Ausgabe 
16.8.1887
 
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flr. L8K. Dienstag den 16. August 1887.

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Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Politische Ueberskcht.

Kießen, 15. August.

Aus der Werst desVulcan" in Bredow bei Stettin vollzog sich im vorigen Donnerstag Mittag ein bedeutsamer Act. Es wurden die beiden Men vomVulcan" für Rechnung der chinestschcn Regierung gebauten Pan- MiffeKing-Duen" undLai-Duen" seitens des Directoriums und Präsi- bims der genannten Gesellschaft dem Vertreter deshimmlischen Reicher der Mitte", dem Gesandten Hsü-Ching-Cheng übergeben. Der Act vollzog sich unter festlichen Formalitäten und chinesisch-religiösen Ceremonien. Bereits vorher M die letzte kleine Rate von den nicht weniger als 8 Mill. JL betragenden Trsmmtkosten der beiden Panzerschiffe von Htü-Ching-Cheng demVulcan" taolejen worden. Die Probefahrten der Schiffe, sowie die Geschütz-Schieß- proben auf denselben find zur vollsten Zufriedenheit der Bevollmächtigten der P/Men Regierung ausgefallen.

Die Petition einer Anzahl Bromberger Getreidehändler, in der eine schleunige Erhöhung der Getreidezölle empfohlen wird, hat ebenso wie der im Frühjahr von einer in Mannheim tagenden Versammlung süddeut- sjer Landwirthe und Müller gefaßte Beschluß, betr. die Aushebung des Jden- Ms-Nachweises bei der Zollzurückerstattung für auszuführendes Getreide, in letzter Zeit die Preffe lebhaft beschäftigt- Den Anstoß hierzu haben die be- lmtm Auslastungen derBerliner Polit. Nachr." über dieses Thema gegeben; lUnvesten zur Ausführung einer der beiden Maßregeln eine außerordentliche inbstsifsion des Reichstages einberufen werden soll, wie man vielfach annimmt, j qu8 den Ausführungen des genannten Blattes nicht recht ersichtlich. Schließ­lich ist auch die Frage, ob im September oder erst im November die Zollge­setzgebung geändert werden soll, von untergeordneter Bedeutung gegenüber der- Mtgm, welche Aenderung vorgenommen werden soll, ob man aber regierungsseitig in bec That eine abermalige Erhöhung der Getreidezölle plant, muß denn doch noch dahingestellt bleiben. Jedenfalls würde es die Aussichten einer schnellen Mftigen Regelung des Jdemttäts-Nachweifes wohl noch nicht bestem, wenn man birse Frage mit einer neuen Zollerhöhung verknüpfen wollte.

Die von der dänischen Regierung beschlossene Befestigung von Kopenhagen hat in der europäischen Preffe schon viel von sich reden gemacht wb in deutschen Blättern erblickte man hier sogar eine direct gegen Deutschland Mete Maßregel. Dem gegenüber sagt die osficiöseBerltnske Tidende", die LMgungen von Kopenhagen beschränkten sich aus solche, die seit bereits p Jahren allen ausländischen Regierungen bekannt seien, dieselben involvirten Wsolglich nichts Aggressives. Augenblicklich würden für nur wenige Millionen Wbefestigungen angelegt. Die vom Kriegsminister Bahnson in Saxkjobing Seltene Rede sagt dieBerltnske Tidende" weiter sei von der Oppv- ßtionspreffe unrichtig wiedergegeben und commentirt worden, die Aeußerungen de« Kriegsministers stimmten vollständig überein mit den Erklärungen, die der Narineminifter im März d. Js. im Folkething abgegeben habe und die dahin Mutet hätten, daß die Bestrebungen Dänemarks bei eventuellen Conflicten nur Maus gerichtet feien, eine allen Mächten gegenüber gleich freundliche und unpar- Msche Neutralität zu behaupten. Die erwähnte Rede des dänischen Kriegs- Misters sollte sich durch ihre feindselige Sprache gegen Deutschland ausgezeichnet Mn, doch ist jhr Wortlaut nicht bekannt geworden; man scheint aber in Kopenhagen ängstlich bemüht zu sein, auch den Schein zu verwischen, als ob R Herr Bahnson irgendwie deutschfeindlich geäußert haben könnte.

