Nr. 297
1887.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloba.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Dnrearrr Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Deutschland.
Darmstadt, 17. December. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen gestern Abend den von einem Erholungsaufenthalt in San Remo zurück« kehrenden Dr. Dettweiler, dirigirenden Arzt der Krankenheilanstalt zu Falken« stein i. T. Dr. Dettweiler machte Mittheilungen über das Befinde» Sr. Kais. Hoheit des deutschen Kronprinzen, in welchem er das treffliche Allgemeinbefinden des hohen Patienten betonte und insbesondere bestätigte, vaß bis zum Mittwoch Abend die Meinung der Aerzte in der That dahin gegangen sei, man könne fich über die Natur der Krankheit getäuscht haben.
Darmstadt, 18. December. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Oberst z. D. Fretherrn Röder v. Diersburg, seither Bezirks« Commanveur des 1. Bataillon» (Gießen) 2. Großherzog!. Landwehr-Regiments Nr. 116, das Comthurkreuz 2. Klaffe des Verdienstorden» Philipps des Groß« müthigen zu verleihen geruht.
Darmstadt, 19. December. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 17. December den Ministerialrath in dem Mi« nisterium der Finanzen Christian Horst auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste, sowie unter Verleihung des Com'.hurkreuzes 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps de» Großmüthigen in den Ruhestand zu versetzen. , ,
— Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädlgst geruht: am 17. December den Vortragenden Rath bei der Abteilung des Ministerium» der Finanzen für Bauwesen, Geheimen Oberbaurath Dr. Theodor Schäffer, zum Ministerialrath in dem Ministerium der Finanzen zu ernennen.
— Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 17. Dezember den Revistonsinspector bei dem Hauptsteueramte Mainz, Adolph Kolb, zum Steuercowmissär des SteuercomMiffariats Alsfeld, und den Finanz- aspirant-n Friedrich Bitsch aus Darmstadt zum Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmerei Reichelsheim zu ernennen. . /riz ,
— Ernannt wurde am 13. December Hermann Döring in Gießen zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kretsamt Gießen mit Wirkung vom 1. Jan. 1888; am 14. December der Stellenanwärter Georg Beismann zu Mainz zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Nieder«Olm mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts. _
- (Mtlitärdienstnachrichten.) Frhr. Röder v. Diersburg, Oberstz.D. unter Erthetlung der Erlaubniß zum Tragen der Uniform des 1. Großh. Heff. c>nf. (Leibgarde«) RegmtS. Nr. 115, von der Stellung al» Bezirks-Commandeur des 1. Bat. (Gießen) 2. Großh. Heff. Landw.-Regmt. Nr. 116 entbunden; Cafparv, Oberstlieutenant z. D., zuletzt Major im 3. Westf. Jnfant.-Regmt. Nr. 16, zum Bezirkscommandeur des 1. Bat. (Gießen) 2. Großh. Heff. Landw.« Regiments Nr. 116 ernannt.
Darmstadt, 16. Decbr. Das gestern ausgegebene Sroßherzogliche Regierungs- blatt, Ministeriums des Innern und der Justiz,
die Ausführung des Bauunfalloersicherungs-Gesetzes vom 11. Julr 1887 betreffend.
2. Namensoeränderungen.
Am^2^Decemb?r wurde dem Schullehrer Karl Becker ru Kirtorf die Le^er- stelle an der Gemeindeschule zu Hopfgarten, an demselben Tage wurde dem Schulamts- aspiranten Georgs Pfeifer aus Mnh°in di- 1. L-hr-rsi-ll- °« der G-metndefchule ,u Ätotfäm‘IxTctober würben dem Land-scuIIur-Jnkect-r Dr. Kl-as ju Darmstadt dr, Functionen eines ständige» Mitglieds der in Gemäßheit des Gesetzes vom 30. Julr J. die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewässer betr., gebüdeten „5a<Wen
Erstes Blatt. Mittwoch den 21. December
Betreffend: Maßregeln gegen das Vagantenthum.
Bekanntmachung.
Nachdem der Kreistag die Errichtung von Naturalverpflegungsstationen in Gießen, Hungen und Grünberg genehmigt hat, ist diese Einrichtung den 20. November l. I. in'» Leben getreten. In diesen Verpflegungsstationen erhält jeder unbemittelte Durchreisende freie Verpflegung und freie» Nachtlager. Durch diese Einrichtung ist für die Unterstützung von armen Reisenden hinlänglich Sorge getragen. Die Unterstützungen werden gegen eine entsprechende Arbeitsleistung der Nachsuchenden gewährt. Durch die Errichtung dieser Stationen soll dem Haus« und Straßenbettel Durchreisender entgegengewirkt werden. Zur wirksamen Durchführung dieser Anordnung ist aber vor Allem erforderlich, daß die durchreisenden Bettler keine Unterstützung von Privatpersonen mehr erhalten. Die Bewohner des Kreises werden daher dringend ersucht, keinerlei Almosen an Durchreisende vom 20. d. Mts. au mehr zu gewähren, sondern dieselben an die Naturalverpfleguugsstatioueu zu verweisen.
Die Naturalverpflegungsstationen befinden sich:
1) in der Herberge zur Heimath zu Gießen,
2) bei Herrn Konrad Groß in Grünberg,
3) bei Herrn Wilhelm Heßler in Hungen.
