Dr. Schmidt ihn seit 2 Jahren nicht verändert gesunden, hat die entscheidende Mittheilung angehört, ohne mit den Wimpern zu zucken. Er trägt sein Geschick mit heroischem Muth. (Fr. Ztg.)
TÄegrapyische Dr-eschea.
Wolff'» trlc-r. 6#tref• Bnttmt«
Verlin, 14. November. Se. Majestät der Kaiser, der recht gut geschlafen hat, wird Mittags den Prinzen Wilhelm empfangen, welcher heute früh von San Remo zurückgekehrt ist.
Berlin, 14. November. Seine Majestät der Kaiser stand um 11 Uhr auf, empfing um lls/< Uhr den Prinzen Wilhelm und später den Herzog und die Herzogin Albrecht von Mecklenburg. Um l‘/i Uhr hörte er den Vortrag Wtlmowski's und empfing um 3 Uhr den Grafen Stolberg.
Berlin, 14. November. Die zu Ehren der Anwesenheit des Kaisers und der Kaiserin von Rußland ftattfindenden Festlichkeiten werden dem Vernehmen nach in einem großen Galadiner bet dem Kaiser und einer Galavorstellung im Opernhause bestehen.
— Die „National-Zeitung" meldet: Dem Empfange Dr. Schmidt's auS Frankfurt bet Sr. Maj. dem Kaiser im Beisein der Generalärzte Dr. Leutholdt, Professor v. Bergmann, folgte gestern eine Berathung unter Haudmintster Grafen Stolberg seitens der Aerzte Dr. Wegele, Professor v. Bergmann, Dr. Gerhardt, Dr. Toboldt und Dr. Schmidt. Dieselben erklärten einstimmig, das Halsleidcn Sr. K. u. K. Hoheit des Kronprinzen als Krebs und fanden eine teilweise Entfernung des Kehlkopfes nicht mehr angemcsien. Die in San Remo einstimmig empfohlene Herausnahme des ganzen Kehlkopfes ist durch den Kronprinzen nach einstündiger Bedenkzeit abgelehnt. Gegen das San Remoer Gutachten wurde von den im Hausministerium anwesenden Aerzten nichts eingewendet.
Bern, 14. November. Die gestrigen Nachwahlen zum Nationalrath in Zürich, Bern und Jnnerhoden sind sämmtlich freisinnig ausgefallen. — Bei der Wahl des Staatsrathes in Genf ist die radikal-liberale Liste mit Carteret siegreich durch- gedrungen.
Pari-, 14. November. General Boulanger ist heute Morgen hier eingetroffen.
— Der „Temps" und „National" melden gerüchtweise, daß die gerichtliche Untersuchung der Wilson-Affaire abgeschloffen sei und daß der Antrag auf gerichtliche Verfolgung Wilson's werde gestellt werden.
— General Boulanger begab sich heute^nach dem Kriegsministerium, um an den Beratungen der Commission für die Classifictrung der Officiere theilzunehmen. Es fanden keinerlei Kundgebungen statt.
— Dem „Journal des Debats" zufolge erklärte Grevy heute Vormittag, er werde nicht zurücktreten, selbst wenn der Antrag auf die gerichtliche Verfolgung Wilson's in der Kammer eingebracht und angenommen werde.
Pari-, 14. November. Die Enauete Commission vernahm heute Laurent, den Redacteur deS „Paris", welcher sehr wichtige Enthüllungen gemacht haben soll. — Mehrere Abendblätter melden unter Vorbehalt, Rochefort habe in der Enquete-Commission Wilson beschuldigt, beträchtliche Geschenke von der Familie Seilltöre als Bestechung erhalten zu haben. Einige Mitglieder der Commitsion hätten nach der Sitzung erklärt, die Angelegenheit nehme eine ernste Wendung.
Pari-, 14. November. In dem Proceß wegen des Ordenshandels verurtheilte das Zuchtpolizeigericht den nicht vor Gericht erschienenen General d'Andlau in contumaciam zu öjährigem Gefängniß, 3000 Frcs. Geldbuße und lOjährigem Verlust der Ehrenrechte, Frau Ratazzt zu 13monatlichem Gefängniß und 2000 Frcs. Geldbuße, Bayle zu 4monatlichem, Frau Courteuil zu 2monatlichem Gefängniß. Frau Saint Sauver wurde freigesprochen.
