Schulstroßc 7.
Wochen - Ueberstcht.
glücklich erfolgten Heimkehr des Czaren ist merkwürdiger Weise die Veröffentlichung der erwarteten russischen Zollerhöhunaen zusammengefallen. Dieselben beziehen sich theils auf Nahrungs- und Genuß- mittel wie Limonen, Pfeffer, Zimmt, Häringe, gedörrte Fische u. s. w, theils aus industrielle Produkte, wie Rohbaumwolle, verschiedene Gewebe, allerhand «Kurzwaaren, Spitzen, Tischler- und Drechslerwaaren, Baumwollengarn, land-
Greßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Nusnshme des MorrtirgH. vierte!jLl)rlich 2 Mark 20 Pf. mit BrLnarrlobn.
?^"c;t bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
„ . . Gießen, 26. November.
A , ..uuter dem Eindrücke der in der deutschen Reichsbauvtkadt llatL- gehabten Monarch en-Begegnung vollzog sich diesmal der Uebergang aus der vorigen in die jetzige Woche und mit erklärlichem Eifer wurde da allfeitia dle ^age erörtert, ob und welche politische Bedeutung der Zusammenkunft
3’??t!acten $uropas »uzumcffen sei. Aber ebenso- wenig hteruoer wie über die weitere Frage, welche Wirkungen dieses Ereianin Mgcn werde, hat sich eine allseitige Uebereiustimmung constatiren lassen und
b:e®mkes in der Begrüßung Kaiser Wilhelms durch den Czaren eine ae- wichtige Friedensbürgschaft erblicken, so gefallen sich dafür die Andern nur üt ZE^ln. Dem gegenüber erscheint daher bei der Beurtheilung der Grüner Kaffer-Entreoue ein- oorläusigs Reserve geboten, vielleicht, daß "sich au« dem erknnen Bi fePR Ergebnisse der Entrevue bald
Mr« qm« . ^^enfallr verdient aber die sensationelle Enthüllung der „Köu>. Ztg. reMrwt zu werden, wonach bei der fünfviertelstündigen Unterredung zwischen Alexander III. und dem Fürsten Bismarck festgestellt worden sei, Mil?»0” nei? E-rren durch «gefälschte Briefe" Bismarck'«, die angeblich orlea- nistisHni^Ursprungr fein solle», über die bulgarische Frage dupirt habe, sogar
CW^^tti3Mh f0!1 * bie Angelegenheit hineinspielen. Fall« diese "- Mitth ilung dem wahren Hergangs entspricht, so wäre ja der V,8r A#^’fsn seinoseligen Haltung gegeben, welche Rußland seit J^gr und Tag Deuffchland gegenüber beobachtete und dann könnte man aller- i ötngä an der hohen politischen Bedeutung der Czarenbesuches in Berlin nicht R!« Vorläufig wird man aber sowohl über die Fälschung der
Bismarckfch-n Briefe und Depeschen, wie über die Berliner Hof-Jntrigue noch werere Abklärungen abwarten müssen und kann für jetzt nur in dieser ganzen ä«” •"“* äuf,,*'e “• -»'«>*-! 27 ™®t?|XÜr!l®e0oö' ?er Sohn der russischen Kaiserpaarer, geb. ^7 Mai 1871, ist zum Lieutenant L la suite der 1. preußischen Ulanen-Regi- mentr wiicher seinen erlauchten Vater zum Chef hat, ernannt worden. Mit dieser Ernennung gehören »unmehr nicht weniger al« 10 Mitglieder der rufst- scheu Kaiserhauses der preußischen Armee an. '
Die Meldungen au« San Remo über dar Befinden des Kron- ?reJtirfa» !tlJelt ^liigen Tagen wieder etwas günstiger und liegen vorläufig Rke.m örtlichen Leiden v-s hohen Kranken keine Erscheinungen vor, welche dem- nächst einen operativen Emgriff nöthtg machen würden. Der günstige Eindruck b^lr^chuUnr80e" rolrb durch die Meldung erhöht, daß Professor Virchow, welchem o,e letzte Äusschewung aus dem Kehlkopfe de» erlauchten Patienten
Bestaudlheile nicht gesunden hat. Nur enthält diese an -sch recht tröstliche Nachricht einen wieder etwas abschwächenden Nachsatz, in welchem es heißt, daß die Absonderung in sehr „desormirtem" Zustande in 2561110 eingetroffsn sei, so daß Virchow den genauen Charakter der Ausscheidung i wahrsc^emlrch mcht hat feflstellen können. — In einem von den Berliner Blättern veröffentlichten Schreiben des Hosmarschalls des Kronprinzen, Grafen Rado^ linskr, ro.ib ber Dank des Kronprinzen für die unzähligen, ihm zugekommenen TheckMhms-Bezeugungen und Rathschläge zur Hebung seines Leidens ausgesprochen. — Der Bezirkstag von Lothringen drückte dem Kaiser telegraphisch bie schmerzlichste Thellnadme dieser Körperschaft an der Krankheit des Kronprinzen und deren Wünsche für die Genesung des erhabenen Kranken aus I
