Amts- und Anzeigeblatt
für den Kreis Gießen.
14. Januar
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Amtlicher HHeit.
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Woche««Uebersicht.
Gießen, 15. Januar.
ro , D" Haupt'Erelgniß der Woche gipfelte in der Auflösung der Reichstag,, welche am gestrigen Freitag vom Reichskanzler im Reichstage proclamirt wurde. Im Parlament,.Bericht und in den Depeschen finden die Leser das Nähere verzeichnet.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Korrespondenz-Bureau.
w Berlin, 14. Januar. (Reichstag.) Der Antrag Stauienbera ittth ^ia i (K Bewilligung der von der Regierung geforderten Präsenzziffer wird in namentlicher Abstimmung mit 186 gegen 154 Stimmen an- Die Konservativen, Reichspartei und Nationalliberale stimmen Ä fiti »er wSi meif,Ctt ‘"‘Ö D»ne Johanns.« «nt- ».r ^Äf:Ä?tertoi^i.d,6,aniUt «•»««* ->-« «aisers, wodurch Wahlcnzum"RcichStagcam2>.^e?r»iarstattsin!>en."''^^"'"'^ f°“ett 6U Wahlen7umRcichsäg"'!7uten 5" «crordnung, b.tr.ff.nd »ic
»Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc., verordnen aus Grund der Bestimmung im § 14 des Wahlgesetzes vom 31. Mai 1869, im Namen des Reichs, was folgt r 9 Die Wahlen zum Reichstag find am 21. Februar 1887 vor- zunehmen.
Gegeben, Berlin, den 14. Januar 1887.
(L. 8) gez. Wilhelm.
A _ Aachen, 14. Januar. Bei einem heute Vormittag Her Kle^?M^schierstraße ausgebrochenen und ungemein rasch sich verbreitenden Feuer kamen ein Mann und zwei Knaben in der zweiten Etage in den Flammen unt. Drei Personen wurden von der Feuerwehr gerettet.
A Oberfeld, 14. Januar. Der Tenorist Vogel von München wurde bei der gelten Abend im Barmer Stadttheater stattgehabten Aufführung der Oper „Rtenzi" durch einen unvorsichtigen Dolchstoß des betreffenden Darstellers leicht verwundet.
Breslau, 24. Januar. Am 20. d. M. findet eine Sitzung des Domkapitels Natt, m welcher die Liste der Candidaten für den jetzt erledigten Fürstbischofssitz festgestellt werden soll.
London, 14. Januar. Die heutige Confrenz zwischen Chamberlain, Morley, Drevelyan und Genossen zur Besprechung der Home - Rule - Frage verlief resultat- ^oss^o^eitere Verhandlungen wurden bis zur Wiedereröffnung des Parlamentes Rom, 14. Januar. Cardinal Ferrieri ist gestorben.
Die Erklärungen des Kanzler« bildeten den natürliche» Untergrund für «nA e»i7,rem,pefn*un0en der Reichstages, aber daß dieselben der Militärfrage noch eine wesentlich neue Sette abgewonnen hätten, ließe stch gerade nicht be- haupten. Selbstverständlich stellten sich die Redner der regierungsfreundlichen Parteien Artet auf den Boden des Septennats, während die Oppositionsparteien am Dienstag rote am Mittwoch hauptsächlich durch Herrn Windthorst vertreten S Centrumsführer ein glänzender Dtalectiker ist, zeigte er auch
diese« Mal und in wirklich bewundernrwerther Weise suchte er immer wieder darzulegen, daß ja bte Opposition eigentlich alle« bewillige, was die Regierung ec6 rT boch gleichgültig sein könne, ob sie ihre Forde, rungen aus drei oder auf sieben Jahre bewilligt erhalte. Im Uebrigen gab 7Lw>tr1,^inb $0^ füglich der Folgen der Reichstags-Auflösung sehr zuver. sichtlich und wenn man ihm glauben soll, so würde da» Centrum auch im eoentuellen neuen Reichstage bi« aus den letzten Mann wieder erscheinen. Daneben behandelte der Centrumssührer auch die Annexion Hannover«, auf welche hLhpf Erörterungen kam, mit sichtlicher Vorliebe und
sprach hierbei bte höchst seltsame Erwartung aus, daß das Königreich Hannover feIber "i°der hsrgestellt werden würde. Auch auf die Fürsten Btrmarck angeregte Frage, ob kaiserliche«, ob Parlaments-Heer ging Herr Wtndthorst mit großer Lebhaftigkeit ein. Die Ausführungen de« Centtumsführers waren es augenscheinlich, die den Reichskanzler an beiden Tagen zum wiederholten Eingreifen in die Dtscufsion veranlaßten und ihn bestimmten, warten ÄÄ” "Äsungen" des Abg. Windthorst die gebührenden Anl^ to n « n & ™ Kanzler wiederholt in drastischer Weise die Hal-
»er on ^nnzelchnete. Eingehend erörterte der Kanzler zugleich die „Hannöver sche Frage' und die Karolinensrage und verstcherte bezüglich der letz- »nApnroennser tüoäer gewußt hätte, daß diese „Lumperei" einen solchen Lärm o t 0 ÖOn 2lnfatn0 an °uf die Besetzung der Karolinen
min üer 's^n^^ Setten der Regterung sprach am Mittwoch noch der Kriegs- S aÄ' J; Schellendorf, um das Septennat vom militärischen Stand- berthprLitK . energisch zu verlheidigen und von Seiten der Opposition ’ E b gfl°el°ldemokratische Abg. Hasenclever eine Rede gegen das Septennats- gnfetz. Am Donnerstag griff Fürst Bismarck wiederholt in die Debatte ein; ।
