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Nr. M. Dienstag den S2 Februar IS87

Kießmer Anzeiger

Aults- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Vrrreau r Schulstraßc 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Prei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.

Amtlicher HHeifl

Gießen, am 19. Februar 1887.

Betreffend: Das Landgestüt, hier den Abgang der Landgestütsbeschäler aus die Landgestütsstationen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherjoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden bekannt machen zu taffen, daß die Landgestütsbeschäler für die Landgestütsstationen Berstadt, Butzbach und Grüuberg angegangen sind.

Dr. Boekmann.

bewiesen werden! Trotzdem kann nicht bezweifelt werden, daß jenseits der Vo­gesen TruppeN'Concentrationen und Truppenbewegungen stattfinden, die alle eine Verstärkung der französischen Stellung gegenüber Deutschland bezwecken nun, die deutschen Regimenter von Metz bis zum Vogesenkamm werden schon gute Wacht halten!

Der todtgesagte Afrikaforscher Dr. Holub ist nach einem in Capstadt emgeiroffenen Telegramme in sehr hilflosem Zustande in Shoshong im Belschuana-Land eingttroffen. Das Lager Dr. Holub's zwischen dem Bangwelo-See und dem Zarnbesi-Fluffe soll, während der Reisende gerade abwesend war, von Eingeborenen angegriffen worden sein und habe einer der Begleiter Dr. Holub's, Zoldner, hierbei sein Leben eingedüßt. Was aus der Frau und den übrigen Begleitern Dr. Holub's geworden ist, geht aus dieser Meldung nicht hervor.

Politische Ueberficht.

Gieße», 21. Februar.

Die Wahlbewegung zieht ihre letzten «reffe und bald werden die Depeschen mit den Wahlresultalen nach allen Richtungen der Windrose hinaus- fliegen, verkündend, wer von den vielenBerufenen" zu denAuserwählten" gehört. Da« eine Gute hat die nun vollendete Wahlcampagne indessen vor den Reichstagswahlen früherer Jahre voraus, daß sich diesmal nämlich bedeu­tend weniger Stichwahlen ergeben werden, wie sonst. Bei den Wahlen des Jahre« 1884 z. B. mußten über 100 Stichwahlen vorgenommen werden, da sich in zahlreichen Wahlkreisen drei und vier, ja, in manchen sogar fünf Kan­didaten gegenüberstanden, während stch diesmal in Folge der Geichlossenheit, mit der sich die septennattsreundlichen und die sevtennatsseindlichen Parteien entgegen­treten, die Zahl der engeren Wahlen entschieden vermindern wird. Die» muß aber unter allen Umständen als ein Gewinn bezeichnet werden, denn erfahrungs- mäßig pflegt der Parteihaß gerade bei den engeren Wahlen nochmals in seinen häßlichsten Flammen emporzulodern und ein solches Schauspiel ist jedenfalls nur widrig. Die Vornahme der Slichwahlen soll in einem möglichst geringen Ab- stände von dem Tage der Hauptwahlen erfolgen, uno Elle thut diesmal wahr­haftig Noth, denn der neue Reichstag müßte sonst bis tief in den Sommer hinein tagen. Ec wird auch ohnehin noch fleißig zu arbeiten haben, wenn er das Arbeilsprogramm seines Vorgängers bis zur heißen Jahreszeit erledigen will und erhält sich die Annahme, daß der neue Reichstag bereit» gegen den 10. März einberufen werden wird. E« werden sogar Stimmen laut, wonach dec Reichstag schon aus den 28. Februar einberufen werden würde, aber dieser Termin dürste denn doch als zu früh erscheinen, wenngleich man vas Bestreben der Reichsregierung, die neue Militär-Organisation aus'« Schnellste durchzu­führen, erklärlich finden muß. '

Der Sprachenausschuß des österreichischen Abgeordneten­hauses Halden, die Erklärung des Deutschen zur Staatssprache bezweckenden, Antrag Schsrschundt nach Beendigung der Generaldebatte an ein Unter*(Somit zur Specialberachung verwiesen. Dasselbe besteht aus 9 Mitgliedern mit dem Mrsten Aloy» Lichtenstein al« Vorsitzenden und dem Abg. Poklukar als Schrift- führer Die Aurfichten auf Annahme de» Antrages im Plenum find nach wie vor sehr zweifelhafte und ist er sogar nicht unmöglich, 'daß dieser, den Voten Czechen u. s. w. unbequeme Antrag in der Commission begraben bleibt.