Das bedeutsamste Ereigniß in der inneren Politik'des Rercyes bildete oer am Donnerstag erfolgte Zusammentritt des Reichstages ru seiner neuen Session, die an Reichhaltigkeit und Bedeutung des Arbeitsmaterials ihrer letzten Vorgängerin schwerlich etwas nachgeben dürste. Die Zusammensetzung des Reichstages läßt hierbei die Hoffnung gerechtfertigt erscheinen, daß ««5 le, n£U1J’e6£T"e S°U°N in jeder Beziehung ersprießlich uno fegens- reiÄ für bas Reich und f-me Glieder gestalten werde. Die Thronrede nun wen- auf das schwere Leiden des Kronprinzen und die bekundete Theiinahme der gelammten Nation hm und bemerkt dann, zu den Aufgaben des Reichrtages übergehend, daß Der Etat eine etwas bessere Finanzlage aufweife. Weiter zählt dte Thronrede al« hauptsächlichste Vorlagen auf: Die Erhöhung der Getreide- Ms, das Landwehr- und das Landsturmgesetz zur Stärkung der Wehrkraft, bie beschränke Haftpflicht der Genossenschaften, die vorläufige Verlängerung des Han- oeiSvsrtrages mit Oesterreich. Hinsichtlich der auswärtigen Politik erklärt die Thronrede, daß Deutschland bemüht sei, den europäischen Frieden durch freund- schaftiiche Beziehungen zu alle« Mächten, wie durch Verträge und Bündnisse zu befestigen, welche den Kriegsgefahren vorbeugcn und ungerechten Angriffen ent- gsgentreten lassen. Zum Schluß versichert die Rede, das deutsche Reich sei nicht ammffslustig, ihm sei die unchriftliche Neigung zu Üeberfällen benachbarter Völker fremd, das Reich wolle vielmehr nur stark sein zur Abwehr uno Ver- i theidigung. — Dieser Schlußpaffur dürste sich für Rußland wie Frankreich der Beacytung empfehlen.
November. ^Sitzung der Stadtverordneten vom 24. November.'! Burgermerster B r a m m, Herren Beigeordneten G n a u t h und Keller, Seitens der Stadtverordneten die Herren Baist, Georgi, Grünebera Haustein S°7b-rg-r, Jughardt, Kauf, Ad. Noll, Aug" N-ll, P-tr?, ä Pl-ch' Scheel, Schopdach, Srmon, Vogt und Wallenfels. — Die Beratbuna des Sßuntie in bemklbm n Tagesordnung gestanden, fällt aus, da Einige
noch Anstande ergeben haben, über welche nochmals in der Com- Mission zu berathen ist. — Bürgermeisterei Mainz wünscht Auskunft über die hierorts I ^"trolmaßregeln bfi Einführung von denaturirtem Spiritus.
I barae?pntin “l £CIl ^dieser Hinsicht von Herrn Octroicontroleur
I ^legten Vi)rschlägen, daß denaturrrter wie anderer Spiritus der Octroi-
I fiJt m r e <S^bt--1?Orr9e^rt roeri)cn muß, einverstanden erklärt
j .^e Versammlung in ähnlichem Sinne und sollen die betr. Beamten
| 1879 ?* l * * * *re rocr bie Verpflegungskostcn für zwei im Jahre
I Cfl?fCns aca&. ©ofpttal aufgenommene am Necurrenzfieber Erkrankte zu er-
I loll durch Klage gegen den Ortsarmenverband Gießen entschieden
I werden die Aussagen der betr. Kranken über ihre Heimath resp. ihren Unterstützunas- I ^?d"sitz $a?en ßch als nicht richtig erwiesen und muß deßhalb, da dies auch nicht er- | Äjr?* ^brden kann, angenommen werden, daß sie landarm waren. — Gegen den Be- I JS1»6 1 Stadtoerordnetenoersammlung vom 20. October, die von dem Gießener
Eisoerein wr das Jahr 1886/87 zu entrichtende Pacht für das von demselben als I ?^"^te Gelände in Anbetracht der günstigen Grasernte auf 100 herab-
I I a? bat et§oerem ein Gesuch emgereicht, in welchem um Festsetzung dieser
I Dauer von lOJahren gebeten wird. Die Baudeputation hat beantragt,
I ?’^bsuch ^icht stattzugeben, dagegen an der jährlich zu entrichtenden Pacht von 200jfc I h^%ten‘ Ste tritt diesem Anträge bei. — Gegen Punkt 5 „Stellung
I Ur bas Jahr 1886/87" werden Einwendungen Seitens der Versammlung
I ?nMnnlB 2u ^s^'^^^^tzung des Preises für das den Joh. Schleuning Erben I Sr Sncte' Klinikbauten verwendete Gelände hat dte Baudeputatton be- I spreiS von 40 pro Quadratmeter festzuhalten, welcher Preis Seitens
murBPen .er ^menigen hier mit in Frage kommenden Grundbesitzern zugesprochen au^ ^/tche sich ^oh. Schleuning's Erben vorher berufen und erklärt hatten, auf Expropriation zu verzichten, wenn ihnen derselbe Preis zugesprochen würde, welchen a«6 eT;acra^tcn; Daß diese Erklärung in der Voraussicht gegeben worden,
