Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
Samstag den 26. Februar
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*3BttfC<iut Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
»cis vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit Bringerlohn.
>urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Blödsinn dem Fürsten Bismarck direct durch die Post in einem mit dem fürstlich Meschischerrkischen Wappen versiegelten Couvert einiuienten."
Die Bestimmungen über die Hebungen der Ersatz-Reservisten werden in liefern Jahre um einen Monat früher bekannt als in den Vorjahren. Die betreffende Cabinetsordre datirt vom 13. d. Mts. und ist im letzten „Armee-Verordnungsblatt" veröffentlicht. Nach ihr werden die Hebungen genau in demselben Umfange und zu derselben Zeit stattfinden wie im vergangenen Jahre. Zu einer ersten zehnwöchigen Hebung werden 13,998, zu einer zweiten vierwöchigen 10,000, zu einer dritten vierzehntägigen 8500 und zu einer vierten vierzehntägigen 7200 Mann einberufen. Zur zweiten Hebung sollen in erster Linie solche Mannschaften eingezogen werden, welche im vorigen Jahre, zur dritten selche, welche vor drei Jahren, und zur vierten solche, welche vor fünf Jahren zum ersten Male geübt haben. Die meisten Erfatzrefervisten üben bei der Infanterie, und zwar 11,100 zum 'ersten, 8322 zum zweiten, 7182 zum dritten und 6156 zum vierten Male. Bei den Jägern üben 300, 276, 180 und 154, bei der Fußartillerie 1056, 902, 794 und 572, bei den Pionieren 672, 500, 434, 318, beim Train 870, diese fämmtlich zum ersten Male. Zur Cavallerie und Feldartillerie werden Erfatzrefervisten nicht eingezogen. Was die Zeit der Hebungen betrifft, so soll die erste zehnwöchige bei der Fußartillerie am 1. September, beim Train am 1. Juli beginnen unb bei den übrigen Waffen im Herbste derart stattfinden, daß sie mit Einstellung der Rekruten beendet ist. Die zweite Hebung wird während der letzten vier Wochen der für die zehnwöchige Hebung festgesetzten Zeit abgehalten; die dritte und vierte Hebung findet im Juni und während der ersten Hälfte des Juli statt. Bei letzteren beiden Hebungen werden die Erfatzrefervisten, außer bei der Fußartillerie, für die besondere Bestimmungen gegeben sind, grundsätzlich und gleichzeitig in die Linien-Compagnien eingereiht. Bei der ersten Hebung geschieht die Ausbildung in besonderen Compagnien, bezw. (bei den Jägern) Abteilungen, in welche auch die Hebungrpflichtigen der zweiten Hebung eingereiht werden. Die kriegsministeriellen Zusatz- bestimmungen über die Ausbildung der Ersatzreservisten sind im Allgemeinen dieselben geblieben, wie in den Vorjahren. Hervorzuheben wäre höchstens, 'daß die Zahl der beim 11. Arrnee-CorpS (Hessen-Nassau) Hebenden etwa« ver- riiigert, dagegen die der beim 15. Arrnee-CorpS (Elsaß-Lothringen) Hebenden erhöht ist, während bei allen anderen Armee-Corps die Zahl die gleiche wie im Vorjahre geblieben ist. Nur nebenbei sei bemerkt, daß die Vermeidung der Fremdwörter sich auch in den militärischen Verordnungen rc. sehr bemerk- bar macht; so ersetzt die vorliegende Verfügung das Wort „Detachement" durch „Abtheilung" und das Wort „Terrain" durch „Gelände".
Deutschland.
Darmstadt, 24. Februar. Se. König!. Hoheit der Grobherzog habe«
'^Am ^15.^ Februar dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Weiterrhaln, im Kreise Gießen, Wilhelm Faulstich und
am 20. Februar dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Raibach, im Kreise Dieburg, Wilhelm Fischer, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" zu verleihen.
- Mittelst Entschließung Großh. Ministerium, des Innern und der Justiz vom 21- Februar wurde dem Hauptmann i. P. Bornemann zu «IS- seid die Verwaltung der Directorstelle an dem Landeszuchthaufe Marienschlob übertragen.
Bulgarien.
Sofia, 24. Februar. Wie eine »Haoas'-Meldung besäst, soll nach m Regierungskreisen verbreiteten Meldungen die Pforte Zankoff osfi i b haben, daß st- nicht ferner mit ihm unterhandeln könne, we er rtb # « Vorschläge von Neuem in Frage bringe, die bereit» erled S ' Lösuna derartige Besprechungen keine Aussicht hätten, zu einer 8 zu führen.
