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, Stwistag beit 25. 3mti 1887.

Meßmer Anzeiger

~"y Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontägS.

SuttOUr Schnlstraßc 7.

lagen nicht zweiseln und hiermit wird unser großer Nachbarstaat im Westen einen neuen Schritt zu seiner militärischen Stärkung gethan haben. Wie sich die bedeutenden Mehrausgaben, welche die Durchführung der Vorlagen verlangt, mit dem Programm strengster Sparsamkeit, welches das Ministerium Rouvier auf seine Fahne geschrieben hat, vereinigen lassen werden, muß freilich noch abgewartet werden.

Die italieniiche Regierung bat in Paris nunmehr die amtlrchs Erklärung abgeben lassen, daß sie sich an der projeclirten Pariser Weltausstellung Nicht betheiligen werde und dies durch finanzielle Rücksichten motlvirt. Hebet- raichend kommt diese Meldung jedoch kaum mehr, da es schon seit längerer Zeit bekannt war, daß Italien gleich Rußland, Deutschland und Oesterreich eine osficielle B-theiligung an der Pariser Ausstellung für da» Jahr 1889 ab­lehnen werde. __

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Deutschland.

Darmstadt, 23. Juni. fErste Kammer der Landstände.j Die Erste Kammer erledigte heute als ersten Punkt ihrer Tagesordnung den Gesetz-Entwurf, die Vorbildung und Anstellung von Geistlichen betr., sowie den Antrag der Abgg. Frank und ( enossen auf Abänderung der Ktrchengesetze. .

Hierzu nimmt als erster Redner Bischof Haffner von Mainz das Wort und erklärt: Es sei heute das erste Mal und in einer für ihn so hochwichtigen Sache, daß er das Wort ergreife, aber er fühle hierzu das Bedürfniß, Großh. Regierung Dank dafür abzustatten, datz sie es verstanden hat, durch diese Gesetzes-Vorlage die Harten zu mildern, welche dem katholischen Volke und insbesondere dem Klerus durch die Gesetze von 1875 auferlegt wurden. Er vermeide, darauf einzugehen, welche Grunde es waren, datz die katholische Kirche in bemjür sie peinlichen Widerstand beharren muhte. Ganz besonders danke er dem Großh. Staatsminister für die Gute, mit welcher derselbe die Bemühungen, den Frieden der katholischen Krrche herbeizufuhren, unterstützt habe. Er verhehle nicht, datz in dieser Gesetzes-Vorlage noch nicht ganz den Wünschen der katholischen Kirche Rechnung getragen wurde und daß das Gesetz, wenn: es Kraft tritt, noch manche Härte enthalte. Es sei ihm jedoch nicht darum zu thun, eine Friedensstörung hervorzurufen, sondern er behalte sich vor, bei Berathung der einzelnen Artikel seine Abänderungsvorschläge zu stellen und constatire er, daß er sich ganz und gar mit den Jntensionen des heiligen Stuhles in Uebereinftimmung befinde 9 Staatsminifter Finger: Im Laufe des jetzigen Landtages seien manche Gesetze aus den Beratbungen des hohen Hauses hervorgcgangen; die heutige Vorlage fei aber wohl die bedeutsamste, welche dem Hause vorgelegen habe. Die Vorlage sei bedeutsam dadurch, daß sie für lange Zeit ein Verhältniß regelt, wie es zwischen Kirche und Staat nothwendig ist. Um dieses zu erreichen, sei es nöthig, dem- Gesetztfriedlich entgegen zu kommen und freue es ihn, noch constatiren zu können, daß em Mitglied dieses hohen Hauses ein wesentliches Verdienst um das Zustandekommen dieses Gesetzes habe. ^ Freiherr v. Stark: Es könnte vielleicht auffällig befunden werden daß er sich bei der Berathung der gegenwärtigen Gesetzes-Vorlage betheilige, welche bezweckt, ein Gesetz aufzuheben, welches während seiner Amtsthätigkert zu Stande gekommen fei. Seiner Ansicht nach habe sich jedoch die Großh. Regierung der Aufgabe uicht entziehen können, eine Revision der Kirchengesetze eintreten zu lassen, da das frühere Gezetz manche Härte enthalte, welche jetzt gemildert würde. Er könne daher erklären, datz er für die Vorlage stimmen werde. , .. , ,

Fürst Jsenburg-Birstetn: Das Votum der Zweiten Kammer habe ihn angenehm berührt, es freue ihn, constatiren zu können, daß durch dieses Gesetz dein katholischen Volke das zurückgegeben werde, was es ^it 15 Jahren vergeblich ^wünscht. In seiner Fassung unterscheide sich das Gesetz in mancher Beziehung von dem Preuß. Kirckenaesetz. Er könne daher auch für Linige Artikel nicht stimmen.