Die hochwichtigen Verhandlungen erregten die Aufmerksamkeit nicht allein Deutschlands, sondern ganz Europas. Selten haben den Reichstag so inhaltschwere “n® 'n ihren Folgen weittragende Verhandlungen beschäftigt, al« die« im Laufe dieser Woche der Fall war und weit über die Reichrgrenzen hinaus folgte man den Debatten im obersten deutschen Parlamente mit außergewöhnlicher Spannung. Unbestrüten den Mittelpunkt der gesammten Debatten bildete die große Rede de« Fürsten Bismarck vom Dienstag und unter ihrem Eindrücke stand auch offenbar die Dlscu sion über die Müttär-Vorlage an den folgenden Tagen. In markigen Zügen zeigte der Kanzler dem deutschen Volke, um was e« sich in der ganzen Mtiitürfrage handelt, nämlich einzig und allein um die Sicherung Deutsch- lands, um bte Wahrung seiner hervorragenden Stellung im Rathe der Völker. In seiner packenden Weise rote« der Kanzler nach, wie wir fortwährend gerüstet sein müßten , um das, was wir in zwei großen Kriegen errungen, auch zu be- haupten und nicht etwa auf das klägliche Niveau von 1807 herabzufinken. Eingehend erörterte er hierbei die auswärtige Lage und wenngleich aus seinen Mstthetlungen mtt Genugthung zu ersehen ist, daß unser Verhältniß zu Oester- reich an Herzlichkeit nach wie vor nichts zu wünschen übrig läßt und daß namentlich unsere Beziehungen zu Rußland sich wiederum vollständig geklärt £n'[’ lauteten dafür bte Steuerungen be« Fürsten über bie beutschffranzösi- (djen Beziehungen um so ernster. Bismarck hob hier bie Unbestänbigkeit ber inneren französischen Verhältnisse immer roieber hervor unb trotz ber frieblichen Gesinnung ber gegenwärtigen französischen Regierung unb eine« Theiles ber ftanzösischen Ration bebeute jene Unbestänbigkeit eine stete Drohung für uns Etndringttch warnte der Kanzler vor einer Vertrauensbuselei, er betonte, baß Frankreich unaufhörlich aus Elsaß-Lothringen blicke, baß er früher ober später gur Wtebergewinnung beffelben einen neuen Kampf wagen würbe, eventuell selbst ohne BunbeSgenossen und daß wir im Falle eines französischen Sieges unbarm- herzig au« der Reihe der großen Ration gestrichen werden würden. Gegenüber Lieser stetig von Westen her drohenden Gefahr rnüffe Deutschland auch stetig gewappnet fern unb bte« in ausgedehntestem Maße unb deshalb müsse die Regie- lung unbedingt am Septennat sesthalten. 11 y
auch bie Abgg. Richter unb Windthorst, wie auch Buhl, hielten ihrem Stand, punkt entsprechende Reden, ohne daß an diesem Taae eiu »a Ä Militär-Vorlage gezogen werden konnte. Man ermattete von ber^reLnafih,b e ein entscheidende« Resultat, welche« denn auch der ftafl mnt >C h ! 04^ 3 bie Majorität ben Antrag Stauffenberg auf breijäNge BewiMa
Auflösung be« Reichstag«0 wurde unmittelbar nach Lahme L i 7 ' ®e spr°ch-n. Bereits im Laufe be. gestrigen Nachmittag« wurde eine taÄ Verordnung proclamirt, welche die Neuwahl de,Reichstags aufden"21 SS zercyen nicht bezweifelt werden. an
Reichstag.
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der der darauf folgenden Abstimmung über den Antraa Stauffenb?^ h„r
namentliche war, wurde die Forderung, fcie’gdeben«"räWtärfcauf3^abre feft.n- fiellen, mit 186 Stimmen (Centrum, Deutschfreisinniae Welkend necum ir? U' (Conseroative und NAionalliberale) angenommen, 28' Mitglieder enthielten sick^^der Abstimmung Abg. Graf Moltke oersprach sich bei dieser 7nd stimmte Ke sLn m Ja, also mit der Opposition, sein Votum natürlich sofort verbessernd Der sHnrnnim erregte Minutenlange, schallende Heiterkeit, in die der Feldmarschall herrlich Hnftimmt«? b,r „Danach fand di- Abstimmung über den enlfcbdÄ * 1 ^der Vorlage statt' bn Sliftrh Berücksichtigung des soeben gefaßten Beschlusses, die Friedenspräscnistärke' sch-n will.° ' 3ie9,trUn8 c-nwß, -us 468,000 Manu, aber für drei J-H?e fest- stimmung. 183 ^"tglt-d-r mit Ja, 154 mit Nein, 31 enthielten sich der Ab- erklSrt^" bCm Augenblicke, wo der Präsident den $ 2 der Vorlage aufrufen will,
Re Migtt7d7°r^b^s^' bCm 5aUfC Cine K°'s-rlich° Botschaft mitzutheilen. c. m Fürst Bismarck verliest darauf die Botschaft Sr. Majestät des Kaisers die die Verhandlungen des Reichstags als beendet und den Reichstag für aufaelöff erklärt
Präsident v. Wedell-Ptesdorf: Wir aber trennen »n« mit e™ .c. ©c. Majestät, unser allergnädigster Kaiser und Herr, er lebe hoch. U C ‘
Bewegung Ä!”“" brdmat ‘n bi-s-n Ruf ein und gehen dann in großer
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®ie6enr am 15. Januar 1887. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
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