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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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-~ . .. <mrtM*AAa Preis vierteljährlich 2Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Drrreau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

Amtlicher Hheil.

Gießen, am 26. März 1887.

23 etreffenb: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobilmachung.

Die Großherzogliche Krris-Schul-Commission Gießen

1. Eivilstellung,

5. Bezirk des Landwehrbataillons.

4. Genaue Angabe des Truppentheils, Regiment, Compagnie rc., bei welchen der Eintritt erfolgt ist und Datum des Letzteren,

Meldung. Mehrer oder Schulverwalter, die als allein stehende Lehrer zur Rcclamation berechtigt sind, wollen Sie sofort benachrichtigen. 1 Dr. Boekmann.

2. Vor- und Zunamen,

3. Militärcharge und Truppengattung, -«............7------------

Sei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits früher bei uns reclamirt haben, bedarf es der Angaben 15 nicht, es genügt hier einfache

an die Schulvorstärrde des Kreises.

Sie wollen die Lehrer oder Schuloerwalter Ihrer Gemeinden, welche militärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuchs um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung innerhalb 8 Tagen bei uns einzureichen sind. Später einlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden.

In den Gesuchen ist anzugeben:

Beim Etat des Reichseisenbahn-Amts erklärt sich

Abg. Lingens (Ctr.) befriedigt darüber, daß durch Einstellung der erforder­lichen Summe in den Etat den Beamten die Sonntagsruhe ermöglicht werde.

Ferner werden genehmigt die Etats der Reichsschuld, des Rechnungshofes, des allgemeinen Pensionsfonds, des Reichstnvalidenfonds, der Zölle und Verbrauchssteuern und der Reichsstempelabgaben.

Beim Etat der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung berührt Abg. Lingens (Etr.) abermals die Frage der Sonntagsheiligung.

Direcror im Reichspostamt Fischer erklärt, daß die Postoerwaltung fortgesetzt bemüht sei, den Beamten die Sonntagsheiligung zu sichern.

Abg. Struckmann (natlib.) befürwortet die Idee der Errichtung von Post­sparkassen. , c .

Staatssecrctär Dr. v. Stephan erklärt, daß dieser Entwurf an dem Widerstand der Majorität des vorigen Reichstages bedauerlicher Weise gescheitert sei. £)b der Entwurf, resp. wann er wieder vorgelegt werde, darüber schweben noch Erwägungen.

Abg. Richter (dfr.): Richt bedauerlicher-, sondern glücklicherweise sei der Ent­wurf abgclehpt worden, weil derselbe völlig verfehlt gewesen sei.

Abg.^Or. Windthorst bestätigt dies; bei erneuter Vorlage möge man die ein­schlägigen Verhältnisse gründlich prüfen. . ,r. , .

Staatssecretär Dr. v. Stephan erklärt, daß es daran nicht gefehlt habe, namentlich auch sei dies durch den Staatsrath geschehen. rr

Abg. v. Benningsen (natlib.) wünscht, daß der Versuch der Emfuhrung der wohlthätigen Einrichtung der Postsparkassen bei uns wiederholt werde unter Beseitigung der bemängelten Bestimmungen. c rr,

Abg. Richter (dfr.): Der Staatsrath repräsentirt nur das berufsmäßige Beamtenthum und besitzt dem Reichstage gegenüber keine Autorität. Ucbrigens seien unsere Eommunalsparkassen eine Einrichtung, um die uns das Ausland beneide.

Abg. Dr. v. Frege (cons.) bestätigt dem Abg. Richter, daß auch die sächsischen conservativen Abgeordneten wesentliche Bedenken gegen den früheren Entwurf gehabt hatten.

Das Präsidium des Hauses wird auf Vorschlag des Abg. Windthorst für die Dauer der Session wiedergewählt.

Nächste Sitzung Dienstag den 19. April.

Wußland.

Petersburg, 28. März. DemRegier.-Anzeiger" zufolge antwortete der Kaiser aus die ErgebenheitL'Adresfe de: hiesigen Universität: Er danke der Universität und hoffe, daß sie durch die That, nicht blos auf dem Papier ihre Ergebenheit beweisen und sich bemühen werde, den schweren Eindruck zu ver­wischen, welchen die Betheiligung von Studenten an dem jüngsten verbrecheri­schen Plane aus Alle ausgeübt habe; möge Gott die Universität zu allem Guten segnen!

Kattkow ist hier eingetroffen.

KeiÄstaa.

E. R. Berlin, 28. März 1887.

Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung des Etats.

Abg. Lingens (Etr.) richtet die Aufmerksamkeit der Negierung auf den Mädchen­handel, welcher von den holländischen Häfen aus betrieben werde.

Director im Auswärtigen Amt Hellwig erwidert, " ,ß die Regierung derartigen Mittheilungen stets sorgfältige Nachforschungen folgen Ia{<; häufig aber wußten die jungen Mädchen, was ihnen in den fremden Ländern bevorpand.

Abg. Lingens (Etr.) bittet um Vorlegung der Originalberichte der Fabrrk- inspectoren. tt _ .

Abg. Götz (natlib.) wünscht ein strengeres Vorgehen gegen die Kurpfuscher.

Abg. Struckmann (natlib.) bittet um Auskunft über den Stand der Ver­handlungen wegen Bekämpfung der Trunksucht.

Staatssecretär v. Bötticher: Es sei deswegen eine Enquete bei den Bundes­regierungen angestcllt; die Antworten ständen noch aus; die Anstellung der Aerzte bet den Krankenkassen sei Sache der betreffenden Corporationen.