Loudon, 14. November. Bei dem gestrigen Zusammenstoß der demonstrirenden Volksmenge und der Polizei auf dem Trafalgar-Square sind viele Verwundungen vorgekommen. In die Hospitäler allein sollen 75 Verwundete ausgenommen worden sein. Ein ernsterer Zusammenstoß fand auch bei Westminsterbridge statt, ganz nahe am Parlamentsgebäude. Als daselbst ein Zug von etwa 8000 Personen aus dem L>üdcn Londons mit Musik und Fahnen eintraf, fand sich derselbe einer beträchtlichen Poltzei- macht gegenüber, welche den bestimmten Befehl hatte, dem Zuge nicht zu gestatten, Trafalgar-Square zu betreten. Es entstand ein erbittertes Handgemenge, jedoch gelang cs der Polizei, die Menge zurückzudrängen und zu zerstreuen. An 400 Personen ins- gesammt sind auf demjTrafalgar-Square verhaftet worden, darunter das Parlamentsmitglied für Cunnigham, Mr. Graham, und der bekannte Socialist Burns.
London, 14. November. Die wegen der gestrigen Ruhestörungen Verhafteten wurden theils zu Geld-, theils zu Gefängnißstrafen bis zu einem Jahr verurtheilt. Der Deputirte Graham wurde gegen Caution aus der Haft entlassen.
Brüssel, 14. November. In der vergangenen Nacht ist das obere Stockwerk des Ministeriums der Landwirthschaft niedergebrannt. Gegen 4 Uhr Morgens wurde das Feuer beschränkt. Der Schaden ist bedeutend.
Florenz, 14. November. Heute Morgen fand in der Richtung von Norden nach Süden eine kurze, aber starke Erderschütterung statt.
Santiago (Chile), 14. November. Hier ist die Cholera ausgebiochen. Gestern waren 39 Todesfälle zu verzeichnen.
Lokales.
Bietzen, 15. November. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 17. November 1887, Nachmittags 4 Uhr.
1. Klage gegen den Landarmenoerband Gießen.
2. „ „ „ „ Alsfeld.
3. „ n n „ Mannheim.
4. „ « „ Armenverband Frankfurt a. M.
5. Klage der Heinrich Becker Eheleute und Consorten gegen die Stadt Gießen.
6. Verbringung des Karl Feuster in eine Besserungsanstalt.
7. Desgl. des Heinrich Renker.
8. Desgl. des Georg Reichwein.
9. Verbringung des Eberhard Schmidt in eine Anstalt für Epileptische.
10. Die Errichtung einer Desinfectionsanstalt.
11. Uebernahme der Vorschule des Gymnasiums zu Gießen Seitens der Stadt Gießen.
12. Die Quellwasserleitung betreffend.
13. Das Feuerlöschwesen.
14. Anlage von Sammelplätzen und Lagerräumen für thierische Abfälle.
15. Enteignung von Gelände des Friedrich Zöller dahier.
16. Gesuch der Actienbraueret Gießen um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes.
17- ftabrifanten Julius Hahn um pachtweise Ueberlassung städtischen
18. Die Straßenbeleuchtung.
19. Herstellungen im alten Realschulgebäude.
20. Einrichtung einer Badeanstalt in der Stadtmädchenschule.
21. Das neue Schlachthaus betreffend.
22. Gesuch des Fellhändlers I. Klebe um Erlaubniß zur Anleauna eines Steges. ö ö
23. Gesuch des Heinrich Debus um Bauerlaubniß.
24. Gesuch des Jakob Debus um Erlaubniß zum Wirthschaftsbetrieb.
25. Die Friedhofsaufseherstelle.
26. Unterhaltung der Grabstätten der verlebten Professor Dr. Perls Eheleute
27. Niederschlagung von Schulgeld.
28. Die Verwerthung des Eichenstammholzes pro 1888/89.
Gie ßen, 15. November. In die durch Fortsetzung der Gasleitung an der Licherstraße entstandene Ausschachtung stürzte gestern Abend ein hiesiger Metzgermeister und brach ein Bein.
(2) Nachdem durch den theilweisen Ausbau der Ostanlage der Pfad ungangbar geworden ist, der im vorigen Winter an der N^ll'schen Besttzung vorüber nach der Wiefeckbrücke deS Etsveretus führte und somit nur noch wenige Mitglieder, die a» dem Wallt hör und einem Thetl der Ostanlage wohnen, Nutzen von diesem Zugang haben können, hat sich der Vorstand deS Vereins mit Rücksicht auf die erheblichen Kosten eines zweiten Kassiers dafür entschieden,- das Thor an der Brücke der allgemeinen Benutzung zu verschließen. Dagegen sollen diejenigen Mitglieder, die aus der Lage ihrer Wohnung ein Bedürfniß dafür nachweisen können, gegen Entrichtung von 30 & einen Drücker für das Thor erhalten, den sie im Frühjahr gegen Rückerstattung von 20 H zurückzugeben haben.
