßt, dem einen der rohen Burschen eine Ohrfeige zu applictren. Dieses war das Signal für die beiden Angreifer, über den Buchhalter mit Messern herzusallen, der dann seinerseits einen der Beiden an dem Hals faßte und derb schüttelte. In Folge dieses Schüttelns ift mehrere Stunden später der Tod des Burschen eingetreten. Der Buchhalter, welcher sich alsbald der Behörde stellte, wurde von der Staatsanwaltschaft in Freiheit gelassen, später aber cuf Verfügung des Untersuchungsrichters wieder in Haft genommen.

Nachdem das Treibeis im Main ausgelaufen, hat heute die Kettenschlepp- schiffsahrt ihren Dienst wieder eröffnet und ist das Kettenboot Nr. 3 mit 11 leeren Schiffen heute Morgen von hier weggefahren. Leider haben Main und Rhein so-wenig Wasser, daß der Betrieb wohl nicht lange ungestört sein dürfte.

sDie Ueberbürdung der Schüler höherer Lehranstalten.^ Aus einer amt­lichen Kundgebung der preußischen Regierung über die vielbestrittene Frage der Ueber­bürdung der Schüler an unseren höheren Lehranstalten wird von einem Berliner Berichterstatter derMünch. N. N." eine bemerkenswerthe Stelle heroorgehoben. Vom Ministerium war bei sämmtlicken Oberpräsidenten und Provinzialschulräthen Umfrage gehalten worden.Einer der Oberpräsidenten", heißt es nun in der Zusammmstellung der Ergebnisse,welche die Thaisächltchkett der Ueberbürdung in Abrede stellen, macht darauf aufmerksam, daß der Ruf wegen Ueberbürdung vorzüglich in den sogenannten besseren Kreisen der Gesellschaft und viel weniger in den Familien laut wird, wo die ernste ausdauernde Arbeit und das mit Schweiß verbundene Ringen nach einem festen Ziele als anerkanntes und gern getragenes Lebensgesetz gilt." Einer der Prooinzial- schulräthe weist auf Fälle hin, in denen Schüler ohne Rücksicht auf die Seitens der Schule dagegen gemachten Vorstellungen außer Musikunterricht acht und mehr wöchent­liche Lehrstunden im Hebräischen und in talmudischer Wissenschaft erhalten, während man dennoch nicht Bedenken trägt, von einer durch die Schule verschuldeten Ueber­bürdung zu sprechen. Die Entschiedenheit der in erheblicher Zahl abgegebenen ver­neinenden Erklärungen auf die principielle Frage darf, fügt der Berichterstatter hinzu, als ein Zeichen dafür betrachtet werden, daß die Ueberbürdung der Schüler mit dem eexenwärtigen Unterrichtsbetriebe an unseren höheren Schulen nicht nothwendig ver­banden ist und daß dem hierauf gerichteten Vorwurfe nicht in der Allgemeinheit, in welcher er erhoben wird, Geltung kann beigemessen werden.

sNeuer Uebungsapparat zum Betäuben der Schlachtthiere.^ Seit Dielen Jahren betrachten es die deutschen Thierschutzoereine als eine ihrer Hauptaufgaben, die möglichst schmerzlose Tödtung unserer Schlachtthiere herbeizufübren. Diese gewiß an­zuerkennende Agitation fängt allenthalben an, Früchte zu tragen. Von vielen städtschen und selbst ländlichen Gemeindeverwaltungen wurde die Betäubung der Schlachtthiere mittelst Schlachtmaske oder Stirnschlag in den letzten Jahren etngeführt und sonst bestehende Thierquälereien, welche eine Folge von Unkenntniß und Schlendrian waren, abgeschafft. Berlin, welches schon im vorigen Jahre mit wesentlichen Verbesserungen in Bezug auf die Schlachtung des Kleinviehs vorgegangen ist, hat nun auch in Bezug auf die Schlachtung des Großviehs eine höchst anerkennenswerthe Einrichtung getroffen. Unter dem Vorsitze des Herrn Stadtraths Borchardt hat eine vom Kuratorium des städtischen Viehhofs für die Reform des Schlachtbetriebs eingesetzte Commission einen Lehrapparat (nach einem Modell des Herrn Stadtverordneten Henz) herstellen lassen, an welchem die Schlächterlehrlinge Unterricht im Schlagen der großen Schlachtthiere erhalten, ehe sie ihre Gesellenprüfung machen. Diese Prüfung soll von einer zu

Gingesandt.

rmi , . , Gießen, 29. Februar,

k u aus,dem Bericht über die letzte Stadtoerordnetensitzung ersehen, hatte der hiesige Turnverein um die Anstellung eines Turnlehrers für die Schulen petttionirt

^©runbe, welche den Turnverein resp. den Vorstand desselben zu diesem l^naer n fUr ^rechtfertigt halten. Ist doch derselbe schon seit einer

längeren Reihe von Jahren zu der Ueberzeugung gekommen, daß trotz der tüchtigen Leitung der Turnwarte die Resultate des Turnunterrichts im Vergleiche mit denjenigen früherer ^ahre nicht solche sind, welche man erwarten könnte. Die Gründe hierfür