Der Etat des Reichsamts des Innern wird hiernach genehmigt; desgleichen debattelos die Etats der Verwaltung des Reichsheeres, der Marine, der Reichs^ustiz- yerwaltung und des Reichsschatzamts.

Ataüeu.

Rom, 28. März. Das Ministerium des Aeußern veröffentlicht einen Bericht des Generals Gen6's an Robilant, aus welchem hervorgeht, daß Gen6 800 Gewehre an Ras Alula gab m der Hoffnung, hierdurch die Expedition Saltmbeni's befreien zu können. Die Mitglieder der Expedition hatten erklärt, Ras Alula habe geschworen, sie sreizulaffen, wenn Genä das von ihm Verlangte übersende. Aus den Erklärungen des Expeditions-Mitgliedes Piano geht hervor, Ras Alula habe vor seinen Untrr-Feldherrn erklärt, der Negus mißbillige fein Verhalten und wünsche den Frieden um jeden Preis, gleichwie er (Ras Alula) selbst. Auch fürchteten sich nach der Aussage Piano's die abyssinifchen Führer vor einem Kriege mit Italien, insbesondere besorge Ras Alula, daß der König von Schoa, Menelik, sich mit den Italienern vereinige.

Der Papst hat Monsignore Galimberti die Genehmigung ertheitt, das ihm vom deutschen Kaiser verliehene Großkreuz des Rothen Adler-Ordens anzunehmen.

Deutschland.

Berlin, 27. März. Die Kaiserin empfing heute Nachmittag den päpst­lichen Abgesandten Mgr. Galimberti und den Abgesandten des Sultans Alt Nizami Palcha in Audienz und machte darauf eine Spazierfahrt.

Kiel, 28. März. Die Stadt Kiel brachte gestern Abend dem Prinzen Heinrich einen Fackelzug, an welchem sich 2500 Fackelträger mit 10 Musik- Corps beseitigten. Auf die Ansprache des Oberbürgermeisters, in welcher der­selbe dem Prinzen anläßlich deffen Verlobung die Glückwünsche der ^tadt aus­sprach, dankte der Prinz in bewegten Worten und schloß mit einem jubelnd ausgenommenen Hoch auf Se. Maj. den Kaiser.

Frankreich.

Paris, 28. März. Die Berathung der Supplementar-Kredite für die Finanzverwaltung, wobei dem Vernehmen nach das Cabinet die Vertrauens- Frage stellen wird, soll am nächsten Donnerstag in der Deputirtenkammer stattfinden.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Brrre-u*

Berlin, 28. März. Se. Majestät der Kaiser, welcher gestern kurze Zeit au'- gestanden war, hatte eine gute Nacht und schlief mit geringen Unterbrechungen. Ter Erkältungszustand hat sich wesentlich gebessert.

Berlin, 28. März. Der Kaiser nahm heute den Vortrag Wilmowskr's entgegen.^, 2g, Die'Köln. Ztg." berichtet über eine gestern stattgehabte Unterredung ihres Berichterstatters mit Galimberti, worin letzterer äußerte, daß mit der Annahme der gegenwärtig vorliegenden kirchenpolitischen Novelle sich die Be­endigung des Eulturkampfes und der Abschluß eines Friedens zwischen Preußen und der Eurie vollziehe. Den Centrumsführern sei diese Auffassung kundgegebcn. 11 °rbCn©criitt, 28. März. DieNordd. Allg.Ztg." reproducirt einen besonders herz­lichen Artikel des vatikanischenMoniteur de Rome" anläßlich des Geburtstages des deutschen Kaisers, worin es heißt, die Gegenwart des Vertreters des Papstes verleihe dem Geburtsfeste die Fülle seiner hohen Bedeutung; zum ersten Male fei em Abge­sandter des Heiligen Stuhles nach Berlin gegangen, um die Annäherung des Sacer- dotium an das Imperium zu symbolisiren; es sei zu hoffen, daß dieses Mt und bie Anwesenheit des päpstlichen Delegaten dazu beitragen werde, die Werke des Kirchcn- friedens zu vollenden, dessen Morgcnröthe sich über der Kirche Preußens erhebt, Dank den vereinten Anstrengungen des Kaisers, des Papstes und ihrer Minister.

An anderer Stelle constatirt dieNorddeutsche", wie angenehm es an aller­höchster Stelle und in Militärkreisen berührt habe, daß der Herzog von Aosta trrit seines kurzen Aufenthalts in Deutschland sein Casseler Husarenregiment besucht ha'. es werde angenommen, daß dies im Auftrage des Königs von Italien geschehen m. Man erblicke darin ein erfreuliches Zeichen des regen Interesses, welches die ttalter.if .i e Herrscherfamilie für die preußische Armee hat.

München, 28. März. Msgr. Galimbertt traf heute Vormittag von Berlin hier ein, wurde auf dem Bahnhofe von dem Nuntius di Pietro empfangen und reiste als- bald ^^^^^28?März. In dem Anarchistenproceß wurde heute das Urtheil gelallt; es wurden 13 Angeklagte zu schwerem Kerker von 1 bis 20 Jahren verurtheüt, ent Angeklagter wurde freigesprochen. des Unter-

London, 28. März. Unterhaus. Smith, kann über die Osterferien des u Hauses nichts sagen; so nothig die Ferien auch sind, muß zuvor die zu eite t) 0