Nr. 15
Mittwoch dcn 19. Januar <867
ießener Anzeiger
Amts- und Anzcigeblatt für dm Kreis Gießen. * 1 II
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Amtlicher Hheil.
Betreffend: Netchstagswahlen. Gießen, den 17. Januar 1887.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grobherzoglichen Bürgermeistereien des «retses.
Nachdem Großherzogliches Staatsministerium die Vorbereitungen zu der demnächstigen Reichstagswahl angeordnet hat, übersenden wir Ihnen mit nächster Post die hierzu erforderlichen Formularien (Wahlprotokoll und Wählerliste) unter dem Auftrag, die Wählerliste sofort in doppelter Ausfertigung aufzustellen, und vorerst nicht abzuschließen. Die Stimmberechtigten sind nach Zu- und Vorname, Alter, Stand oder Gewerbe und Wohnort in alphabetischer Ordnung in die Wählerliste einzutragen. Einlagebogen zu der Wählerliste sind nach Bedarf mit der Feder herzustellen. Zu Ihrer Instruction verweisen wir auf §§ 1—3 und 7 des Gesetzes vom 31. Mai 1869 (Bundesgesetzblatt von 1869, Seite 145) und S§ 1 und 7 des Wahlreglements vom 28 Mai 1870 (Bundesgesetzblatt von 1870, Seite 275).
Die Offenlegung der Wählerlisten (§ 2 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870) hat unfehlbar Montag den 24. I. M. zu beginnen Wir weisen Sie daher an, Freitag den 21. und Samstag den 22. l. M. in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen, daß die Listen der Wähler von Montag den 24. Januar bis Montag den 31. Januar 1. I., beide Tage einschließlich, Vormittags von 9 bis 12 Uhr And Nachmittags von 2 bis 5 Uhr in dem von Ihnen zu bestimmenden Lokal (Bürgermeisterei-Bureau oder Gemeindehaus) zu Jedermanns Einsicht ausgelegt seien und daß Einsprachen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Liste innerhalb 8 Tagen nach Beginn der Auslegung bei Meidung des Ausschlusses Lei Ihnen vorgetragen werden müssen.
Wegen Bildung der Wahlbezirke, Ernennung der Wahlvorsteher und deren Stellvertreter erfolgt weitere Bekanntmachung.
Ihrer Anzeige über die vollendete Aufstellung der Wählerlisten sehen wir bis zum Freitag den 21. I. M. unfehlbar entaeaen. __Dr. Boekmann._________________________
Nr. 1 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 14. d. Mts., enthält:
(Nr. 1691.) Verordnung, betreffend die Auflösung des Reichstags. Vom 14. Januar 1887.
(Nr. 1692.) Verordnung, betreffend die Wahlen zum Reichstag. Vom 14. Januar 1887.
Gießen, den 18. Januar 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Bekanntmachung.
Herr Landwirthschastslehrer Leithiger von Alsfeld wird kommenden Sonntag den 23. L M., Nachmittags 3 Uhr, zu Grünberg im Saale des Gasthauses „Zum Rappen" in einer Sitzung des landwirthschastlichen Lokalvereins einen Dortrag über Düngung halten.
Alle Landwirthe und Freunde der Landwirthschaft werden hiermit zur Theilnahme eingeladen.
Gießen, den 17. Januar 1887. Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen.
_________Nover._______________________
Gießen, am 17. Januar 1887.
Der Director des landwirthschastlichen Desirksvereins Gießen
an die Herren Bürgermeister deS KVeifeS in der Umgebung von Grünberg.
Ich ersuche Sie, vorstehende Bekanntmachung in geeigneter Weise zu verbreiten und stch nach Möglichkeit zu bemühen, daß diese wichtige Versammlung recht zahlreich besucht wird.
____________________________________ Nover.
Darmstadt, 16. Januar. Se. Durchl. Prinz Ludwig von Batten- berg begiebt stch heute Abend in dienstlichen Angelegenheiten auf etwa 8 Tage nach England.
Darmstadt, 17. Januar. (Zweite Kammer der Stände.) Der Erste lk Ausschuß hält am Donnerstag, 20. Januar, eine Sitzung mit folgender or( Tagesordnung:
N 1) Antrag der Abgg. Grünewald und Schade, betr. die Erbauung einer oi Eisenbahn von Hersfeld über Alsfeld nach Kölbe. 2) Antrag des Abg. Theo- bald und Genossen, betr. das Gymnasium und das Realgymnasium, bezw. die , Realschule zu Mainz und den sog. Mainzer UniversitätSsonds. 3) Antrag der 3 Abgg. Kugler und Böhm aus Errichtung eines Gymnasiums in Offenbach n auf Staatskosten. 4) Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der et Justiz, die Einweisung von den am 3. März 1886 vorhandenen Wittwen und ß Waisen in höhere Wittwengehalte betr. 5) Vorlage Großh. Ministeriums der
i Finanzen, betr. Bewilligung einer Entschädigung an den Bauunternehmer Becker * zu Ludwigshöhe für Verluste bei den Arbeiten an dem Dienheimer Bergrutsch.
6) Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz und der Finanzen, iek betr. die Erbauung einer Zellenstrafanstalt. 7) Verschiedene neue Einläuse.
tt Berlin, 17. Januar. Bei Empfang des Präsidiums des Herrenhauses ;öi äußerte der Kaiser über die Auflösung des Reichstages, es habe ihn als Deut- ?l Ihen und Preußen sehr ernst gestimmt und tief betrübt, daß man die für Er-
II Haltung des Friedens für Deutschland so wichtige Vorlage abgelehnt habe. Es ' habe ihn dies nach so vielen glücklichen Tagen, die ihm in seinem hohen Alter et beschieden gewesen seien und besonders nach seiner achtzigjährigen militärischen N Dienstthätigkeit aus's Tiesste schmerzlich berührt. Die Bewilligung aus 3 Jahre hätte vom militärischen Standpunkte als ausreichend nicht erachtet werden können.
N Der Kaiser gab der Hoffnung späterer Bewilligung der Vorlage Ausdruck und wünschte den Landtagsarbeiten gutes Gedeihen.
— Der Kaiser nahm Vormittags den Vortrag Wilmowski's entgegen ' rund empfing daraus die zur Theilnahme an dem morgigen Ordenskapitel einge- ni troffenen Ritter des Schwarzen Adler-Ordens, die Generale Schachtmeier, 1 Weihern-Barenkow und Stolberg. Das Ordenskapitel wird morgen Nachmittag i Uhr abgehalten; um 5 Uhr findet alsdann bei dem Kaiser em großer - Diner statt.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Corresponvenz ■ Brrrearr.
Berlin, 17. Januar. Abgeordnetenhaus. Zu Präsidenten, resp. Vicepräsidenterr wurden Köller, Heremann, Benda per Acclamation wiedergewählt. Dieselben nahmen die Wahl dankend an. — Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. Donnerstag Etats- beralhung.
— Das Herrenhaus verwies den Antrag Solemacher, eine Adresse an den Kaiser zu erlassen, an eine aus zehn Mitgliedern bestehende Commission. Beseler (nationalliberal) erklärte, er und seine politischen Freunde würden dem Erlaß einer Adresse einstimmig beitreten und zwar unter dem Eindrücke der Worte, welche der Kaiser bei dem gestrigen Empfange des Präsidiums gesprochen, welche des Kaisers tiefsten patriotischen Schmerz über die neuesten politischen Vorgänge ausdrückten. 'Für die Motive dagegen könne er sich nicht erklären, er finde ein Bedenken gegen die darin an den Beschlüssen des Reichstags geübte Kritik, er hoffe, es werde der Commission gelingen, das diesbezügliche Bedenken zu beseitigen.
Berlür, 17. Januar. Zwischen den Centralvorständen der Conservativen, der Reichspartei und den Nationalliberalen ist in Betreff der Reichstagswahlen gestern ein Abkommen dahin abgeschlossen worden, daß der Besitzstand der drei Parteien gewahrt, nur ein Anhänger des Septennats gewählt und bei Stichwahlen auf jeden Fall für ein Mitglied einer der drei Parteien gestimmt werde.
— Dem kommandirenden General des zweiten Armeekorps, Dannenberg, ist am 15. Januar der Abschied bewilligt und der Gouverneur von Straßburg, General- lteutenant Burg, mit der Führung des zweiten Armeekorps beauftragt worden. Generallteutenant Heuduck wurde definitiv zum kommandirenden General des 15. Armeecorps, der Kommandeur der ersten Division, Verdy du Vernois, zum Gouverneur von Straßburg ernannt.
Köln, 17. Januar. Die Rheinschifffahrt ist wegen Treibeis seit gestern eingestellt. Die hiesige Schiffbrücke wird heute Abend abgefahren.
Frankfurt a. M., 17. Januar. Heute begannen vor der hiesigen Strafkammer die Verhandlungen gegen 36 Socialdemokraten, von denen 23 am 10. November v. I. in der Wirth schäft bei Prinz, die übrigen später verhaftet und in Untersuchung gezogen wurden. Staatsanwalt Uhles vertritt die Anklage, Rechtsanwalt Holdheim hat die Vertheidigung der Angeklagten übernommen. Ein Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde abgelehnt. Der Angeklagte Füllgrabe gibt zu, daß hier eine vollständige Organisation der socialdemokrattschen Partei bestanden habe.
Brüssel, 17. Januar. Mehrere Führer der socialistischen Partei begaben sich nach dem Becken von Charleroi, angeblich um einen allgemeinen Strike um jeden Preis zu verhindern.
Triest, 17. Januar. In Folge einer heftigen Bora herrscht andauernder Schneefall. Der Schnee liegt fußhoch. Die Kälte beträgt 3 Grad.


