Nr. LS 3w-it-s Bia« Sonntag o-u 20. Februar <887
siebener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau: Schulstraße 7.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf
Amtlicher Hheiü
Bekanntmachung.
Grvßherzvgliche» Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Ortsvorstande zu Allendors an der Lumda die Erlaubniß ertheilt, in Verbindung mit dem im Frühjahr l. I. daselbst statlfinoenden Markte eine Verloosung von Vieh und landwirthschaftlichen Gegenständen zu veranstalten. Es dürfen höchstens 50u0 Loose ä 1 JC. jur Ausgabe gelangen und müssen mindestens 70% des Bruttoerlöses aus den Loosen zum Ankäufe von Gewinnsten verwendet werden. Der Vertrieb der Loose ist im Gioßherzvgthum gestattet worden.
Gießen, am 17. Februar 1887. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Bekanntmachung.
G» wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz dem Vorstand der ständigen Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe zu Weimar die Eilaubniß ertheilt hat, die Loose einer im Lause dieses Jahres zur Förderung der Zwecke der genannten Kunstanstalt vorzunehmenden Verloosung von Gegenständen der Kunst und des Kunstgewerbes innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben.
Nach dem von der zuständlgen Behörde genehmigten Verloosungsplan dürfen 300 UÜl) Loose i*Z v4L für das Vollloos in 2 Klaffen ausgegeben werden.
Giehen, den 17. Februar 1887. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
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Wochen • Uebersicdt.
Gießen, 19 Februar.
Der Kaiser ,st in Folge der anhaltenden raunen Witterung von einem leichten Schnupfen'Fieber, verbunden mit Heifrkeit, befallen worden, io daß der hohe Herr genöchigt ist das Zimmer m hüten. Auch die gewohnten Spazierfahrten hat der Kai er unter d m Einfluffe der ungünstigen T.mperalur- Verhältniffe schon seit einigen Tagen ausgeützt.
Der deutsche Botschafter am italienischen Hose, Herr o. Keud ell, welcher gegenwärt'g aus Urlaub tu D ntschland w ckt. ist dem Vernehmen nach der Ueberbrmger eines Haudich-eiben» König Hurnber's au Kaiser Wilhelm gewesen. Die Wichtigkeit der Urlaubsre.se de» Her-n o. Kandell würde hierdurch all in schon in ein helles Licht gesetzt werden. Ende dieses Monats wird Der Botschafter am seinen römischen Post n zu'ückkehren.
Die letzte Woche vor dem entscheidenden Wahltage hat die Wahlbewegunq aus ihren eigentlichen Höhepunkt gebracht, was ja ganz »rklärlich ^scheint, da jetzt, unmittelbar vor dem Ausgange der Bewegung, alle Parteien das Aeußerste thun, um das Votum der Wädlermaffen in diesem o'er jenem Sinne zu beeinflussen. Die nur kurze, aber stch Dafür um so inlensior äußernde Wahlbewegung hat mancherlei charakteristische Momente gezeigt, von denen das -Eingreifen des Papstes m das Wahltreiden wohl als vas intereffantefte erscheint.
Aus die Veröffentlichung einer kaiserlichen Proklamation in Sachen der Reichstagswahlen ist an maßg- bei der Stelle definitiv Verzicht geleistet, mit der Motioirung, daß die Wünsche res Kaisers in der S^ptennalS- rrage der Nation auch ohne eine berait'ge Kundgebung längst bekannt seien.
Der Statthalter Fürst Hohenlohe hat den Elsaß-Lolhiiugern die Bedeutung der bevorstehenden Reich-tagswahlen in eimm b funkten Manifeste klargelegt. Von dem in Berliner Blättern au^g^ai chten Gerüchte, es würde, falls die elsaß-lothringischen Wahl n wieder im protestlerischen Sinne ausfielen, sofort der Belagerurgsmstand Über die Reichslande verhängt werden, ist in dem Manifeste des Statthalters nicht bie geringste Andeutung enthalten.
Anläßlich der in Straßburg, Metz und Müblhausen entdeckten Verbindungen dortiger Einwohner mit der französischen Patrioten-Liga ist der Ober«Reichsanwalt Teffendorf mit dem Berliner Criminal-Commiffar Taufch zur persönlichen Leitung der Untersuchung in Straßburg eingetroffen.
Nach zweitägigen Verhandlungen hat stch auch das preußische Herrenhaus am Dienstag wieder vertagt, so daß zur Zeit der Bundesrath das parlamentarische Feld in Berlin allein beherrscht. Aas den Bund s athsbeschlüff n aus dieser Woche ist die Verhängung des Kleinen Belagerungszustandes über Stettin und Umgegend hervorzuheben.
Im Osten Europa» verstärken stch die Anzeichen einer baldigen Lösung wenigstens der bulgarischen Regentschafts-Frage. Die bulgaliichen Delegirten sollen stch mit der Pforte dahin v.rstänbigt haben, daß Die neue Regentschaft au» Stambuloff, Zankoff und einer noch zu bestimmenden dritten „neutralen" Persönlichkeit zu bestehen habe; auch soll Bulgarien eimn neuen KriegSminister erhalten. Freilich bleibt die Bestätigung dieier ganzen Meldung noch abjumarttn.