Prälat Dr. Habicht: Durch den Erlaß dieses Gesetzes wurden die Jntereffen der evangelischen Kirche nicht alterirt. Er hoffe jedoch, daß durch dieses der Frieden zwischen Staat und Kirche hergestellt werden möge und daß dieser Frieden ein segens­reicher sein möae zwischen den katholischen und evangelffchenGemeindenundder evangelischen und katholischen Geistlichkeit und daß m dieser Beziehung von beiden Seiten entgegengekommen wird. T . .. .r. , e

Staatsminifter Finger bittet nochmals, die Vorlage wie sie ist, nach der Regierungs-Vorlage anzunehmen, um dadurch einer Gefährdung derselben vorzubeugen.

Nachdem noch Bischof Haffner, sowie Fürst Isenburg zu Art. 7 des Gesetzes Abänderungen beantragt, wird über das ganze Gesetz abgestimmt und wird unter vor­heriger Ablehnung der obengenannten Anträge mit allen gegen 4 Stimmen, das ganze Gesetz Zsti^sodan^ betreffen die Rückaußerun^ der Zweiten

Kammer über Gesetzesentwürfe u. s. w., welche kein besonderes Interesse bieten und tritt das Haus in fast allen Punkten den Beschlüssen Zweiter Kammer bei.

Berlin, 23. Juni. DerReichs-Anz." mewet . Die Genesung des Kaisers nimmt sernerhin einen erwünschten Verlaus, so daß unter Mitwirkung günstiger Witterungsbeschaffenheit die Möglichkeit des Genuffes der ftischen Lust in naher Aussicht steht. .

- DieRordd. Allg. Zig." hört, daß die Special-Proiecte zu dem am 1 April 1887 Gesetz gewordenen Entwürfe, in welchem die Herstellung eine» dritten und vierten Geleise» nebst den dadurch bedingten Ergänzungen und Geleis­veränderungen für die Strecke Berlin - Zehlendorf der Berlin-Potsdamer Bahn vorgesehen ist, inzwischen kräftig in Angriff genommen und deren Bearbe ung so weit vorgerückt ist, daß alsbald die vorgeschriebene landerpolizeiliche Prüfung veranlaßt und demnächst in die energisch zu betreibende Bauaursührung einge treten werden kann.

Arankreich.

Pari», 23. Juni. Der Runtiu» Rotelli überreichte bigungs,Schreiben und hob dis besondere ZuneigungdesPopstes^fuF gab als die älteste Tochter der Kirche und dessen Volk hervor. geiH,s

Rotelli dem Wunsche des Papstes nach Ausr^hthattu^d ba ^et.

guten Einvernehmens zwischen Frankreich und dem V m @

durch die gemeinsamen Interessen einen wirksamen|U1V

Politische Ueberficht.

Gießen, 24. Juni.

Die Nachrichten über da» Befinden de» Kaiser« lauten jetzt mit jedem Tag befriedigender und erledigt der erlauchte Monarch bereit» feit einigen Tagen die lausenden Regierungsgeschäfte wiederum 'N vollem Umfange Au« England laufen ebenfalls die günstigsten Berichte über den Gesundheitszustand der deutschen Kronprinzen ein und ist dem hohen Herrn die Theilnahme an den JndiläumS-Festlichkeiten de» 21. Juni sehr gut kommen

Mit dem Schlüsse der parlamentarischen Geschäfte rinnt auch der Neuigkeit? quell auf dem Felde der innerpolitischen Angelegenheiten nur noch in spärlicher Weise und alle Anzeichen deuten daraus hm, daß die Zett der politischen Sommer-Siesta in Bälde beginnen wird. Wenn indessen auch der Beendigung der Reichrlagr-Arbeiten d,e D seussion über dis großen Frag n der Reichspolitik, wiche den Reichstag beschäftiglen, im Ganzen und Großen zum Abschluß gelangt ist, so tauchen doch immer noch Ereignisse au , welche Anspruch auf ein gewisse« Interesse haben. Zur Stunde st die» mit den am Dienstag stattgesundenen bayerischen Landtag«wahlen der gaQ, weil einerseit« in verschiedenen größeren Städten sich bte nichtultramontanen Parteien zum gemeinsamen Ansturm aus die klerikalen Mandate v-rbunden und wett an- derfe.» die Soeiald/mokraten sich diesmal ernstlich an der Wahlbewegung be- theiligt hatten. Der Ansturm der anti-klerikalen Parteien auf bett Besitzstand betpatriotischen" Partei scheint in der That von Erfolg gewesen zu fein wenigstens wird au» der Haupisiadt München wie au« Regensburg gemeldet, daß überwiegend liberale Wahlmänner - die Landtagswahlen in Bayern sind, wie in Preußen, inbirecl - gewählt wurden Besonder« erfreuliche Ergebnisse hat die Wahl in Nürnberg gezeitigt, wo sich sämmlliche nichtsoeta.isti.che Par- leien vereinigt halten. Letztere sind e$ offenbar von den Reichstags mahlen her gewöhnt, diese alte Reichsstadt al» ihre Domains zu betrachten und wollten sich nun auch deren Landtags-Mandate erobern. Dies ist aber den Gesinnung«, genossen de« Herrn Bebel nicht gelungen, denn e« wurden IN Nürnberg 167 nichlsoeiale und nur 92 soeialdemokratische Wahlmänner gewählt. Auch in Augsburg erhielten die liberalen Wahlmänner die Mehrheit. Heber den Aus­fall der sonstigen Wahlen lagen indessen bis zum Mittwoch Mittag noch keine näheren Meldungen vor. , f .

