— Gestern erließ der Prinz an die Sobranje nachstehende Proklamation:
„Wir Ferdinand I., durch Gottes Gnade und den Willen der Nation Fürst -von Bulgarien, erklären, nachdem wir den feierlichen Eid vor der großen Nationalversammlung in der alten Hauptstadt Bulgariens geleistet haben, unserem geliebten Volke, daß wir die Züael der Regierung in die Hand nehmen und dieselbe gemäß der Verfassung führen werden. Entschlossen, alle Bemühungen für das Gedeihen, die Größe und den Ruhm des Landes aufzuwenden und bereit, seinem Glücke unser Leben zu weihen, halten wir es in dem Augenblicke, wo wir den Thron der glorreichen Könige Bulgariens besteigen, für unsere geheiligte Pflicht, dem braven und muthvollen Volke Bulgariens unseren Dank auszusprechen, sowohl für das Vertrauen, welches es uns bezeugte, indem es uns zum Fürsten wählte, als auch für die patriotische und weise Haltung während der schwierigen Zeit, die das Land durchzumachen hatte. Die heroischen Bemühungen, welche das Volk gemacht hat, um seine Rechte, seine Ehre und seine Interessen zu wahren, haben ihm die Sympathien der gesammten ciotlisirten Welt verschafft und Allen den Glauben an seine Lebenskraft, sowie die Gewißheit eingeflößt, daß das Volk in seiner Entwickelung einer glänzenderen und glücklicheren Zukunft würdig ist. Wir danken Euch, Regenten und Ministern, für die weise Führung der Geschäfte. Dank derselben habm Sie es vermocht, die Unabhängigkeit und Freiheit des Landes zu retten. Ueberzeugt, daß das Volk und die tapfere Armee sich um den Thron schaaren und uns unterstützen werden bet allen Bemühungen für das Glück des Vaterlandes, rufen wir den Segen Gottes herab auf alle Handlungen und Entschlüsse, welche wir in Zukunft fassen werden. Es lebe Bulgarien, das frei in Ausübung seiner Rechte ist! Ferdinand."
Ein neues Ministerium hat der Prinz noch nicht gebildet, auch dürfte er ein solches vor seiner Ankunft in Sofia nicht bilden. Die Abreise nach Philippopel soll morgen früh erfolgen.
Nußland.
Petersburg, 16. August. Es wird ein Gesetz veröffentlicht, wonach alle Bahngesellschasten, für deren Reingewinne die Regierung auskommt oder welche der Regierung Gelder schulden, ihre Budget» dem Verkehr-mtnister zur Bestätigung vorlegen müssen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Eorresponderrr-Brrrearr.
Berlin, 16. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt, den telegraphischen Nachrichten aus Ttrnowa zufolge habe der Prinz von Eoburg am 14. August den Eid auf die Verfassung geleistet und eine Proklamation erlassen, worin er sich von Gottes Gnaden nenne, zu seinem „freien" Volke spreche und anzeige, daß er den Thron der hochberühmten bulgarischen Zaren bestiegen habe; die Proklamation schließe mit den Worten: „Es lebe das freie und unabhängige Bulgarien!" Der Mächte und des Sultans geschehe keine Erwähnung und der ganze Zusammenhang der Kundgebung erwecke den Anschein, als ob sie die Bedeutung einer Unabhängigkeitserklärung haben solle. Schon die Reise des Prinzen nach Bulgarien und die Ucbernahme der Regierung inoolvire eine Verletzung des Artikels 3 des Berliner Vertrags. Sollten obige telegraphische Nachrichten sich ihrem ganzen Umfange nach bestätigen, so würde ein verstärkter Bruch des bestehenden Vertragsrechts constatirt sein, welchen die deutsche Politik nicht gutheißen könnte; es sei Thatsache, daß dieser Sommer der dritte sei, in welchem rechtswidrige Vorgänge in Bulgarien die Ruhe und Friedensaussichten störten, deren Befestigung allen Großmächten am Herzen liege; dies könne dem bulgarischen Volke die früheren Sympathien der Mächte, welche für die Erhaltung des Friedens thätig seien, unmöglich wieder erwerben.
