1887.
Mittwoch den 26. October
M 249
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Surean r Schulst raße 7.
ESS
Hiernach ebenmäßig bedeuten.
Finger.
! münde anzutreten und hierbei dem deutschen Kaiser einen Besuch abzustatten, ! bat nunmehr auch die „Nordd. Allg. Ztg." ein weiteres, freilich verspätetes
Breis nicrtelfährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlabn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Dementi folgen lassen. Das Berliner Regierungsblatt erklärt die bezügliche Meldung des „Rttzau'schen Telegr.-Bureaus" als eine „müßige, wenn nicht „böswillige" Erfindung, die lediglich antideutschen Tendenzen dienen sollte; der Umstand, daß „Ritzau's Bureau" bislang noch keinen Versuch gemacht hat, fich zu rechtsertigen, spricht allerdings nicht besonders für dasselbe. Ungewiß bleibt aber noch immer die Route, welche die Czarensamilie bei der Heimreise einzuschlagen gedenkt. Französtsche Blätter wtsien allerdings zu melden, die russtschen Majestäten würden über Schweden zurückkehren und fänden zum Empfange der erwarteten Gäste bereits Vorbereitungen in schwedischen Schlössern statt, aber dies scheint vorläufig wenigstens eine ganz willkürliche Combination zu fein. Derselben widerspricht die große Beschwerlichkeit einer Reise von Kopenhagen über Schweden nach den russischen Ostseehäfen zur jetzigen Jahreszeit, zumal da hierbei aus dem Dampfer in den Bahnwagen, aus letzterem wieder auf den Dampfer und von diesem nochmals in den Bahnwagen übergegangen werden muß. Vielmehr ist es nach Andeutungen rufstscher Blätter nicht ausgeschlossen, daß die Heimkehr der Czarensamilie doch noch über deutschen Boden erfol
gen wird.
Der Bundesrath hat zwar schon seit einiger Zeit seine regelmäßigen Wochen Sitzungen ausgenommen, dieselben waren aber nur der Erledigung von Angelegenheiten gewidmet, die mit der bevorstehenden Reichstags-Session m keinerlei Zusammenhang standen. In dieser Woche sollen nun die Lpecial-Etat» des Reichshaushalts im Bundesrathe zur Vertheilung gelangen und fosorr oen Ausschüssen überwiesen werden und von der Erledigung dieser Speciat-^talS rm Bundesrathe hängt erst die Festsetzung des Termins für die Elnberufung des Reichstages ab, da hierüber zwischen dem Reichskanzler und dear Staatsfecrekär v. Bötticher in Friedrichsruhe noch keine bestimmten Beschlüsse gefaßt worden find und auch nicht gut gefaßt werden konnten. Alle Meldungen über den Zeitpunkt des Reichsparlamentes, denen zufolge die Einberufung bald gegen den
Politische Ueberstcht^
Gieße«, 25. October.
