ihre Schlüsse immer negativer Natur und Virchow's Urtheil mag schließlich doch als das Richtige sich erweisen.
Uaiversttäts «Ehronik.
— Berlin hat die größte, bisher von einer Universität erreichte Frequenz erzielt: 5478 Studirende für das laufende Wintersemester. Die Juristen und Medtciner halten sich nahezu die Waage (1430 und 1316), werden aber von der alles umfassenden vierten Facultät um 50pCt. übertroffen (1931), während die facultas venerabills der Theologen über 800 Zuhörer zählt. Außerdem sind 1590 ältere Personen zum Hören der Vorlesungen berechtigt, was eine Gesammtfrequenz von über 7000 ergibt, wiederum über 1100 mehr als im abgelaufenen Sommersemester. Don Ausländern sind heroorzuheben 163 Amerikaner, 94 Russen, 37 Engländer und ebensooiele Ungarn, 41 Asiaten, 17 Rumänen. 14 Italiener.
Lokale-.
Gießen, 17. December. ^Schwurgericht.) Die Strafsache gegen die Handelsleute Jacob Sleinhauer und Liebmann Katz, beide aus Hungen, wegen Meineids bezw. Verleitung hierzu beschäftigte das Schwurgericht volle zwei Tage. Steinhauer war beschuldigt, am 14. Januar d. I. vor dem Amlsgeiichte zu Hungen, am 16. Aug. d. I. vor dem Schöffengerichte daselbst und am 11. Oktober d. I. vor hiesiger Strafkammer den vor seiner Vernehmung geleisteten Zeugeneid wissentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt zu haben und Katz war der Beihülfe zu diesem Verbrechen angeklagt. Die umfangreiche Verhandlung, in deren Verlauf auch die als Zeugen ausgetretenen Handelsleute Schiff und Simon wegen Verdachts des Meineides verhaftet wurden, endigte gestern Abend nach 10 Uhr mit Verurtheilung der beiden Angeklagten. Steinhauer wurde in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren 10 Monaten, Katz in eine solche von 1 Jahr 6 Monaten verurtheilt, beide unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren, sowie Verlust der Fähigkeit, als Zeuge oder Sachverständige eidlich vernommen zu werden. Gegen den seither auf freiem Fuß gewesenen Katz wurde sofort ein Haftbefehl erlassen.
Vermischte ».
— (Der Baum des Winters.) Wenn im Sommer die ganze Baumwelt im vollsten Blätterschmuck prangt und ein lustig, lustig Heer leichtbeschwingter zwitschernder Bewohner die rauschenden Zweige und Wipfel belebt, dann ragt unter all' dem sonnen- heiieren Glanze ein gar stiller, ernster Gesell empor, der erst zum Ansehen gelangt, sobald der Wintersmann das buntgewordene Laub zur Erde^schüttelt und nun die armen Bäume — ihrer schönen Zierde beraubt — kahl und traurig die dunklen Aeste auf aen Himmel strecken. Dann ist die Zett gekommen für den Tannenbaum! die Zeit der Ehren und des Glanzes. — Immer grün — ein Bild der Festigkeit und Treue — steht er da, inmitten von Schnee und Eis — des Winters Stürme ruhig Stand haltend, seinen Frost nicht fürchtend. Fesselt ihn doch ein gar inniges Freundschaftsband an den alten Murrkops, der ihn schätzt und achtet, ihn und seine ganze Familie, wie sonst keinen anderen Baum, denn trotz feiner rauhen Außenseite ist gerade der eiskalte Winter die eigentliche Jahreszeit des Gemüthes, und die Neigung, die an das grüne Nadelholz ihn bindet, beruht — wie alles Wahre, Aechte, Dauernde — auf Gegenseitigkeit. — Beide kennen und ehren einander, und deßhalb halten sie sich lieb und werth. und deßhalb hat auch der gegenwärtige Herrscher auf dem Throne des Jahres seinen immergrünen Günstling zum Mittelpunkt gemacht der winterlichen Freuden. — Wenn alle Bäume dürr und kahl sind, dann labt des Menschen Auge wie ein Hoffnungsschimmer das wenige Grün, das als Symbol der Beständigkeit durch das weiße Leichentuch der Natur leuchtet, und grüßt, wie einen lieben, gerngesehenen Freund, den treuen Tannenbaum, der gleich einem Sinnbild ihm erscheint von unaufhörlichem rastlosem Walten der Gottheit in der scheinbar tobten Natur. — Und derselbe sriichgrüne Baum, den des Winters guter Geist, der Weihnachtsmann, zum schönsten, liebsten Schmuck des Ehristfestes in Bereitschaft hält, er deutet zugleich schon jetzt hoffnungsvoll auf das junge Grün des neuen Frühlings hin!