Frankfurt a. M., 16. August. Die von ca. 400 Mitgliedern aus allen Theilen Deutschlands besuchte constituirende Versammlung des evangelischen Bundes beschloß, nach einstimmiger Annahme des Bundesstatuts, an Se. Majestät den Kaiser folgendes Telegramm zu senden: „Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät bringt der evangelische Bund zur Wahrung der deutschen evangelischen Interessen auf seiner ersten Generalversammlung zu Frankfurt a. M. im Namen seiner zur Zeit etwa 10000 Mitglieder aus allen Theilen Deutschlands in tiefster Ehrfurcht seine aller- unterthänigste Huldigung dar. Möge es dem Bunde in seinem Streben, die Glieder der evangelischen Kirchen Deutschlands in ihrem Glauben zu festigen und zu einigen durch Gottes Gnade vergönnt sein, unter Euer Majestät glorreichem Scepter unferm treueren Vaterlande zu dienen und ihm die Segnungen der Reformation zu erhalten und zu mehren. Euer Majestät allerunterthänigster: Der evangelische Bund. Graf Wintzmgerode."
„ Hamburg, 16. August. Der auch als Schriftsteller auf dem nattonal-öconomi- fchen Gebiete bekannte Chefredacteur der „Hamburgischen Börsenhalle", Heinrich Dannenberg, ist heute Mittag an einem Herzschlage gestorben.
Metz, 16. August. Der „Lothringer Zeitung" zufolge wurde Professor Jenot vom Lyceum zu Nancy als der Spionage verdächtig auf dem Glacis des Forts Alvens- leben gestern Vormittag verhaftet, nach dem Gouvernement gebracht, wo seine Personalien festgestellt wurden und dann in's Untersuchungsgefängniß abgeführt. Jenot ist aus Lorry bei Metz, wo er die Sommerferien zubrachte.
Metz, 16. August. Der gestern verhaftete Professor Jenot wurde heute Mittag aus der Halt entlassen.
.. dasel, 16. August. lieber den sonntägigen Unfall auf dem Falkniß wird wetter gemeldet: Die Besteigung des Falkniß wurde von 4 jungen Männern und einem Mädchen unternommen, sammtlich Schweizern. Bei dem Abstiea alitt im Edelwetbsuchen das Mädchen (Elise Hepp aus Chur) aus, ließ das Rettungsstil fahren unl splu !n«? C1J ?b0runb,™,?er junge Ranwalder und Pankratius Boner stürzten »ach bei dem Versuche, das Mädchen zu retten, indem sie bei dem Sturz noch riefen die Begleiter sollten in Mayenstld Hilfe holen. Die Hilfe war indeß vergeblich- alle drei wurden tobt aufgefunden. uuc
tr^»dariS, 16 August. In Bordeaux und Umgebung wüthete gestern ein gftafn l?Cr Unb*^inblröC ^störend. Durch Sturm wurden zwei Bahnzüge versttzt nach Arcachon gegeneinander gestoßen; siebzehn Reisende sind leicht
Tirnowa, 16. August. Der Prinz besuchte vorgestern und gestern das Truppender bei der Stadt und wurde dort enthusiastisch begrüßt. Die Commandeure all?r Garnisonen versicherten dem Prinzen persönlich oder schriftlich ihre Ergebenheit und Treue Der Prinz verlaßt heute Tirnowa, übernachtet in Gabrowo, ist morgen ttr Kasanlik und tnfft am Donnerstag in Philippopel ein. 6 n in
Lokale-.
m 1? .A^ust. Die diesjährige Prüfung der Gerichtsschreiber- und
Ä Ä 5Br0D,ni ObtrM,cn be6innt LÄ wir mittHleOag dis ÄHri^SttstÜngsfist Äs TurÄ^-lİeIn^trÄmr Hinb-^
wegen nicht am 21 August, wie praiecttrt war, stattfindet, sondern am 4 S-ä mker und zwar in Stein s Garten, Vach dem vorläufig ausgestellten Urnnminm^ l. |o[0enbe<5 von Interesse sein: Vormittags: Wettturnen der Zögling? I?mlbübr- Ausstellung des Zuges in Oswald's Garten und Abmarsch durch d e Kmtu Ste n's Garten. Stad) Ankunft daselbst: Freiübungen, Musterri-g-n? Schau ' nd Kurturnen, Schaufechten und Abends Tanz. ö(yau' unt)
Gießen, 17. August. Die Schwurgerichtssitzungen des III Quartals morb™ unk-r dem Vorsitze des Herrn Landgerichisraths Wiener am 20. S-ptcmbc^, ihren Anfang nehmen. ^picmuer i. j.