, Aus her schwedischen Hauptstadt kommt die Kunde von einem ent* 'Wen Unglücksfall. Auf der Festung Vaxholm wurden am Donnerstag Nach- Mag 4V2 Uhr durch eine explodirende Granate 19 Soldaten getödtet und eine ^.Anzahl anderer verwundet. Unter den Verwundeten befinden fich auch 3 Miere.

e(Koburger" weilt nunmehr auf bulgarischem Boden und fln J* ersten Regierungshandlungen dürfte der Erlaß eines Rundschreiben» Mächte sein. Welche Aufnahme dasselbe finden wird, darüber kann man lühlen Kommentaren, nach denen die gefamrnten Hoch- und Halb- £)prrfiöon ber Newa bis zur Donau die Reise des künftigen bulgarischen fällen begleiteten, kaum mehr ein Zweifel obwalten. Selbstverständlich

UqlJ. aU(6 die russischen Blätter ein durchaus absprechendes Urtheil über die Äo6ur9er3, nur klingen die Preßäußerungen, soweit sie sich auf die Groß 'h * ^^"^n Ferdinand beziehen, noch ziemlich gemäßigt; der ganze

ty:c Eadet sich eben immer wieder gegen die jetzigen bulgarischen Regierungs- Antriti« ber llroßen Zurückhaltung der Mächte gegenüber demRegierungS- dokni i i bcÄ $r^n8cn Ferdinand zeugt auch der Umstand, daß die in Rustschuk M^loffrCnben ^ousuln auf Grund erhaltener Instructionen ihrer Regierungen toten ik von dem Empfang des Prinzen von Koburg gänzlich fern zu tiflej ft? demselben überhaupt nicht vorzustellen. Das wird ja ein präch- iöltöen r9Qltni6 zwischen dem Bulgaren-Fürsten und den Vertretern der Mächte

Deutschland.

13, August. DerReichs-Anz." veröffentlicht folgende Reise- schlosspn ? waifer» vom 9. d. Mts. an den Kriegsminister:Ich habe be­bet, neu' SJ? bi^em Frühjahr errichteten vier Jnfanterie-Regimentern, sowie errichteten vier Infanterie-Bataillonen und dem 3, und 4, Bataillon

des Eisenbahn Regiments, da dieselben sämmtlich aus älteren Truppenteilen hervorgegangen, welche sich längst im Besitze von Fahnen befinden, schon jetzt, und zwar am 18. August, als dem unvergeßlichen Gedenktag der Schlacht von Gravelotte-St. Privat Fahnen zu verleihen. Ich Kege dabet die zuversichtliche Erwartung, daß alle diese Truppentheile die von Mir ihnen anvertrauten Feld­zeichen jederzeit in hohen Ehren halten und dieselben bis in die fernste Zukunft zum Heile Deutschlands und zum Ruhme bei Heeres führen werden. Zur Ent­gegennahme der Fahnen, deren feierliche Nagelung und Weihung Meinen dafür gegebenen besonderen Bestimmungen entsprechend am 18. August stattfinden soll, sind die betr. Regiments-Commandeure, begleitet von so vielen Lieutenants und Unterofficienn, als der Truppentheil Fahnen erhält, zum 18. d. Mts. Morgens nach Potsdam zu beordern- Indem Ich bemerke, daß die Lieutenants zunächst aus den schon in Berlin, Potsdam oder Spandau Kommanbirten zu wählen find, beauftrage Ich Sie, diese Meine Ordre der Armee bekannt zu machen und das Erforderliche danach zu veranlassen. Wilhelm."

Babelsberg, 13- August. Der Kaiser nahm Vormittags militärische Meldungen und die Vorträge Perponcher's und Albedyll's entgegen.

Hesterreich.

Wien, 13. August. DemFremdenblott" zufolge fei eine Begegnung des Fürsten Bismarck mit dem Grafen Kalnoky bestimmt zu erwarten; doch feien Zeit und Ort noch nicht bestimmt.

Arankreich.

Paris, 13. August. DemJournal des Debats" zufolge würde der Mobil- machungsoersuch wahrscheinlich am 6. September beginnen.

Bulgarien.

Rustschuk, 13. August. Prinz Ferdinand von Coburg, welcher gesteln hier eintraf und von der Bevölkerung mit großer Begeisterung empfangen wurde, ist heute früh über Sistowa nach.Tirnowa abgereist, wo morgen die Eidesleistung stattfinden soll. Wie es beitzt, werden die Regenten und Minister ihre Enlassung geben und werde ein neues Ministerium mit Stambulow als Präsidenten gebildet werden.

