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Amts- und Anzeigkblatt für den Kreis Gießen.

1887.

Donnerstag den 2V. October

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Mreaur Schulstraße 7.

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«BrciS vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Rolls gespielt. Als Vicar von Ostrowo war der Prinz in mehrfache Conflicte mit der Maigesetzgebung gekommen, der gegenüber er den ultramontanen Stand­punkt entschieden versocht und diesen kehrte er auch al» Mitglied der Centrum«, partei de« Reichstage«, dem er seit 1874 angehörte, hervor. Prinz Eomurd ist der drittälteste Sohn de« Fürsten Bogurlav Radziwill, Mitglied der preuht. schen Herrenhäuser (gest. 3. Januar 1873) und geboren am 6. Septbr. 1842, er steht mithin im 46. Lebenrjahre. ....

Prinz Wilhelm von Preußen wie sein Bruder Heinrich trafen, ersterer von Wien, letzterer von Darmstadt kommend, im Lause der Montag in Baveno ein und ist er somit dem deutschen Kronprinzen vergönnt gewesen, einen 57. Geburtrlag im Kreise seiner gesammten Familie feiern zu können. Wie lange di? prinzltchen Brüder in Baveno bei Eltern und Geschwistern ver- weilen werden ist noch nicht bekannt; jedensallr wird aber Prinz Wilhelm zur Begrüßung seiner kaiserlichen Großvater« bet der Heimkehr von Baden-Baden wieder in Berlin anwesend sein. _ .. .

Die aus Schloß Fredenrborg aurgebrochene Masern.Epidemie scheint immer bedenklicher um sich zu greisen. Bon den Kindern der Czaren- paare« sind jetzt auch der Großfürst Georg und die Großfürstinnen Tema und Olga an den Masern erkrankt, dagegen befindet sich Großfürst Michael aus dem Wege der Beflerung. Außerdem sind nicht nur die Kinder der dänischen Kron« vrtmen von dieser nicht ungefährlichen Krankheit befallen worden, sondern auch die Töchter der Prinzessin von Wale«, die Prinzessinnen Maud und Louise. Da» fröhliche Treiben auf Schloß Fredenrborg hat demnach mit einem Male der Stille der Krankenstube Platz machen müssen.

Am Sonntag haben in ganz Belgien die Gemeindewahlen stalt- aefunden, bei denen sich der Hauptkamps, wie bei den Deputirtenwahlen, wie- herum zwischen den Klerikalen und den Liberalen abspielte. Nach den bisherigen Berichten haben beide Parteien ihre Stellungen im Allgemeinen behauptet, ob- Mch In kleineren Gemeinden verfchiedenlliche Verschiebungen in der seitherigen Zusammensetzung der Gemeindevertretungen sich vollzogen. In der Hauptstadl Brüssel wuroen die sämmtlichen liberalen Candtdaten wiedergewählt, mit Au«, nähme einer der fortschrittlich radikalen Coalilion angehörigen Candtdaten; auch in Lüttich und Antwerpen siegten die Liberalen mit sehr großer Majorität. Immerhin geht au« den Gemeinderathr-Wahlen hervor, daß die Stellung der klerikalen Partei in Belgien noch immer eine ziemlich feste ist und er erscheint daher ,weiselhast, ob bei den nächsten Kammerwahlen die Liberalen wieder d>e Mehrheit in der belgischen Repräsentantenkammer erlangen werden.

Der Kriegsminister Ferron entwickelt einen bemerkenrwerthen Eifer in Dienstreisen nach dem Osten und Südosten des Lande«. Erst kürzlich weilte er an der französisch-italienischen Grenze und soll seine Anwesenheit vornehmlich Terratn.Studien bezüglich der geeigneten Verwendung der von Ferron geplanten Alpenjäger.Compagnien, al« Settenstück zu der betreffenden italienischen Special- truppe, gegolten haben. Am Sonntag ist nun der Kriegrmintster nach der Ostgrenze, nach Nancy, abgeretst, um di- neu errichteten Jnsanterie-Regimenter ,u besichtigen und dann die Festungen an der Ostgrenze zu inspictren.

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Deutschland.

Baden-Baden, 18. October. Anläßlich de« Geburtiseste« der Kron­prinzen findet beim Kaiser eine Famlltentasel und gleichzeitig eine Marschalltasel für die Umgebung und einige geladene Gäste statt. Vormittag« empfingen die Majestäten die Großh. Badischen Herrschaften zur Beglückwünschung.

München, 18. October. Kammer der Abgeordneten. Beratung de« Militär-Etal« Eine Generaldebatte sand nicht statt. Bei der Specialdebatte verficherte der Kriegrmintster gegenüber den Erörterungen der Abgg. Franken- bürget, v. Stauffenberg und Ortetet wegen Mißhandlung von Soldaten, datz er jeden derartigen Fall bedauere und daß der Weg der Beschwerde stet» offen stehe. Betreff« der Klagen über die Brodverpflegung der Soldaten verspricht ver Kriegrminister, Erhebungen anstellen zu lassen.

Arankreich.

Paris, 18. October. DasJournal osficiel" veröffentlichil Dekrets welche Anam und Tongking, die bislang dem Ministerium der Äeußern z g theilt waren, fortan dem Ministerium der Marine überweisen unter Kren ung eines Civil-General- Gouverneurs sirr die indisch-chinesischen Besitzungen.

