Lokales.
Gießen, 19. August. Unsere Hoffnungen bezüglich des Wetters haben sich leider nicht criuUt; die Sonnenfinsterniß ging vorüber, ohne daß wir die Sonne auch nur mit einem Blick hätten zu sehen bekommen; wir hatten, wenn wir Io wollen, fort; woprcnb totale Sonnenfinsterniß — nur verdankten wir sie nicht dem Monde, sondern den Wolken, die den Himmel nach allen Setten mit einem Schleier überzogen hatten. Auch der Eintritt des Kernschattens des Mondes in die Erdatmosphäre und die dadurch hervorgerufene Abnahme der Dämmerungshelligkeit wurde deswegen nicht in dem Maße bemerkbar, wie es wohl bet heiterem Himmel der Fall gewesen wäre. Doch war die Verfinsterung zur Zeit der Totalität immerhin eine recht auffallende, sie trat zur vorausbestimmten Zeit ein und dauerte ein bis zwei Minuten. Besonders überraschte die schnelle Zunahme der Helligkeit nach dem Vorübergang der Totalität. Während L L ^/mgen Augenblicke der Verfinsterung hatte man glauben mögen, der Himmel habe sich ganz mit einer dichten schwarzen Wolke überzogen; nach derselben trat indeß im Verlauf von wenig Minuten ein solcher Grad von Helligkeit ein, daß man bequem ote Einthetlung am Aneroid und Thermometer ablesen konnte. Das erstere zeigte in der Zeit von 4«/. bis etwas nach 5 Uhr eine Ab- und Wtederzugnahme des Lustdrucks um etwa d Mm. an, während das leider naß gewordene Thermometer ein Sinken der Temperatur um höchstens 1—2° erkennen ließ. Sonst wurde nichts besonders Ausfallendes wahrgenommen.
Denjenigen, welche mit dem Schreiber dieses hinausgezogen waren und mit ihm r . ""er partiellen Sonnenfinsterniß um eine wenigstens partielle Enttäuschung reicher hennkehren mußten, sei zum Tröste erzählt, wie es früher einmal einem französischen Astronomen, Legentil, bei Gelegenheit der Beobachtung eines Venusdurchgangs erging- StcX°Mn?)flfcCt Meyer, der uns in launiger Weise das geradezu tragische Geschick des armen Legentil mit folgenden Worten schildert: 6
. . ~ DMer unglückliche Verehrer der himmlischen Venus hatte sich zur Beobachtung des Durchganges, welcher 1761 in Indien besonders gut zu beobachten war, trefflich ausgerüstet und bereits 17o9 auf die Reise begeben. Inzwischen waren aber Streitigkeiten zwischen den Franzosen und den Engländern ausgebrochen, und als sein Schiff beinahe an Ort und Stelle war, fürchtete sich sein hasenfüßiger Capitän, von den Engländern m Grund und Boden gebohrt zu werden, wenn er ans Land stoßen würde. Auf diese Weise verspätete sich die Landung und unser Astronom hatte das Malheur, am 6. Juni 1761 als der Himmel in seinem schönsten tropischen Blau prangte, die vorbeigehen zu sehen, während er sich auf hohem Meere in einem schwankenden Schiffe befand, von welchem aus keine astronomische Beobachtung von Werth gemacht werden kann. Aber dieses Unglück entmuthigte ihn noch nicht. Er bur$a“$ die weite Reise nicht unnütz gemacht haben, und da er wußte, daß fHn 3* Jin Venusdurchgang in Indien sichtbar
sem wurde, entschloß er sich schnell, diesen dort abzuwarten. Er richtete also seine astronomische Station in Pondichery ein und wartete, ein geduldiger Seladon unserer capriciösen Göttin, acht Jahre lang auf das heißersehnte Zeichen ihrer Gunst — ohne ?ma^scheidenden Momente, als sie wieder beim Sonnengotte cr Eigensinnigen, von deren Toilettenreichthum doch die nurJcl^r Knappes zu berichten weiß, plötzlich ein, sich mit den dichtesten Wolkenschleiern dem Auge unseres enttäuschten Liebhabers gänzlich zu entziehen. So unh6 Hrf?a^rC" J?7?' ^0 nach zwölfjähriger Abwesenheit, unverrichteter Dinge und wesentlich ernüchtert nach Paris zurückkehren.