„O Tannenbaum, o Tannenbaum!
Wie grün sind Deine Blätter! — Du grünst nicht nur zur Sommerszeit, Nein, auch im Winter, wenn es schneit. O Tannenbaum, o Tannenbaum, Wie grün sind Deine Blätter!"
— Die Verlegenheit des neuen französischen Präsidenten um ein Ministerium spiegelte sich selbstverständlich auch in den Witzen der Boulevardblätter wieder. So schildert der „Gaulois" eine Scene von einem Droschkenhalteplatz vor dem Elysöe: „Kutscher, sind Sie frei?" — „Nein, mein Herr, wir sind alle besetzt. Man kann gar nicht genug Wagen auftreiben, um nach neuen Minister-Candidaten zu schicken!"
Literarisches.
Die »Thier-Börse" heißt ein in Berlin (Herausgeber Dr. Langmann) erscheinendes Blatt, welches sich seit der Zeit seines Bestehens die Sympathien aller Thierfreunde erworben hat. Das Blatt ist nicht nur Fachblatt, sondern ein Familten- blatt im eigentlichen Sinne des Wortes. Neben vorzüglichen Illustrationen und interessantem Text bekommt man ein erschöpfendes Bild von dem gewaltigen Kauf-, Verkauf- und Tauschverkehr unter den Thierzüchtern und Thierltebhabern des In- und Auslandes und damit verwandten Geschäftszweigen. Bei dem überaus billigen Abonnementspreis (nur 50 Pf. das ganze Vierteljahr bei allen Postan- stalten und Briefträgern, frei in die Wohnung 65 Pf.) sollte das Blatt in keiner Familie fehlen. Wer Tbiere kaufen, verkaufen oder tauschen will, annoncirt am billigsten und zweckmäßigsten nur in der „Thier-Börse."
Landwirthfchaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— Bei der Anlage von Mistbeeten werden namentlich zwei Methoden befolgt, nach der einen werden die Beete mit festem, hohen Kasten, nach der anderen mit niedrigem und deshalb transportablem Kasten gebaut. Den letzteren ist aus mancherlei Gründen der Vorzug zu geben. Länge und Breite der Kästen hat sich natürlich nach der Größe der Fenster zu richten, doch ist immer zu beachten, daß kleinere Kästen bequemer zu behandeln und zu handhaben sind. Die Kästen sind aus gehobelten Brettern herzustellen und zwar hinten ca. 60, vorn 40 Ctm. hoch, nach dem Unterschiede richtet sich die Stellung der Fenster, die mit ihrer Neigung immer nach Süden gerichtet sein sollen. Hin und wieder ist auch der Versuch gemacht worden, die Mistbeetwände zu mauern, aber nie mit günstigem Erfolge. Selbst wenn man poröse Steine nimmt, halten sie die Wärme nicht so gut, wie die Holzwände. An der gewählten Stelle des Garten«, die trocken sein muß, legt man bann eine höchstens 30—40 Ctm. liefe Grube, 20—28 6tm. länger und breiter als der Kasten ist, an und bringt in diese zwei den ganzen Boden bedeckende Schichten frischen Pferdedünger, der gut festzutreten ist. Beide Schichten sollen, nachdem sie festaetreten sind, etwa 20—30 Ctm. hoch fein. Auf diese Mistschicht stellt man nun den Kasten so, daß er von den Rändern der Grube gleich weit entfernt ist. In den Kasten wird nun Mist lose gefüllt und
zwar bis ziemlich an das Fenster. Daffelbe wird ausgedeckt und das eingerichtete Beet einige Tage sich selbst überlaffen. Außen an den Kasten wird Laub geschüttet und in den verbliebenen Zwischenraum zwischen Kasten- und Grubenwandung fest eingetreten. Inzwischen setzt sich der Mist im Kasten. Ist das in 4—5 Tagen geschehen, so wird rr gelüstet. Oben auf den Mist bringt man nun eine Schicht Laub und darauf die gewünschte Erdmischung. Letztere muß ca. 25—30 Ctm. hoch sein. Soll das Mistbeet bepflanzt werden, so wird man nach Bedarf die Erdschicht tiefer machen, bei Aussaaten eventuell flacher. Die Seitenwände des Kastens sind in bekannter Weise durch Dünger, Laub und Erde gegen das Eindringen der Kälte zu schützen.