Im serbischen Ministerium find Personal-Veränderungen eingetreten. Der seitherige Kriegsminister, Horvatswitsch, gab seine Entlassung und wurde der Minister ver öffentlichen Arbeiten, Topalowitich, vom Könige zum Kriegs­minister ernannt. Das bisher von Topalowitich innegehabte Portefeuille erhielt der Bürgermeister von Belgrad, Bogicsewitsch.

r>n der Donnerstags»Sitzung de» englischen Unterhauses gab der Unterftaatssecretär im Kriegsministerium, Gorß, Ausschlüsse über die Zahl der analo * indischen Truppen in Birma, über die Kosten des Feldzuges u- s. w. wi-! Ende des Jahres 1885 waren in Ober-Birma 9546 Mann Truppen ver­wendet worden, von denen 9 Mann im Kampse fielen und 78 an Krankheiten starben; die Kosten für diesen Feldzug beliefen sich auf 20 Lak Rupien (10 Mill. X). Bei den späteren Operationen, bis Ende 1886, sind 31,571 Mann verwendet worden, von ihnen fielen 100 Mann im Kampfe, 31 erlagen ihren Wunden und 967 starben an Krankheiten. Die Kosten für diesen ferneren Feldzug belaufen sich auf insgesammt 121y3 Lak Rupien. Die Engländer haben demnach bis Ende des vergangenen Jahres im Ganzen die verhältniß- mäfcia bedeutende Zahl von zusammen 41,117 Mann in Birma zur Verwendung Qebftbt was beweist, daß der Ausstand der Birmanen doch ein recht ernster ge- wesen ift; der ganze Feldzug hat England ca. 70 Mill. JC gekostet.

Von dem sranzösischen Barackenbau in den Vogesenfort« ist e« feit einiaen Tagen wieder still geworden, eben weil die Angelegenheit nach allen Seiten bin erschöpft worden ist. Jedenfalls existiren aber diese Baracken und ist zur Herstellung derselben nicht nur Holz au« den Vogesen verwendet worden, sondern auch der Schwarzwald und der Böhmerwald, ja sogar die Tyroler Berge haben ihre Stämme dazu hergeben müssen. Die gesammten, bi- ietzt an der sranzösischen Ostgrenze hergestellten Baracken sollen 100 000 Mann am- nehmen tannen; man wird indessen diese Angabe ein wemg ^zweifeln muffen, denn e« hat schon seine großen Schwierigkeiten, 10.000 Mann in ftlchen p visorischen Gebäuden unterzubringen, denn man kann die Leu e doch mchr wie Häringe zusammenpreffen, und dann muß doch auch Platz da sein für Laj ö , Küchen u. s- w. und nun gar 100,000 Mann in Baracken das muß noch

Aeutschland.

Darmstadt, 19. Februar. Es wurden: Klingelhösser, Pr.-Lt. vom 2. Großh. Hess. Ins.-Regt. (Großherzog) Nr- 116, unter Stellung * la suite befi Regt»., als Adjutant zum Gouvernement von Metz commandirt; Sckliep- hake, Wiener, Schwarz, Viceseldw. vom 1. Bat. (Gießen) 2. Großh. Hess. Landw.-Regts. Nr. 116, zu Sec.-Lts. der Res. des 2. Großh. Hess. Jnf.- Regts (Großherzog) Nr. 116 befördert; Buff, Sec.-Lt- von der Res. des 2. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Großherzog) Nr. 116 der Abschied bewilligt.