, , 19. August. Der Jahrestag der Schlacht von Gravelotte wurde aestern
in herkömmlicher Weise gefeiert. Von den Casernen wehten Fahnen und am Nach- BUS Ä L' »-feS Kto'sSÄ figgS W"M" M in««—w i« c ^7* ^hbittn an dem Schoorgraben längs der Ostanlage sind fast bis iu bem Tborbaufe am Wallthor gebiehen. Die Beendigung der durch die anhaltenden Regengüsse der letzten Tage unterbrochenen Arbeiten steht in Kürze bevor und sollen dieselben mit Fertigstellung dieser Strecke für dieses Jahr eingestellt werden.
Flügelsgasse mit der Nordanlage verbindende — trotz seiner Beschwerlichkeit sehr frequente - Uebergang ist seit einigen Tagen abgesperrt Der Grund Ww°L1u7^ch°n & 6äUfi8m SPa,firen des XtttoA
<txi. ^6 au der Westanlage ist in diesem Jahre tüchtig gearbeitet worden
Trottoirs sind letzt bis zur Dampfmolkerei mit jungen Bäumen befehl • die ^abr- mit^Trottotrs nÄ-^^elle bis zum Neustädter Thor nahezu vollständig gepflastert und LLL0LN Af-eni»«ch der Wea unter den alten Bäumen wird gegenwärtig der
fr.nfH 0eie0\ Wenn dieser Baumgang erhalten bleibt, so verspricht die West- anlage künftig eine der schönsten Straßen der Stadt zu werden. 1
^"6ust. _ Gestern Abend nach 9 Uhr wurde von einem Menschen f1rl ^arft eine mit Sprengstoff gefüllte Patrone ge-
fe^nation explodirte, daß die Einwohner aus der näheren mit Schrecken aus den Häusern stürzten und sich in großer ""sammelten. Zwei im Corridor stehende Frauen kamen mit großem Schrecken davon, sonstiger Schaden entstand nicht. Der Thäter flüchtete und ^Cr k fiC mrber Ci!ii n^encn allgemeinen Panik leicht entkommen. Es wäre ru ahNwürde^ nichtswürdige Bubenstreich durch Ergreifung des FrevK
Vermischte
. . ®'«rmitabt, ^6.August. Der penstonirte Gensdarm Herzberger, welcher schon wk von Geistesstörung zeigte, wurde verhaftet, weil er sich mit seinen zwei Kinern, welche er dazu aus der Schule abgeholt hatte, ertränken wollte Eine dn @nbe<8cma4?:abCrÖ<r 3 D°r cin 0en 2Jlonalcn ihrem Leben im Woog gleichfalls
regiments zu Fuß nach dem Exercierhause gebracht, wo dieselben von den Regiments- Eommandeuren übernommen wurden. Im Broncesaale des Stadtschlosses fand hierauf für die Theilnehmer an der Feier ein Dejeuner von 120 Gedecken statt.
Metz, 18. August. Die Bekränzung der Denkmäler der Kriegergrabstätten auf den Schlachtfeldern von Metz hat heute durch Mitglieder der Kriegervereine aus Sachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein programmmäßig stattgefunden. An dem bei den Gräbern der bei St. Privat gefallenen Sachsen errichteten Denkmale hielt der Vorsitzende Metzger des Kriegervereins eine begeistert aufgenommene Ansprache. An den Kaiser und den König von Sachsen wurden von sämmtlichen Mitgliedern der Kriegervereine Huldigungstelegramme abgesandt.
Wien, 18. August. Das „Fremdenblatt" constatirt gegenüber bezüglichen unrichtigen Meldungen, daß das Konsularcorps in Rustschuk anläßlich des Empfanges des Prinzen von Coburg weder geflaggt habe, noch erschienen, noch überhaupt aus seiner äußersten Reserve herausgetreten sei.
Petersburg, 18. August. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt, die Proklamation des Prinzen Ferdinand an die Sobranje könne als offenbarer Trotz, als eine Aufforderung an die Bulgaren angesehen werden, sich über alle Verpflichtungen hinwcgzusetzen. Bezüglich des vorgestrigen Artikels der „Nordd. Allg. Ztg." sagt das Journal: „Derselbe ist klar, durchaus korrekt und kann uns in keiner Weise überraschen. Wir erwarteten solches von dem Berliner Blatte, verharren auch bei unserer Ansicht, daß die Haltung des Prinzen von allen Regierungen ebenso beurtheilt werden wird. Der Prinz scheint sich Rechnung davon abgelegt zu haben, daß der Bruch mit bem öffentlichen Rechte ein vollendeter ist und er geht, wir wollen nicht sagen, mit Entschlossenheit, sondern mit Ueberstürzung und blind die Wege des Abenteuers weiter."