— Heute Mittag stürzte ein Arbeiter von einem Neubau in der
herunter. Der Schwerverletzte wurde nach der Klinik verbracht. hnhofstraße
verwischt«».
△ Mainz 16. August. Mit dem heutigen Tage haben die hier stattaebabten Bclagerungs- und Festungsmanvocr ihr Ende erreicht. Das letzte Manöver galt einem
waren, mit lauten Hülstrustn stürzte NI
— Am Sonntag Morgen lagen über Rhein und Mosel die ersten t, A Worms, 16. August. Gegen einen geachteten hiesigen Bewohner tft ßS der Staatsanwaltschaft Anklage auf Majestätsbeleidigung erhoben worden gw geschuldigte hat am verflossenen Kaisersgeburtstag bei einer Wirthshausunt^s^' eine unüberlegte Aeußerung gethan, die ein mitanwesender Gast für eine beleidigung hielt und Anzeige erstattete. ' nc ^°Mtäts-
A Aus dem Rheingau, 16. August. Nach verschiedenen gleicblauknb^ Mittheiiungen soll in den Herzoglichen Gärten wieder die Reblaus constatirt sein und zwar an Reben, die vor etwa 12 Jahren von Cannstatt bezogen word-n m i . ?on der Bergstraße. Vor einigen Tagen lief in Heppenheim so!aende originelle Depesche aus dem Elsaß ein: „Herr A.! Schicken Sie mir sofort drei Ni,« „halbverhungerte Kinder!" — Alsbald erschien ein Dienstmädchen des Herrn A nm Postschalter mit einem verhältnißmäßig kleinen Päckchen. Erstaunt fragte der Postbeamte, der auch von der angekommenen Depesche wußte: „Sind dies die drei Nies halbverhungerte Kinder?" worauf ihm mit einem „Ja" geantwortet wurde. — Lerr A ist nämlich Buchdrucker und druckt für die Orgelleute jene „Morithaten" bk nehft Lied gemeinschaftlich für 10 Pfg. zum Verkaufe ausgeboten werden. (® . . Nürnberg 10 August. Sobald ein Gerichtsvollzieher seinen Pfändungsbefehl in der Tasche hat, ist ihm nichts mehr unmöglich. Ein hiesiger Gerichtsvollzieher bat es fertig bekommen, einem Radfahrer mitten in der Fahrt das Velociped unter dem Leibe wegzupfänden. Uebrigens wäre die Hetzjagd, welche der Mann des Gesetzes hinter dem Radfahrer her anstellte, wohl doch ohne Erfolg geblieben, wenn nicht eine holperige Strecke im Straßenpflaster denselben zu langsamerem Fahren gezwungen hatte. So gelang es dem Verfolger, den Radfahrer einzuholen und fliegenden Alberns das bekannte Zettelchen auf das Gefährt zu kleben. Wohl oder übel mußte nun der Radfahrer absitzen und trüben Auges zuschauen, wie sein edles Stahlroß von bannen geführt wurde.
_ , Berlin, 14.August. Wenn doch sich Alles so bezahlt machte, wie das Singen' Sein diesjähriges Gastspiel im Kroll'schen Theater dahier hat dem Tenoristen Bötel nicht weniger als 29,008 JL 55 eingetragen.