— sDer Kalk als Düngemittel.) Der Kalk ist einer der Bestandthcile des Bodens, die für die Landwirthschaft von großer Bedeutung sind, und deshalb ist auch schon seit langem die Düngung mit Kalk gebräuchlich. Jeder Landwirth weiß ja, welche vorzügliche Wirkung der Kalk auf das Gedeihen des Klees, der Kartoffeln und der Hülsenfrüchte hat. Immerhin muß das Kalken mit Vorsicht geschehen, da er einmal leicht den Boden erschöpft, und andererseits leichten, humusarmen Sandboden durch Mörtelbildung fast werlhlos macht. Wie es Pflanzen gibt, die einen sehr kalkhaltigen Boden lieben, und die, wie z. B. Esparsette im Stande sind, ihre Wurzeln in den mürben Kalkstein hinein zu treiben und ihre Nahrung daraus zu entnehmen, so gibt es auch andere Pflanzen, die gerade auf Aeckern am besten gedeihen, die kalkarm sind. DaS häufige Vorkommen solcher Pflanzen gibt dem Landmann einen, wenn auch nicht unfehlbaren Fingerzeig darüber, ob ein Acker kalkarm ist, also eine Kalkdüngung beansprucht. Das Wuchern von Sauerampfer, und ebenso das reichliche Vorkommen von Ackerschachtelhalm und Wegerich sind Anzeichen für die Kalkarmuth des Bodens. Ist dann der Boden noch humusreich, so ist die Kalkdüngung anzuwenden. Am vortheilhafteften wird ungelöschter Kalk zu dem Zwecke angekaust, seine Verwendung läßt mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Erreichung des gesteckten Zieles hoffen. Hauptsache ist nur, daß der Kalk, der gelöscht wird, nicht breiig, sondern ganz fein pulverisirt wird. Am besten erreicht man dies, wenn man den ungelöschten Kalk im Herbst ober Wintersanfang auf das zu düngende Feld fährt, dort in kleinen Hausen aussetzt und diese mit Erde bedeckt. Geschieht das bei feuchtem Wetter, so wird durch Die eindringende Feuchtigkeit der Kalk gelöscht und zerfällt zu einem feinem Pulver. Nach einigen Tagen werden die Hausen mit der sie bedeckenden Erde umgestochen, wenn große Stücke vorhanden sind, diese obenauf gelegt und die Haufen nochmals bedeckt. Sie können bann so stehen bleiben, bis Zeit zur Ausbreitung bes Kalkes ist. Dies muß möglichst balb geschehen, ebenso das vorzunehn ende flache Unterpflügen. Denn der Kalk mug Zelt haben, vor der Bestellung seine Wirkung auf den Boden zu üben, die nach Tbaer darin besteht, daß er die organischen Bestandtheile des Bodens löst, und sie zur Pflanzennahruna geeignet macht, die überflüssige Säure neutralisirt und dem Booen Kohlensäure zuführt, und endlich zerstört Ka'.k weichlich gewordene, lebende Pflanzen, wirkt afto auf die Vernichtung des Unkrautes.
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.
(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.)
Aufgebote.
December: 12. Wilhelm Schildwächter von Homberg a. O., Sergeant dahier, mit Luise Brusius von Dannenrod, wohnhaft zu Frankfurt a. DL 12. Carl Adolph Georg Falkenheiner, Königlicher Amtsrichter zu Orb, mit Elisabeth Lina Louisa Gelhaar zu Gießen. 13. Wilhelm Grosch von Mackenzell, Kreis Hünfeld, Schmied dahier, mit Mathilde Becker von Michelsrombach, Kreis Hünfeld, wohnhaft dahier.