Moskau, 18. August. Die „Moskauer Zeitung" fordert die Regierung zu energischen Schritten bezüglich Bulgariens auf. Eine Okkupation Bulgariens sei einstweilen nicht erforderlich, es genüge, der Pforte, die eine zweideutige Rolle spiele, ju erklären, daß sie selber, wenn sie die Ordnung in Bulgarien und Cftiumelten auf der genauen Grundlage des Berliner Vertrages nicht wieder herstelle, von Rußland für die Verletzung des Vertrages durch den Prinzen von Coburg verantwortlich gemacht werden könne. Die „Mosk. Zlg." weist dabei gleichzeitig auf eine Okkupation Trape- zunts und Erzerums durch Rußland hin.
△ Mainz, 18. August. Gegen einen hiesigen Bankier schwebt , alltäglicher Beleidigungsproceß, der durch Vermittelung der hessi chm Gesa?hÄ tnId*
entstanden ist. In eine umfangreiche Criminalprocedur verEtt?Ä*11 Bankier, der mehrere Wochen in Untersuchungshaft gehalten worden in einJr VrQLbr correspondenz nach Paris Behauptungen zu Papier gebracht, di"' sich bnb^k l°ss°n, °ls hab- das mit bem Strafproceg gegen den Sanfte befd>8fffi parteiisch geurteilt und der fungirenbe Staatsanwalt sich von Feinden schuldigten bestechen lassen. Der Adressat des Briefes, der durch den Bantt,? $?0<? in großen Verlust geraden, hat die Correspondenz der hessischen ©taat"Dertr??19eb Varis behändigt, worauf solche auf diplomatischem Wege in die Hände d!r K 3 Staatsanwaltschaft und von da zur Kenmniß des betreffenden Staatsanwalts in dem Strafproceß gegen den Bankier amtirenben Mitglieder des £anbaerirhfa a r ba In Gemeinschaft mit dem, angegriffenen Staatsanwaft haben nunmebr die räthe Dr. Pauly, Dr. Bockenheimer, Dr. Berdelle, Steinern und Or. Tbaler^Ä^'^^ wegen Beleidigung gegen den Bankier gestellt. y ötrafantrag
— Unsere Heeresleitung, die in vorsorglicher Weise alle der Wat und mu^ Herstellung erkrankter und verwundeter Soldaten gewidmeten Anstalten jetzt ihr Augenmerk daraus gerichtet, in welcher Weise und durch welck/^A ' $Qt Vorrichtungen der Transport auch der schwer Verwundeten und Kranken „ T“n0§= und gesichert werden kann. Dem Vernehmen nach hat vor Kurzem ein? mit solchen Lagerungsoorrichtungen auf einer der Berliner Bahnstrecken n«k^te -wischen dem Schlesischen Bahnhof und Erkner, stattgefunden. diesem m l®!1 waren verschiedene Vorrichtungen in einem Personenwagen vierter Classe lDur^^ system^) getroffen worden, von denen ein in einem Wasserkasten schwimmend^ und eine in einem Holzrahmen ruhende Gummimattatze, welcher durch Auf^s-» - t beliebige Spannung gegeben werden konnte und welche durch eingeUgtc Sanh t Jf ame^mafeigen Einsinken gehindert war, ganz besonderes Interesse erregten auch di- Versuch- nach nicht abgeschlassen sind, soll, wie die „N. versichert, das Resultat doch ein überraschend günstiges gewesen fein, so b’ahnnn bdben Benanntcn Vorrichtungen künftighin bei dem Eisenbahntransport ÄS und Kranker ein wesentlicher Vortheil erwartet werden kann. Auch die ,
Dermattung wendet diesem Gegenstand- ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge w tS sie wiederholt Versuche zur Förderung dieser Humanitären Bestrebungen anMt,
,, d-i einem Ausfluge Leipziger Radfahrer ereignete sich ein bedauere werther Ungluckssall. In der Nähe von Mügeln fuhr einer der Th-ilnebm-r Ausweichen mit ferner Maschine gegen einen Baum und brach dabei das Gen ck verstarb auf ber Stelle. vmia.
Jnstruktionsstunde.s Unterosficier: „Was thut der Soldat wenn er stirbt? (Nachdem er verschiedene Antworten kopfschüttelnd angeböri) All-q ni§Uansl"2BCnn bCr 6° ba fHrbt' ,4elbet er «leichzeitig aus dem MiIi,är°E,-
Literarische».