_ — Nachdem zur Feier der Fertigstellung eines hohen Schlotes der Genossm-
schaftsbraueret in Apolda drei Brauburschen im Innern des Schlotes hinaufgeklettert waren, um auf dem Essenkranz ein kleines Feuerwerk abzubrennen, holte ein Vierter, in dem Glauben, einen guten Scherz auszuführen, ein Bündel Rapsstroh und zündete es unten in der Feuerung an, um seine Kameraden „etwas einzuräuchern". In Folge
J,n de?* Schornstein entwickelnden Gluth wurden die Burschen gezwungen, zum Schlot hinauszusteigen und sich mit großer Lebensgefahr am äußersten Rande seft- zuhmten. Einer von ihnen liegt jetzt krank darnieder. Dem Uebelthäter wird sicher durch eine gehörige Strafe der Glaube, daß er einen guten Scherz vollbracht hat, genommen werden.
— Die Schwurgerichtsoerhandlungen der Provinz Rheinhessen für das R , nehmen den 12. September unter dem Vorsitz des Landgerichtsraths vr Bock, ihren Anfang. uc«9«mer
— Am Niederwalddenkmal ereignete sich am (5am§tag ein bebauerlirfkr 1^-..= fall. Eine Frau von Putten aus Rotterdam in Begleitung ihres 12iäbriopn bemerkte plötzlich, als sie sich von einer Mark erhob, daß ihre Kleider in Branb n-^?^ waren, mit lauten Hülferufen stürzte N»Dame nach der Denkmalsierrask dem Betriebs-Secretair Knieper aus Nippes die erste Hülfe ward, indem ber a D°rt Herr seinen Ueberzieher über die brennenden Kleider warf und so die^lnmm.« maßen erstickte. Der ganze Körper der Dame, die sofort mit Hülfe Jordan in das Krankenhaus nach Rüdesheim verbracht wurde, ist mit r^r§ bedeckt, von welchen einige sehr erheblich sein sollen. Mit Bestimmtheit ist daß das Unglück dem sträflichen Leichtsinn zuzuschreiben, brennende GiaarrSimm^ oder Streichhölzer wegzuwerfen. ^'garrenstummel
Angriff auf das Fort Hardenberg, nach dessm Beendigung durch den Cb,k b.? m und Pioniercorps, General von Strehle, eine Jnspicirung der Truppen st!r?r ^enie- der letzteren nahmen auch Se. Konigl. Hoheit der Großherzog, sowie^^der Erb^Ä Sn der Fürst Alexander von Bulgarien und verschiedene höhere Offiziere Tbttl^S^og, Schluß stattgehabte Parade der Pioniere wurde von Sr. Könial Hoheit Herzog abgenommen und von Oberst-Lieutenant von Pagenstecher commondirt
— Das der Firma Stenz & Bruckmüller hier gehörende Lokalem „Adolph" ist heute im hiesigen Hafen gesunken. Aus unaufgeklärter !L das Schiff während der Nacht eine Leckage, in Folge dessen bis zum Taa?san? * schon solche Wassermassen eingedrungen waren, daß das Sinken nicht mebr^Äb^ werden konnte. M u«gnwen
_ , ~ Die Biergläser-Deckel, welche über 10 pCt. Blei enthalten, müssen mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes über den Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen beseitigt werden. Das Gesetz tritt am 1. October d. I. in Kraft.