Politische Ueder^chr.
Gieße«. 25. Februar.
Bei den in den nächsten Tagen stattfindend en Stichwahlen Laden die reichrlreuen Parteien, wie die „Köln. Z." bemerkt, 53mal zu kämpfen, 23mat mit den Freisinnigen: Kahl in Erlangen-Fürth gegen Slauffenberg; Säbeter in Zittau gegen Buddeberg; v. Thünen in Varel-Jever gegen Rickert; Trink» in Sonneberg - Saatfeld gegen Witte; Delbrück in Coburg gegen Sie- men« - Weber in Schwarzburg. Rudolstadt gegen Hoffmann; Meier in Bremen peaen'Bulle- v Zedlitz in Berlin I gegen Klotz; Leistikow in Stettin gegen Srömct- Böhm in Danzig gegen Schrader; Friedrichs in Lennep>Mettmann ^aen Schmidt; Täglichsbeck im Saalkreit-Halle gegen A. Meyer; Webrky n Waldenburg gegen Eberly; Kleemann in Nordhaufen gegen Lerche; Schulz in wedel gegen Goldschmidt; Kalke in Dithmarschen gegen Thomsen; Wolff in Berlin II gegen Virchow; Blume in Berlin V gegen Baumbach; Metzenthin in Westhavelland gegen Rickert; Weuiorp in Lauenburg gegen Setting; Heget in Jerichow gegen Greve; v. Steinbrück in Frankfurt a. d. O. gegen Schröder; Neubarth in Merseburg-Quersurt gegen Panse; v. Seydewitz in Liuban-Görutz Zegen mit ben Socialdemokraten, und zwar:^ Hultzsch in Dresden
Oltftabtl gegen Bebel; Henneberg in Gotha gegen Bock; Henning in Reuß ä. L. ügeaen Wiener; Fehling in Lübeck gegen Schwarz; Woermann im dritten Ham- lburgischen Wahlkreise gegen Heinzel; Witte in Breslau 1 gegen Kräcker, w. Seydewitz in Breslau II gegen Kayser; v. Funcke in Kottbus gegen Breil; rKnoevenagel in Hannover gegen Meister; Metzler in Frankfurt a. JDt gegen «Sabor; Hoffmann in Königsberg gegen Godau; Peters in Elberfeld-Barmen .gegen Harm; Melbeck in Solingen gegen Schuhmacher; Duvigneau in Mägde- bUrÖ Dann^Lmal mit dem Centrum: v. König in Würzburg gegen Roß; «Sedlmayr in München I gegen Ruppert; Küchler in Mainz gegen Rackö; Hesse iin Ustngen gegen Wolff; Rennen in Köln (Stadt) gegen Braubach; Swaim iin Kronach gegen v- Gagern; Müller in Marienwerder-Stuhm gegen Spahn; -Prinz Carolath in ReichenbachMeurode gegen Porfch.
Schließlich kämpfen die Candidaten der reichstreuen Parteien Struckmann iin Osnabrück und Heye in Verden-Hoya gegen die Welfen Schele und Arns- wald; dann Schier in Hanau-Gelnhausen gegen den Demokraten Nickel; dann Hahn in Vromberg und Reinbaben in Fraustadt gegen die Polen Komierowskr mnd Prinz Rsdziwtll; schließlich Haupt in Schwerin-Wismar gegen den Conser- wativen Schildt und Parey in Wolmirstedt gegen v. Haffelbach. ^n Thorn-Culm kkämpft Dommes gegen Sczaniecki P.
Das Centrum hat ferner eine Stichwahl auszukämpfen in München II, Landes gegen Vollmar S. Zwei deutfchfreifinnige Candidaten habm ebenfalls eine Stichwahl zu bestehen: in Berlin III Munckel gegen Christensen L>; in Kiel-Rendsburg Hänel gegen Heinzel S.