„Universum" - rcdigirt von Jesko von Puttkamer Verlag, des Universum tn Dresden - welches in der Reihe unserer Zeitschristen durch di-außerordentliche Fülle der reichhaltigsten und interessantesten Beitrage unserer ersten Schriftsteller und Jllustrationskünstler hcrvorragt und sich als ein Familienblait in bk.,^°"ktS?^u'ung überall eingebürgert hat, beschließt^ mF7n Nummem ^3 unb 24 feinen brüten Jahrgang. Auch biefe treiben Hefte bieten einen ebenso reichen ?!Lanr!!Än ^^^st"ff: ausgezeichnete Novellen unb Erzählungen, volksthümliche unb frisch geschriebene wissenschaftliche Aufsätze, flotte Reiseplaudereien, actueUe Artikel aus ben toalonö, moberne Kunftler-, erheiternbe Solbaten-Hurnoresken, landschaftliche Skizzen, entzuckenbe Kunstbeilagen von ben bedeutendsten Künstlern ber Gegenwatt
i so manchen Eustrirten Journalen die Illustrationen die Haupt-^und die ^k^i Vbitrage nur Nebensache sind, geht beim „Universum" Text und Illustration Hand in Hand unb bet Beiden gilt ber Grundsatz: „Das beste ist gerade gut genug." Cr^C u Aes/es 24 ist der Aufsatz „Partenkirchen im Frühlingskleide" ©trühPr 1 m k Original-Illustrationen nach der Natur gezeichnet von Ott- Zr mm -a?er bayerischen Sommerfrischen, Partenkirchen, am Fuße
ber 9000 ^ufe hohen Zugspitze, wird hier in Wort und Bild sehr anschaulich vor- gefuhrt. Für die vielen Auswanderer und Amerika-Reisenden werden die ttisischeii.
t r „Nach Amerika" gewiß sehr willkommen sein. Das
Gedichte, nur im äußersten Falle, d. h. wenn sie ein w k a Lesern spenben kann, publicirt sie ein solches. Unb in
^^icht „Am Bergsee" von Emil Rittershaus eine Perle der lyrischen eLmmor'? » allgemeine Rundschau enthält u. A. einen zeitgemäßen Aufsatz „Berliner Ammer von Paul von Schonthan, den iUuftrirten Aussatz „Die Kaiserglocke y° ner Adolf Ebeling, „Gemmen und Campen" von Severin
qwVtlr U* a\«k f@e?r reichhaltig ist ber illusttirte Theil. 'Wir nennen nur: rtLtAVl1 dadersee' gezeichnet von & Unger, „Rückkehr von der Alm", Ori- m SÄnung von Wilhelm Hummer, und „Cäsars Tod", nach dem Gemälde vor P. mochegrosse.
♦öuhl und Derkehv.
® ö.e."' 16- Auf dem heute und gestern dahier abgehaltenen Viehmark K" ?-U getrieben: 4 Pferde, 1292 Stück Rindvieh und 523 Stück Schweine. Di- Preise hielten sich den früheren gleich.
Nächster Markt Dienstag ben 30. b. Mts.
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Kirchliche Anzeigen der Gtn-t Gieße»
Evangelische Gemeinde.
G o t t e s d i e n st.
11- Sonntag nach Trinitatis, 21. August.
o> Vormittags 9*/a Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
av e: A K-,/1 u6r: Pfarrvikar Kl-berger aus Gießen.
Die Kinderkirche füllt aus.
8q„U^. ?ibel- und Missionsstunde in der Kleinkinberschuln V 28, 18-20: Leben des Dr. Ludwig Krapf, weil. Missionars in Ostaftika» Pfarrer Dr. Naumann.
Am Sonntag, den 28. August, Feier des heiligen Abendmahls; Beichtt am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 21. bis 27. August besorg Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
<n z> Sonntag nach Pfingsten.
Von 6 Uhr an Beichte.
Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Eommunion- VglO Uhr: Hochamt und Predigt-
nr * 2 Uhr: Andacht. ,
Am Donnerstag um 8 Uhr Gottesdienst mit Te Deum zur Feier d«! Namensfestes Sr. König!. Hoheit des Großherzogs.
Gottesdienst in der Lynagoge.
Freitag Abend 6« Uhk, Samstag Morgen 8 Uhr, SamStag Mittag 4 to t Samstag Abend 8 Uhr.


