Rr. SS. Erstes 'Blatt. Sonntaa den 17. Avril
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Durcaur SchulftraHe 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. ??rteljährlich 2 Mark20Pf. mit Bringerlobn.
ö Durch die Poft bezogen vrerteljahrlich 2 Mark 50 Vf.
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Amtlicher Theik. ~
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat März 1887 veröffentlicht:
Hafer «4L 12.83, Heu «X 5.75, Stroh JL 5.75 pro 100 Kilogramm.
Gießen, am 15. April 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Gefunden: 1 Brille, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Cigarren-Etui, 1 Schürze, 1 Taschenmesser, 1 Ball mit Netz, 1 Zwicker, 1 Paar Stiesel- schäften, 1 silberner Schirmring, 1 Halstuch.
Gießen, am 16. April 1887.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
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KeuLschlaud.
X Darmstadt, 15. April. [II. Kammer der Landstände.j Die Verhandlungen nahmen heute mit dem Art. 3 des Feldbereintgungsgesetzes ihren Fortgang.
Art. 3 lautet: Die Bereinigung soll nicht blos bei freier Vereinbarung sämmt- licher Grundeigenthümer, sondern auch dann stattfinden, wenn die Besitzer von mehr als der Hälfte des Flächengehalts der zu bereinigenden Grundstücke dieses beschließen und das Ministerium des Innern und der Justiz nach Anhörung des Kreisausschusses die Genehmigung zur Ausführung ertheilt.
Die Bereinigung unterbleibt, wenn Fünfsechstheile der betheiligten Grundbesitzer derselben widersprechen.
Heber die Regulirung von Gemarkungsgrenzen und die dazu erforderliche Zuziehung von Grundstücken einer angrenzenden Gemarkung beschließt das Ministerium auf Antrag der Vollzugs-Commission und nach Anhörung der Kreisausschüsfe, wenn die Einwilligung der betheiligten Gemeinde-Vorstände und Grundeigenthümer nicht erfolgt ist."
Hauptsächlich ist es der Absatz 1 des Artikels, welcher bestimmt, unter welchen Verhältnissen eine Consolidirung von Grundstücken stattfinden kann, gegen welchen die Abgeordneten Vogt, Ellenberger, Stephan und Wolz sprechen.
Sämmtliche Redner stellen zu diesem Art. 3 Abänderungs-Vorschläge, welche theils dahin gehen, daß die Bestimmung der Consolidirung nicht der Besitz-Majorität, sondern 5/e, resp. 3/4 der betheiligten Grundbesitzer anheimgestellt werde.
Ein von Abg. Osann und Genossen etngebrachter Antrag, welcher das Gesetz von 1857 und 1871 zu Hilfe genommen wissen will, um den Absttmmungsmodus für die Vornahme der Consolidirung zu regeln, wird von Seiten Großh. Regierung durch den Staatsminister Finger auf das Lebhafteste bekämpft.
Staatsminister Finger erklärt, die gleichen Bestimmungen wie in dem Gesetzentwurf seien in den verschiedenen süddeutschen Staaten vorhanden und zwar zum Wohle der Landwirthschaft. Auch die Regierung habe erkannt, daß das Gesetz von 1871 nicht ausreichend sei und nur aus diesen Gründen sei das vorliegende neue Gesetz dem Hause zur Berathung gegeben worden. Er empfiehlt die Annahme im Sinne der Reglerungsoorlage.
Der Berichterstatter, Abg. Haas, empfiehlt ebenfalls die Annahme des Artikels im totnne der Regierungsvorlage.
Nach erfolgter Abstimmung über den Abs. 2 und 3 des Artikels findet derselbe müssen e mit Aenderung, daß Vs der Grundbesitzer der Consolidirung zustimmen Absatz 3 wird gestrichen.
Morgen früh 9 Uhr Sitzung.