Bet dieser Gelegenheit sei an eine Annehmlichkeit erinnert, die im vorigen Winter bereits den Mitgliedern des Vereins geboten war, aber noch wenig benutzt wurde. Es können nämlich Mitglieder gegen eine am Schluß des Winters zu entrichtende Gebühr von 50^ ihre Schlittschuhe vom Vereinsdiener in der Garderobe aufbewahrt bekommen- sie erhalten eine Marke und werden in eine vom Vereinsdiener zu führende Liste ein- actragen. Der Diener besorgt das Reinigen und Trocknen der Schlittschuhe, bringt dieselben im Frühjahr den Etgenthümern in ihre Wohnung zurück und erhebt den Betrag.
Der Neudruck der Statuten einschließlich Eisordnung, Statut der Abtheilung für Kunstlauf und Polizeioerordnung ist nunmehr vollendet, und können dieselben vom 30. November ab unentgeltlich gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte bet Herrn E. Balser, Mäusburg, in Empfang genommen werden. Doch sind auch später noch Exemplare an der Kasse zu haben.
Der in der Generalversammlung vom 1. November gewählte Vorstand ist folgendermaßen zusammengesetzt: 1. Dtrector: Noack, 2. Director: Fromme; Rechner: E. Balser, Eiswart: LaSpeyres, Dietz; Laufwart: Steffahny, Großmann; Geräthewart: Kirch, Wiener; Kartenoerwalter: H. Schirmer, Wiener; Festausschuß: Fromme, Steffahny, E. Balser, Dietz; Herr Poltzeirath Fresenius wird den Ordnungsdienst an der Eisbahn letten.
Vermischte-.
— Das Geschick des Kronprinzen, schreibt die „Jen. Ztg.", ist vom rein menschlichen wie^politischen Standpunkte ergreifend zu nennen. Einem ruhmgekrönten Vater, der die Großthaten der Vergangenheit und die Errungenschaften der Gegenwart verkörpert, steht er als die Hoffnung der Zukunft zur Seite. Kaiser Wilhelm gleicht einem majestätischen Erzbtlde, zu dem das Volk mit verehrender Bewunderung emporschaut, während der Kronprinz Friedrich Wilhelm in seinem Charakter gewissermaßen die Eigenschaften der bürgerlichen Herzlichkeit und Milde vereinigt, durch welche sich die Volksseele unwiderstehlich in inniger Zuneigung angezogen fühlt. Der deutsche Kronprinz! Sein Bild schwebt der Nation gleich demjenigen eines human denkenden, von moderner Auffassung erfüllten Bürgers vor Augen, der, wenn ihm das Schicksal dereinst gestatten wird, den von seinem mächtigen Vater gezimmerten Katserthron zu besteigen, sich auch! auf diesem hohen Sitze als ein Schützer des Friedens, als ein Förderer der Aufklärung und des geistigen Fortschritts, als ein Mehrer der Volks- fretheit und des Volksglückes erweisen wird. Er hat als Feldmarschall und Armeeführer im Franzosenkriege Schlachten geschlagen und gewonnen, aber die Nation weiß, daß sein Sinn den Werken des Friedens und der ruhigen Wohlfahrt zugewendet ist, und es würde sie mit schmerzlicher Klage erfüllen, wenn ein unerbittliches Verhängniß ihr den zukünftigen Herrscher rauben sollte, dem ihr Herz so sehr in Liebe zugewandt ist. Als es kurz nach der Schöpfung des Reiches galt, den Sonderstolz der einzelnen Bundesfürsten und das Staatsbewußtem der verschiedenen deutschen Volksstämme mit Wohlwollen und Sanftmuth zu bezwingen, hat die schlichte Liebenswürdigkeit des Kronprinzen manche wunderbare Eroberung gemacht, von welcher die Geschichtsbücher dereinst Kunde geben werden. Wie es ihm gelang, auf solche Weise die Herzen in Bayern zu erobern, sicht ja noch heute lebhaft vor dem Gedächtnisse der Zeitgenossen. Kürzlich machte in engeren Kreisen Deutschlands ein Wort des Kronprinzen die Runde, welches von der rührenden Resignation und dem schmerzlichen Entsagungsgedanken des Kaisererben beredtes Zeugniß ablegr. „Wer der Sohn eines so großen Vaters und und zugleich der Vater eines so tüchtigen Sohnes ist" — soll der Kronprinz, der „M.^ Z." zufolge, geäußert haben — „der ist, wenn es sein muß, für sein Volk überflüssig." Welch ergreifende Selbstverleugnung weht durch dieses Fürstenwort und welch' edle Hingebung der eigenen Persönlichkeit klingt aus demselben hervor! Allerdings auch der berechtigte Stolz auf den „tüchtigen Sohn", der in nationaler Gesinnung und männlicher Kraft bereits herangereift und befähigt ist, „wenn es sein muß", jeden Augenblick als Herrscher seines Amtes zu walten. Die Feinde Deutschlands lauern vergebens, daß dem Reiche aus dem Verluste dieses oder jenes kostbaren Lebens Unglück und Ruin erwachsen könnte. Ein gütiges Geschick aber möge es trotzdem fügen, daß der greise Kaiser und sein jetzt mit schwerem Leid ringender Sshn dem deutschen Volke noch lange nicht geraubt werden, denn sie verkörpern den Stolz und die Liebe der Nation, die mit ihrem Herrscherhause durch so herrliche Ruhmesthaten und Errungenschaften verbunden ist.
