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An die Wähler des 1. hessischen Reichstagswahlkreises!

Auf Grund Beschlusses der heutigen Versammlung fteisinniger Vertrauensmänner und unterstützt durch Kundgebungen aus alleu Theilen des Wahlkreises fordern wir die Wähler des I. hessischen Reichstagswahlkrcises auf, für die Wahl des Herrn NtchtsamM Ur HMeilch 311 Achtt,

der sich zur Ucbcruahme der Caudidatur bereit erklärt hat, cinzutreteu.

Herr ör. GutfleiseSi hat den Wahlkreis in den Jahren 1881 bis 1884 im Reichstage vertreten. Daß er sich der höchsten Ehre, die das Volk zu vergeben hat, würdig erwiesen hat durch gewissenhafte Erfüllung der Pflichten eines Abgeordneten, daß im Parlament er Achtung und Anerkennung gewonnen hat, dies ist in Aller Erinnerung.

Sein politisches Verhalten fand die volle Billigung auch seiner jetzigen Gegner, bis im Jahre 1884 in Folge der Heidel­berger Zusammenkunft die sogenannten Nationalliberalen treulos abschwenkten und mit allen Mitteln demagogischer Politik den Wahl­kampf mit den freisinnigen Elementen des Wahlkreises führten. Sie verdächtigten den Gegner persönlich in Wort und Schrift, sie zweifelten seine Vaterlandsliebe an, sie reizten die Leidenschaft der Massen durch Verheißung materieller Vortheilc. Sie arbeiteten mit den reichen Mitteln des Regierungsapparates, sie kämpften ini Bunde mit den erklärten Feinden der bürgerlichen Freiheit, mit den Conscrvativen, diese durch Maßlosigkeit der Agitation weit überbietend.

Nicht viel mehr denn 2 Jahre sind verflossen und schon liegt es klar zu Tage, daß am 28. October 1884 die Majorität der Wählerschaft unseres Wahlkreises in einem traurigen Jrrthume befangen war. Als unwahr haben sich insbesondere die von den Nationalliberalen dem Landmaun gemachten Versprechungen erwiesen, es werde aus der neuen Zollpolitik ihm Segen erblühen! Als unwahr hat es sich ergeben, daß die Natioualliberalen neuen Steuerbelastungen sich widersetzten, als unwahr, daß sie die Rechte des Volkes hüten wollten! Blinde Anhänger der Regierung sind sie gewesen von Beginn der Legislaturperiode bis zu deren Ende. Den Kampf gegen Steuer- uud Monopolpläne, den Kampf gegen die freiheitsseindlichen Tendenzen der reactiouären Elemente int Staate hat allein geführt die freisinnige Partei! Und als vor Kurzen: die Militärvorlage au den Reichstag gelangte uud man voraussah, daß sie den Grund abgebeu sollte zum Conflict, zur Auflösung des Parlaments, zur gehässigsten Verdächtigung der frei­sinnigen Partei bei der Nation da hat diese Partei dennoch mannhaft ihre Pflicht gegen die Wähler gcthau, indem sie gewissenhaft prüfte, ob die Mehrausgaben nothwendig seien zum Schutze des Vaterlandes. Sie hat, als die Regierung auf der Erhöhung der Heeresstärke in der ganzen geforderten Hohe bestand, dieselbe vollauf bewilligt. Den Grundsatz aber hat die freisinnige Partei wahren müssen, daß in drei Jahren die Volksvertretung wieder soll prüfen dürfen, ob die Verhältnisse noch immer die schwere Rüstung gebieten, Uud weil sie ihrer Pflicht gemäß dem Volk dieses Recht gewahrt wissen wollte, hat man die Volksvertretung aufgelöst.

Wähler! Es bedeutet ein Mißtrauen gegen die Nation, daß mau das Votum ihrer Vertreter in drei Jahren fürchtet. Es lauert aber auch hinter den angeblichen, durch den Reichstag thatsächlich in keiner Weise gefährdeten militärischen Interessen das Interesse der Regierungen an der Einführung des Tabak- uud Branntweinmonopols, au der Einschränkung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts uud au ähnlichen für das Volkswohl gefährlichen Plänen, die man mit einer durch die" jetzige Wahlbcweguug gewonnenen Mehrheit im Reichstage durchzusetzen hofft. Wähler! Zeigt, das; Ihr mit den wahrhaften Hütern Eurer heiligsten Rechte einverstanden seid, zeigt daß das ftcisinnige Bürger- und Bauernthuur auf der Wacht steht gegen den Ansturm der Reaction, wählt einen Mann, von dem Ihr sicher wisset, daß er fähig und Willens ist, die Pflichten eines Volksvertreters treu uud gewissenhaft zu erfüllen, wählt Herrn

RcchMnivalt llr. Gutflcisch zu Meßen.

Gießen, den 23. Januar 1887.

Das gefdjüftsfüljrriibe (tomite brr frri|innigrii Partei brs 1. hrMra Rkidistagsioahlkrrisrs.

Acker, Färbermeister, Berstadt. Alöach, Landwirth, Daubringen. Arnold, Kaufmann, Grüningen. Aumann, Bürgermeister, Londorf. Mansch, Wagnermeister, Langsdorf. Wecker, Beigeordneter, Alten-Buseck. Wecker VI.. I., Treis a. d. Lda. Werg, Schuhmachermeister, Gießen. Wirkenstock. Beigeordneter, Ranstadt. Wöckel, Ernst, Fauerbach. Wräuning, Landwirth, Lauter. Wuchner, Wagnermeister, Geilshausen. Wurck, Beigeordneter, Garbcnteich. Wuß, Walthaser, Steinberg. Elaum, Metzgermeister, Ortenberg. Aechert, Gastwirth, Geiß- Nidda. Aernper, Gcmeiuderath, Großen-Buseck. Aern, Bürgermeister, Hausen. Diehl, Gastwirth, Ober- Hörgern. Aiehl, Johannes, Leihgestern. Aiefener, Architekt, Gieße::. Aich, Reallehrer, Gießen.'ll, Metzgermeister, Villingen. Eichelmann, Kaufmann, Berstadt. Enders, Vorstenhändler, Reiskirchen. Engel, Gastwirth, Muschenheim. Jink, Weißbindermeister, Hattenrod. Kcorgi, Fabrikant und Stadtverordneter, Gießen. Kröninger, Emil, Grünberg. Krünewald, Rechtsanwalt, Gießen. Kabenicht, Fabrikant, Gießen. Kahn, Theodor, Großen-Buseck. Kahn, Gastwirth, Obcr-Bcssingcn. Kaas, Kalkbrenner, Gießen. Kauöach,