_r Berti», 15. April. Der Kaiser empfing Vormittags den zum Vice- Ooerfchloßhauptmann ernannten Grafen Dönhoff, hierauf den Oberhospreoiger Kögel, den österreichischen Militärbevollmächtigten Oberst Steininger und eine wtpe militärischer Meldungen, darunter vier sächsische Generale und später den Grafen Hochberg. Nachmittag- hatte Wilmowski Vortrag; hierauf machte der Kaiser eine Spazierfahrt.
,, , — Die „Post" erklärt betreffs ihrer neulichen Ausführungen über die nrcherpolittsche Vorlage, in einflußreichen Kreisen der freiconservativen Partei werde aus höheren politischen Gründen die Aufrechterhaltung der Herrenhaus- Bef chluffe zur Erhaltung des vollen Frieden- für nothwendig erachtet.
_ , ®15. April. Der Kronprinz, die Kronprinzessin, die Prinzessinnen Sophie, Margarethe und Victoria sind nebst zahlreichem Gefolge soeben, 9 Uhr 5 Mm., hier angekommen und in den bereitstehenden Hofwaqen nach ihrer Wohnung gefahren. (gr. gtg.)
Portugal.
«Lissabon, 15. April. Dar Journal „Commercio" meldet, der Kaiser von Brasilien fei schwer erkrankt. Der Graf und die Gräfin von Eu seien telegrapgiscy nach Rio de Janeiro berufen worden.
Die Nachricht des „Eommercio" von einer schweren Erkrankung des Kasiers von Brasilien wird unterrichteterseits für übertrieben bezeichnet.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz - Bureau.
^nmnh^n^r15* empfing gestern eine Deputation von
Anwohnern der preuylschen, sächsischen und österreichischen Elbe, welche ein Memo-- bie ®(beata, überreichte. Der Minister erklärte, bie -Qanbe^ mit Deutschland benutzen zu wollen, um eine Revision der Elbeakte in Fluß zu bringen. Deutschland habe bisher bet Anregung der Frage her- 2rS?At°bHual,ah n°s dieserhalb gemacht würden. Die Deputation sprach die
rJ? \ putschen Regierung demnächst dasselbe Gesuch vorzulegen. Der
Minister versicherte her Deputation wiederholt seines großen Interesses an der An-
-uegenhett. "
Kopenhagen, 15. April. Das provisorische Gesetz vom 5. Juni 1885, welches die Einfuhr unv Anschaffung von Waffen, sowie die Einübung darin verbietet, ist durch ein provisorisches Gesetz von beule wieder aufgehoben worden.
M o f fl l e 6.
Gießen, IG. April. Von Se. Königl. Hoheit dem Großherzog ist nachstehendes Dankschreiben auf die Adresse der Stadtverordneten-Versammlung eingetroffen:
Werthe Herren des Stadtvorstandes von Gießen!
Mit wahrer Freude habe Ich von der warmen Antheilnahme Kenntniß genommen, mit welcher auch meine getreue Stadt Gießen das für Mich und Mein Haus so hoch erfreuliche Ereigniß der Verlobung Meiner geliebten Tochter, der Prinzessin Irene, mit Seiner Königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußm begrüßt hat. Ich erblicke in den wohlgemeinten Wünschen, welche Sie Mir in Ihrer Adresse vom 24. 0. Mts. ausgesprochen haben, nicht minder als in dem herzlichen Empfange, welchen Sie Mir dieser Tage bei Meiner Rückkehr von Berlin bereitet, eine erneute Bürgschaft der auftichtigen Anhänglichkeit an Mein Haus, welche Ihre Stadt von jeher bewiesen hat. Es ist Mir darum auch ein Bedürfnis, Ihnen für die Mir ausgedrückten Ge .hle Meinen herzlichen Dank auszusprechen, Ihre guten Wünsche aber mit den M '.•>« für das fernere Gedeihen Ihrer Stadt und mit der Versicherung Meines fortdauernden besonderen Interesses für dieselbe zu erwiedern.
Darmstadt, den 9. April 1887.
