Ausgabe 
16.12.1887 Zweites Blatt
 
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Aus dem Nidderthal, 10. December. Gestern wurde bei Tagesanbruch Werksührer Aßmann der Zuckerfabrik Stockheim (früher Branddirector in Frankfurt am Main) auf der Verbindungsstrecke Zuckerfabrik-Bahnhof Stockheim tobt aufgefunden. Wie eine Gerichtscommission aus Ortenberg festgestellt hat, liegt ein an Aßmann ver­übtes Verbrechen nicht vor. Es ist derselbe vielmehr durch Ueberfahren um's Leben gekommen. (Fr. I.)

Der Winterüberzieher ist im Winter nach einem Entschrive des Berliner Kammergerichts als ein im Sinne des Gesetzes unentbehrliches Kleidungsstück nicht abpsändbar. Ein Berliner städtischer Steuererheber halte einem Kaufmann D. trotz besten Protestes im Januar d. I. den Winterpaletot abgepfändet, wobei D. Widerstand leistete, was in zwei Instanzen seine Verurtheilung zu 20 Geldstrafe zur Folge hatte. Auf feine Revision hob aber das Kamme»gcricht die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zur anderweitigen Aburtheilung in die erste Instanz zurück. Der Steuer­erheber hätte, so führt das Urtheil aus, vor erlangter Ueberzeugung, daß D. nicht noch einen anderen Ueberzieher besitze, nicht zur Pfändung dieses unentbehrlichen Kleidungs­stückes fchreiten dürfen. Wenn er dies dennoch gethan, so sei er aus dem Rahmen seiner Anitsthätigkeit hinausgetreten und dadurch des gesetzlichen Schutzes verlustig gegangen. Die Ueberzieher pumpenden Individuen werden von diesem Urtheil jedenfalls erbauter fein als die Schneider und Lieferanten.

Literarisches.

Geschenkliteratur. Den vielen Verehrern von Fritz Reuter's berühmten plattdeutschen Dichtungen seien zur Weihnachtszeit die beiden Ergänzungsbände zu seinen Werken,Fritz Reuter's Lustspiele und Polterabendgedichte* empfohlen. Dieselben bilden ein notbwendiges Supplement zu Fritz Reuter's Werken und sind auch in gleicher Weise wie dieselben ausgestattet und in einer Volksausgabe eleg. geb. zu 3.75 X in C. A. Koch'S Verlag in Leipzig erschienen.

Landwirthschaftliche Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

(Pflanzet Nußbäume.) Unter allen Obstbäumen wird bei uns keiner so sehr vernachlässigt, wie der Nußbaum. Früher waren die Nußbäume in schönen stattlichen Exemplaren häufiger zu treffen, sie scheinen von Jahr zu Jahr mehr zu verschwinden. Das ist in fast allen Gegenden so und es läßt sich der Zeitpunkt absehen, wo Nuß­bäume in manchen Gegenden zu den Seltenheiten gehören werben. Wird doch jetzt der Nußoaum seines Holzes wegen vielfach geschlagen. Es sollte daher mehr als bisher auf die Anpflanzung und Verbreitung des Nußbaums gesehen werden, der nicht allein ein nützlicher Baum, sondern mit seinen glänzenden, saftig grünen Blättern eine schöne Zierde ist. Dazu kommt noch, daß kein anderer Obstbaum so anspruchslos ist, als

der Nußbaum, er ist nicht wählerisch und kommt in jedem Boden fort. Am besten gedeiht er in trockenen Lagen, auf Abhängen k., während er im nassen lehmigen Boden leicht vom Froste leidet. Sonst kommt er noch da fort, wo andere Obstarten nicht mehr gedeihen wollen. Ferner beansprucht er fast gar keine Pflege, kein Beschneiden u. s. w., womit allerdings nicht gesagt ist, daß er sich nicht für aufmerksame Pflege dankbar erweist. Zu empfehlen ist noch, möglichst dünnschalige Sorten zu pflanzen und nicht die harten Steinnüsse. Zu beziehen sind solche wohl auS jeder größeren Baumschule.

(Der Shiriffweizen.] Eine der empfehlenswerthesten Weizensorten ist der Shiriffweizen, der über Dänemark nach Deutschland eingeführt wurde. Wie kein anderer Weizen gedeiht er aus schwerem, bündigem Thonboden und »erträgt frischen Dünger sehr gut, was bekanntlich auch nicht bei ollen Weizenarten der Fall ist. Deshalb hat er schnell in den Zuckerrüben bauenden Gegenden Einführung gefunden, man baut die Rüben dort nach dem Shiriffweizen, dem frische Düagung gegeben wurde und erzielt so sehr zuckerretche Rüben. Die Aussaat des Shiriffweizen muß im October, in günstigen Tagen spätestens Anfang November stattfinden. Der Weizen überwintert sehr gut und ist auch den Frühjahrsfrösten gegenüber sehr widerstandsfähig, da er im Frühjahr erst spät treibt. Die Bestockung ist gut und stark, wenn es auch infolge des dichten Standes der Nebenhalme zum Haupthalm oft nicht so aussieht, sondern man nicht selten bis kurz vor der Reife noch die Drillreihen erkennen kann. Wie gesagt, »erträgt und erfordert der Shiriffweizen eine starke Düngung, aber seine Erträge sind auch dementsprechend. Richtig behandelt liefert er 7590 Gentner pro Hectar.

WaS nützt die leckerste Mahlzeit, wenn die BerdauungSfunktio« nicht in Ordnung ist? Die Sodener Mineral-Pastillen wirken auf die sanfteste Weise, aber durchgreifend dem Magenkatarrh und der Verstopfung entgegen und lin­dern und beseitigen wirksamst |bie Qualen des Hämorrhoidalleidens. Attest. Nach regelmäßigem und fortgesetztem Gebrauche der Sodener Mineral-Pastillen kann ich mit Vergnügen covstatiren, daß dieselben ein ausgezeichnetes Mittel gegen Hämorrhoiden bilden und mochte ich diese Pastillen Allen zum Gebrauche empfehlen, welche sich durch sitzende BerusSthätigkeit dieses beschwerliche und schmerzhafte Uebel zugezogen haben. Gez. Carl Nicolaus, CamLen- und Wappenschneiderei, Hanau. Alle Apotheke» haben Verkaufsstelle. Preis 85 $ per Schachtel. 6950

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Die Herren Bürgermeister werden er­sucht, dieses in ihren Gemeinden auf orts­übliche Weise bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 29. November 1887.

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