TteJen' aI£?en ursprünglich auf 60 festgestellten, zu welchem SZleuntng s Erben den Vertrag nicht unterzeichnen wollten, konnte die Baudeputatton
I mcht bestimmen, über das Angebot von 40 -H htnauszugehen, da eine Mehrbewilligung des Prozeffes zum Nachtheil der Stadt beeinflussen könnte und man die Ansicht vertrat, daß, wenn anstatt 40 70 H oder noch mehr Seitens der Experten festgesetzt worden wäre, die Stadt sich auch zur Zahlung des höheren Preises hätte verstehen müssen. amm!un0 mit dem Anträge der Baudeputation einverstanden. — Der in Ausführung eines früheren Beschlusses vorgelegte Plan über die Bepflanzung der Zulage wird genehmigt. Nach demselben sollen auf der Strecke Neustädter Thor bis Homberger sche Fabrik auf der Außenseite neue Bäume, und zwar in einem Ab- stano von ca. 6/8 Meter, zwischen die vorhandenen alten Bäume gepflanzt mid letztere erst dann entfernt werden, wenn erstere sich so entwickelt haben, daß sie einigermaßen Schatten spenden, also in 2 bis 3 Jahren. Auf der zweiten Strecke, zwischen der scheu Fabrik bis an die Rosenbaum'sche Besitzung, müssen wegen der dort oesindltchen Erhöhung beide Baumreihen entfernt und nach Tieferlegung des Fußwegs neue Baume angepflanzt werden. Von der Rosenbaum'schen Besitzung bis an dre ^.ampfmolkerei soll vorerst nur die äußere Baumreihe neu angelegt werden, da wegen der in Aussicht stehenden Ileberwölbung des Schoorgrabens und Bebauung der dortigen Grundstücke dte Anpflanzung der inneren Nethe noch nicht vorgenommen werden kann. Die Strecke von der Dampfmolkeret bis in die Gegend der Mädchenschule endlich soll mit 3 Baumreihen bepflanzt werden, da hier eine eigentliche gartnensche Anlage sich nicht empfiehlt. Auf die Anfrage des Herrn Baist, aus welchem Grunde Herr Rosenbaum zu seinem Besitzthum zwei Einfahrten habe, bemerkt
der Herr Vorsitzende, daß er darüber in den Akten nachforschen werde. — Der Vor
anschlag über einen Thetl Fuhr- und Planirarbeit zum Ausbau der Ostanlage
über 1697 70 H wird genehmigt. — Gegen die Vermiethung des nordöstlichen
Thorhauses am Wallthor an die Herren Gebr. Röhrle Mt die Versammlung nichts
einzuwenden, sie erklärt sich auch einverstanden mit der Erhöhung des Miethpreises auf 300 JL pro Jahr. Herr Barbier Nolte, welcher dieses Haus seither bewohnt, wird auf diesbezügliches Gesuch von dem Niiethoertrage entbunden. — Das Gesuch
Ar* 277 Blatt. Sonntag den 27. November
- uknb ®erätH u. dgl. mehr. Jedenfalls IwM disss
umfassende Zollmaßregel zu dem Czarenbesuche in Berlin nicht recht passen da MaLffftärR »«- t-i* M w».
I o- sriedüchen Auffassungen von der Bedeutung des Czarenbesuches «b^bser Tage gemeldeten bedeutenden Trupvenverschiebungen im südwestlichen Rußland in einem eigenthümlichen Gegensatz^ 8 ' ”e,tUc9en
„ ~^.n ^er bulgarischen Hauptstadt wurde der Jahrestag der Schlacht von Slwmtza durch ein Festmahl glänzend gefeiert, an welchem auch Fürst
SU9re^. fa"ble letzterer ein Glückwunsch-Telegramm an b ,s^estl'chen Sieger von Slivnitza, den Prinzen Alexander von Battenberg, m8. be^ Bulgarenfürsten an die Adresse des „Battenbergers" in ^"leitenden Petersburger Kreisen stark verschnupfen dürfte. — In diesen ^ofia bte Ankunst der Mutter des Fürsten Ferdinand, der Prinzessin Clementine von Coburg, erwartet. Die Prinzessin gilt als eine ebenso energische wie kluge Frau, so daß ihr Rath ihrem Sohne in dessen rw-npff*961 ®kteault£ Aelleicht nicht ohne Nutzen sein wird; freilich darf nicht gestistet^h"^^"' ^^lomaten in Weiberkleidern schon viel Unhell an-
Straßenunruhen scheint in Folge der von ^^öuschen Regrerung ergriffenen ernstlichen Maßregeln der erwünschte Still- Ä ^Setreten zu sein. Dafür macht ihr jetzt die auf amerikanischem Boden Dynamitverschworung zu schaffen, von deren Trägern die englischen h und Riegel haben. Ueber Umfang und Trag-
dieser Verschwörung ist indessen, noch nichts weiter bekannt, als daß sie bezweckte, in England größere Dynamit-Explosionen herbeizuführen.