_ . — sGoldene Hochzeit eines Deutschen in Amerika.) Die „N.-Y. Staatsztg." schreibt. Pastor Carl Weitershausen in Allegheny (Pittsburgs Schwesterstadt) feierte oiefer Tage seine goldene Hochzeit. Der greife Geistliche ist bereits 76 Jahre alt, das hindert ihn aber nicht, noch bet jeder passenden Gelegenheit die Pittsburger Vereins-
ir c feine Dichtungen^ zu verschönern. So begrüßte er dieser Tage wieder die Theilnehmer des großen Sängerfestes in Allegheny mit einem hübschen Gedicht. Er wurde am 11. Januar 1811 in Bellersheim im Großherzogthum Hessen als Sohn des dortigen Oberförsters Weitershausen geboren. Seine erste Jugend verlebte er im eiter- Heben Hause, aber schon im Alter von 7 Jahren wurde der aufgeweckte Knabe in das Knaben-Jnstitut des Onkels des Dr. Karl Weitershausen in Gießen geschickt und etwa anderthalb Jahre spater bezog er das Gymnasium in Darmstadt. Auf dieser Anstalt blieb er bis zum Jahre 1829, in welchem er, nachdem er ein glänzendes Abi- turienten;(Sjainen bestanden, die Universität Gießen bezog, um sich dem Studium der Theologie zu widmen. Mit eisernem Fleiße lag der junge stad, theol. seinen Studien ob unb fd)°n nach dreijährigem Studium konnte er sein erstes Staatsexamen machen und erhielt vom damaligen Prorector der Universität, dem Professor Vogt, dem Vater des berühmten Naturforschers Karl Vogt, ein glänzendes Abgangszeugniß. Die damaligen kläglichen politischen Verhältnisse, die Demagogenriecherei und das Schicksal seiner treuen Freunde Adolph Spies und August Becker veranlaßten ihn, seine theologische Carridre im engeren Vaterlande aufzugeben und auszuwandern. Kurze Zeit vor seiner Auswanderung fungirtc er als Hauslehrer. Dann verlobte er sich mit kiner jetzigen Frau. Arn 23. Juli 1837 wurde Weitershausen mit seiner Braut vom Vater derselben getraut und schon 5 Tage nach der Hochzeit verließ das junge Paar eine Heimath, um sich in Bremerhafen nach Amerika einzuschiffen. Am 26. September landete das Paar in Baltimore. Er erhielt sehr bald eine Predigerstelle in der deutschen Gemeinde zu Chambersburg, die er bis zum 1. April 1839 bekleidete. Einem Rufe der eo. prot Voegtly'schen Gemeinde in Allegheny Folge leistend, siedelte er dann mit mehreren anderen deutschen Familien nach Allegheny über. Dieses Amt bekleidete er bis zum Juli 1846, worauf er die Predigerstelle in der damals neu gegründeten yer. eo. St. Pauls-Gemeinde übernahm, die er bis zum Jahre 1874 inne hatte und Dann aus Gesundheitsrücksichten niederlegen mußte. Der überaus glücklichen Ebe des Paare» entsprangen neun Kinder, von denen jetzt noch drei Söhne und eine Tochter am Leben sind; die ältesten Söhne machten den Rebellionskrieg mit und kehrten als Officiere heim.
— sDas verunglückte Diner.) Dr. X., ein junger Wiener Schriftsteller, hat sich • oor Kurzem ein eigenes Nestchen gebaut. Eine Köchin sorgt für die Bedürfnisse des ■ jungen Ehepaares, das sich, obwohl Frau Dr. X. aus einem sehr wohlhabenden Hause.- stammt, nach dem Wunsche des Gatten auf bürgerlich bescheidenem Fuße eingerichtet: hatte. Da ereignete es sich, daß die Köchin, als sie eben mit dem Einkaufskorbe vom: Markte zurückkehrte, so unwohl wurde, daß sie sich auf der Stelle zu Bett begeben i mußte. Dr X. machte feiner Frau den Vorschlag, den Mittagstisch im Gasthause ein-' zunehmen; die junge Frau wendet dagegen ein, das Fleisch könne verderben, sie weioe: also selbst kochen. Dr. X. machte schüchtern Einwendungen, aber die Energie der Dame: behält selbstverständlich Recht. „Ich habe doch einen theoretischen Kochkursus erst ganzi kürzlich durchgemacht, Du sollst Deine gute Suppe haben und eine Zuthat zum Fleische: indet sich auch unter meinen Vorräthen", erklärte sie eifrig. Der junge Ehemann fügt sich und setzt sich an den Schreibtisch, um zu arbeiten. Frau Dr. X. beginnt tn. ber Küche eifrig zu wirihschaften, nach einer geraumen Weile erscheint sie im Zimmer des Gatten, um sich, mit einer Arbeit in der Hand, an seiner Seite niederzulassen. - „Nun, Du kochst nicht?" - „Doch, ich habe jetzt das Fleisch zugesetzt, das muß nun zwei gute Stunden in aller Ruhe kochen. Ich bin für jetzt ganz überflüssig m oer