Sofia, 13. August. Dem in der Kathedrale abgehaltenen Tedeum wohnten auch Abordnungen der Garnison bei. Der Metropolit Clement verlas nach demselben die Proklamation Ferdinand I. an das Bulgarenvolk und knüpfte daran die Mahnung, daß alle Parteien sich um den Fürsten schaaren müßten, in der Hoffnung, daß es demselben gelingen werde, das Land aus der gegenwärtigen Krisis herauszuführen und gute Beziehungen zwischen demBefreier" Rußland und Bulgarien her- zuftellen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Korrespondenz-Bureau.

BabelSberg, 14. August. Seine Majestät der Kaiser nahm heute Vormittag mehrere Vorträge entgegen. Nachmittags findet bei Seiner Majestät Familientafel statt. Gestern Nachmittag hatte der Kaiser im Parke von Babelsberg eine Spazier­fahrt gemacht.

Weißenburg i. E», 14. August. Gestern trafen 800 Mitglieder der Krieger­vereine des Königreichs Sachsen hier ein, besuchten den Geisberg und die übrigen Punkte, wo am 4. August 1870 um den Besitz von Weißenburg gekämpft wurde, und legten auf den dort befindlichen Massengrabstätten der Gefallenen Kräirze nieder. Bet einer 9iachmittags stattgehabten geselligen Zusammenkunft brachte der Commandeur des hier garnisonirenden 60. Infanterieregiments, Oberst v. Hake, ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser, sowie auf den König von Sachsen aus, in welches alle Ver­sammelten begeistert einstimmten.

Basel, 14. August. Aus Mayenfeldt (Graubünden) wird gemeldet, daß heute auf dem Falknis drei Personen durch Abstürzen den Tod gefunden haben.

Paris, 14. August. Nach einem Telegramme aus Limoges ist daselbst ein ministerielles Rundschreiben eingegangen, welches anordnet, daß die Richter und Be­amten, welche zum Bezirk des Gerichtshofes von Limoges gehören, trotz der gegen­wärtig stattfindenden Gerichtsferien an ihren Amtssitzen sich aufzuhalten haben für den Fall, daß vas 12. Armeekorps mobil gemacht werden sollte. Man zieht daraus den Schluß, daß das 12. Armeekorps für den Mobiltsirungsversuch in Aussicht ge­nommen sei.

Konfiantinopel, 14. August. Dem Vernehmen nach machte der hiesige russische Geschäftsträger der Pforte mündliche Mittheilung von einer Depesche des Ministers v. Giers, in welcher gegen die Wahl und das Auftreten des Prinzen von Coburg in Bulgarien Protest eingelegt wird. Minister v. Giers spricht gleichzeitig die Hoffnung aus, daß die Pforte dem Protest sich anschließen werde. Auch den anderen Mächten soll eine gleiche Mittheilung gemacht worden sein.___________________________

Lokales.

Gießen, 15. August. Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde ersucht uns Folgendes zum Abdruck zu bringen:

Die totale Sonnenfinfterniß am Freitag den 19. August wird von den Astro­nomen aller Länder mit großer Spannung erwartet. Auf dem schmalen Streifen Erde, über welchen der Kernschatten des Mondes hinwandern wird und dessen Länge diesmal von Mitteldeutschland über Rußland bis nach Japan reicht, der also fast ganz auf bewohntem Festlande liegt, werden zahlreiche astronomische Expeditionen thätig sein, um in den wenigen Minuten, während welcher sie die Sonne gänzlich verfinstert sehen, die wichtigsten Aufschlüsse über die physikalische Beschaffenheit des Sonnenkorpers und seiner nächsten Umgebung zu erlangen. Aber auch die Meteorologre erwartet diesmal von der gänzlichen Sonnenverfinsterung Ausschlüsse über wichtige Erscheinungen in der Erdatmosphäre. Diese mehr meteorologisch wichtigen Beobachtungen find vor­zugsweise auf einem andern Gebiet unserer Erde anzustellen als badjemge ist, auf welchem die Astronomen arbeiten werden. Während nämlich diese an f^bn Punkten sich aufstellen müssen, an welchen die Sonne in dem Augenblick, in welchem sie durch den Mond gänzlich verfinstert wird, überhaupt sichtbar ist, d. h. ube^em Horizont steht werden meteorologische Beobachtungen hauptsächlich westlich von dem ^otalr.