Kaiser Wilhelm refidirt nunmehr wieder in der Reichshauptstadt zum bändigen Winterausenthalt und haben somit seine größeren Reisen für dieses Jahr ihren Abschluß erreicht. Dieselben führten den greifen Monarchen, wre IN seit einer Reihe von Jahren, zunächst nach EmS zum Gebrauch der geahnten FrühjahrS'Kur, deren Dauer Heuer indessen gegen früher nur eine kurz bemessene war. Rach einem Abstecher, den der Kaiser von Ems aus nach Menz gemacht, um der Kaiserin einen Besuch abzustatten, erfolgte b:e Weiterreise über die Mainau, woselbst Kaiser Wilhelm im Kreise der badischen Herr- schersamilie für einige Tage Raft machte, und Bregenz, wo den erlauchten Reisenden der Prinz-Regent von Bayern begrüßte, nach Gastein. Hier weilte der Kaiser beinahe 4 Wochen und die kräftigende Alpenlust, wie die Quellen dieser berühmten Badeortes erwiesen sich auch diesmal als von erwünschtester Wirkung aus das gesammte Befinden des hohen Kurgastes und neugestärkt konnte der kaiserliche Herr, nachdem er in Gastein noch die traditionelle Zu- sammenkunst mit dem österreichischen Monarchen gehabt, nach Berlin zurucr- kehren. Alsdann folgte die Reise nach Stettin anläßlich der großen Manöver des pommerschen Armee-CorpS und mit Rührung wird wohl der greife Herrscher an den begeisterten Empfang zurückdenken, der ihm tu der pommerschen Hauptstadt von Tausenden und Abertausenden bereitet wurde. Den Beschluß des heurigen Reiseprogramms bildete die Fahrt nach Baden-Baden zu dem üblichen Herbstausenthalte, von welchem der Kaiser in voriger Woche im besten Wohlsein wieder in Berlin eingetroffen ist, während die Kaiserin noch in der Herbftsrische weilt. Nunmehr dürften nur noch Jagdausfluge den Kaiser zeu- vetlig aus der Residenz entführen und gedachte der hohe Herr den ersten der. selben nach Wernigerode zu richten, woselbst man der Ankunft des Kaisers für Montag Abend entgegensah. , ,
Dem Kopenhagener Dementi der Nachricht, Kaiser Alexanoer beab- Wge, die Heimreise von Dänemark nach Petersburg über Warne
Gießen, den 21. October 1887.
Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes über den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen vom 27. April 1881, hier die Befreiung der Gemeinden von Zahlung gerichtlichen Stempels.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grobherzoglichen Bürgermeisterei-« deS Kreise».
Nachstehende Abdrucke der Ausschreiben Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz theilen wir Ihnen zur Kenntnißnahme und Nach
ts mit. vr. Boekmann.
Betreffend: Wie oben. Darmstadt, am 12. October 1887.
Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz
an die Großberzoglichen Kreisämter.
Den nachstehenden Abdruck eines von der Section für Justizverwaltung unterm 3. l. Mts. erlaffenen Ausschreibens chellen wir Ihnen zur Kenntniß-
* 15,939.
daraus aufmerksam, daß bei der Übertragung des Eigentums an Straßengelände auf den Kreis eine doppelte Stempelentrtchtung m denMtgen Fällen, m welchen das fragliche Gelände noch nicht auf die Gemeinde ingrossirt ist, im Allgemeinen dadurch vermieden werden kann, daß das von .Dritten erworbene -Gelände nicht erst auf die Gemeinde, sondern sofort auf den Kreis überschrieben wird. Sie wollen die Äroßherzogltchen Bürgermeistereien Ihres Kretses
Betreffend: Wie oben. Darmstadt, am 3. October 1887.
Das Großhcrzoglichc Ministerium des Inner» und der Justiz
Sektion für die Justizverwaltung
an die Justizbehörden, insbesondere die Gericht und Gerichtsschreibereien.
Aus Grund des Art. 16 des Gesetzes vom 30. August 1879, die Ausführung des deutschen Gerichtskosteugesetzes betreffend, bestimmen wir :
Die Uebertraqunq des Eiqenthunis an dem Gelände der Kreisstraßen von den Gemeinden auf die Kreise ist von dem Stempel der Verarmung vom 18. Januar? 1882 unter der Voraussetzung befreit, daß das Gelände bereits zur Zeit des Erlasses des gegenwärtrgen Ausschre.bens auf den Namen der Gemeinde im Grundbuch (Mutationsverzeichniß, Flurbuch rc.) eingetragen war- Best.
Betreffend: Das Verschwinden des geisteskranken Heinrich Bender Ä von Villingen. Gießen, am 1<. October 1887.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und die Großherzoglich- Gendarmerie de» Kreises.
LeinriL Bender I von Villingen, 66 Jahre alt, von schlanker Statur, gegen 1,7 Meter groß mit einem gestrickten blauen Kamisol und mit einer Kappebekleidet welcher seiteincherZeit an Geistesstörung leidet hat sich am 11. b. Mts. vom Felde, mit einer Schippe versehen, nach dem nahe
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Dr. Boekmann. ___________