Ludwig.
An
den Stadtvorstand von Gießen, zu Händen des Herrn Bürgermeisters Bramm in Gießen.
. *** Gießen, 16. April. Herr Lamborg, welcher durch seine beiden m Stem s Garten gehaltenen parodistischen Abendunterhaltungen die Lachmuskeln des Publikums in unaufhörliche Bewegung versetzte, beabsichtigt am Donnerstag de« 21. d. M. nochmals hier aufzutreten und zwar mit einem ganz neuen und vielversprechenden Programm. Die zahlreichen Urtheile der Presse, welche uns vor- liegen, stimmen alle in dem Lobe von Herrn Lamborg's interessanten Vorträgen überein und außerdem ist der Künstler an den verschiedensten Höfen mit großem Erfolge aufgerreten. Wir gestatten uns, ein paar von den glänzenden Zeugnissen, die ihm von fürstlichen Herrschaften ausgestellt wurden, hier zum Abdruck zu bringen:
. Königl. hannoveranifcher Hof.
Dem Herrn O. Lamborg, Clavterhumoristen aus Wien, bestätige ich auf An- silchen gern, daß derselbe die Ehre hatte, vor Ihrer Majestät der Königin und Ihrer Königl. Hoheit Prinzeß Mary von Hannover, Ihren Königl. Hoheiten dem Herzog und der Frau Herzogin von Cumberland und zu Braunschweig und Lüneburg und einer größeren Gesellschaft in der Königl. Villa zu Gmunden am 12. August 1883 ein musikalisch-humoristisches Concert zu geben.
Die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften sprachen Herrn Lamborg Ihre Anerkennung und vollste Zufriedenheit über seine vorzüglichen Leistungen aus.
Gmunden, den 13. August 1883.
O. v. Klenck, Hofmarschall.
r Herzog!. Sachsen-Cobrrrg-Gothaischer Hof.
, ®emJperrn O. Lamborg bescheinige ich hierdurch, daß derselbe am Sonnabend, den 20. Februar d. I., vor Sr. Hoheit dem regierenden Herzog von Sachsen- Coburg und Gotha eine Privat-Soiröe abgehalten hat, und daß es demselben gelungen ist, durch seine bumoristischen Vorträge die allergrößte Zufriedenheit und den Beifall meines allergnädtgsten Herrn zu erwerben.
Gotha, den 1. März 1886.
Cabinetsrath Becker, Intendant des Hoftheaters und der Hofkapelle.
Herr Lamborg hat sich gestern Abend vor mir und meinen Söhnen producirt und uns durch sein schönes Talent und seine außerordentlichen Kunftleistungcn großes Vergnügen bereitet. ö
Wien, 18. September 1833. Kst. Hohenlohe.
Gießen, 16. April. Seit 14 Tagen wurden täglich hiesige Bewohner durch einen frechen Bettler in der Weise belästigt, daß sich derselbe den Leuten als ein bei ihnen früher einquartiert gewesener Soldat vorstellte. Wurde er etwa ohne Geschenk abgewiesen, so erschien er alsbald in zudringlicher Weise wieder und mußten dann die Bewohner, um sich dieses lästigen Menschen zu entledigen, die Thüre schließen. Der Bettler ist nun gestern durch die Schutzmannschaft in der Person eines früher hier wohnhaft gewesenen und seit einigen Wochen nach Verbüßung einer dreijährigen Zuchthausstrafe wieder hierher zurückgekchrten Taglöhners Dietrich Fischer ermittelt und verhaftet worden.
Vermischtes.
Amsterdam, 15. April. Heute Nacht ist in einer engen Gasse, in einem Wirthshause dritten Ranges, in welchem 46 Gäste, die zum Feste hierhergekommen, logirten, Feuer ausgebrochen. 4 Personen sind verbrannt, 2 schwer verwundet, dre übrigen gerettet. Das Haus ist vollständig zerstört. (v- 2-)