Die neue kirchenpolittfche Vorlage ist dem preußischen Herrenbause bereits am Dienstag zugegangen und widerspricht ihr Inhalt der vom „Reuen Wiener Tageblatt" gebrachten Skizze des Entwurfes m wesentlichen Punkten. Der Entwurf enthält nebst einer kurzen Begründung fünf Artikel. Der erste gestattet die Errichtung kirchlicher Seminare in den Diöcesen Osnabrück und Limburg. Artikel 2 ändert das staatliche Einspruchsrecht bei An- stellung von Geistlichen ab und hebt den staatliche« Zwang zur dauernden Besetzung erledigter Pfarrämter aus. Artikel 3 hebt die Verpflichtung der geistlichen Oberen, die über untergeordnete Geistliche verhängte Strafen dem Staate mitzutheilen, auf. Artikel 4 hebt das Gesetz vom 13. Mai 1873, bete, die Grenzen des Rechts zum Gebrauche kirchlicher Straf- und Zuchtmittel, auf und läßt nur S 1 des Gesetzes bestehen. Artikel 5 endlich gestattet den Orden, welche sich der Aushülfe in der Seelsorge, der Uebung christlicher Nächstenliede oder einem beschaulichen Leben widmen, ihre Thätigkeit wieder aufzunehmen. Mit den Maigesetzen ist demnach durch diese neueste Revision so ziemlich tabula rasa gemacht!
Die „Nordd. Allg. Ztg." bespricht in einem ihrer letzten Leitartikel des Petersburger „Grashdanin", in welchem der Fürst Meschtscherskr, der Herausgeber dieses angeblich vom russischen Hof und Czaren gelesenen Blattes, in der Form eines offenen Briefes an den Fürsten Bismarck Letzteren als einen „KriegSwütherich von apokalyptischem Blutdurst" darstellt. Das offieiöfe Blatt atebt diesen Artikel in deutscher Uebersetzung wieder und fügt sodann Folgende» hinzu: „Die „Deutsche St. Petersburger Zeitung", an ^rm Ueber> tetiuna de« Meschlscher»k>'ichen Artikel» wir un» im Vorstehenden gehalten SS bemerkt dazu „Wir haben im Interesse des guten Humor» unserer Leser von Vorstehendem gern so ausführlich Notiz genommen und bedauern nur, daß die phantastische Improvisation de» fürstlichen Tasebuch -Lchr iber« 8 Tage m früh zur Wett gekommen tst, denn sie gehört,a durchaus in de Faschingsverrücktheit." Diese Ansicht der St. Peterrburg-r Z-rlung zeugt von »ohlwollender Objectivität; uns will scheinen, daß de: Erguß de» »Grashdaisin die Grenzen jeder denkbaren Faschingsrohheit überschreitet. Der Ausrufer so krampshaster Tiraden fällt nicht einfach unter die Narrenfreiheit; e» t» trgenD eine mit seinen Jniereffen harrnonirende Methode in dieser Narrheit. Zur Vervollständigung der Charakteristik de» hochgeborenen Herausgeber» d » „Grashdanin" sei noch erwähnt, daß er e» für angemessen gehalten hat, feinen
Die Wahlen vom 21. Jebruar.
(» = Konservativ. Nl. — Nationalliberal. F. — Freisinnig. C. == Zentrum. Dem — Demokrat. Soz. — Sozialdemokrat. Pr. = Protestler. P. — Pole» W. — Welfe.
Berlin. Gewählt: Wasserburg Aichbichler (C.), Landshut Graf Preysing (C.), Forchheim Petzold (C.), Bamberg Wenzel (C-), Rothenburg a. T. Stocker Kitzingen Graf Schönborn (C.), Schweinfurt Burger (C.). Danzig fLandkretsj Stichwahl zwischen Gramahki (K), und May Lippe - Detmold Stichwahl zwischen Bürten (F.) und Lengerke (Rl.). Oberbarnim Eckardstem (St), Westpriegmtz Saldern (Kons.), Ruppin-Templin Saldern (K), Osipriegnitz Gräoenitz (K.), Llebenwerda- Torgau Bödow (St), Bitterfeld-Delitzsch Bodenhausen (K.), Pinneberg Peters (Nl.), Cleve-Geldern Dr. Perger (C.), Kempen Pfafferoth (E), Dteuß-Grevenbrolch Dalwigk (Ctr.), Adenau-Zell Grand Ry (C.^, Calau-Luckau Manteuffel (K.). Hadersleben- Sonderburg: die Wahl Johannsen's (Däne) fieber. £011^^1110 tfranft (R^) Augsburg Biehl (C.). In Deggendorf ist Orterer (C.) gewählt, in Kehlheim Zach, in Ottweiler-Sanctwendel Bormann (Reichsp.).
Berlin, 24 Februar. Es sind bis jetzt 394 Wahlen bekannt, davon 80 Konservative, 22 Freikonservative, 93 Nationalliberale, 89 Centrum (davon 4 für das Septennat), 13 Deutsch-Freisinnige (davon 2 für DaJ ©eptennat), 6 Socra if en 15 Elsässer, 14 Polen, 2 Welfen, 1 Dane und 59 Stichwahlen. Drei Resultate fehlen ni)d).__ ______ _