Auf kirchenpolitischem Gebiete war in letzter Zeit die Frage der Neubesetzung des sürstbischöftichen Stuhles von Breslau bte am meinen erörterte. Die widersprechendsten Gerüchte über die Persönlichkeit, welche zum Nachfolger des verstorbenen Fürstbischofs Dr. Herzog ausersehen fein sollte, kreuzten sich und war hierbei namentlich die Entschiedenheit bemerkenswerty, mit welcher bte BerlinerGermania" sich gegen das gleich von Anfang an auftretende Gerücht wandte, der Bischof von FuldaDr. Kopp, sei zum Fürstbischof von Breslau befanirt. Nun bestätigen aber birecte Mitthülungcn aus Rom, welche der klerikalenSchles. Volks-Ztg." zugegangen find, daß die Ernennung Dr. Kopp » ganz zweiiello» sei und die Berufung biefe« versöhnlichen Kirchen,utsten, der in gleicher Weise der Vertrauensmann der preußischen Regierung wie de» Vatikan« ist, aus den wichtigen Posten be« Fürstbischos« von Breslau kann daher al» ein neuer Werlhmeffer für die gegenwärtig zwischen Berlin und dem Vatikan ob- waltenden guten Beziehungen betrachtet werden.

Unter den Meldungen vom Auslande zogen in diesen Tagen biejetugett über die Londoner Jubiläum«.Festlichkeiten die Aufmerksamkeit am meisten auf sich. Nach den vorliegenven Berichten ist der Jnbiläumszug vom Dienstag da« Centrum aller Festlichkeiten, der sich vom Buckingham-Palaste nach der Westminster-Abtei durch die auf da» Prächtigste geschmückten Straßen bewegte, in vollkommener Ordnung und ohne jede Störung verlausen; die Be­fürchtungen wegen fenifdjer Dynamit-Demonstrationen sind demnach grundlo» gewesen. Die nach Hunderttaufenden zählende Zuschauermenge, unter denen sich Vertreter der entferntesten Kolonien de» britifchen Riefenreicher befanden, begleitete den Zug überall mit stürmischen Zurufen und besonder» enthusiastisch wurde der deutsche Kronprinz begrüßt. Die Feierlichkeit in der Westminster-Abtei Ruhestätte der großen Tobten England» selbst, verlief vollkommen programm­gemäß und begab sich alrdann die Königin im Jubiläum»zuge nach dem Buckingham-Palaste zurück, woselbst da» große Staatsdiner stattfand Am Abend be« festlichen Tage» wurde die Riesenstadt an der Themse glänzend erleuchtet, die Illumination fiel namenilich in dem aristokratischen Westend und in der City, dem Herzen de» Londoner Geschästrverkehr», großartig au«. Die Ordnung wurde trotz der ungeheuren Menschenmassen nirgend« gestört. Während be» Festzuge» kamen eine Reihe von Hnsällen vor; u. A. stürzte ber Marquis of Borne, Schwiegersohn ber Königin, vom Pf erbe, er erlitt jedoch nur eine uner­hebliche Verletzung- Da»Hof-Journal" weiß zu melden, daß da» Befinden der Königin trotz der ermüdenden Feier nicht gelitten habe.

Der neue französische Kriegrminister, Herr Ferron, hat ber Deputirtenkammer noch vier weitere Gesetzentwürfe militärischer Natur vorge- legt. Dieselben bezwecken durch die in ihnen geforderte Neubildung von 10 Jnsan- terle« und 4 Kavallerie-Regimentern, sowie durch die vorgeschlagene Erhöhung der Effeeiivstärke der Compagnien eine fernere bemerkenrwerthe Kräftigung der Wehrkraft Frankreich», wie die« schon der Boulanger'sche M litärgesetz-Entwurf thut, dessen Princip die dreijährige^Dienstzeiti ist und mit dessen Spee^ berathung fich die Deputirtenkammer bereits seit vorigem Samitag befabt. Die Stimmung der Kammermehrheit läßt an der Annahme all dieser Mitär.Bor.