Berlin, 19. Februar. Der Kaiser nahm Mittags mehrere militärische Meldungen und hierauf den Vortrag Nlbedyll's entgegen. Nachmittags wird der Kaiser im Beisein des Cultusministers den Bischof Dr. Redner empfangen, welchem dann auch die Kaiserin eine Audienz ertheilt.

Straßburg, 19. Februar. Der Kaiser spendete für die Abgebrannten in Dagsburg 2000, die Kaiserin 600 X

Oberreichsanwalt Teffendors hat sich gestern nach Leipzig zurück­begeben.

AranLreich.

Paris, 19. Februar. In Folge der Ausführung des Vertrags von Mada gaskar wurden sämmtliche französische Truppen, vier in Diego Suarez verbleibende Compagnien ausgenommen, zurückberufen.

England.

London, 19. Februar. Das Unterhaus verwarf Labouchere's Amendemenr ohne Abstimmung nach dreistündiger Debatte. Im Laute der Debatte erklärte oeU Unterstaarssecretär des Aeußeren, Fergufson, die dem Fürsten Alexander ^wahrte Unterstützung sei nur eine moralische und diplomatische gewesen. Csn0lanb habe me eine besondere Verantwortlichkeit oder eine isolirte Action angestrebt und es habe nie die Aufrichtigkeit des Ezaren bezweifelt. England anerkannte Rutzlands Opfer ur Bulgarien und diejenigen, welche Opfer bringen, haben rweNeUosem^ für das, wofür sie Opfer bringen. Wenn aber Rußland die Dmnsche Bulgariens vernachlässige, erscheine Rußlands Interesse nicht zu derselben Berücksichtigung berech­tigt. So lange es möglich war, den Fürsten Alexander auf dem Thron zu erhalten, mußte der ausgesprochene Wunsch des Landes die Handlungen Englands eiten. Ruß­land habe wiederholt anerkannt, daß England seiner besonderen Position in Bulgarten Stedmuna getrogen habe. Englands Einmischung in Bulgari-n sei durch dle in r- nationalen Engagements Englands begrenzt. Dre Zustande seren noch sehr krrMch und er könne daher mehrere Schriftstücke nicht veröffentlichen. Von personlrchen Famiiicninteiessen sei die Regierung nicht beeinflußt gewesen. Di- nat.onalen 3»-ressen und Engagements allein seien stets in Erwägung gezogen worben- Die Regentschaft in Bulgarien habe sich unter Schwierigkeiten überraschend bewahrt und dadurch dte Haltung Englands, dessen Bestrebu.cgen für di- Aufrechterhaltung d-r UnabSangrgk-.t und der constitutionellen Rechte Bulgariens gerechtfertigt. Minister Smith betonte ferner die Regierung habe nie Oesterreich zu einem Kriege verleiten ver­sucht. England strebe die Erhaltung des Friedens und die Erfüllung der Verpflichtungen an. - Schließlich nahm das Unterhaus den Adreßbericht an.

Zwei Polizeibeamte, welche beauftragt waren, die Wohnung des Richters Henn bei Küdyfert in der Grafschaft Clare (Irland) zu fchntz-n bem-i1 Abend ein Jndioiduum, welches bei ihrer Annäherung entfloh Die Pol>,eib-amt-n entdeckten außerbalb des Fensters des Speisefaales zwei Dynamitbomben.mit rennrnd« Zunder». Die Poltzetbeamten löschten d,e Zünder ans, -he -in- Explosion Bei Henn dinirten gerade zwei höhere Beamte und der Ehef der DistnctSpouz . Uebelthäte^ist^tkommeNuar ^ley ist bei der h-utigenNachwah- »um Unter« hause Stagg (Anhänger Gladstone's) mit 5021 Stimmen gewählt worden.

seroative Geaeucandidat Thursby erhielt nur 4481 Stimmen.

Mo«, 19. F-bruar. Eine

Ministerium Depretis das Präsidium, Robilant das Aeußer,