«heschlietzuuge«.
December: 14. Johann Jost Karl Schmehl von Schönbach, Amts Herborn, Taglöhner dahier, mit Anna Maria Erb von Rieder-Ohmen, wohnhaft dahier.
Geborene.
December: 6. Dem Fuhrmann Georg Lich ein Sohn. 7. Dem Schreiner Justus Heck ein Sohn, Robert Bernhard Adolf. 8. Dem Schreiner Johannes Leih ein Sohn, Johann Heinrich. 8. Dem Schuhmacher Theodor Kliffmüller eine Tochter. 9. Dem Bahnhofs-Restaurateur Jean Kirck eine Tochter. 10. Dem Schmied Franz Brunow ein Sohn, Franz Wilhelm. 11. Dem Hülfsheizer bei bef Main-Wescr-Bahn Georg Keller ein Sohn, Georg Philipp. 12. Dem penfionhten .Rangtrer Georg Merket ein Sohn.
Setiorbene.
December: 10. Marie Margarethe Clementine Luh, 5 Jahre alt, Tochter von Schuhmacher Georg Luh dahier. 10. Franz Kohlermann, 88 Jahre alt, Hofgerichts- adookat dahier. 10. Franz Wilhelm Brunow, 9 Stunden alt, Sohn von schmied Franz Brunow dahier. 10. Philipp Mai, 76 Jahre alt, Fuhrmann dahier. 11. Auguste Christine Retter, geb. Petri, 54 Jahre alt, Wittwe von Kaufmann Johann Christian Retter dahier. 12. Karl Heinrich Ludwig Ernst George, 4 Dlonate alt, Sohn von Hülfsbremser bei der Main-Weser-Bahn Johannes George dahier. 12. Carl Hofmann, 47 Jahre alt, Taglähner von Groß-Karben. 12. Johann Wilhelm Euler, 4 Jahre alt, Sohn von Metzgermeister Hermann Euler dahier. 13. Heinrich Philipp Hahn, 8 Monate alt, Sohn von Magazinsarbeiter Christoph Hahn dahier. 13. Heinrich Strack, 30 Jahre alt, Schuhmacher dahier. 14. Wilhelmine Elisabethe Reinschmidt, 15 Jahre alt, Tochter von Lokomotivführer Kaspar Reinschmidt dahier. 15. Margarethe Bertha Muth, 10 Jahre alt, Tochter von Steiger Johannes Muth dahier. 15. Margarethe Massenkeil, 23 Jahre alt, ledig von Braunfels. 16. Minna Dietz, 21/« Jahre alt,, Tochter von Heinrich Dietz von Angersbach.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde. /
Getraute.
Den 14. December. Johann Jost Karl Schmehl, Taglöhner in Gießen, und Anna Maria Erb, ledige Tochter des verstorbenen TaglöhnerS Johann Georg Erb in. Nteder-Ohmen.
Getaufte.
Den 11. December. Dem Schmied Johann Ludwig Becker ein Sohn, Georg, geboren den 19. November.
Denselben. Dem Bahnarbeiter Karl Horn ein Sohn, Paul Karl, geboren den 8. November.
Denselben. Dem Schneider Johann Peter Leilich ein Sohn, Heinrich Kart August, geboren den 4. December.
Beerdigte.
Den 12. December. Franz Kohlermann, Hofgerichtsadvokat, unverheirathct, alt 88 Jahre, gestorben den 10. December.
Den 13. December. Philipp May, Taglöhner, verwittwet, alt 76 Jahre, gestorben den 10. December.
Denselben. Auguste Christine Retter, geb. Petri, Wittwe des verstorbenen Kaufmanns Christian Retter, alt 54 Jahre, gestorben den 10. December.
Den 15. December. Heinrich Strack, Schuhmacher, verheirathet, alt 30 Jahre, gestorben den 13. December.
Den 16. December. Wilhelmine Elisabeth Reinschmiha ledige Tochter des Loco- motivführers Karl Reinschmidt, alt 15 Jahre, gestorben Den 14. December.
Allgemeiner Anzeiger.
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