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Politische U-Serskcht.

Gießen, 19. Oclober.

Dar Gerücht von einer Zusammenkunst zwischen Kaiser Wilhelm und ».ll-r Alerander lebt plötzlich von Neuem auf. Aur dänischer Quelle, hem Ritzhaur schen Bureau" in Kopenhagen, kommt die Mitlhetlung, er sei L2WLch daß der Czar in 8 bi« 14 Tagen über Warnemünde -Preisen und Werbet den Kaiser Wilhelm besuchen werde. Bekanntlich hat sich $orae bet Masern-Erkrankung mehrerer Kmder de« russischen Kaiserpaares -^Aufschub in der Abreise der Czarensamilie von Schloß Fredeu«borg nöthtg ' «nacht- ec scheint nun dieser Umstand mit dazu beigetragen zu haben, das SerüLt'von einer Begegnung beider Herrschet wiederum auz wachen zu lassen, EalKasser Wilhelm in dieser Woche au« Baden-Baden nach Berlin heim- «chrt Ritzbau»' Bureau" soll mit den Kopenhagener Hoskreisen Fühlung haben Md insosern hätte seine Meldung allerdings einen gewissen^nt-rgrund; aber etz. re selbst ist einstweilen noch so unbestimmt und zurückhalteno abgefaßt, daß »ii aus Weitere» ihr gegenüber noch Vorsicht geboten erscheint. Jedenfalls dürfte er da gerathen erscheinen, alle Combinationen und Coniecluren über dar in diesem Jahre schon so ost aus der politischen Bildfläche erschienene ProM der Zusammenkunft unserer Kaiser« mit dem Czaren bei Seite zu lassen, bi« bestimmtere Meldungen kommen.

Slaatrsecretär v. Bötticher ist Anfangs dieser Woche von dem Besuche, den er dem Reichskanzler in Friedrichsruhe auf desi-nEmadungabge- stattet, wieder nach Berlin zurückgekehrt und wird man nun hoffentlich Bestimm Ute« über den Termin für die Einberufung des Reichstages, sowie-über, die patlawintarischen Dispositionen insgesammt hören Speciell. soll die Fn°drichs-

ruher Reise des Staalrsecretärs mit der Berichterstattung über denStand der Vorarbeiten »um Alters- und JnvaliditSts.Verficherungr.Entwurse gegolten haben und steht demnach auch nach dieser Richtung hin eine endliche Klärung der Lage zu erwarten. Was die Verlängerung der L-girlatur-Perioden und di- Erhöhung der Getreidezölle anbelangt, so wird versichert, baß die Regierung dem Reichstage weder in dieser noch in jener Beziehung eine Vorlage zu machen, sondern demselben die Initiative zu einem Vorgehen zu uberlaffen gedenke. Ueberhaupt ist, abgesehen von dem angeblich nahezu fertiggestellten Re chshaus Haiti-Etat, noch gar nichts Sichere« über die eigentlichen Vorlagen bekannt und nur hinsichtlich des im nächsten Jahrs ablausenden Socialist-ngesetzes weiß man bereit» daß die Regierung wiederum die einsache Verlängerung deff.lben vor Wagen wird. Wenn in jüngster Zeit hie und da die Vermuthung au«^- Wochen worden ist, e« sei die Aushebung de« Socialistengesetze« in Aussicht genommen, unter gleichzeitiger Verschärfung einzelner Sttasvoychnftenderge. meinen Recht«, so muß dem entgegengehalten werden, daß sich die hierbei in Frage kommenden Verhältnisse seit der letzten Verlängerung, de«. S°ci°"stenge setzes so wenia mm Besseren verändert haben, daß der Reichsregierung wohl : schioerlich der Gedarke an eine Aushebung dieses Gesetzes, dessen Rothwendrgkeit ja zu beklagen ist, imputirt werden kann.

Der Reichs-Anzeiger" brachte kürzlich den amtlichen Bericht über die Ueberreichuna der 50,000 JL, welche die deutsche Regierung der Fannlie des erschossenen Brignon als Entschädigung gewährt hat, durch den deutschen »otschastsr in Paris an den Minister Flauten«. W^s, mit denen Gras Münster diesen Act bealeitete, stnd in weiteren Kreisen nicht bekannt geworoen, ßLerlick werden sie aber dem Inhalt der mit überreichten Rote nur entsprochen Wen ^n derselben spricht die deutsche Regierung nochmals ihr Bedauern über dm Vorfall am Donon aus und versichert, daß derselbe durchaus nichts ksolae des bösen Willens sei, wohl aber wird der Vorsall als ein Ergebniß der diesseitiaen Institutionen bezeichnet, unter denen sranzöstsche Staatsangehörige unLL m leiben gehabt hätten und spricht die Note unumwunden^aus, das deshalb die deulschs^Regierung die moralische ®Pr}*18 9et)aM 6abe, ein

des gegen Letzteren ergeben zu haben, sonst hätte man doch schon etwas ernommen. ronhiimill ist in das Benedictinerkloster Beuron bei

Ä Novize, welcher sich nunmehr in die Einsamkeit der ^ermauern zutü^ in der politischen Vergangenheit des letzten Jahrzehnts ne ch