△ Mainz, 13. November. Der Meldetermin für die Uebernahme unseres Stadttheaters war gestern abgclaufen. Die Zahl der Uebernahmslusttgen ist eine ziemlich große und sind unter den Bewerbern auch mehrere Direktoren von gutem Klang. Inzwischen wird in einem Theil der hiesigen Presse dafür Stimmung gemacht, die Directton wieder dem dermaligen Leiter unseres Stadltheaters, Herrn Preymaier, zu übertragen, dessen künstlerisches Wirken in verflossener Saison von verschiedenen Setten stark befehdet wurde.
△ Mainz, 14. November. Der Verkehr in unserem neuen Zoll- und Binnenhafen hat sich derart entwickelt, daß schon im nächsten Frühjahr wettere Lagerräume gebaut werden müffen. Als Neueinrichtung ist zunächst ein ausgedehnter Getreidespeicher (sammt Elevator) und in besten Unterkellerung ein Keller für ausländische Weine wie Oelkeller vorgesehen.
A Aus Hessen, 13. November. Gestützt auf eine Untersuchung des Orts- gesundhettsralhs in Karlsruhe warnt daS Polizeiamt in Darmstadt vor einem Geheimmittel, welches ein gewisser Bremicker, angeblich praktischer Arzt in Glarus, gegen die verschiedenartigsten Krankheiten in marktschreierischer Weise anpreist. Ein an Blasen- ftetn leidender Patient habe sich das Mittel kommen lassen und gegen theures Geld nur ein vollständig werthloses Mittel von chemisch unnachwetsbaren Bestandtheilen erhalten.
A Aus Rheinhessen, 13. November. Der Herbst ist jetzt in ganz Rheinhessen beendet. Der Ausfall desselben läßt sich dahin charakterisiren, daß die großen Hoffnungen, die man sich im Sommer von dem Weinstsck in quantitativer wie qualitativer Beziehung gemacht hatte, nicht erfüllt wurden, daß anderseits aber die Befürchtungen, welche man bei Eintritt der schlechten Witterung vor dem Herbste hegte, nicht gerechtfertigt waren. Durchschnittlich war der Ausfall ein „halber Herbst", theil- weise auch „dreiviertel Herbst". Die Qualität läßt sich als „guter Mtttelwein" bezeichnen.
A Vom Rhein, 13. November. In Folge des allseitigen Drängens hat die Strombauverwaltung in Koblenz jetzt die sofortige Freimachung der Fahrstraße an dem „Brnger Loch" angeordnet und die Firma Rutrof in Caftel mit der Hebung des gesunkenen Schiffes beauftragt. Die Hebungsarbetten, gegen welche mehrere Assekuiranz- gesellfchaften nochmals vergebens protestirt haben, werden morgen beginnen und ist während deren Dauer der gesammte Verkehr, auch für Schiffe, gesperrt.
A Aus der Rheinpfalz, 13. November. Der Hilfsarbeiter Horn von Frankenstein wurde heute Morgen im Tunnel „Kehre" bei Kaiserslautern vom Schnellzug überfahren. Der Tod des Unglücklichen trat sofort ein. <
, x Berlin. Der Abgeordnete Hasencleoer ist, wie man der „Fr. Z." berichtet, heute hier geisteskrank geworden und Abends in die Matson de Santö überführt worden. Er war heute mit seiner Frau von Dessau hierher gekommen und in einem Hotel abgestiegen. Er führte wirre Reden, hielt seine Frau für geisteskrank und behauptete, er müsse Virchow sprechen, damit dieser ihm ein Attest gebe, daß er gesund und seine Frau krank sei. Seine Freunde sahen sich gezwungen, ihn in die Heilanstalt zu bringen.
Lübeck, 9. November. Heute wurde hier die Schwester Maria Ermentrudis Stenzel vom Orden der katholischen Barmherzigen Schwestern mit militärischen Ehren beerdigt. Die Verstorbene war Inhaberin des Eisernen Kreuzes am weißen Bande, das sie sich in den Jahren 1870/71 durch unermüdliche Krankenpflege in Feindesland