ÄUnleVer in der mangelhaften Vorbildung in der Schule zu c n* Während der früher durch einen Fachlehrer unterrichtete Knabe nach seiner Entlassung aus der Schule die nothige Vorbildung mitdrachte, hat sich, seitdem das Turnen als obligatorischer Unterricht eingeführt ist, ein fühlbarer Rückgang in den Leistungen der Zöglinge bemerkbar gemacht. Wenn wir auch nicht an dem nöthiaen h *rtnnb/Cr Ä seitens der Lehrer an diesem Unterrichte zweifeln, so dürfte es doch für einen Fachmann klar sein, daß ein seminaristisch gebildeter Lehrer, welcher, wie in der Petition erwähnt wurde, dem Turnen vorher fremd stand und nur durch einen vlerwöchentlichen Cursus als Lehrer des Turnunterrichts ausgebildet wurde, sich E/ in dieser Zett die nothtgen Fähigkeiten zur Erthetlung eines ersprießlichen Unter; ri«tes anzuetgnen vermag. Vor allen Dingen ist doch eine längere Hebung, Auswahl des Uebungsftoffes und Kenntniß der einzelnen Uebuugsarten nothwendig, was man m Wochen und nicht in 4 Monaten erlernen kann, lieber die spätere

2luSbilbun0 Seitens der Lehrer in Lehrer-Turnvereinen, bei welchen das Turnen großtentherls, d. h. wenn solches überhaupt ftattfindet, abwechselnd von den Thcil- geleitet wird, wollen wir uns jeder Kritik enthalten; ein Urtheil über diese Ausbildung, welche in diesem Alter noch erzielt wird, wird derjenige, welcher nur einigermaßen mit den turnerischen Verhältnissen betraut ist, sich selbst bilden können Anerkennenswerth ist es, daß der Staat jährlich eine gewisse Anzahl Lehrer für diesen Unterricht durch einen vierwochentlichen Cursus ausbilden läßt, da nicht jede Gemeinde »?0ec.tn dürfte, einen besonderen Turnlehrer anstellen zu können, aber da wo

ks geschehen konnte, sollte es doch auch geschehen. Wer möchte wohl heute noch an dem Nutzen der Turnerei Zweifel hegen ? 300000 Turner finden wir im Deutschen ^"iche und nrcht ohne Erfolg ist gewiß das Turnen für den Militarismus, für den dasselbe außer der nicht zu unterschätzenden Wirkung auf den eigenen Körper in erster Linie Sorge trägt, geblieben. Und gerade jetzt erscheint es uns, durch die Vermehrung der Wehrkraft, mehr wie je geboten, für die Sache einzutreten. Warum sollie man den Turnverein nicht in feinen Bestrebungen, bie ja für das Wohl des Vaterlandes bestimmt sind, unterstützen? Im Interesse der edlen Turnerei und im ^inne eines großen Therles unserer jüngeren Bürgerschaft glauben wir den Wunsch aussprechen zu dürfen, unsere verehrt. Stadtvertretung sowohl wie unser hochlöbl. Schulvorstand mochte sich den Worten des Herrn M. Hornberger, welcher als Mit­glied des Stadtraths und des Schulvorstanbes sich gewiß den Dank aller Turner und Turnfreunde durch die thatkräftige Unterstützung der eingereichten Petition erworben har, anschließen und bei nächster Gelegenheit der Anstellung eines Turnlehrers ihre Zustimmung nicht versagen.

Mehrere altere Turner und Bürger.

Ehrlich zweimal öorgenemmen werden und nur derjenige Geselle, ,ÄaLskz!:L^'°nd«.h°r. wirb äur Zöbtung bet Irrere auf

... .Wer da weiß, welche arge Quälereien durch die Schlächterlehrlinae bei den a~ sehenden Thiere begangen werden, wie nicht selten^das arme Hihnma m erläge erhält, bis es endlich zusammenstürzt, wird die Ein­

führung dieses höchst zweckmäßigen Ucbungsapparats in allen Schlachthäusern wo n!rma?t?n,?Ä^^et werden, dringend wünschen müssen. Es sollte keine Schlachthaus- verwaltung oder Gemerude die geringen Kosten scheuen, welche die Anschaffung eines solchen Uedungsapparates verursacht. ^umwjung eines

San Remo, 29. Februar. sPrlvatdepesche desGießener Anzeigers".! Nach j einem geftrigert Erstickungsansalle war das Befinden Sr. K. u. K. Hohen deö Kron- - Prinzen während der Nacht relativ befriedigend.

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Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgase».

Februar 1888: 19 vorschriftsmäßige Kerzen.

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Betreffend: Die Mathildenstiftung für Oberhessen.

Bekanntmachung.

In dem Voranschläge der Mathildenstiftung für Oberhessen sind für das Jahr 1887 930. vorgesehen, welche zu wohlthätigen Zwecken verwendet und womit in erster Linie die in der Provinz bestehenden Kleinkinderschulen bedacht werden sollen.

Es werden hiernach die Vorstände solcher Schulen, für welche eine Subvention gewünscht wird, aufgefordert, ihre desfallsigen Gesuche, mit welchen eine möglichst ausführliche Mittheilung über Ausdehnung, Mittel und Bedürf­nisse der betr. Anstalt zu verbinden ist, bis zum 3. März L I. an den Unterzeichneten gelangen zu lassen.

Gießen, am 18. Februar 1888.

Der Vorstand der Mathildenstiftung für Oberhessen.

___Dr. Boekmann.__

Freiwillige Krankenpflege im Kriege.

Unter Bezugnahme auf die Aufforderungen vom 21. v. M. und 5.4. M. werden alle Diejenigen, welche zur Uebung freiwilliger Krankenpflege bereit sind Damen wie Herren auf

SamStag den 3 März l. I., Abends 6 Uhr,

zu einer Besprechung in die große Aula des Universitätsgebäudes eingeladen. Die Herren Professoren Dr. Bose und Dr. Riegel werden die Güte haben, dabei nähere Mitthellungen über die zu stellenden Anfordenmgen und Zeit und Ort des Unterrichts zu machen.

Gießen, den 28. Februar 1888.

Der Vorstand des Hülfsvereins.

Dr. Stammler.