Die Vorstände der Naturalverpflegungsstationen sind in Gießen das Großherzogliche Polizeiamt und in Grünberg und in Hungen die betreffenden Großherzoglichen Bürgermeistereien. „ t .
Mit der Verpflegungsstation ist nun auch eine Arbeitsnachweisestelle verbunden worden. Wir richten daher an alle Industrielle, Gewerbtrerbende und Landwirthe, welche Gehülfen und Arbeiter bedürfen, das Ersuchen, die Vorstände der Naturalverpflegungsstationen hiervon in Kenntniß zu setzen, damit ihnen vorkommenden Falles die die Stationshülfe in Anspruch nehmenden Arbeitsuchenden zugewiesen werden können.
Gießen, im November 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Centtalbehörde" bis auf Weiteres, am 30. November wurden dem Oberamtsrichter bei dem Amtsgerichte Darmstadt II., Freiherrn Bernhard v. Die mar die Functionen eine» ständigen Mitglieds der Landescommiffion für die Feldbereinigung bis aus Weiteres übertragen.
In Gemäßheit des S 27 der Verordnung vom 24. September l. I., die Ausführung des Gesetzes über die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewässer betr. und des Artikels 13 des Gesetzes vom 28. September l. I., die Feldberetnigung betr., sind von den Provinzialausschüssen zu nicht ständiaen Mitgliedern der „Fachlichen Centralbchörde" und der „Landes-Commission für die Feldberetnigung", bezw. zu Stellvertretern derselben folgende Personen gewählt worden:
Nichtständige Mitglieder: Landwirth Jak. Walter XVI. zu Lengfeld, Landwttth Friedrich Keil zu Melbach, Bürgermeister Joh. Möhn II. zu Laubenheim.
Stellvertreter: Dr. Aug. Heidenreich, Director der Heff. landw. Consumverein, zu Darmstadt, Landwirth Schlenke auf dem Hardthof bei Gießen, Bürgermeister Heinrich Link II. zu Wahlheim.
leb tU nbVV in e”r er ft e Q e an der ev. Schule zu Kastel mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 1200—1600 JL Eine Lehrerstelle an der ev. Schule zu Gimshetm mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 1000-1300
Leipzig, 19. December. Durch das heute veröffentlichte Urtheil gegen den Canzleideamten Karl Paul Cabannes wird derselbe wegen Bestechung, Landes- verraths, Beseitigung amtlicher Gegenstände in Eoncurrenz mit Diebstahl zu einer Zuchthausstrafe von 10 Jahren und Untersagung der Ausübung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre verurtheilt. Die Entscheidungsgründe de» Reichsgerichts im Urtheil gegen Cabannes besagen: Das Gericht sah gemäß den Gutachten der Sachverständigen die Mtttheilung der Verwaltungsberichte al« Landesverrath an, weil der Gesammtcharacter derselben, namentlich die rückhal- losen vertraulichen Mittheilungen darin da» genaueste Bild der Culturverhältnisse in den Reichslanden liefern, deren Kenntniß für Frankreich von höchstem Werth war, indem es dadurch für den Kriegsfall genau wußte, wo der Kundschaftsdienst anzubahnen, ferner wie der Truppentransport zu arrangiren sei, welche Vor- räthe vorhanden seien rc. Cabannes habe zweisello» gewußt, daß das Wohl des deutschen Reiches die Geheimhaltung der Verwaltungsberichte erforderte. Deshalb betrieb der Angeklagte geheimnißvoll die Beförderung der Schriften nach Paris und erlangte die Berichte und andere Verfügungen durch Bestechung. Wa» die überzähligen Copien anlangt, welche der Angeklagte entwendet und bei Seite geschafft hat, so nahm der Gerichtshof darin keine Urkunden nach § 348 an, sondern eine Beiseiteschaffung amtlich aufbewahrter Gegenstände. Bei oer Strafabmessung wurde berücksichtigt, daß der Angeklagte den dem Kaiser geleisteten Eid gröblichst verletzt, Clausstnger verführt und den bisher pflichttreuen Botenmeister Brückner verleitet und in’« Unglück gestürzt hat.
ßngtand.
London, 19. December. Salisbury hielt heute Abend in einer großen Versammlung der conseroativen Bereinigung eine Rede, worin er sagte, er fei genöthigt, sich über die auswärtigen Fragen mit großer Reserve auszulaffen und beschränkte sich deshalb darauf, zu bemerken, daß nach den vorliegenden diplomatischen Informationen kein Grund für den Schrecken vorhanden sei, welcher die Zeitungen wie die Börsen Europas ergriffen zu haben scheine. Man.betrachte oft die Beziehungen fremder Mächte al» kritischer, wie sie wirklich seien, und zwar in Folge einer gewissen rethorischen Schärfe, wie sie unter rivalistrenden Journalisten aufzutreten pflege. Er habe keinen GrundsanMehmen, daß, ab gesehen von gewissen Zeitungsartikeln, der Frieden Europas durch eine unmittel bare Gefahr bedroht sei; er sage unmittelbare Gefahr, well schon die Existenr stet» wachsender Rüstungen eine beständige Gefahr darstelle. Jedenfalls wäre
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. <