Die Magyaren haben ihre patriotische Opferwilligkeit durch einstimmige Genehmigung des im ungarischen Abgeorbnetenhause eingebrachten ersten außerorbentlichen Creditentwuiss von 7^ Millionen Gulden fettens des Finanz- und Wehrausschuffes bethätigt. Im Plenum selber wird bie Forderung ebenfalls sofort angenommen werden, da stch die Führer der verschiedenen Parteien hierüber schon verständigt haben. Im Flnanzausschuffe wies Ministerpräsident Tisza bei Begründung der Forderung auf seine letzen @r Harun gen über die politische Lage hin und sprach er hierbei wiederum die Hoffnung auf Erhaltung de» Friedens aus, zugletch aber betonend, daß dies nicht von der Pflicht entbinde, die notbroenbigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Heber die Verhandlungen des österreichischen Abgeordnetenhauses hinsichtlich der da
selbst eingebrachten ersten außerordentlichen Creditforderung von 12 Millionen Gulden lagen noch keine Berichte vor.
Der vielgenannte russische General v. Kaulbars ist dem Gesichtskreise Europas vorläufig entrückt worden, indem er feine Ernennung * zum russischen Milttärat.achs in Teheran erhalten hat. Nach seiner Rück- । berufung aus Bulgarien wurde Kaulbars dem Oberstcommandirenden des i Petersburger Militärbezirks zur directen Verfügung gestellt, doch scheint man \ in den leitenden Kreisen Petersburgs über feine fernere Verwendung einiger | maßen in Verlegenheit gewesen zu sein, bis man ihn nun nach Teheran ge- \ schickt hat. Arn Hase des Schah'S von Persien dürfte Minister Kaulbars wohl weniger Gelegenheit zu Schwabenstreichen haben, als das in Bulgarien der Fall war.
Im englischen Unterhause versuchen die Gladstonianer und Par- nelliten die Adreßdebatte in's Unendliche zu verschlepven, da ihnen dieselbe Gelegenheit gibt, die irische Politik des CabinetS Salisbury immer auf's Neue zur Zielscheibe ihrer Angriffe zu machen In der Mittwochs - Sitzung des Unterhauses ersuchte der erste Lord des Schatzamts, Smith, bad Haus, Die Abreßbebatte endlich einmal zum Abschluß zu bringen, wogegen Parnell erklärte, daß die ernsten Zustände in Irland eine weitere Erö terung derselben erheischten. Am Schluffe der Sitzung kündigte Smith einen Antrag an, welcher die Priorität für die Berathung der Reform der Geschäftsordnung bezweckt und demnach gegen bie Verschleppungstaktik der Opposition gerichtet ist. Erst soll aber die Berathung der Abreffe beenbigt werden, ehe bas Haus an diejenige des Smith'schen Antrages herangeht. Mittlerweile treiben in Irland bie berüchtigten „Monbscheinler - Banben" ihr verbrecherisches Wesen ungescheut fort. In ber Nähe von Ballycar wurden ein Gerichtsvollzieher und zwei Polizeibeamte aus einem Hinterhalte be choffen, wobei alle drei Beamte ernste Verwundungen erhielten. Die Unschlüssigkeit des Parlamente ermutigt die Banden augenscheinlich in ihrem Treiben.
Lokale-.
Gießen, 19. Februar. sStadtverordnetensitzung vom 17. Februar, Nachmittag» 4 Uhr.j Anwesend Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Beigeordneten Gnau lh und Keller, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Baist, Georgi, Grüncberg, Hanstetn, Hoch, H omberge^,' Jughardt, Kauf, 91b. 9toll, August Noll, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schopdach, Simon, Vogt und Wallenfels. , t f
lieber die in voriger Sitzung berührten Mißstände auf dem Viehmarktplatze erstattet der anwesende Stadtbanmeister Bericht, sowohl bezüglich des angehäuflen Eises als auch der Aufstellung des Fasselvieheö. Der Stadtbaumelster wild beauftrag!, die Benutzung des abgefahrenen Elses, wie früher, zu Wiesendung in Verwendung bringen zu lassen, sowie die Veränderung des Vtehstandes, beides nach Vorschlag des Stadtverordneten Simon vorzusehen.
Die Verhandlung über das Gesuch des Herrn Aug. Prell, den Betrieb einer Schaukwirthschaft betrestend, fällt aus, da das Gesuch inzwischen zurück- gezogen wurde.
Die Gesuche der Frau M. Burkhardt, Bahnhofstraße 58, der Herren Ioh. Stein (Restauration Busch), Seltersweg 79, und W. Schomder, Neuendaue 5, um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein, werden, da die Bedürfntßfrage von der Commission bejahend entschieden wurde, befürwortet.
Der Voranschlag der sachlichen Bedürfnisse für die höhere und er weiterte Mädchenschule, in Höhe von 1260 X. wird genehmigt.
Die Baufluchtlinie auf dem Neuenweg wird nach dem Vorschlag der Baudeputation vom 5. October 1885 nochmals gutgeheißen.
Zn der Verhandlung über die Düngung der städtischen Wiesen, f welche von dem Wiesenvorstand verschiedene Kunstdünger vorgeschlagen wurden, g Herr Simon die Verwendung des Kehrichts als Wiesendung in Vorsch g, welche er sehr gute Resultate erzielt hätte. Auf Antrag wird eine Wh J «u dem seitherigen Wiesenvorstand und dem Herrn Stadtverordneten ^vg t - bestehend, ernannt und derselben die Berathung dieser Angelegenheit, ft
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Expropriation denselben das Rechtsverfahren zu überlassen, h fl fl


